Begrüßung und Warm-up
Christian: Herzlich willkommen zum Tell Your Story Podcast, dem Podcast für Macher und Macherinnen. Heute freue ich mich ganz besonders auf die Aya Jaff, die heute hier ist als meine Gästin. Und ich glaube, die meisten oder viele werden sie auch kennen. Wird, glaube ich, ein super spannendes Gespräch, weil wir gehen ja dann später ein bisschen nach dem Why How What vor, komme ich gleich zur Erklärung drauf. Ich habe so bei der Folge gedacht, eigentlich hat die Aya fast zwei Whys und da will ich gerne drauf eingehen nachher.
Christian: Aber man kennt dich einerseits als Tech Queen, als, ich nenne es mal, Börsenguru, als Startup Star, als, ganz bekannt, Mrs. Code auch mal, auch wenn sich das jetzt schon wieder geändert hat in deiner Sicht. Das meine ich mit diesen zwei Whys, wo ich darauf eingehen würde. Du bist 1985 im Nordirak geboren?
Aya: 95.
Christian: 85. Jesusgott.
Aya: Du hast mich gerade zehn Jahre älter gemacht.
Christian: Das habe ich gerade gemerkt. Also 95, das ist, weißt du, weil ich bin 73 geboren worden und die so unklar zu machen, habe ich mich auch nicht besser gefühlt, wenn ich ... Natürlich, ich verstehe das voll. Das ist ja alles, ja.
Christian: Dann nach Deutschland gekommen, hast ein Buch geschrieben, Moneymakers, eigentlich die, wie ganz viele, ich glaube auch Frauen an der Stelle oder überhaupt Leute, in die Börsenwelt damit gebracht, was mega toll ist, Spiegel Bestseller. Dann jetzt erst recht frisch die Broligarchie, da werden wir natürlich drüber sprechen, weil das ist so der Twist, wie ich ihn wahrnehme, wo du von der einen Seite zur anderen Seite wie mal gewechselt bist.
Christian: Programmierclub, Silicon Valley, Forbes 30 unter 30, also es sind ja Titel ohne Ende, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Erstmal krass, also wirklich krass, und vor allen Dingen, ich glaube, du bist auch ein Vorzeigebeispiel, suchen wir halt hier immer in dem Podcast auch, nämlich Unternehmer, Unternehmerinnen, wo Leute zuhören und sagen, hey, vielleicht was die machen, den Weg, die Entscheidungen, vielleicht kann ich das auch, weil am Ende geht's darum, dass wir in Deutschland, das liegt uns am Herzen, weil wir wieder mehr Selbstständige haben wollen und mehr damit halt auch mehr Gründer und Gründungen. Also herzlich willkommen, Aya Jaff.
Aya: Vielen Dank, Christian. Du hast eine Sache vergessen. Ich bin auch Lexware-Kundin.
Christian: Wow. Das hat sie gesagt.
Aya: Ich weiß, ich weiß. Aber an dieser Stelle doch, ich nutze euch sehr gerne.
Christian: Das höre ich nicht gern. War nicht abgesprochen.
Aya: Nein.
Christian: So, ein kleines Warm-up machen wir hier mal, ein kleines Wortpaar. Da kann man nicht richtig falsch liegen. Geht einfach so darum, dieses Gefühl zu dir zu kriegen, auch für die Zuhörer und Zuhörerinnen, dass sie ein bisschen was, die, die ich vielleicht noch nicht kennen, sagen, okay, was kann man so von ihr so ein bisschen schon mitnehmen. Also, durch Stress, ganz einfach. Die erste Frage ist wirklich ganz einfach. Okay. Kaffee oder Tee?
Aya: Kaffee leider.
Christian: Wieso leider?
Aya: Ich habe das Gefühl, Kaffee macht mich halt sehr viel produktiver und ich finde teilweise mich lieber für Produktivität als dann fürs Abschalten mit Tee. Ach so, deswegen. Da hast du mich wirklich kennengelernt.
Christian: Okay, jetzt sage ich okay, das ist okay. Jetzt check ich, was du meinst.
Aya: Bin im Hustle.
Christian: It is awesome.
Aya: Ja, ich habe das Gefühl, wir steuern irgendwie dagegen, jetzt wieder alle wieder auf Wellness und Selbstoptimierung, wie man wieder den Stress aus dem Leben holt. Und jetzt komme ich mit Kaffee.
Christian: Ja. Also ich bin ein Kaffee-Mensch. Stadt oder Land.
Aya: Die Stadt.
Christian: Ist immer ein bisschen schwierig eigentlich, oder, weil, es weiß ich es, aber vielleicht kannst du eine Richtung nehmen: Was ist dir wichtiger? Geschwindigkeit oder Substanz.
Aya: Bei mir ist es klar, Substanz. Können wir auch mal später noch mal darüber sprechen. Da werden wir da rein gehen.
Christian: Genau, die nächste ist eigentlich Hype oder Haltung.
Aya: Haltung.
Christian: Aktie oder Sparbuch?
Aya: Aktie.
Christian: Silicon Valley oder Nürnberg?
Aya: Nürnberg. Ich hoffe, die Antwort ist okay.
Christian: Und letztes vielleicht noch, weil du schon zwei gemacht hast: Buch schreiben oder Bühne stehen?
Aya: Ich mag es, auf der Bühne zu stehen. Ja. Das ist schon ...
Christian: Bis dahin.
Aya: Da geht mir schon das Herz auf.
Christian: Hörst du selber auch Podcasts generell?
Aya: Ja, total gerne. Also verschiedene, von deutschen zu englischen. Hier vielleicht, ich mag die Unicorn Bakery, also von Fabian Tausch. Das höre ich sehr gerne. Aber auch, ich weiß nicht, so ein englischer, ich glaube Psychologie-Podcast, würde ich jetzt mal sagen. You Are Not So Smart heißt der und ich finde den mega cool. Da werden halt Bücher vorgestellt und Leute auch und könnte man mal reinschauen.
Christian: You Are Not So Smart. Podcast hier gesagt: „It's not that deep“, sagen ihre Kinder immer zu dir. Weil es ... Ja. Das muss ich jetzt gerade dran denken, hat getriggert. Ja. Ja.
Christian: Also für alle, die gerade zuhören: Ich freue mich, wenn ihr auch diesen Podcast abonniert und lasst gerne einen Kommentar oder schreibt uns, wenn ihr ihn gerne mal hier auch hören würdet. Freue ich mich auf jeden Fall. Ganz vielen Dank.
Golden Circle und das erste Why
Christian: Und der Rahmen, den wir jetzt so ein bisschen gehen, ist dieser Golden Circle, den kennst du wahrscheinlich, oder, von Simon Sinek?
