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Aya Jaff lächelt im Podcaststudio

Warum sie ihr Startup trotz Millionen-Chance verließ

Aya Jaff brachte sich das Programmieren selbst bei und bekam mit 18 ein Stipendium im Silicon Valley. Später hatte sie Investorenzusagen im Millionenbereich. Dann stoppte sie ihre eigene KI-Idee, weil eine einzige Frage ihre Werte berührte.

Kurz gefasst
Das nimmst du von
Aya Jaff
mit
  • Fragen kostet nichts. Aya schrieb ihrem Verleger, ob er nicht Interesse an einem Börsenbuch hätte. Daraus wurde „Moneymakers“, ein Spiegel-Bestseller.
  • Wenn im eigenen Umfeld niemand mitzieht, such dir Mitstreiter woanders. Aya suchte online 10 bis 15 Leute für ein Börsenplanspiel. Tradity wurde zeitweise das größte Börsenspiel Deutschlands.
  • Nur weil du schon viel Zeit reingesteckt hast, musst du nicht weitermachen. Aya stoppte ihre KI-Idee trotz Investorenzusagen, weil die Trainingsdaten von Menschen aufbereitet werden sollten, die kaum etwas verdienen.
  • Wenn du anders denken willst, musst du zuerst ändern, wem du zuhörst. Nach dem Ausstieg stellte Aya ihren LinkedIn-Feed auf kritische Stimmen um. Über Gründer wie Sebastian Klein kam sie zur Bewegung Tax Me Now.

Aya Jaff stand jahrelang für eine bestimmte Erzählung: junge Frau, Selbstlernerin, Code, Börse, Silicon Valley. Die ZEIT nannte sie „Mrs. Code“. Forbes setzte sie auf die Liste 30 under 30. Ihr Buch „Moneymakers“ wurde Spiegel-Bestseller. Der Anfang war unspektakulär: eine Google-Suche mit 16 und ein Bill-Gates-Poster an der Wand.

Im Tell Your Story Podcast spricht Aya mit Christian Steiger. Thema ist der Punkt, an dem diese Erzählung nicht mehr passte. Es geht um eine Investorenzusage. Es geht um die Menschen, die Trainingsdaten für KI aufbereiten. Und es geht um eine Entscheidung, die sie Monate kostete. Ihr Buch „Broligarchie“ ist das Ergebnis dieses Bruchs.

Mehr Steves als Frauen auf der Vorbildliste

Mit 16 googelte Aya, wie man wird wie Steve Jobs oder Bill Gates. Auf ihrer Vorbildliste standen am Ende mehr Männer namens Steve als Frauen. In der Schule gab es Informatik nur mit HTML und CSS. Also brachte sie sich Java, C und Ruby selbst bei. Ihr Informatikstudium brach sie nach vier Semestern ab. Programmieren war für Aya nie Leidenschaft, sondern ein Werkzeug.

Vom Börsenspiel zum Spiegel-Bestseller

In Ayas eigenem Umfeld interessierte sich niemand für Börse und Code. Also suchte sie online 10 bis 15 Leute für ein eigenes Börsenplanspiel. Tradity wurde zeitweise das größte Börsenspiel Deutschlands. Aya war dort über fünf Jahre CTO und tourte mit dem Team durch Schulen. Aus den Fragen, die dabei immer wieder kamen, wurde eine Sammlung und daraus ihr Buch „Moneymakers“. Den Verlag hat sie einfach angeschrieben.

Das Schlimmste, was kommen kann, ist Nein oder man wird ignoriert.

Ein Klick auf eine Facebook-Werbung

Ayas Weg ins Silicon Valley begann mit einer Anzeige in ihrem Facebook-Feed. Dort stand: Willst du ins Silicon Valley und mit einem Milliardär arbeiten? Sie bewarb sich am selben Tag und schrieb dafür einen Rap. Drei Tage später kam der Anruf. Auf ihre Nachfrage erfuhr sie den Grund. Sie war die einzige Bewerberin, alle anderen hielten die Anzeige für Spam. Mit 18 hatte sie ein Stipendium über 10.000 Dollar für die Draper University. Dort lernte sie von Tim Draper, worauf Investoren achten, und bekam direkt danach ihren ersten Job bei Hyperloop Transportation Technologies.

