Weißer Pfeil nach rechts
Miriam Wohlfarth und Christian Steiger

Miriam Wohlfarth über Unternehmertum, Pay Later und Gründen gegen Widerstände

Miriam Wohlfarth, Gründerin von Ratepay und Co-CEO von Banxware, spricht über ihren Weg in die Startup-Welt, mutige Entscheidungen, Pay-Later-Modelle und warum Kritik oft der beste Antrieb ist.

zur Person

Miriam Wohlfarth

Miriam Wohlfarth ist eine der ersten weiblichen Fintech-Gründerinnen Deutschlands. Sie wuchs in Süddeutschland in einem klassischen Mittelklassehaushalt auf – Vater Ingenieur bei IBM, Mutter Buchhalterin, niemand in der Familie war Unternehmer. Ihr VWL-/Politik-Studium brach sie ab, reiste, jobbte und absolvierte eine Lehre als Reiseverkehrskauffrau (die sie als schrecklich empfand). Über Stationen in der Online-Finanzbranche ab dem Jahr 2000 (u.a. beim Payment-Anbieter Bibit) führte sie ihr Weg zum Bezahlanbieter Ogone.

  • 2009 gründete sie in Berlin Ratepay, das zu einem der größten Anbieter für Rechnungskauf in Deutschland wurde.
  • Seit 2020 ist sie Co-CEO und Mitgründerin von Banxware.
  • Sie ist Mutter einer Tochter (geboren 2004) und lebt in Berlin; im Manager Magazin und auf zahlreichen Panels ist sie eine feste Größe der deutschen Digitalwirtschaft.
Kurz gefasst
Miriam Wohlfarth
Im Überblick
  • 2009 gründete sie Ratepay, einen Zahlungsanbieter für Rechnungskauf (Pay Later) in Deutschland.
  • Seit 2020 ist sie Co-CEO des Fintech-Unternehmens Banxware.
  • 2020 war sie auf dem Titel des deutschsprachigen Forbes-Magazins unter dem Titel „Against All Odds“.
  • Ihr früherer Chef und Vorbild war Pieter van der Does, Mitgründer von Adyen.

Miriam Wohlfarth zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Digital- und FinTech-Szene. Als Gründerin von Ratepay und heutige Co-CEO von Banxware hat sie früh erkannt, was Kunden wirklich brauchen – und daraus erfolgreiche Geschäftsmodelle gebaut.

Im Gespräch mit Christian Steiger erzählt sie offen von Zweifeln, Widerständen und Wendepunkten. Es geht um Bauchentscheidungen, Netzwerke, Vereinbarkeit von Familie und Karriere sowie den Mut, gegen etablierte Meinungen zu handeln.

Vom Konzern in die junge Startup-Welt

Wohlfarth begann nach abgebrochenem Studium und einer Lehre als Reiseverkehrskauffrau im Vertrieb. Über die Reisebranche und ein Buchungssystem für Flüge lernte sie um das Jahr 2000 Pieter van der Does kennen, Mitgründer des späteren Payment-Konzerns Adyen. Sie kündigte ihren Job bei Hapag-Lloyd und wechselte in ein damals winziges Startup mit rund 13 Leuten. Im Umfeld galt der Schritt als Schnapsidee, für sie wurde er zum Wendepunkt.

Wie aus einem Kundenwunsch Ratepay wurde

Immer wieder fragten Kunden nach dem Rechnungskauf, den deutsche Verbraucher aus der Katalogwelt kannten. Lange hieß es, das gehe technisch nicht. Wohlfarth gab sich damit nicht zufrieden und gründete 2009 mitten in der Finanzkrise Ratepay. Viele Beobachter und Banker hielten die Idee für aussichtslos oder gar für nicht erlaubt.

Du musst nicht alles selbst können

Von ihrem Vorbild Pieter van der Does übernahm sie den Grundsatz, sich mit Menschen zu umgeben, die das können, was man selbst nicht kann. Sie konnte verkaufen, aber weder programmieren noch Businesspläne schreiben. Also holte sie sich Mitgründer mit genau diesen Stärken und später den erfahrenen Berater Oliver Beste. Bei Banxware ist ihr Co-Gründer Anwalt, was ihr im stark regulierten Payment-Geschäft heute viel erspart.

Du musst nicht alles selbst können, du brauchst Menschen, die das können, was du nicht kannst.

Warum starre Pläne Startups bremsen

Wohlfarth hält wenig davon, ein Unternehmen am Reißbrett durchzuplanen. Eine grobe Idee verändere sich ohnehin ständig, und genau dieses Anpassen mache ein Startup aus. Ein bisschen Naivität sei dabei sogar hilfreich, weil sie den Mut zum Anfangen gibt. Wer sich zu sehr an einen festen Plan klammere, scheitere oft daran.

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit

Früh bekam Wohlfarth zu hören, sie sei zu alt zum Gründen und als Mutter ohnehin ungeeignet. Solche Sätze spornten sie eher an. 2020 war sie auf dem Titel des deutschsprachigen Forbes-Magazins zu sehen, der Beitrag trug den Titel „Against All Odds". Sie versteht sich als Vorbild, betont aber, dass sie sich nicht auf einen Sockel stellen lassen will und ein normales Leben führt.

Volltext-Transkript

Gesprächstranskript lesen

Miriam Wohlfarth
40
Min. Gesprächsdauer
Auf einen Blick

Hintergrundinfos zum Gast zusammengefasst

Wer ist Miriam Wohlfarth?

Miriam Wohlfarth ist eine deutsche Fintech-Unternehmerin. Sie gründete 2009 den Zahlungsanbieter Ratepay und ist seit 2020 Co-CEO von Banxware. Davor arbeitete sie ab dem Jahr 2000 in der Online-Finanzbranche, unter anderem beim Payment-Anbieter Bibit.

Wie kam Miriam Wohlfarth zur Gründung von Ratepay?

Kunden fragten in ihrer Zeit im Vertrieb immer wieder nach dem Rechnungskauf, den es online lange nicht gab. Weil sie sich mit der Antwort „das geht nicht“ nicht zufriedengeben wollte, baute sie 2009 mit Mitgründern selbst einen Zahlungsanbieter dafür auf.

Was ist Pay Later beziehungsweise Rechnungskauf?

Beim Rechnungskauf erhalten Käufer die Ware zuerst und bezahlen erst später, oft nach 14 oder 30 Tagen. Im Kern sind das kurzfristige, meist kostenlose Kleinkredite. Heute wird dieses Modell als Pay Later bezeichnet.

Was rät Miriam Wohlfarth Gründerinnen und Gründern?

Man muss nicht alles selbst können, sondern sollte sich Menschen suchen, die die eigenen Lücken füllen. Außerdem sollte man sich nicht zu sehr an einen festen Plan klammern, sondern flexibel auf Veränderungen reagieren. Und Gegenstimmen sind kein Grund aufzugeben.

Tell Your Story Podcast

Tell Your Story: Der Macher:innen Podcast

Streame den Podcast jetzt ganz bequem auf deiner Lieblingsplattform!
Lexware Tell Your Story Magazin Cover 01-2023 - Beitragsbild von Lexware Tell Your Story
Ausgabe
0
1
/
2023
Ich mach's einfach.

Diese und weitere Gründungsgeschichten findest du in unserem Magazin "Tell Your Story".