Bereinigtes Volltext-Transkript. Sprecher-Trennung, thematische Sprungmarken.
Begrüßung und Einordnung
Eric: Und die haben dann gesagt: Nein, Bitcoin, davon habe ich schon gehört, das kann ich nicht eintragen. Und da habe ich mich dann wirklich hingesetzt und bei der Finanzmarktaufsicht drei- bis viermal in der Woche angerufen. Und die haben gesagt: Nein, dafür braucht es kein Gewerbe anzumelden, das passt nirgendwo rein. Und dann musste sie es eintragen, und dann ging es los. Aber das ist so eine Anekdote, wo du sagst: Ich warte einfach nicht. Ich sage auch zu meinen Leuten: Wir warten nicht auf andere Menschen. Wir machen das. Weil andere Leute auf der Welt auch nicht warten.
Christian: So, hallo Eric.
Eric: Hi.
Christian: Und die musst du kurz vorstellen – Piccolina.
Eric: Piccolina, genau. Die ist nicht immer dabei. Das Lustige ist: Ich habe heute schon zwei Podcasts hinter mir, ich mache einen Business-Cast mit Christian Woll, wir machen heute fünf Folgen, zwei haben wir schon weg – und sie ist immer dabei. Normalerweise sitzt sie bei mir immer auf dem Schoß, deswegen ist sie das Podcasten gewohnt.
Christian: Sehr sympathisch. Ja, herzlich willkommen zum Tell Your Story Podcast, dem Podcast über Macher und Macherinnen. Ich glaube, jeder kennt den Spruch vom Tellerwäscher zum Millionär – bei dir ist es eigentlich eher andersrum. Spaß. Also: Gründer und Unternehmer, aufgewachsen in Hamburg, naja, sagen wir im Norden.
Eric: Im Norden, im Norden.
Christian: Und über Poker zum Thema Bitcoin gekommen?
Eric: In Österreich. So habe ich auch Adil kennengelernt, der hier das ganze Event macht. Adil kenne ich schon seit 20 Jahren. Vor 20 Jahren hat er Professional Poker gespielt – vielleicht hat er das noch niemandem verraten, jetzt wissen wir es. Und ich war da auch so ein bisschen mit drin, weil meine ganzen Freunde alle professionell Poker gespielt haben. Ich habe so ein bisschen das Transaction Management für die gemacht. Und es ist lustig, wie sich die Wege wieder kreuzen. Man sagt ja, man sieht sich immer zweimal im Leben. Wir waren nie komplett aus den Augen verloren, aber dann mal so zehn Jahre nicht. Und jetzt ist er super erfolgreich geworden, wir kennen die gleichen Leute, sind über Social Media in Kontakt geblieben. Und siehst du, heute sind wir wieder hier.
Christian: Und heute wieder hier. Also: Eric Demuth, Co-Founder von Bitpanda. Das Beachtliche finde ich auch persönlich – gerade bei Lexware lieben wir die Unternehmer und Unternehmerinnen –, es gibt so wenige, die so etwas Tolles geschafft haben: eine der größten Krypto-Plattformen Europas.
Eric: Oder auch Aktien, das generell. Alles, was drumherum geht.
Christian: Ich würde gern heute über dich als Mensch sprechen, als Unternehmer – neben dem, dass man in einem Gespräch heute KI fast nicht auslassen kann. Wir sind schon ein bisschen warm. Trotzdem will ich gern eine kleine Wortpaar-Frage machen, so ein Entweder-oder. Da kann man nicht falsch liegen. Probieren wir es?
Eric: Ja.
Wortpaare zum Aufwärmen
Christian: Risiko oder Kontrolle?
Eric: Zuerst Risiko, dann Kontrolle.
Christian: Sehr schön. Hamburg oder Wien?
Eric: Oh Gott, das ist eine eklige Frage. Ich habe jetzt 18 Jahre in Wien gewohnt, ich sage Wien. Beide sind für mich die schönsten Städte im deutschsprachigen Raum, aber Wien hat das bessere Wetter.
Christian: Wachstum um jeden Preis oder Profit zuerst?
Eric: Das ist zu absolutistisch, ich glaube, die Mitte macht es. Also nicht nur Wachstum und immer schauen, dass man irgendwann mal Geld verdient – wie es die letzten zehn Jahre oft der Fall war, immer nur Geld ansammeln, egal ob es profitabel wird. Davon halte ich nicht viel. Aber auch nicht nur bootstrappen im klassischen Sinne. Das kommt sehr auf die Industrie an und darauf, was du genau machst. Ab einem gewissen Punkt finde ich es auch wichtig, dass man, wenn man weiß, es funktioniert und es skaliert, sich Gelder reinholt, um besser zu skalieren. Es gibt nicht die pauschale Antwort, das ist sehr individuell.
Christian: Verstehe ich total.
Eric: Ich glaube übrigens, dass durch KI in Zukunft wieder viel mehr gebootstrappt wird als je zuvor. Weil wir mit viel weniger Ressourcen und Manpower Dinge und Prototypen bauen können und es dann erst später zur Kapitalspritze kommt. Wir sprechen intern gern von den Single-Person-Companies, die wir wahrscheinlich bald sehen.