Christian: Dieses Why, How and What. Warum? Ich finde es mal wahnsinnig wichtig auch, damit man genau dieses Vorbild rauskitzeln kann. Wir reden gerne über das, was wir machen, aber gar nicht so stark, warum wir es tun. Und so bei Lexware ist immer das Beispiel, die machen das ganz gerne, halt: Wir wollen Unternehmertum einfach machen. Wir machen es auf zwei Wege. Das ist das How einmal, darüber, dass wir hoffentlich gute Software-Lösungen machen, können letztendlich nur die Kunden und Kundinnen entscheiden. Und das andere ist, wie das auch hier, die Haltung, nämlich unsere Haltung ist Tell Your Story, das heißt Bühnen geben für Bekannte, aber vor allen Dingen auch nicht Bekannte, um immer wieder Unternehmertum nach vorne zu bringen.
Christian: Wo wir gar nicht unsere Produkte präsentieren und so weiter, finden da gar nicht statt, sondern wirklich diese Geschichten, damit wieder mehr gegründet wird. Und dann kommt erst das Was und ist bei uns jetzt ja nicht so spannend, das ist ja Rechnungen schreiben, Buchhaltung. Also diese Muss-Themen. Ja. Und ich habe so gedacht, weil ich noch mal auf dich geguckt habe: So, ich habe dich kennengelernt, das war so in den Anfängen, und dann ging es mir so durch den Kopf, ich weiß gar nicht, ob ich da richtig liege, aber ich spreche es einfach aus, ja, ich habe sogar, wow, die sehr junge, aus meiner Perspektive, darf ich das sagen?
Christian: Bin auch schlecht in so Zahlen. Alles klar.
Christian: Da, da gab es ja irgendwie zwei Welten quasi, einmal dann, und da vielleicht kann man es auch so ein bisschen im Podcast drauflegen, so dein erstes Why? Ja. Und widersprich mir gerne, wenn ich da falsch liege, und dann vielleicht dein zweites. Und dein erstes nehme ich wahr: ja, hier nach Deutschland gekommen, dann irgendwie Eltern gehabt, die auch gesagt haben, ich habe mal gelesen, die gesagt haben, mach was, was dir Spaß macht, finde ich. Es ging mir was so banal. Ich habe auch eine Tochter. Und es ist überhaupt nicht banal. Das ist, glaube ich, das Wichtigste, was man erreichen kann im Leben.
Christian: Dann hast du irgendwann mit dem Coden angefangen, irgendwie ein Bill Gates Poster gehängt, gab bestimmt das, oder? Ja. Vielleicht kannst du da mal sehen, was war da in dieser ganzen Zeit, dass ich in diese erste Phase, damit wir die so ein bisschen greifen können, weil da gab es ja zwei Phasen.
Aya: Genau. Du hast mich witzigerweise genau in einer Phase kennengelernt, wo ich zwischen den Welten stand. Also das war eine super spannende, aber auch sehr fordernde Zeit für mich, weil ich habe ja mit 16 so begonnen, diesen ganzen Tech-Leuten nachzuäffen. Also ich habe wirklich gegoogelt, okay, wie kann ich so werden wie Steve Jobs, Bill Gates, Steve Wozniak. Wie viele Steves ich da noch auf der Liste hatte, weiß ich jetzt nicht, aber es waren alles Steves, Steve Ballmer, Steve, ja. Also richtig viele Steves und sehr wenige Frauen.
Aya: Also es gab mehr Steves als Frauen in meiner Liste, denen ich irgendwie nachgeeifert bin, und am Ende kam natürlich raus, okay, die waren alle auf Elite-Universitäten, die waren alle irgendwie wirtschaftsbegeistert, die waren alle daran interessiert, ein Produkt irgendwie zu entwerfen, wo sie mit Feuer und Flamme dahinter stehen. Das hat man wirklich in jedem Interview auch gesehen. Das waren diese Charaktere, die einfach, ja, ich würde es mal sagen, über die Jahrzehnte ja auch durchgescheint haben. Und dementsprechend habe ich mich dann mehr in Tech auch eingelesen, weil ich wusste, okay, das sind alles Tech-Unternehmen, wahrscheinlich wird das nächste Ding immer noch ein Tech-Unternehmen sein.
Aya: Hab mir dann das Programmieren selber beigebracht in verschiedenen Sprachen, also von Java zu C zu Ruby, war alles irgendwie dabei, und ich habe da auch vier Semester Computer Science, also ...
Christian: Selbst reingemacht. Ganz kurz, weil das natürlich, wie du dir das vorstellst: Also gab es das damals schon in der Schule oder was überhaupt angeboten wurde? In meiner Zeit zum Beispiel nicht, obwohl ich mich voll dafür interessiert habe.
Aya: Ich weiß gar nicht, ob ich ja sagen würde auf diese Frage, weil es gab Informatik als Fach, aber, also da hast du halt HTML gelernt und CSS. Das ist jetzt nicht wirklich programmieren.
Aya: Dementsprechend habe ich mir das selber ein bisschen beibringen müssen über verschiedene Webseiten, aber das war auch so die Zeit, wo dann zum Beispiel die Website code.org irgendwie total krass viel empfohlen wurde, wo man eigene Applikationen auch innerhalb von Webbrowsern auch gestalten konnte, und ich weiß nicht, dann hat man ganz schnell Ergebnisse gesehen wie, stell mal die Airbnb-Seite nach, und dann hast du das halt selber geschafft innerhalb von einer Stunde, und ich war total angefixt von diesen ganzen Möglichkeiten, die man halt eben hatte, und habe mich dann auch eben entschieden, okay, ich möchte mehr in Wirtschaft und mehr auch in Tech, also ich möchte beides gleichzeitig mehr, ich möchte da tiefer reingehen.
Aya: Und so kam das dann auch, dass ich quasi auch mehr über Börse gelernt habe und ...
Antrieb, Börsenspiel und das erste Buch
Christian: Was war denn der Antrieb? Also das kommt ja nicht, was du beschreibst, ist ja eigentlich nicht so dieses typische, was auch noch typisch kommt, aber worauf ich hinaus: Also haben dich deine Eltern da unterstützt oder hingeschoben, Freunde, hast du Vorbilder?
Aya: Also, wenn du es nicht bewusst ...
Christian: Es ist ja nicht so der klassische Weg. Wenn du sagst, es war nicht mal als Angebot der Schule, dass man sich dann da so reinfuchst.