Die Frage, die alles gekippt hat

Zurück in Deutschland gründete Aya die Beratungsagentur Co-Design Factory. Parallel arbeitete sie als Head of Communications im Nürnberger Zollhof. Danach verfolgte sie zwei eigene Ideen, eine im Digital-Health-Bereich und eine im KI-Bereich. Für beide hatte sie Investorenzusagen im Millionenbereich. Dann kam die Frage, ob sie einen Kreislauf für andere weiterführen würde. Aus genau diesem Kreislauf war sie selbst geflohen. Die Trainingsdaten sollte eine Organisation aufbereiten, die mit Menschen arbeitet, die kaum etwas verdienen. Dazu kam ein Produkt für Journalisten, dessen KI halluzinierte.

Nein sagen und neu anfangen

Die Alternativlösung, die sie vorschlug, wäre langsamer und teurer gewesen und passte damit nicht zum Tempo, das die Investoren erwarteten. Also sagte Aya Nein und trennte sich von ihrem Mitgründer. Nach eigenen Worten weinte sie danach monatelang jeden Tag. Dann baute sie sich systematisch ein anderes Umfeld auf. Sie stellte den LinkedIn-Feed um und suchte kritische Stimmen. Von Gründern wie Sebastian Klein lernte sie viel. Über ihn traf sie Millionäre der Bewegung Tax Me Now. Auf Instagram folgen ihr inzwischen rund 40.000 Menschen, ohne Werbebudget.

Du kannst nicht drumherum gehen um diese großen moralischen Fragen.

Das System hinter den Milliardenvermögen

Ayas Werte hätten sich nie geändert, sagt sie. Geändert habe sich nur ihr Blick auf das Silicon Valley. Als Gegner sieht sie das System hinter den Milliardenvermögen. Über Datenhunger und Steuern spricht dabei kaum jemand. Einzelne Gründer oder Investoren meint sie damit nicht. Sie argumentiert bewusst über Zahlen und Statistiken statt über Moral. Ein Film über ihr Leben würde für sie „The only way is through“ heißen.

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Auf einen Blick
Häufige Fragen zu
Aya Jaff
Warum hat Aya ihre eigene KI-Idee gestoppt?

Für ihre KI-Idee hatte sie Investorenzusagen. Die Trainingsdaten hätte eine Organisation aufbereiten sollen, die mit Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen arbeitet. Zusätzlich lieferte das Produkt fehlerhafte Ergebnisse, obwohl es an Journalisten gehen sollte. Ihre Alternativlösung wäre langsamer und teurer gewesen, deshalb stieg sie aus und trennte sich von ihrem Mitgründer.

Was kritisiert Aya am Silicon Valley?

Ihre Kritik zielt auf die Strukturen. Einzelne Gründer oder Investoren nimmt sie davon aus. Wenn Startups nach dem Vorbild von Peter Thiel gezielt Monopole aufbauen, bleibt vom Wettbewerb nichts übrig, den der Kapitalismus eigentlich ausmacht. Dazu kommen für sie die Vermögensungleichheit und die Frage nach der Besteuerung großer Vermögen. Sie argumentiert dabei bewusst über Zahlen und Statistiken.

Was rät Aya Menschen, die gründen wollen?

Fragen kostet nichts. Ihr Buchvertrag und ihr Stipendium im Silicon Valley entstanden, weil sie sich beworben und den Verlag angeschrieben hat. Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Nein. Gleichzeitig hält sie nichts davon, eine Sache nur zu Ende zu bringen, weil schon viel Zeit darin steckt. Fühlt sich etwas nicht mehr richtig an, zählt die investierte Zeit für sie nicht.

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