Christian: Gibt es da schon die ersten?
Eric: Die ersten gibt es schon, genau.
Christian: Pokerface oder klare Ansage?
Eric: Klare Ansage, immer. Ich bin aus dem Norden, ich bin früher zur See gefahren, habe Schiffsmechaniker gelernt. Sehr klare Ansage, damit jeder weiß, woran er ist.
Christian: In Europa gründen oder woanders?
Eric: Ach, es ist immer so traurig: Wenn ich heute nochmal gründen würde, dann außerhalb von Europa. Natürlich, wenn du ein Produkt für den europäischen Markt hast, dann musst du das hier machen, ganz klar. Aber wenn du ein Produkt hast, sagen wir aus dem Tech-Bereich, das in den globalen Wettbewerb geht, dann hast du in Europa schlechtere Ausgangspunkte, mehr Gewichte am Bein als woanders. Wenn du aber etwas für Europa baust, dann musst du das lokal machen.
Christian: Darüber reden wir nachher noch ein bisschen, weil das auch unser Ansporn ist, dass mehr in Deutschland gründen. Wir haben ein ganz kleines Plus, mittlerweile 96.000 im Jahr. Aber es ist definitiv ein Thema. KI als Tool oder KI als Partner?
Eric: Schließt sich das aus?
Christian: Du darfst beides sagen.
Eric: Als Partner. Ich finde es super, bei mir ist es voll in mein Leben integriert.
Christian: Haben wir noch mehr? Nein, ich höre auf. Wir sind warm, finde ich.
Vom Schiffsmechaniker zum Studium
Christian: Wir wollen den Podcast immer so aufziehen, dass wir den Simon-Sinek-Talk nehmen, den Golden Circle – Why, How, What. Ich mache gern ein Beispiel. Bei Lexware ist unser Why: Wir wollen Unternehmertum einfach machen, damit vielleicht auch mehr Leute gründen. Wie wir das machen? Einerseits mit unseren Softwarelösungen, aber noch viel wichtiger mit unserem Tell-Your-Story-Format: Wir wollen Unternehmern und Unternehmerinnen Sichtbarkeit geben, damit es Vorbilder gibt – du bist eins – und vielleicht wieder mehr gründen. Und dann kommt das, was wir tun, was keiner so gern hat: Buchhaltung, Rechnungsstellung und so weiter. Mich würde interessieren: Was ist denn dein Antrieb? Du hast gesagt, es gab schon etwas vor dem Schiffsmechaniker. Erzähl mal, was dein Warum ist.
Eric: 2006 habe ich Abitur gemacht – guck mal, so alt bin ich schon, ich habe dieses Jahr 20-jähriges Jubiläum. Danach bin ich zur See gefahren, weil ich ursprünglich Nautik studieren und Kapitän werden wollte. Dann hat mir jemand den Tipp gegeben: Lern doch erst mal Schiffsmechaniker, bevor du studierst, weil du dann alles auf dem Schiff von Grund auf lernst und weißt, wie es dir gefällt. Sonst hast du das Problem, dass du ein paar Jahre studierst und dann aufs Schiff kommst und merkst, das ist gar nichts für dich. Was machst du dann?
Christian: Und das lässt sich ja generell auf andere Bereiche übertragen, es muss nicht eins zu eins Nautik sein.
Eric: Genau. Deswegen habe ich direkt nach dem Abitur Schiffsmechaniker gelernt und bin dann zweieinhalb Jahre zur See gefahren, auf diesen großen Containerschiffen.
Christian: Und hast du dich einfach dafür entschieden, oder kam deine Familie aus der Ecke?
Eric: Wenn du im Norden groß wirst, am Wasser, dann ist das so. Auf jeden Fall habe ich gesagt: Gut, das machst du. Dann habe ich aber relativ schnell gemerkt, nach der ersten Fahrt, nach zwei, drei Monaten: Das ist nichts für mich. Und da habe ich echt gehadert: Machst du weiter, hörst du auf? Aber irgendwie hatte ich damals so eine Reife und habe gedacht: Mensch, du lernst trotzdem so viel, das ziehst du jetzt einfach durch. Ich war für die zweite Reise eingeteilt, musste nach Paris fliegen, dann nach Aqaba in Jordanien, dort aufs nächste Schiff. Und da war ich echt fertig, hatte schon Heimweh, obwohl es noch gar nicht richtig losgegangen war. Da habe ich gedacht: Boah, machst du das jetzt? Und habe echt geheult.
Christian: Wie alt warst du da?