Aya: Also ich glaube, natürlich hat meine Geschichte den Hintergrund, dass ich ja, ich bin mit zwei Jahren nach Deutschland gekommen und das war natürlich eine Flucht aus dem Irak, aus den kriegerischen quasi Verhältnissen dort. Die waren ja verfolgt als Kurden und es ist für mich wahrscheinlich noch eine tiefere Ebene dabei, warum ich jetzt natürlich auch so nach finanzieller Sicherheit auch gestrebt habe relativ früh, weil ich einfach gemerkt habe, ey, Geld ermöglicht einem ja schon sehr, sehr viel.
Aya: Und ich müsste jetzt lügen zu sagen, es ist jetzt nur diese finanzielle Sicherheit gewesen, die mich da jetzt aber in diese Orte gebracht hat. Es war auch wirklich einfach dieses: Ich kann so viel gestalten. Und das war ein Tool. Ich habe Programmieren als Tool verstanden.
Aya: Mehr noch als jetzt, das ist jetzt meine Leidenschaft, das ist jetzt was, was ich jetzt komplett in Fleisch und Blut übersetzt. Und das habe ich vor allem gemerkt, als ich dann mit meinem Informatikstudium begonnen habe, weil dann schaust du links und rechts und die Leute sind halt schon mega krasse Genies, habe ich das Gefühl, im Programmieren und können das richtig gut, weil sie einfach als Kinder schon, ja, ich weiß nicht, Spiele programmiert hatten oder dann Eltern hatten, die ihnen dann vieles beibringen konnten. Und das hatte ich halt alles nicht. Und dieses Versprechen von, ja, mach dir keine Sorgen, du kannst studieren, auch wenn du nicht so viel Erfahrung hast.
Aya: Und dieses Versprechen gilt zwar, aber niemand spricht darüber, wie viel Privilegien dafür eigentlich noch gestellt werden müssen, dass das auch alles gut klappt. Ja, und dementsprechend musste ich mir jetzt auch das Studium währenddessen natürlich auch, ich musste währenddessen auch arbeiten. Ich habe mich dagegen entschieden, irgendwie auszuziehen früh, weil ich mir das auch einfach nicht leisten konnte oder meine Eltern sich eine extra Miete nicht leisten konnten, und dann, genau, habe ich halt selber geschaut, okay, wie kann man dann vielleicht ein bisschen Geld machen.
Christian: Motiviert noch stärker danach herauszugehen. Für mich schon. Hast du deinen Freundeskreis dann genauso, wie oder wie muss ich es mir vorstellen, hast du Freunde, die auch so einen Weg gegangen sind oder warst du da ...
Aya: Ich glaube, wenn ich jetzt wirklich in meinen Freundeskreis mit 16 schaue, überhaupt nicht. Aber deswegen habe ich mir dann Leute gesucht, die dann ähnlich ticken. Ich habe dann online, danke Internet, ich habe dann online ein paar Leute gesehen, 10, 15 Leute habe ich zusammengefunden quasi, die interessiert waren daran, ein Börsenspiel mit mir aufzubauen. Und das Börsenspiel wurde dann zeitweise auch zum größten Börsenspiel Deutschlands, und Tradity gibt's immer noch, wird im Moment von WHU-Studenten auch weitergeführt.
Aya: Und das Coole daran war halt, dass wir von Schule zu Schule teilweise gegangen sind, das Ganze vorgestellt haben, mit Lehrern gesprochen haben, hey, warum solltest du dich jetzt mit Börse auseinandersetzen? Wieso ist es wichtig als junge Person, sich damit auseinanderzusetzen? Und da war auch schon damals, boah, ich glaube jetzt mittlerweile 15 Jahre, Rentenlücke ein Thema, Frauen ein Thema. Das war noch nicht so im Kommen. Auch als ich das Buch Moneymakers dann über diese ...
Christian: War das die logische Konsequenz dann? Also basiert Moneymakers auf dem Spiel?
Aya: Ja, tatsächlich, das war ein FAQ. Also, wenn man so möchte, die Fragen, die mir am öftesten gestellt wurden, während ich dieses Börsenplanspiel auch mit aufgebaut habe. Also ich war die CTO, ich habe das quasi für fünf plus Jahre gemacht, ein Non-Profit. Wir haben das aufgebaut und wir haben einfach sehr viele Fragen bekommen und diese ganzen Fragen habe ich dann immer irgendwann zu so einer kleinen Bibel zusammengestellt und ich so, okay, was muss ich jetzt damit machen? Ja, wieso dann kein Buch? Und dann habe ich einfach meinem Verleger geschrieben, ich so, hey, ich finde die Bücher, die du hast, sind voll cool. Du hast hier die Nike-Biografie, du hast irgendwie die Steve-Jobs-Biografie, wärst du nicht auch interessiert an so einem Buch? Und dann meinte er so, ja, klar, können wir gerne machen.
Aya: Und da habe ich dann schon so gemerkt, ah, man muss also eigentlich fragen.
Christian: Yeah, yeah, yeah.
Aya: Und das schlimmste, was kommen kann, ist Nein oder man wird ignoriert. Und im Zweifel kannst du dann noch mal fragen, irgendwann in ein paar Jahren oder in ein paar Monaten noch mal. Und ja, so kann man mein Leben so ein bisschen zusammenfassen. Diese erste Hälfte ist sehr viel Begeisterung für Tech, für Börse, sehr viel das Gefühl von, ich will genau das wissen, was ich gerade alles aufgesogen habe, auch wieder weitergeben, weil ich habe dann echt gemerkt, es gibt leider nicht so viele Menschen, die dann so aussahen wie ich, geschweige denn überhaupt geflüchtet waren und sich für diese Themen so interessiert haben. Und ja, da war ich dann ganz froh, als es dann auch so gut eingeschlafen ist.
Christian: Dann quasi, was du gesagt hast: Wie hast du die dann finanziert, weil das war ja ein Non-Profit-Geschäft dann.
Aya: Ich habe nebenbei in einem Inkubator gearbeitet, in einem Gründerzentrum, Zollhof, das war in Nürnberg. Also das habe ich zeitweise gemacht, aber ich war Head of Communications und habe da ganz viele Startups begleitet, auch auf ihren ersten, ich weiß nicht, bei ihren ersten Pressemitteilungen, wie sie ihre Mission irgendwie auch formulieren, und das fand ich sehr spannend, weil da habe ich natürlich auch ganz viele Geschäftsmodelle auch kennengelernt und so verstanden, okay, wie kann man, wie sollte man auch mit der Presse sprechen?
Christian: Das ist echt eine spannende Kombi, das ist aber echt selten, also du bist wirklich vom Coding ...
