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Miriam Wohlfarth und Christian Steiger

Als Frau gegen alle Widerstände

Miriam Wohlfarth, Gründerin von Ratepay und Co-CEO von Banxware, spricht über ihren Weg in die Startup-Welt, mutige Entscheidungen, Pay-Later-Modelle und warum Kritik oft der beste Antrieb ist.

Kurz gefasst
Das nimmst du von
Miriam Wohlfarth
mit
  • Halt nicht an deinem Plan fest. Miriam sagt, viele scheitern daran, dass sie unbedingt am Businessplan festhalten wollen. Nach zwei Jahren sei es zwar noch dieselbe Idee, aber eigentlich etwas ganz anderes.
  • Such dir Mitgründer, die können, was du nicht kannst. Sie konnte weder programmieren noch Businesspläne schreiben. Für Ratepay holte sie einen Techniker und einen Finanzmenschen dazu, für Banxware bewusst einen Anwalt.
  • Rechne aus, wie lange dein Geld reicht. Vor Ratepay setzte sie ein Jahr Eigenfinanzierung an und wusste, dass sie über ihr Netzwerk zurück in die Branche käme, falls es nicht klappt.
  • Sprich aus, wer im Team welchen Beitrag leistet. Wenn einer auf Bühnen steht und die andere die Arbeit im Rücken macht, entsteht Missstimmung. Ihr Mittel dagegen: die Leistung des Einzelnen regelmäßig benennen, notfalls mit einem Teamcoaching.

Miriam Wohlfarth zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Digital- und FinTech-Szene. Als Gründerin von Ratepay und heutige Co-CEO von Banxware hat sie früh erkannt, was Kunden wirklich brauchen – und daraus erfolgreiche Geschäftsmodelle gebaut.

Im Gespräch mit Christian Steiger erzählt sie offen von Zweifeln, Widerständen und Wendepunkten. Es geht um Bauchentscheidungen, Netzwerke, Vereinbarkeit von Familie und Karriere sowie den Mut, gegen etablierte Meinungen zu handeln.

Vom Konzern in die junge Startup-Welt

Wohlfarth begann nach abgebrochenem Studium und einer Lehre als Reiseverkehrskauffrau im Vertrieb. Über die Reisebranche und ein Buchungssystem für Flüge lernte sie um das Jahr 2000 Pieter van der Does kennen, Mitgründer des späteren Payment-Konzerns Adyen. Sie kündigte ihren Job bei Hapag-Lloyd und wechselte in ein damals winziges Startup mit rund 13 Leuten. Im Umfeld galt der Schritt als Schnapsidee, für sie wurde er zum Wendepunkt.

Wie aus einem Kundenwunsch Ratepay wurde

Immer wieder fragten Kunden nach dem Rechnungskauf, den deutsche Verbraucher aus der Katalogwelt kannten. Lange hieß es, das gehe technisch nicht. Wohlfarth gab sich damit nicht zufrieden und gründete 2009 mitten in der Finanzkrise Ratepay. Viele Beobachter und Banker hielten die Idee für aussichtslos oder gar für nicht erlaubt.

Du musst nicht alles selbst können

Von ihrem Vorbild Pieter van der Does übernahm sie den Grundsatz, sich mit Menschen zu umgeben, die das können, was man selbst nicht kann. Sie konnte verkaufen, aber weder programmieren noch Businesspläne schreiben. Also holte sie sich Mitgründer mit genau diesen Stärken und später den erfahrenen Berater Oliver Beste. Bei Banxware ist ihr Co-Gründer Anwalt, was ihr im stark regulierten Payment-Geschäft heute viel erspart.

Du musst nicht alles selbst können, du brauchst Menschen, die das können, was du nicht kannst.

Warum starre Pläne Startups bremsen

Wohlfarth hält wenig davon, ein Unternehmen am Reißbrett durchzuplanen. Eine grobe Idee verändere sich ohnehin ständig, und genau dieses Anpassen mache ein Startup aus. Ein bisschen Naivität sei dabei sogar hilfreich, weil sie den Mut zum Anfangen gibt. Wer sich zu sehr an einen festen Plan klammere, scheitere oft daran.

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit

Früh bekam Wohlfarth zu hören, sie sei zu alt zum Gründen und als Mutter ohnehin ungeeignet. Solche Sätze spornten sie eher an. 2020 war sie auf dem Titel des deutschsprachigen Forbes-Magazins zu sehen, der Beitrag trug den Titel „Against All Odds". Sie versteht sich als Vorbild, betont aber, dass sie sich nicht auf einen Sockel stellen lassen will und ein normales Leben führt.

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Miriam Wohlfarth
40
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Auf einen Blick
Häufige Fragen zu
Miriam Wohlfarth
Wer ist Miriam Wohlfarth?

Miriam Wohlfarth ist eine deutsche Fintech-Unternehmerin. Sie gründete 2009 den Zahlungsanbieter Ratepay und ist seit 2020 Co-CEO von Banxware. Davor arbeitete sie ab dem Jahr 2000 in der Online-Finanzbranche, unter anderem beim Payment-Anbieter Bibit.

Wie kam Miriam Wohlfarth zur Gründung von Ratepay?

Kunden fragten in ihrer Zeit im Vertrieb immer wieder nach dem Rechnungskauf, den es online lange nicht gab. Weil sie sich mit der Antwort „das geht nicht“ nicht zufriedengeben wollte, baute sie 2009 mit Mitgründern selbst einen Zahlungsanbieter dafür auf.

Was ist Pay Later beziehungsweise Rechnungskauf?

Beim Rechnungskauf erhalten Käufer die Ware zuerst und bezahlen erst später, oft nach 14 oder 30 Tagen. Im Kern sind das kurzfristige, meist kostenlose Kleinkredite. Heute wird dieses Modell als Pay Later bezeichnet.

Was rät Miriam Wohlfarth Gründern?

Man muss nicht alles selbst können, sondern sollte sich Menschen suchen, die die eigenen Lücken füllen. Außerdem sollte man sich nicht zu sehr an einen festen Plan klammern, sondern flexibel auf Veränderungen reagieren. Und Gegenstimmen sind kein Grund aufzugeben.

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