Eric: 19. Und dann haben meine Mitfahrer gesagt: Komm, wir ziehen das jetzt durch. Ab dem Zeitpunkt war es kein Thema mehr. Ich wusste aber ab da, dass es nicht die Zukunft ist, in der ich sein möchte. Und dann habe ich, als ich einen Monat am Stück in Hongkong war, in der Werftzeit, zwei Jungs kennengelernt, die ein Auslandssemester gemacht haben. Das waren Deutsche, die in Maastricht International Business studiert haben. Ich war immer schon sehr zahlenaffin, hatte Leistungskurs Mathe und war immer sehr an Finanzen interessiert. Mit denen habe ich mich super lange unterhalten, wir sind in Kontakt geblieben, sind heute noch Freunde. Der eine hat übrigens auch gegründet und schon einen Exit gehabt. Die haben mir alles erklärt, wie das mit dem Studium geht, und dann habe ich mich da reingefuchst und gesagt: Okay, das mache ich jetzt.
Christian: Welche Zeit war dazwischen?
Eric: Die Schiffssache war insgesamt zweieinhalb Jahre. Im März 2009 war ich fertig und bin dann nach Wien gegangen und habe an der WU Wirtschaft studiert, Schwerpunkt Logistik und Finanzen. Zwischenzeitlich habe ich noch drei Semester Chinesisch studiert, da kann ich heute nichts mehr, das ist alles weg – da war mir mal langweilig. Kurz danach habe ich die Firma gegründet, und dann war mir sehr schnell nicht mehr langweilig. Ich habe eigentlich immer nur nebenbei studiert. Und im Nachhinein muss ich sagen: Ich habe auf dem Schiff so viel mehr fürs Unternehmertum gelernt als im Studium. Für das, was ich heute mache, habe ich im Studium eigentlich nichts gelernt.
Christian: Also egal, was du da an Methoden und gutem Vorgehen gelernt hast, das hat dir nicht geholfen?
Eric: Erst mal war ich glaube ich auch der schlechteste Student überhaupt. Ich habe nie ein Buch gekauft im Studium. Wie habe ich gelernt? Immer eine oder zwei Nächte vorher alte Klausuren und Kontrollfragen online durchgeklickt. Und das hat gereicht. Die meisten Sachen haben mich nicht interessiert, dann hatte ich eine Drei oder eine Vier oder bin durchgefallen und habe es nochmal gemacht. Volkswirtschaftslehre, Makro und so etwas fand ich gut, da hatte ich eine Eins. Aber das waren nur eine Handvoll Sachen, der Rest war: Hauptsache durch. Genau wie in der Schulzeit.
Warum Eric Unternehmer wurde
Eric: Da siehst du schon von der Struktur her: Ich bin auf keinen Fall derjenige, der für eine klassische Laufbahn geeignet ist – Studium, Praktikum, Unternehmensberatung. Da würde ich depressiv werden, das kann ich nicht. Ich bin auch relativ schlecht darin, etwas zu machen, was mir jemand aufträgt. Vielleicht habe ich ein kleines Autoritätsproblem, könnte man sagen.
Christian: Aber auf dem Schiff hattest du ja mit Autorität einiges zu tun, oder? Da brauchst du nicht lange diskutieren.
Eric: Da kriegst du direkt etwas zu hören. Deswegen wusste ich schon: Ich muss etwas Eigenes machen, und das wird wahrscheinlich ein bisschen unorthodoxer sein. So ist es dann auch gekommen. Ich habe das Studium immer als etwas Nebenbei betrachtet. Und wenn man ehrlich ist, habe ich eigentlich für meine Eltern studiert.
Christian: Weil die Eltern wollten, dass der Sohn etwas Vernünftiges macht?
Eric: Die klassische Denkweise: Das musst du so machen, dann kannst du mal bei einem großen Konzern arbeiten.
Christian: Hast du Kinder?
Eric: Ich habe eine Patentochter. Und richtige Kinder, da bin ich noch am Üben.
Christian: Das ist spannend. Ich habe eine Tochter, die ist neun, und ich verstehe jetzt meine Eltern besser. Man fällt schnell in ein altes Denkmuster zurück, sucht die Sicherheit fürs Kind, etwas Vernünftiges – obwohl das eigentlich obsolet ist und man will, dass das Kind etwas macht, woran es Spaß hat. Hatten deine Eltern schon etwas mit Unternehmertum zu tun?
Eric: Nein, gar nicht.
Christian: Wo kommt dieser Schritt dann her?
Eric: Weiß ich nicht. Ich hatte das irgendwie schon immer. Ich musste immer so einen gewissen Antrieb und Drive ausleben. Deswegen wird mir nie langweilig, selbst wenn ich Bitpanda irgendwann mal nicht mehr machen sollte. Ich habe jetzt schon tausend andere Sachen nebenbei, bei denen ich eher sagen muss: Nein, mache ich jetzt nicht. Also immer eher absagen.
Christian: Hattest du mal Angst bei den ganzen Geschichten, gerade bei Gründungen?
Eric: Ich habe 2018 – darüber habe ich schon öfter öffentlich gesprochen – einen Burnout gehabt, aber einen ordentlichen.