Christian: Kommunikation und BWL-Know-how, also weil das ist so ein Geschäftsmodell, das ist ja, da hakt's ja leider oft, dass man sagt, es ist so ein tolles Produkt oder was ist ein tolles Produkt, ich muss immer gucken, aber es ist spannend, dass die, aber was ist denn da, also ...
Aya: Ich habe das Gefühl, die Startup-Welt vereint das alles. Man muss ja alles irgendwie schaffen. Ja, das ist richtig. Das Ding bauen, das Ding vermarkten und das Ding auch, das muss ja auch mit dir irgendwie im Einklang sein, und dann müsste diese Kombination auch irgendwo gegeben sein. Und das war für mich halt, ja, eine sehr spannende Zeit, wo ich sehr viel gelernt habe. Ich habe dann weitergemacht mit dem Studium.
Studienabbruch und ein Klick auf eine Facebook-Werbung
Aya: Ich habe dann eine kleine Pause gemacht quasi nach diesen vier Semestern Computer Science. Es war ein bisschen gezwungen, würde ich sagen, weil ich habe dann gemerkt, hey, ich finde irgendwie nicht so richtig ...
Christian: Für dich gezwungen oder von der Außenwelt?
Aya: Die Pause war, weil ich wirklich gemerkt habe, ich finde keine Freunde im Studium.
Aya: Dieses Studium war sehr, sehr anstrengend. Ich habe sehr viel Respekt davor, vor jedem, der das irgendwie auch komplett zu Ende macht, aber ich habe dann irgendwann gemerkt, ich weiß nicht, ob das Programmieren an sich dann mich nicht mehr so interessiert hat bzw. die Tiefe. Es gibt diesen Unterschied in Amerika, den man macht zwischen Computer Science und Coding. Den macht man in Deutschland nicht so sehr. Und ich habe das Gefühl, mir wurde einfach was Falsches versprochen.
Aya: Ich bin in dieses Studium gegangen nach ganz vielen Coding Bootcamps und nach ganz vielen Hackathons, wo du wirklich hands-on an dem Produkt bist, und dann bist du da in diesem, ja, Informatikstudium an der Uni und dir wird erstmal beigebracht, du darfst keinen Partner haben, mit dem du arbeitest, und du musst das alles selber erstmal komplett ...
Aya: ... programmieren, und das, was du programmierst, ist auf einem Level, das halt erst relevant wird, wenn du wirklich bei großen Unternehmen anheuern möchtest, was ich ja nie wollte. Ich wollte nicht ...
Christian: Aber zum Teil auch nicht, also ich habe noch Systementwurf, Pflichtenheft. Es ist natürlich, das ist jetzt ganz spannend, weil das hört man oft, ja, viele denken ja auch Mathematik, Informatik, Programmieren sind völlig unterschiedliche Disziplinen.
Aya: Völlig unterschiedlich.
Christian: Die meisten denken halt eben auch Informatik gleich, genau wie ...
Aya: Ich kann bis heute nicht sagen, wozu ich so viel Mathe gemacht habe in meinem Informatikstudium. Wo war die Verbindung? Vielleicht irgendwann im Master wäre das ja relevant geworden. Okay, wenn ich da jetzt irgendwelche ...
Christian: Vor dem abstrakten Sinne von Logiken vielleicht, aber das ist eigentlich eine völlig andere Disziplin, was die meisten Leute sehnsüchtig nach was anderes.
Aya: Ja, nee, ich freue mich, das auch zu sehen.
Christian: Ja, ich bin ja auch dadurch gegangen.
Aya: Ja, genau, und dann war ich halt, habe ich ein Stipendium bekommen. Das war relativ witzig, das war auch so eine Geschichte von einfach mal fragen und einfach mal bewerben. Das war so eine Werbung auf Facebook, die mir übergespielt wurde von, ja, ...
Christian: Weil es diese vierhundert Dollar oder ...
Aya: Das waren 10.000 Dollar.
Christian: Ach da, aber da gab es gerade was mit 400 in deinem Kontext.
Aya: Ich habe viele Stipendien bekommen, ehrlicherweise.
Christian: In die Stipendien, irgendein Werbethema, wo du dann etwas draus gemacht hast.
Aya: Ah, ja, das war mit O2 gemeinsam. Die haben so einen Non-Profit-Zweig gehabt, hieß Think Big, war für Jugendliche, und die haben mit 400 € damals quasi meine Programmierclubs finanziert, und dann habe ich kleine ...
Christian: Warum habe ich kurz zwischengefragt: Weil ja immer die Leute gleich, gerade bei Startups, ich brauche erstmal, keine Ahnung, ein Funding von mehreren Millionen. Ja. Und dann fand ich es ...
Christian: ... hat mich amüsiert, im Bootcamp. Genau, Bootcamp, genau, man kann unterschiedliche Wege gehen. Es gibt nicht den richtigen, falschen, aber deswegen sollte man nur kurz rein. Ein Stipendium?
Aya: Genau, ich habe dieses Stipendium bekommen, weil ich mich einfach beworben habe. Es war so eine Facebook-Werbung und die war ganz ...
Christian: Also keine Kontakte oder so?
Aya: Nein. In dieser Facebook-Werbung stand einfach, ich glaube, ich muss meinen Algorithmus darauf angepasst haben, aber da stand: Willst du ins Silicon Valley und willst du mit einem Milliardär arbeiten? Und ich so: Ja. Klick mal drauf.
Christian: Hey, ich hätte gerne so einen eigenen Spam.
Aya: Finde ich gut. Personenbezogene Daten wurden hier gut verwendet. Da hat jemand gecheckt, diese Frau steht auf Startups. Und da habe ich mich einfach beworben.
Christian: Und es ist echt noch Facebook, wann war das?
Aya: Das war Facebook damals, das war 2016, 17 vielleicht.
Christian: Yeah.
Aya: Ja, genau, und ich habe da drauf geklickt und habe mich dann einfach wirklich innerhalb von einem Tag irgendwie beworben. Ich habe da so einen Rap geschrieben, weil die so eine kreative Bewerbung haben wollten, so typisch amerikanisch. Und dann habe ich drei Tage später einen Anruf bekommen und die meinten, ja, wir nehmen dich. Und ich so, okay, scheiße, ist das Spam, ist das ein Betrugsfall, was, ich war halt 18, als ich diesen Anruf bekommen habe.
Christian: Aber woher wusstest du, dass es typisch amerikanisch ist für dich? Also du hast, du bekommst diese, also es ist, du hast noch gar nicht die Erfahrung? Na ja, dieses ...
Aya: Ich habe damals schon so die ganzen Magazine und Interviews gelesen und die fanden das ja immer so ganz toll, die Amerikaner, die waren ja so, raussticht aus der Menge. Oh, die haben das schon gehört. Ja, ja, aber ...
