Insa Keilbach gestaltet in Freiburg Marken und bindet unter dem Label ECHO BOOK Notizbücher von Hand, gibt Workshops und verkauft Buchbinde-Sets. Das eine trägt sie, das andere kostet bisher mehr, als es einbringt. Warum macht sie trotzdem weiter?
Zwei Standbeine und ein langsames Handwerk
Insa, du machst Brand- und Grafikdesign und bindest unter dem Label ECHO BOOK Bücher von Hand. Wie erklärst du in einem Satz, wer du bist und von wo aus du arbeitest?
Ich bin gelernte Brand- und Grafikdesignerin, lebe seit vielen Jahren in Freiburg und verbinde meine Arbeit für Marken mit meiner Leidenschaft für Papier und Handwerk. Arbeiten tue ich hauptsächlich aus Freiburg, teils von zu Hause, teils aus dem Coworking Space im Grünhof, seit gut zwei Jahren.
Bei ECHO BOOK bindest du jedes Buch mit der Hand. Warum dieser langsame Prozess?
Wenn du Dinge mit den eigenen Händen tust, hast du noch einmal eine andere Verbindung zu ihnen. Das ist etwas ganz anderes, als wenn du am Rechner sitzt und Maus und Tastatur bedienst.
Ein Buch zu binden ist ein extrem langsamer Prozess, der sehr entschleunigt und erdet.
Und am Ende ist es wahrscheinlich etwas ganz Egoistisches: Ich mache es, weil mir die Sache selbst Spaß macht und weil ich eine Freude daran habe, schöne Dinge zu schaffen und mit anderen zu teilen.
Der Verdienst treibt dich also nicht.
Nein. Es ist nicht Erfolg oder Verdienst, der mich hier antreibt, sondern der Wunsch, etwas Schönes in die Welt zu bringen und das mit anderen zu teilen und diese Freude und Wertschätzung an einem jahrhundertealten Handwerk Menschen weiterzugeben. Ich glaube, man darf sich hier auch keine Illusionen machen: Handmade Labels gehen selten von einem auf den anderen Tag durch die Decke, gerade wenn sie sich mit einem solchen Nischenprodukt beschäftigen wie Notizbüchern. Zuerst einmal muss man Sichtbarkeit erhalten, und die wächst eben über die Zeit, sodass du Schritt für Schritt immer mehr Menschen erreichst, die Interesse an deinen Angeboten haben.
Der Weg zum eigenen Label
Wie ist ECHO BOOK entstanden?
2012 habe ich einen mehrtägigen Buchbindekurs in Michigan, USA, gemacht, während meines Auslandssemesters. Seitdem binde ich meine Tagebücher und Notizbücher immer selbst. Vor zwei Jahren habe ich mich dann aus einer Laune heraus gefragt, ob ich daraus nicht ein eigenes Handmade Label machen könnte und einerseits durch schöne Produkte und andererseits durch Workshops und Buchbinde-Sets die Freude am Machen und Werkeln in die Welt tragen könnte. Und ich habe entschieden: Ja. Und einfach angefangen.


Und der Weg in die Selbstständigkeit?
Ich habe an der DHBW Ravensburg Mediendesign studiert und dann meinen Master in Eco-Social Design in Bozen gemacht. Die Selbstständigkeit lief über ganz viele Jahre nebenher, meist neben einer Teilzeitfestanstellung, wie zuletzt bei RECUP, dem größten Mehrwegsystem für die Gastronomie. Schließlich habe ich gemerkt, dass die Selbstständigkeit immer mehr Raum einnimmt, mich immer besser trägt und dass ich bereit bin für etwas Neues.
Was war die größte Hürde auf dieser Strecke?
Bei ECHO BOOK sicherlich die Steuererklärung, bei der ich gemerkt habe: Oh wow, ich habe ungefähr dreimal so viel ausgegeben wie das, was reingekommen ist. Aber ehrlicherweise hatte ich das auch erwartet und daher war der Punkt, an dem ich gedacht hätte, ich schmeiß das hin, eh nicht erreicht. Und für mich gilt weiterhin: Es ist genügend intrinsische Motivation da, ECHO BOOK weiterzuentwickeln und es als Projekt zu sehen, das zwar aktuell wenig finanziell zurückgibt, aber dafür auf vielen anderen Ebenen sehr erfüllend ist.
Sichtbarkeit ausprobieren und Aufträge ablehnen
Was hast du unterwegs gelernt, das du vorher nicht wusstest?
Dass so ein Handmade Label ganz viel Ausprobieren bedeutet, insbesondere was die Werbekanäle betrifft und die Frage: „Wo mache ich mich sichtbar?“ Ich habe gemerkt, dass ich definitiv weniger Zeit in Instagram stecken werde, weil für das, was ich dort geteilt habe, viel zu wenig zurückkam. Meine Energie ist woanders besser investiert, auch weil mir Instagram selbst wenig Freude macht. Und vielleicht kam damit auch die Erkenntnis, dass man nicht jedem Business-Ratschlag folgen muss, sondern auch danach entscheiden darf, was einem selbst entspricht.
Im Design arbeitest du bewusst im öko-sozialen Bereich. Wann hast du zuletzt einen Auftrag abgelehnt, weil er nicht dazu passte?
Vor kurzem wurde ich über LinkedIn von einem Recruiter angeschrieben, für eine Position als Senior Graphic Designer bei Amazon Visuals. Da habe ich mir gleich gedacht: Ich glaube, das ist kein Fit. Und zwar nicht, weil man nur für Unternehmen arbeiten darf, die perfekt sind, sondern weil ich merke, dass ich meine Zeit und meine Arbeit für Projekte und Menschen einsetzen möchte, bei denen die Wertebasis mit meiner übereinstimmt oder die für etwas einstehen, das ich für sinnvoll halte.
Die Buchbindekurse und ihre Teilnehmenden
Was bekommt jemand, der einen Buchbindekurs bei dir bucht?
Die Kurse sind auf vier Stunden angelegt. In einer kleinen, persönlichen Gruppe von maximal sechs Teilnehmenden bekommst du alles an Werkzeugen und Materialien an die Hand, um dir ein A5 Hardcover Notizbuch zu binden. Es wird gefalzt, geklebt, genäht. Am Ende gehst du mit deinem eigenen handgebundenen Notizbuch nach Hause, wenn alles glatt läuft.
Ist es schon mal nicht glatt gelaufen?
Nein, jeder hat am Ende sein Buch bekommen. Unterschiede gibt es natürlich in der Sauberkeit der Verarbeitung, weil es nicht einfach nur eine Bastelstunde ist, sondern ein Handwerk mit ein wenig Anspruch, für das man einen Funken Geschick braucht. In den Kursen lernen wir die sogenannte koptische Bindung. Das ist eine sehr schöne offene Rückenbindung, bei der man die Bindfäden am Buchrücken sieht. Sie ist super schön, aber eben nicht unbedingt super einfach. Daher ist es wichtig, genügend Raum einzuplanen und bei Bedarf hier und da zu unterstützen.