Burnout und mentale Gesundheit
Eric: Das hat sich nicht in einer klassischen Depression gezeigt, wo ich nicht aus dem Bett kam, sondern ich habe Angststörungen entwickelt. Das kam eigentlich aus einer Existenzangst, einer Angst vor Unsicherheit, und dann aus einer ganz schlechten Art zu denken, indem ich immer nur Probleme gewälzt habe. Da kommst du in einen schlechten Kreislauf: Du liegst nachts lange wach, hast Sorgen, schläfst schlechter, hast zu wenig geschlafen, das machst du mehrere Tage, und dann geht alles runter. Dein Kortisolspiegel steigt, du kriegst körperliche Symptome. Ich hatte irgendwann eineinhalb Jahre lang ein Muskelzucken hier, alle drei Sekunden, 24 Stunden am Stück. Das sind so viele kleine Dinge, und du kommst in einen Teufelskreis.
Christian: Wie bist du wieder rausgekommen? Wir haben letztes Jahr zusammen mit We Create eine Studie gemacht, weil ja viele Creator und Creatorinnen diese Stresssymptome kennen.
Eric: Das ist ja kein bloßes Stresssymptom, das ist eine ernste Krankheit, in die man reinfällt.
Christian: Genau. Wir haben über 50 Menschen interviewt, die alle sehr erfolgreich waren und zwischen 3.000 und 150.000 im Monat verdient haben.
Eric: Über 25 Prozent hatten Burnout. Das ist eine Quote, die wir aus dem klassischen Unternehmertum so nicht kennen. Bei mir ging es nicht darum, dass ich viel gearbeitet habe – ich habe danach in den Jahren noch viel mehr gemacht als damals. Ich wusste nur nicht gut damit umzugehen. Es war eine Art Überforderung, nicht die Masse, sondern wie ich darüber nachgedacht habe und dass ich mich viel zu stark immer wieder nur auf Probleme fokussiert habe. Das war kein gesundes Reflektieren, um Probleme zu lösen, sondern reines Probleme-Wälzen. Dadurch wird es immer schlechter. Das musst du einmal lernen. Mit einem guten Umfeld, das dich supportet, geht das. Ich habe auch unfassbar tolle Mitgründer.
Christian: Wer hat dir da geholfen?
Eric: Meine Mitgründer, meine damalige Freundin, auch die Familie. Interessanterweise habe ich schon vorher, bevor das kam, regelmäßig Psychotherapie gemacht – nicht, weil ich etwas Akutes hatte, sondern weil ich den Tipp bekommen hatte: Das hilft dir, weil du so viele neue Sachen in deinem Leben hast, Dinge richtig einzuordnen und in deinem eigenen Wachstum. Dadurch konnte ich relativ früh daran arbeiten. Und irgendwann war der Punkt, an dem ich diesen Teufelskreis einmal durchbrechen musste, das habe ich mit ärztlicher Unterstützung hinbekommen. Dann kam irgendwann die Rationalität wieder rein, und es hat einen Schalter umgelegt, an dem ich gemerkt habe: Es ist einfach Quatsch, was du hier im Kopf machst. Danach ging das alles wieder, und ich konnte wieder ganz normal arbeiten. Vorher ging es teilweise körperlich einfach nicht.
Christian: Aber es war das Umfeld, das dich da rausgeholt hat.
Eric: Ja. Es sind viele kleine Puzzleteile. Das Wichtige ist: Es ist nicht mit sich selber auszumachen, weil das Mit-sich-selber-Ausmachen ja der Grund ist, warum du überhaupt reingekommen bist – die eigenen negativen Gedanken, die du immer wieder im Kreis drehst. Also professionell jemanden zu haben, mit dem du das sortieren kannst, der dafür ausgebildet ist, ist ein ganz wichtiges Fundament. Ich sage immer gern: Das ist ein Investment in sich selbst, es ist wie ein Fitnessstudio, das Gym für die Seele.
Christian: Das ist super reflektiert. Du hast dich also schon vorher damit beschäftigt.
Eric: Da sind zwei unterschiedliche Dinge gemeint: Der eine ist quasi der Arzt, der auch Medikamente verschreiben kann. Der andere arbeitet in der Psychotherapie mit dir zusammen und renkt sozusagen wieder ein.
Christian: Haben das deine Mitgründer auch erlebt oder war das nur bei dir?
Eric: Die haben es nicht so erlebt, waren aber super supportive. Ich habe da wahnsinniges Glück, das muss man ganz klar sagen. Die Firma gibt es jetzt seit zwölf Jahren, wir arbeiten seit fast 13 Jahren daran. Die beiden sind wie Familie, auch wenn wir privat sehr unterschiedlich sind und nicht viel zusammen unternehmen. Aber ich kann mich blind auf sie verlassen, da ist eine unglaubliche Vertrauensbasis. Und zur damaligen Zeit war das genauso, es war nie ein Thema. Sie haben einfach krass supportet, das war großartig.
Christian: So etwas kann ja auch zum Bruch führen, gerade wenn einer in der Anfangszeit ausfällt.
Eric: Wir waren da aber schon vier Jahre dabei, das war keine Anfangszeit mehr. Die ersten zwei Jahre sind immer ganz ätzend, das kann man so sagen. In den ersten zwei Jahren wäre es vermutlich nicht so gut gewesen.