Christian: Das müssen wir erstmal erlernen und verstehen. Passt, das heißt also nicht in Amerika, sondern über Konsum von Inhalten, und ja, okay.
Aya: Ja, Popkultur hat mir da einiges, glaube ich, mitgebracht, und ... Na, auf jeden Fall. Genau, ja, komm. Und ich habe dann erstmal gefragt, warum gerade ich? Und dann meinten sie, ja, du warst die einzige, die sich beworben hat.
Christian: Ja, weil jeder gedacht hat, dass es ein Scherz ist.
Aya: Weil jeder, was, ich dachte, das ist eine Verarsche. Yeah. Und ich so: Ja, das ist super. Toll. Okay. Nee, also ich war eure beste Bewerberin. It's a joke. Ja, genau.
Aya: Und die meinten, ja, so in etwa könnte man das sagen, und ich so, alles klar, ich pack die Sachen, ich komme rüber. Nee, es war total cool und direkt am ersten Tag in Amerika, mein Geburtstag, verstehe ich so, oh Moment ...
Aya: Oh, das ist gar keine normale Uni irgendwie. Das Ding heißt Draper University, aber das ist keine University, das ist ein Ort. Schaut aus wie so ein Fünf-Sterne-Hotel. Im Hintergrund ist ein Swimmingpool zu sehen. Der Gründer, also der Draper selbst, Tim Draper, hat sich irgendwie als Superheld auf der Wand verewigen lassen und in der Lobby steht ein riesen Tesla, und ich so, oh. Und dann muss ich noch mal nachfragen, ob das akkreditiert ist hier, ob die Uni, an der ich auch studiert habe, ob die das überhaupt annehmen. Und große Überraschung, die haben gesagt, nee, das ist keine echte Uni, die ist nicht akkreditiert.
Aya: Und dann dachte ich mir auch, okay, typisch amerikanisch, dass sie da irgendwas Universität nennen und dann am Ende ist es eben nicht das ganze Ding. Aber ja, da habe ich halt eben einiges gelernt, was ich jetzt kritischer beurteile.
Silicon Valley von innen
Christian: Und wie war das damals noch ganz kurz, weil du warst 18, hast du gesagt? Genau.
Christian: Jetzt seid ihr ja, was war das, erzähl das, im Irak raus, wie war das für deine Eltern? Ich frage das immer, finde ich immer ganz spannend. Waren die das gut, dass du da, ich meine, dass du da weg bist, nachdem man ja eh schon, wenn keine leichte Vergangenheit, ja, dann, würde ich mir vorstellen, jetzt als Papa kann ich das sagen, dann würde ich mal, weil ich nicht, dass es gut ist für das Kind, aber dann klammert man ja eher, so stelle ich mir das dann immer vor. Ja. Als Neuling, wie war das da? Bist du ein Einzelkind?
Aya: Nee, ich habe eine ältere Schwester, und tatsächlich hat sie eine Rolle gespielt in dem Ganzen, weil meine ältere Schwester natürlich alles alleine erstmal durchgegangen ist. Das Schulsystem hat sie meinen Eltern erklärt. Schau mal, Mama, Papa, es gibt Gymnasium, Realschule, Hauptschule.
Christian: Die Vorbereitung.
Aya: Genau, und dementsprechend haben meine Eltern sich sehr viel auf meine Schwester verlassen. Wenn meine Schwester dem Ganzen Vertrauen schenkt und sie ist sechs Jahre älter, dann muss da ja was dran sein. Und dann hat meine Schwester ein gutes Wort für mich eingesetzt und sie so: Ja, ...
Aya: Entspannt euch mal, das ist ein Dreimonatending und sie wird da wieder zurück sein.
Christian: Und dann hast du angerufen, du, es ist gar keine Uni, Mama.
Aya: Nee, ich habe das gar nicht gesagt. Und stimmt, die haben das gesagt. Die hören die Podcasts hier nicht, aber die wissen gar nicht, warum ich dann random ein neues Studium angefangen habe, aber ...
Aya: Nee, also das ganze Ding war halt für sie witzig, weil sie einfach gesehen haben, oh, meine Tochter kann da auf jeden Fall halt einfach mal for free in Kalifornien sein. Das könnten wir uns niemals leisten. Dann machen wir das doch, machen wir das doch möglich und sagen, ja, dieses arme Mädchen hat überall schon Poster von Bill Gates hängen, lassen wir sie doch mal hier die Illusion sprengen.
Christian: Aber war es dann trotzdem ein bisschen dieses Traum erfüllt, also vom Poster von Bill Gates ist plötzlich da ...
Aya: Auf jeden Fall.
Christian: Wir kommen noch zu Wände, aber bis dorthin ist ja erstmal eine Aufarbeitung, zu sagen, okay, hier jetzt bin ich bei der heißen Scheiße angekommen.
Aya: Heiße Scheiße? Ja, du hast es gesagt. Also es ist genau das gewesen, es war ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich war dann in Amerika, ich wusste, okay, dieser Mann war einer der ersten Investoren von Elon Musk, und ich weiß nicht, ob du die Diskussion um Elon Musk noch so weißt, aber am Anfang hat man ja wirklich noch so Diskussionen gehabt, ob das ein Social Entrepreneur ist. Also wirklich jemand, der Sozialunternehmertum macht mit seiner Elektromobilität, und da wurde dann ganz viel diskutiert, dass er den Klimawandel ja auch irgendwie stoppen könnte mit seinen Ideen und so weiter und so fort, und ich fand das mega cool. Ich fand das einfach super, super cool.
Aya: Und ich weiß noch, ich habe dann so T-Shirts getragen von Elon mit Occupy Mars. Das hatte er damals auch schon so ganz groß postuliert. Oder ich habe dann die Tesla-Gebäude besuchen können oder Instagram-Offices. Und ich habe von Tim Draper selber gelernt, okay, worauf achtet so ein VC, worauf achtet so ein Investor, mit wem unterhält er sich denn auch, um die Ideen gut zu finden oder auch nicht.
Christian: Also war es direkt auch an ihm dran sozusagen.
Aya: Ja, also jeden Tag haben wir dann halt mit ihm quasi auch die ganzen Business-Ideen gesprochen. Ich glaube, wir waren in dem Kurs 60 Leute oder so? Vielleicht ein bisschen weniger sogar noch. Und sehr international, und wir hatten dann halt am Ende des ...
Christian: Mega Netzwerk auch schon aufgebaut, oder? Obwohl noch nicht was passiert ist, ja, ist ja ...