In einer Gruppe arbeiten alle unterschiedlich schnell. Wie verhinderst du, dass jemand in Stress verfällt?
Ich habe lange an dem Workshop-Konzept gefeilt und viel getestet, weil ich einen Raum schaffen möchte, in dem alle mitkommen, egal wie schnell oder langsam sie arbeiten. Jeder Schritt im Buchbindeprozess wird abgegrenzt, und wir warten gemeinschaftlich, bis auch die letzte Person mit Schritt eins fertig ist, bevor wir zum nächsten springen. Niemand muss sich unter Druck fühlen, jeder darf Fragen stellen. Die Kurse sind explizit so klein gehalten, dass ich jeden persönlich betreuen kann.
Wie kommen die Leute zu dir?
Ich habe bei den Kursen immer nachgefragt, wie die Leute auf mich gekommen sind. Und spannenderweise ist das ein großer bunter Blumenstrauß: Leute haben mich über Instagram gefunden, andere meine Flyer, Postkarten oder Sticker in der Stadt gesehen, manche kamen über Werbung in regionalen Online-Portalen, manche über Google. Das Lustigste war eine Teilnehmerin, die sagte, sie hätte meinen Flyer im Briefkasten gehabt. Dabei habe ich nie Briefkastenwerbung gemacht.
Woran sie Erfolg festmacht und was sie weitergibt
Woran würdest du festmachen, dass es funktioniert?
Bei den Kursen daran, dass sie durchgehend ausgebucht sind. Im letzten Herbst und Winter waren einige ausgebucht, bei manchen waren noch ein, zwei Plätze frei.
Wenn jeder Kurs voll besucht ist, wäre das ein Meilenstein für mich.
In der Design-Selbstständigkeit merke ich es daran, ob ich gut davon leben kann, ob ich meinen Lebensstandard halten und genug ansparen kann für das, was ich mir irgendwann vielleicht erfüllen möchte. Und daran, ob mir meine Projekte Freude machen. Und das darf ich aktuell mit „Ja!“ mit Ausrufezeichen beantworten.
Gibt es einen schönsten Moment in deiner Selbstständigkeit?
Diesen einen schönsten Moment gibt es gar nicht. Es gibt eher immer wieder Momente, wenn Menschen mit einer Projektanfrage an mich herantreten und ich gleich merke: Oh, das ist ein spannendes Thema, da habe ich richtig Lust drauf. Oder wenn Designs präsentiert werden und der Kunde sagt: „Ja, das ist es!“
Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, aus seinem Handwerk oder Hobby einen Beruf zu machen?
Die erste Sache, die mir in den Kopf kommt: „Schau, dass du zumindest irgendeine Tätigkeit im Hintergrund hast, die dich finanziell trägt. Dann kannst du mit weniger Druck in dein handwerkliches Projekt reingehen und hast die Hände frei, im wahrsten Sinne des Wortes.“ Und ja, ein Realitätscheck ist wichtig. Aber wenn du überzeugt bist, dass es dir Freude bringt und du dir langfristig vorstellen kannst, dranzubleiben, dann wage es!
Was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?
Dass die Freude mein Tun trägt. Ich glaube, das ist ein ganz, ganz großer Teil davon, warum ich das tue, was ich tue. Weil ich es, um ehrlich zu sein, irgendwie anders auch nicht könnte.





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