Die Gründung von Bitpanda
Christian: Um darauf zurückzukommen: Kam die Gründung durch das Pokerspielen? Du musst ja irgendwo einen Knackpunkt haben. Und Krypto ist ja super reguliert, ihr wart unter den Ersten, die über die Lizenzen gekommen sind. Das ist etwas, wo die meisten sagen: Lass es.
Eric: Das sind jetzt zwei Themenfelder. Zum einen, ehrlich gesagt: Poker hat mir sehr viel gebracht, weil du beim Poker lernst, nach Erwartungswerten zu denken. Du triffst eine Entscheidung und schaust dir im Nachhinein an, ob sie gut oder schlecht war – nicht aufgrund des Outcomes, also ob du gewonnen oder verloren hast, sondern aufgrund der Wahrscheinlichkeit. Beim Poker kannst du alles in Prozenten einsortieren: Du weißt zwar nicht, welche Karte kommt, aber anhand dessen, was noch da ist, bist du zum Beispiel zu 55 Prozent vorne. Das bedeutet, die Entscheidung war richtig. Ich kann zu 60 oder 70 Prozent die richtige Entscheidung getroffen haben und trotzdem viermal hintereinander einen schlechten Ausgang haben, das ist die Varianz. Aber wenn wir die gleiche Entscheidung 1.000- oder 10.000-mal am Stück hätten, dann sind wir sehr genau bei 70 Prozent. Diese Denkweise habe ich da gelernt, durch meine Freunde, durch das Pokerspielen online.
Eric: Dann wollten wir mit einem anderen Freund mal ein Projekt machen, eine Art Crowdfunding-Plattform. Das ist nicht richtig etwas geworden, aber da habe ich schon Erfahrungen gesammelt: wie man eine GmbH macht, wie man so etwas startet, wie man mit Behörden umgeht. Und ich akzeptiere einfach kein Nein, wenn es keinen rationalen Grund dafür gibt. Wenn es klare Vorgaben oder physikalische Gesetze gibt, dann ist es so, dann nimmt man einen anderen Weg. Aber wenn es nur heißt: Das haben wir so noch nicht gemacht, das kennen wir nicht – dann ist das für mich kein Grund. Dann ist es eben das erste Mal.
Christian: Wie war das aufgeteilt, hattet ihr verschiedene Leute?
Eric: Paul und ich haben am Anfang alles gemacht. Christian ist der technische Co-Founder, quasi Architekt und Baumeister in einem. Und Paul ist einer der smartesten Menschen, die ich je getroffen habe, der wahnsinnig schnell denkt. Ich bin dann der Terrier, der sich festbeißt: Das ziehen wir jetzt durch, ein bisschen größer, schneller, weiter. Das war immer eine gute Kombination. Wir hatten alle kein Geld und haben gesagt: Die GmbH-Gründung machen wir ganz zum Schluss, wenn wir den Prototypen schon haben, damit wir live gehen können. Daran haben wir ein halbes Jahr lang gebaut. Als wir dann fertig waren und die GmbH eintragen wollten, gibt es in Österreich die Diplom-Rechtspfleger. Und die hat gesagt: Nein, Bitcoin, davon habe ich gehört, das kann ich nicht eintragen.
Eric: Aber was willst du dagegen machen? Wenn sie es nicht einträgt, ist die GmbH nicht eingetragen. Also habe ich es an die Finanzmarktaufsicht gegeben, das ist quasi die BaFin in Österreich. Ich wusste von einem früheren Fall, dass wir auf eine Anfrage mal ein Jahr und einen Monat auf Antwort gewartet hatten. Das wollte ich auf keinen Fall wieder. Also habe ich mich hingesetzt und drei- bis viermal in der Woche angerufen, bis sie irgendwann sagten: Herr Demuth, ich weiß schon Bescheid. Nach neun Wochen kam die Antwort: Wir sind nicht zuständig, dafür gibt es keine Regelung, das passt. Dann ging es zurück an die Dame, die es persönlich genommen hatte. Dann hieß es bei der Gewerbebehörde, das gehe auch nicht. Das gleiche Spiel habe ich bei der Gewerbebehörde gemacht, die waren schneller, nach zwei Wochen kam die Antwort: Nein, dafür braucht es kein Gewerbe anzumelden, das passt nirgendwo rein. Und dann musste sie es eintragen, und dann ging es los.
Christian: Ist das Ausdauer? Oder ist es Mut, an etwas heranzugehen, wo die meisten sagen: Kann man vergessen?
Eric: Es ist, glaube ich, eine starke Hartnäckigkeit und eine Resilienz, die du dir angewöhnst. Ich habe für mich eine Antwort gefunden, und der andere muss mir erst beweisen, dass ich falsch liege. Wenn er das schafft, dann akzeptiere ich es, dann finden wir eine andere Lösung oder müssen das Projekt canceln. Aber wenn nicht, dann setze ich mich durch.
Wachstum, Krise und der harte Schnitt
Christian: Wie viele Leute wart ihr zu der Zeit, als du den Burnout hattest, also nach den vier Jahren?