Aya: Ja, da kamen ja jeden Tag drei, vier Unternehmer aus der Bay Area, die er selber supported und finanziert hat, und haben dann halt aus dem Nähkästchen erzählt und am Ende dann die E-Mail-Adresse dagelassen, und das war halt super.
Christian: Ja, klar.
Aya: Genau. Und so kam dann auch mein erster Job direkt nach dem Programm mit Hyperloop Transportation Technologies, wo ich dann auch Dirk Ahlborn bzw. die ganzen Leute auch kennengelernt habe, und ich war so: Ey, voll cool.
Aya: Also Silicon Valley, nice, das müssen wir wieder nach Deutschland bringen, diese Mentalität. Und das habe ich dann auch über verschiedene Interviews und halt eben auch diese Startup-Inkubatoren oder Programme, die ich dann auch mit unterstützt oder auch selber durchlaufen hatte, immer wieder versucht zu betonen, ja, wir müssen diese amerikanische Mentalität haben von Fail fast, fail better. Ich weiß nicht, go fast and break things.
Aya: Du kennst sie alle, die Sprüche. Es ist nicht so, dass ich jetzt gegen all diese Sprüche bin, aber wir wissen jetzt mittlerweile, wohin diese Mentalität, die Tim Draper ja auch hat, wohin sie auch geführt hat. Weil einer der Leute, die mir dann auch quasi begegnet sind in dem Programm, war Sam Altman selbst. Der war damals noch gar nicht so gehypt, aber Sam war halt damals schon so der Chef von Y Combinator, also einer der Startup-Schmieden natürlich, und Y Combinator, also das war so, Sam Altman hat ja so eine Kingmaker-Rolle fast schon gespielt, der entschieden hat, in wen investiert wird und in wen nicht.
Aya: Und der hat ja schon damals dann Peter Thiel ja auch eingeladen, und der hat dann ganz klar gesagt, versucht als Startup Monopolisten zu werden, also versucht wirklich ein Monopol aufzubauen.
Christian: Die meinen das wie ein Winner takes it all. Es wird nicht gemeint. Das wird in Deutschland oder Europa immer vergessen, finde ich, wenn es heißt wie Silicon Valley. Genau.
Christian: Guck da mal genau hin. Es ist gar nicht wertend gut, schlecht, aber da gibt's keinen Wettbewerb dann mehr. Das ist nicht der Anspruch. Genau. Sie wollen alles und das meinen die genau so.
Aya: Ganz genau. Und das ist für mich immer dieser Widerspruch von, manchmal wenn ich sie sehr kritisch beäuge, wird mir dann hinterhergerufen, dass ich so Antikapitalistin bin, und dann denke ich mir so, aber das ist doch gar nicht mehr Kapitalismus, wenn es keinen Wettbewerb gibt. Das macht doch den Kapitalismus aus.
Aya: Wir wollen doch für einen guten, gesunden Wettbewerb stehen, wohingegen diese Menschen ...
Christian: Also ich meine, das kann man, man kann den Anspruch haben, das sagt dann so, plappern schön über Monopole, aber dann ist der Wettbewerb schlecht.
Aya: Genau. Und ich bin sogar noch dabei zu sagen, okay, ein temporäres Monopol ist okay, weil in der Forschung gibt's das natürlich auch, dann gibt's so verschiedene Patente und so weiter. Okay, das kann man ja alles machen. Die laufen halt auch aus, die laufen halt aus. Genau.
Christian: Die großen Medikamente können ja ihre, da die Namen gerade vergessen, also wenn sie da die 100 Millionen investiert haben und dann Blockbuster, wie sie das nennen, da immer in der Pharma-Dings, auch nicht immer schön, aber es ist halt nicht forever. Und es wird größer, größer, größer, größer. Und dann sagt man, da ist jemand aufgewacht, weil einer gestorben ist. Ja, herzlichen Glückwunsch. Also das ist jetzt ein bisschen, da gab es mehr Wahnsinn, aber jetzt warst du eigentlich in deiner Phase, weil ja erstmal trotzdem, ja, du hast jetzt ganz große Namen auch gesagt, wo ja wahrscheinlich ganz Deutschland, ha, ja, erzählen mal, wie sieht denn die und weiß ich nicht was.
Christian: Dann sperrt sie auch ab, du wurdest ja selber eine oder bist ja auch eine sehr bekannte Persönlichkeit für das Ganze, stehst dann auch plötzlich für was, ob man es dann, weiß ich gar nicht, muss man sagen, ob man es dann will oder nicht zu der Zeit, wahrscheinlich wolltest du das auch. Ja. Ja.
Aya: Es hat mir natürlich viele Türen geöffnet.
Christian: Na klar. Ja. Und aber es ist ja auch okay, das ist mir auch okay gegangen. Also wenn du bist eben nach Amerika, du bist da hingegangen, du hast es halt gemacht. Du hast dich beworben, offensichtlich waren die anderen zu blöd oder nicht, oder haben gesagt, das ist eben ein Spam, aber man muss es halt machen. Weil wir reden auch immer sehr gern viel über irgendwas und dann kommt man nicht ins Machen, und auch in jungen Jahren sagen, okay, ich gehe da jetzt auch alleine hin, habe ich, weil ich es richtig geschafft habe.
Aya: Genau.
Christian: Auch das muss man halt erstmal machen. Ja. Und dann darf die Sache gehen und dann schenkt einem dort ja eben keiner was. Die gucken auf Leistung. Genau. Leistung ist dann in deiner Zeit, in deinem Know-how. Ja. Und wenn du das halt nicht bringst, dann geht es auch, sagen wir mal, lang die Leute kennen, ist man auch wieder raus. Ja.
Die Frage, die an ihre moralische Grenze ging
Aya: Ja, also ich habe wirklich viel gelernt einfach in dieser Zeit, wie diese Menschen an Geschäftsideen rangehen. Also dieses, ich habe ja dann auch selber eine Beratungsagentur gegründet, Co-Design Factory. Das haben wir dann so eineinhalb Jahre gemacht und dann haben wir gemerkt, okay, die Menschen, die wir auch angeschrieben haben, das waren alles selber sehr bekannte Startup-Gründer, aber auch Professoren, Influencer. Das waren alles so starke Eigenmarken, die wurden dann ganz oft auch einfach für Keynotes angefragt.
Aya: So, mir so, okay, warum machen wir eigentlich dieses Zickzack, dass die Leute erstmal als Keynote Speaker angefragt werden und dann als Berater? Ja. Gehen wir doch straight zu Keynote Speaking und dann, wenn sie wollen, können sie noch als Berater irgendwie auch aktiv werden. Und dann haben wir das und dann bin ich quasi raus und es wurde zur Speaker-Agentur umgewandelt, wo ich eben auch jetzt gerade gelistet bin, bei Disrupting Minds. Das ist quasi die Hintergrundgeschichte von Disrupting Minds.