Eric: Zur damaligen Zeit kann ich gar nicht mehr sagen, wie viele es waren, vielleicht so 18 bis 100 Leute, eher weniger. Heute sind wir 900.
Christian: Und wie wird bei Bitpanda geführt? Ist es der Stil, den du beschreibst, Geschwindigkeit zuerst?
Eric: Geschwindigkeit ist sehr wichtig, ja, aber es ist sehr unterschiedlich. Ich bin auch kein CEO mehr, bis letztes Jahr im August war ich das. Ich bin schon das Jahr davor immer stärker zum Außenminister geworden. Meine Rolle hat sich mit jedem Jahr in der Firma geändert.
Christian: Also fällt dir Loslassen leicht?
Eric: Von außen sieht es so aus. Aber das Schwierige ist: Wenn du am Anfang die ersten Jahre alles zu dritt machst und dann Leute reinkommen, mit denen du arbeiten und an die du Sachen komplett übergeben musst, ist das sehr schwierig und braucht viel Zeit, auch Trial and Error. Dann gibt es den Schritt bis 20 Leute, dann bis 50, dann die schwierige Phase von 50 bis 100, wo du wirklich lernen musst, mehr abzugeben. Wenn du das jahrelang gemacht hast, ist das Rausgehen nicht easy. Aber sobald du es einmal hinbekommen hast, ist es gut. Die Gefahr ist, wenn du dann zu schnell wächst, wie es bei uns der Fall war – von 300 auf 1.000 in ein, zwei Jahren. Das war viel zu schnell, da verlierst du den Überblick und wirst in manchen Bereichen zu sehr abgekoppelt, wo du eigentlich noch involviert sein solltest.
Eric: 2020 und 2021 hatten wir drei Fundraisings und haben insgesamt rund 500 Millionen Euro aufgenommen. Eine krasse Zeit, unfassbares Wachstum, du kommst aus der Covid-Zeit. Auf der ganzen Welt gab es immer das Stichwort „War for Talent“. Jeder hat versucht, wie bescheuert einzustellen – im Nachhinein wirklich bescheuert. Aber zur damaligen Zeit haben das alle gemacht, schau in die USA: Microsoft, Meta, Google. Alle haben zu schnell zu viele Leute eingestellt, das war für alle Beteiligten super ungesund. Dann kam 2022, im März der Beginn des Ukraine-Kriegs. Du kamst aus einer Negativzinszeit, in der du der Bank Geld geben musstest, und drei Monate später gab es den schnellsten Zinsanstieg der Welt. Auf einmal war nichts mehr von den Plänen, die wir davor gemacht hatten, wie zuvor, das ging sämtlichen Firmen weltweit so.
Eric: Dann haben wir von unseren US-Investoren einen sehr guten Rat bekommen: Wenn so etwas passiert, schau, dass du einmal einen Significant Cut machst, einmal Layoffs – auf keinen Fall mehrfach. Sehr viele haben das falsch gemacht, und ich bin sehr froh über den Tipp. Wenn du erst 10 Prozent abbaust, drei Monate später nochmal 10, ein halbes Jahr später nochmal, dann passiert bei deinen Mitarbeitern mental Folgendes: Sie haben immer einen Unsicherheitsfaktor, können nie frei arbeiten, und die besten Leute, die sich das aussuchen können, verlassen dich. Also machst du einmal den harten Cut, reißt einmal das Pflaster ab, so makaber das klingt. Dann hast du drei, vier Monate Unruhe, und danach können alle wieder anfangen zu arbeiten, ein neuer Start.
Christian: Wie sah der Cut aus?
Eric: Es waren knappe 30 Prozent, glaube ich. Aber mein Punkt ist: So krass wäre dieser Cut nie gewesen, wenn nicht in den Jahren davor dieses Extreme gewesen wäre, wo weltweit so überhired wurde, was wir mitgemacht haben – und dann ein Jahr später der komplette Cut in die andere Richtung. Das hat es so schnell und so krass gemacht, aber nicht nur bei uns, in den USA war es genau das gleiche Problem. Das war glaube ich das größte Learning und für alle Beteiligten sehr schwierig. Aber danach war es das Gesündeste, was der Firma passieren konnte, weil wir da richtig erwachsen geworden sind. Wir haben es aus eigenem Antrieb geschafft, ohne neues Geld aufzunehmen, das komplett umzudrehen. Wir waren nur 2022 negativ. Seit 2016 beziehungsweise 2017 sind wir jedes Jahr außer 2022 profitabel gewesen, selbst 2023, als die ganze Industrie unten war. Das war gleichzeitig die größte Krise und langfristig unser größter Erfolg.
KI als Hebel und Abschluss
Christian: Das kann ich nur bestätigen, das war ein War for Talent überall. Da kann man fast einen Bogen zu KI schlagen: Wie wirkt sich KI gerade auf die Menschen aus, und was heißt das für eine Firma wie eure?
Eric: Wir haben eine Schweizer Holding über den ganzen Countries. Der Aufsichtsrat in der Schweiz ist eine Executive Role, das heißt, ich bin noch voll im Unternehmen drin, sehr zum Leidwesen unseres CEO. Wir arbeiten schon seit sechs Jahren zusammen, der ist abgehärtet und weiß, wie ich spreche. Es gibt eine Handvoll Leute, mit denen spreche ich einfach so, wie ich es auf dem Schiff gelernt habe. Mit anderen natürlich nicht.
Eric: Man sagt ja immer: KI und dann gibt es weniger Arbeitsplätze und Stellenabbau. Bisher kann ich das nicht bestätigen, bei uns sind dadurch keine Arbeitsplätze weggefallen, im Gegenteil, es ist eine unfassbare Effizienzsteigerung. Ich gebe dir ein paar Zahlen: Wir haben ein paar hundert Developer, und alle arbeiten seit Anfang des Jahres beim Coden mit KI. Wir haben eine Output-Steigerung von 154 Prozent, rein bei den Programmierern.
Christian: Kam das von den Entwicklern, oder hast du als CEO reingewirkt?
Eric: Wir hatten wahnsinniges Glück, weil wir vor etwa zwei Jahren eine Entscheidung getroffen haben: Unser technischer Co-Founder, mit dem ich gegründet habe, der auch Christian heißt, ein fleißiger, bodenständiger Typ und einer der besten Tech-Leute in Europa, ist nicht die größte Granate, um ein paar hundert Leute zu managen, aber super darin, Tech voranzutreiben. Er wurde quasi unser Chief Scientist Officer und hat vor zwei Jahren angefangen, sich ein Team aufzustellen und nur AI zu machen, also unser AI-Team aufzubauen. Dafür haben wir damals schon 10 Millionen zur Verfügung gestellt. Das haben wir also seit fast zwei Jahren. Die haben interne Prozesse und Operations mit AI optimiert, einfach effizienter und schneller gemacht. Dadurch haben wir seit zwei Jahren ein krasses Know-how in der Firma, von jemandem, auf den alle hören und der ein Role Model ist.
Eric: In jedem Unternehmen ist es so: Du sagst, fang doch an, mit AI zu coden, und die Antwort ist erst: Lass mich mit dem Zeug in Ruhe, ich mache das seit Jahren so, ich habe einen Task in fünf Minuten fertig und nicht in einer Viertelstunde Diskussion mit der KI. Aber du brauchst immer den Aha-Effekt. Die Teams gehen hin und zeigen, wie die anderen Teams Probleme lösen. Und jeder, der einmal diesen Aha-Effekt hatte, sagt: I’m in. Dann musst du niemanden mehr überzeugen.
Christian: Das finde ich ganz wichtig. Wir brauchen Vorbilder im Unternehmertum, aber auch intern in größeren Organisationen. Eine Frage noch: Was wir manchmal sehen, ist, dass der Anspruch an die KI sehr hoch geht, sie soll plötzlich 100 Prozent können, was man selbst im Team gar nicht erreicht hat.
Eric: In der Softwareentwicklung ist es so, dass die Leute sehr viel vorbereiten und Code quasi zur Commodity wird. Code wird in einer absurden Geschwindigkeit geschrieben, und die Nachbereitung, das Reviewen, ist dann etwas mehr Aufwand. Aber das bringt eine krass anregende Geschwindigkeit. Wir haben jetzt einen Test gemacht mit einem kleinen Team, das komplett ausgekapselt wird und rogue geht: Die bekommen ein Projekt, und wie sie es umsetzen, ist egal, die machen Vollgas-AI und probieren aus, wie ein Testpilot. Da bin ich sehr gespannt, wie schnell die so etwas umsetzen, denn das ist ein Projekt, das ich seit ungefähr vier Jahren haben möchte, für das aber nie die Ressourcen da waren. Durch AI-Coding werden so viele Sachen, die immer nach hinten geschoben werden, Optimierungssachen, die seit einem Jahr im Backlog sind, auf einmal weggearbeitet. Das ist genial. Ich sage aber auch: egal in welchem Bereich, AI first.
Eric: Vergleiche es mit Ende der 90er, als das Internet kam: Entweder du bist jetzt vorne dran und lernst, damit umzugehen, und jeden Monat kommt etwas Neues – dann bist du in ein, zwei Jahren auf einem Level, von dem andere nicht mal träumen. Und andere machen es nicht. Das ist ein Riesenhebel. Man ist ja auch als Angestellter ständig im Wettbewerb mit anderen. Es ist wirklich Ausprobieren, Learning by Doing. Es gibt nicht das eine: Ich mache jetzt einen Kurs und dann mache ich das nachher. Sondern probiert Sachen aus, dann kommst du vom einen zum nächsten. Ich habe einen Freund, der gar nicht aus dem Tech-Bereich kommt und mit seinem Job unzufrieden ist. Ich habe gesagt: Eigne dir diesen Skill an. Und was mache ich damit? Das kann ich dir nicht sagen, niemand weiß es jetzt, aber ich verspreche dir eines: Sobald du verstehst, mit diesen Tools umzugehen, kommst du von ganz allein auf die Ideen. Du fängst mit den banalsten Sachen an, und irgendwann geht dir ein Licht auf.