Aya: Genau, dann habe ich über verschiedene Gründerzentren, unter anderem war ich jetzt just bei EWOR, ich weiß nicht, ob du die kennst, aber die sind, das ist unser Y Combinator quasi in Europa. Und EWOR war halt auch total so ein Ort, wo man genau diese Gründermentalität noch mal auch mitbekommt, die einem in Amerika auch mitgegeben wird. Mhm. Und ich habe dann zwei Ideen da verfolgt, einmal im Digital-Health-Bereich und einmal aber auch im KI-Bereich. Und ich habe jedes Mal, jedes Mal wollte ich groß werden und genau diese Mentalität umsetzen. Und jedes Mal habe ich Go's von Investoren bekommen, also wirklich im Millionenbereich.
Aya: Und dann wurde mir aber die unmögliche Frage gestellt, also wirklich eine Frage, die dann an meine moralischen Grenzen ran kam. Und wenn ich jetzt im KI-Bereich die eine Frage formulieren müsste, ...
Christian: Was ist das für eine Frage?
Aya: Na ja, im Grunde genommen war die Frage, im KI-Bereich war das jetzt, also bei dieser KI-Idee war die Frage: Bist du bereit, diesen Kreislauf, aus dem du jetzt versuchst zu entfliehen, bist du bereit, den für andere aber weiterzuführen?
Aya: Weil, ich weiß nicht, ob dir das bewusst war, aber die Menschen, die natürlich beispielsweise Daten trainieren, die dann für die KI genutzt werden können, diese Menschen werden oft nicht gut bezahlt. Und diese Menschen sind oft in prekären Verhältnissen selbst und versuchen denen zu entfliehen.
Aya: In meinem Fall war das so, dass wir mit so einer Organisation hätten arbeiten müssen, die genau, und das wusste man schwarz auf weiß, die genau mit diesen Menschen gearbeitet hätte, die in diesen prekären Verhältnissen wären.
Aya: Und auch das Produkt war nicht fehlerfrei. Das hätte an Journalisten quasi rausgehen müssen und die Informationen, die in diesem Produkt waren, waren auch nicht so komplett verlässlich. Ja. Also die KI hat halluziniert. Ja. Und Fehler ausgespuckt, und es war, und das war für mich so der Moment, so: Kann ich hinter diesem Produkt stehen? Ich bin selber geflohen. Ja.
Aya: Kann ich, will ich Menschen wirklich beschäftigen, die nicht aus ihrer Situation entfliehen können, oder will ich nach Alternativen suchen, die ein ethisch vertretbares Training möglich machen?
Christian: Wie kam es dann zu dem Twist, weil es eigentlich, ja, da will jetzt gleich jeder ja sagen, ist doch super. Aber du bist ja eigentlich aus einer, genau aus der anderen Welt gekommen. Also von dieser University, die einem wohl ein Stück Traum war bei dir, die einem genau andersherum holt. Also du bist ja auch neu codiert als Mensch dann. Also wie kam es, also ich stelle mir das wahnsinnig schwer vor, dann umzudenken. Das klingt jetzt immer so unmoralisch, du kannst ja kein Mensch sein, aber du bist ja, die machen alle und das ist gut. Und dann sind wir ja als Mensch auch manipulativ, und dann noch in jungen Jahren dann noch vielleicht noch mal mehr. Weiß ich jetzt nicht, wie es bei dir war, aber du bist ja gegen was gegangen, wo wahrscheinlich ...
Christian: ... alle anderen sagen, das ist doch der richtige Weg, in der Bubble, wo du da rumgeturnt bist.
Aya: Das ist so eine spannende Frage. Ich versuche das selber herauszufinden, warum das gerade bei mir so krass, warum der Pegel so krass ausgeschlagen hat bei mir, weil bei mir war das teilweise wirklich so, dass ich diese Artikel gelesen habe, die dann rauskamen von, dass diese Arbeiter nur zwei Dollar irgendwie am Tag verdienen teilweise, dass ich nicht schlafen konnte in der Nacht, und ich war so, ich weiß nicht, ob ich das will. Da hat was in mir wirklich, mein Wertekanon hat da ein ganz klares Nein gesagt.
Aya: Und ich habe mich dann quasi mehr eingelesen und noch mehr über diese ganzen Dinge erfahren, und ich habe dann auch eine Alternativlösung vorgeschlagen für die Investoren bzw. auch für meinen Co-Founder, von dem ich mich ja auch nicht trennen wollte.
Aya: Und diese Lösung hätte halt länger gedauert und hätte auch mehr gekostet. Und am Ende des Tages, Go Fast and Break Things macht das Ganze natürlich unmöglich. Und ich bin diesen Menschen auch nicht sauer, dass wir uns jetzt aus diesem Grund quasi trennen mussten. Das ist wirklich überhaupt kein böses Blut. Wir reden auch alle noch miteinander, aber es ist für mich ein Moment gewesen, wo ich gesagt habe, wirklich, ich brauche hier kurz eine Pause, weil ich muss wirklich lernen, was es ist, was mich hier an dieser ganzen Industrie nervt und was mir auch negativ einfach aufgefallen ist. Und es ist für mich das gewesen, ...
Christian: Dein Prozess mit dir selber oder gab es außen Einflüsse oder ...
Aya: Das war alles innerhalb von einem Monat.
Aya: Genau, weil der Moment, an dem ich diese Bedenken geäußert habe, da war dann schon für die Investoren klar, ah, da braut sich was zusammen, das könnte zu Streit führen, das könnte zu Konflikten führen in der Zukunft. Und dann wurde auch schon die Frage gestellt, ja, schau mal, die Perspektive wird wahrscheinlich sein, dass wir das skalieren wollen, und das wird wahrscheinlich sehr viel mehr verlangt von dir, dass du über diesen Fakt hinwegsehen kannst. Kannst du das? Und ich habe gesagt, nein. Ich kann das nicht.
Aya: Und für manche Menschen, die das jetzt hören, ist es wahrscheinlich so dieses englische You don't have what it takes, dieses, sie hat nicht dieses Gründerding gehabt in dem Moment, und da muss ich jetzt sagen, okay, vielleicht ist es das. Und es hat mich dann in diese andere Richtung verleitet, wo du mich jetzt quasi auf der Bühne siehst, wie ich kritisch und in Form von Büchern quasi über meine Zeit spreche bzw. über diese ganzen Systeme, die natürlich dort auch herrschen und die ich kritisiere.