Christian: Das spricht mir aus dem Herzen, das sagen wir auch den Unternehmern und Unternehmerinnen, die oft Solo-Selbstständige ohne Mitarbeiter sind. Die KI kann da fast zum Co-CEO werden. Aber es gibt noch nicht diese Role Models. Es gibt nur eins: machen, machen, machen, keine Angst davor haben.
Eric: Es gibt aber auch ein geiles Negativbeispiel. Schau dir mal LinkedIn heute an. Im Februar gab es einen großen Hype um KI-Bots, die untereinander auf einem eigenen Social Network gequatscht haben. Mach LinkedIn heute auf, dann ist es nichts weiter geworden als eine Pinnwand für KI-Texte, und darunter sind die Kommentare wieder KI-Texte. Im Prinzip übertragen die Account-Besitzer nur die KI-Texte, und eigentlich unterhalten sich KIs untereinander.
Christian: Das ist immer die Frage, ob es so ein Pendel ist, das sich wieder einschwingt. Jede Technologie hat leider auch eine Schattenseite. Aber vielleicht ist es auch so, dass Menschen partizipieren können, die vorher nicht so gut texten konnten.
Eric: Ja, aber wenn man ein bisschen drin ist, siehst du sofort, was ein KI-Text ist. Auch wenn es schwerer geworden ist, ähnlich wie bei Bildern.
Christian: Ich würde gern noch viel mehr fragen, was du mit KI machst, aber ich muss langsam auf die Zeit gucken. Hast du selbst angefangen?
Eric: Ich habe zum Beispiel den ganzen Februar fast eingesperrt verbracht. Ich kann gar nicht coden, ich habe nie coden gelernt, gar nichts mit Informatik. Ich habe mich hingesetzt und selbst angefangen, damit Ideen und kleine Projekte zu machen. Auf einmal merkst du: Es funktioniert. Nach ein paar Stunden hast du 15.000 Zeilen Code, drückst nochmal, und es funktioniert. Ich habe da Anbindungen gemacht und kleine Trading-Bots gebaut, alles ganz unnötige Sachen. Das ist ein Skill, und deswegen bin ich ein großer Fan davon, dass die Führungskräfte, die C-Levels, das selber machen, egal wie groß das Unternehmen ist. Du kannst nicht von anderen verlangen, mit KI zu arbeiten, wenn du es nicht vorlebst. Und wenn die Programmierer sehen, dass der Typ, der vorher kaum sein Textprogramm bedienen konnte, auf einmal selbst eine kleine App gebaut hat, dann glauben sie es.
Christian: Da bin ich völlig bei dir, mache ich auch. Man kann plötzlich Dinge tun, die man vorher nicht konnte. Eine Abschlussfrage, die ich immer stelle: Wenn über dich ein Film gedreht werden würde, was wäre der Titel?
Eric: Keine Ahnung. Das sind so narzisstische Schminkdosen.
Christian: Nein, das sehe ich nicht so. Du bist ein Vorbild als Unternehmer, auch mit deinen beiden Mitgründern.
Eric: Das Einzige, worauf ich Wert lege, unabhängig von so einem Film, ist: Ich finde es sehr wichtig, dass Menschen sich nicht so schnell abschrecken lassen – von Bürokratie, von großen Strukturen, von „das haben wir noch nicht gemacht, das können wir nicht“. Einfach ein bisschen Naivität reinbekommen und sagen: Probieren wir es aus, was soll schon passieren? Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ich eine Erfahrung gesammelt habe, die ich sonst nie gemacht hätte und auch theoretisch nicht lernen kann.
Christian: Das ist doch super, was du beschreibst. Das ist Unternehmertum. Wir sagen immer: einfach machen.
Eric: Einfach keine Angst davor haben. Das Wichtige ist, nicht Angst davor zu haben, was sein könnte, vor der Unsicherheit, vor dem Scheitern. Sondern Vertrauen in die eigene Fähigkeit zu haben, das ist die wirkliche Sicherheit im Leben. Es ist nicht der Karrierepfad, denn auf einmal kommt irgendeine krasse KI-Anwendung, und dann gibt es das Unternehmen, in dem du bist, vielleicht gar nicht mehr. Das ist nicht dein Verschulden. Aber du selbst bist die Sicherheit, deine Fähigkeit. Das lernen wir in der Schule nicht, da werden wir eher zu Robotern ausgebildet. Wir müssen lernen zu sagen: Wir sind die Sicherheit, und egal wie sich die Welt verändert, wir sind anpassungsfähig und gestalten die Veränderung mit.
Christian: Ja, vielen, vielen Dank. Hat mega Spaß gemacht, wir hätten noch echt weiterreden können, aber die Zeit ist leider rum. Ich danke dir vielmals, dass du so offen über dich erzählt hast. Ich hoffe, die Zuhörer nehmen mit: einfach machen. Scheitern gehört dazu, aber loslegen ist das Erste und Wichtigste. Ganz lieben Dank, Eric.
Eric: Ja, vielen Dank.