Neue Bubble, Vermögensungleichheit und Gegenwind
Aya: Aber ja, ich musste mich erstmal da reinlesen. Was ist denn die Kritik genau daran? Und dann habe ich neue Worte gelernt, um mein Gefühl auch zu beschreiben, diese Unzufriedenheit, oder ich habe dann wirklich Statistiken und Zahlen bekommen, wo ich dann gesehen habe, ey, da ist eine große Vermögensungleichheit auch unter diesen Menschen, die dann erfolgreich sind im Silicon Valley versus die, die es versuchen zu sein.
Aya: Genau, und das hat mich dann dazu bewegt, Leute zu interviewen, Menschen auch zu begleiten, und tatsächlich war für mich LinkedIn ein super Ort, wo ich die ersten Leute gefunden habe, die auch da ein bisschen anders gepolt sind. Ich habe dann meinen Feed quasi auch angepasst und habe dann erstmal alle Leute entfernt, die komplett pro KI waren die ganze Zeit. Ich so, ich möchte nicht, die kritischen Stimmen mal hören. Ich möchte sie im Feed sehen. Ich habe nicht die Kontakte entfernt, sondern einfach nur, genau.
Christian: Zu tweaken.
Aya: Genau, einfach mal dem Algorithmus zu vermitteln, ich bin kritischer. Schauen wir mal weiter.
Aya: Und einer der Menschen, einer der Gründer, die mich dann auch total krass begleitet haben in dieser Zeit, war Sebastian Klein. Sebastian Klein hat selber einen Exit mit Blinkist gemacht, mit der App, und war super erfolgreich auch damit, und hat aber dann sein Geld in Form von wirklich Startup-Kapital an Leute weitergegeben, also fast sein komplettes Geld, was er mit diesem Exit verdient hat, an Leute weitergegeben, die halt Social Entrepreneurs waren, also wirklich für Sozialunternehmertum, und hat sich dann auch mit ...
Aya: ... Zu verschiedenen Fragen von, wie viel gehört einem das Unternehmen am Ende, an wen wird das dann vererbt, und diese ganzen Erbenfragen, steuerlichen Fragen, ist das eigentlich noch ein gerechtes System hier in Deutschland, was müsste sich verändern. Ich habe dann wirklich viel von ihm gelernt, neue Kontakte auch bekommen, Millionäre kennengelernt, die auch, ne, diese ganze, ich weiß nicht, ob du die kennst, Tax Me Now Bewegung, also Millionäre, die wirklich selber sagen, ich muss mehr besteuert werden. Und ich dachte so, wow, das ist ja eine ganz andere Mentalität als was ich da in Amerika gesehen habe. Das sind ja auch alles erfolgreiche Unternehmer.
Christian: Aber der Weg dahin war immer dein eigener Schritt. Also so wie du allein, also nicht, ja, ich weiß nicht, ob die Kette, also wie du dich entschieden hast mal mit dem ganzen Coaching, war dein allein, hast du Leute dann gesucht oder was hast du, also es ist ja fast schon parallel, ist ja davon vorgehen, wie du es gemacht hast. Ja. Also du hast da was gesehen, hast gemerkt, die haben nicht, die muss ich mir jetzt finden, dann gehe ich allein dorthin, dann merke ich, bleib zusammen, versuche es gerade zu greifen, und dann merkst du, das ist eigentlich nicht das, was zu dir passt, und dann bist du wieder raus, und es wird dir immer schwerer das Rausgehen eigentlich, weil die Bubbles werden größer, man ist selber ein bisschen reifer, älter, man merkt, okay, das hat jetzt auch einen Impact, wenn ich rausgehe, weil dein Co-Founder, ja, was soll denn das, der Scheiß?
Aya: Ja.
Christian: Wir haben doch gesagt, wir rocken das Ding hier durch. Und jetzt sagst du mir plötzlich was von Werten oder was, ich wie. Also ich, ob der jetzt so ist, aber das ist ja ein ganz anderer Schritt noch mal wie dort, aber dass das nicht wieder gleich durchgeht, also der, der, was will ich sagen?
Aya: Immer selbst, immer selbst, man muss ja auch irgendwie auch im Einklang mit sich selber sein. Also ich bin ja auch ein großer Fan davon, genau.
Christian: Macht man es dann auch. Und dann sagt man, das ist immer der Nachsatz, der ist ja auch schon, da heißt es super, ja, genau so muss man es ja machen, aber die Frage ist, wenn du selber in der Entscheidung stehst, also zu vielleicht ein Millionen-Exit, und auch das mal Traum gewesen, jetzt kann man darüber diskutieren, das ist gut, aber wenn es dann und dann zu sagen, nee, das ist es gerade, das ist schon was anderes, wenn man selbst entscheiden muss.
Aya: Das war nicht einfach. Ich glaube, ich habe monatelang jeden Tag geweint. Also das war so ein krasser mentaler Schritt für mich zu sagen: Mensch, ich bin so kurz davor, genau meinen ganzen ... Du musst aber nicht ...
Christian: Genau. Ist aber richtig, auch wenn es dich ...
Aya: Also ich habe da auch mit meiner Familie drüber gesprochen und die meinten so, ach ja, wir sehen dich hier gerade, und du bist nicht mehr die Aya, die so glücklich war über die ganze Startup-Industrie und so weiter, weil du bist gerade unfähig, über diesen Fakt hinwegzusehen, und ich glaube, da ist sehr viel drin, wo du reinschauen musst, und vielleicht ist es einfach gerade nicht deine Idee.
Aya: Geh doch einfach mal raus und schau dir einfach mal an, vielleicht gibt es da noch etwas, was du wirklich von Herzen sagen kannst. Ja. Ja. Und das spielt für mich schon eine große Rolle, dass man hinter dem steht, was man da draußen auch formuliert, und ...
Christian: Ich glaube, man merkt auch immer, ich glaube, das kann man jedem Unternehmer sagen, und du merkst immer, wir haben es ja lange gesagt, immer, was dir Spaß macht. Und wenn es keinen Spaß mehr macht, dann stehst du nicht, also das ist ja dann die Kette. Ja.
Aya: Ja. Und dann fühlt sich die Arbeit wirklich wie Arbeit an, dann kann man nicht nachts durch.
Christian: Wenn man da reinkommt, kommt da nichts mehr raus.
Aya: Nein, genau.
Christian: Ob das immer gut ist, dass es einem Spaß macht, da kann man wieder dafür sorgen, aber es muss eine Grundlage sein, und dann hast du wenigstens die Chance gut zu sein. Es ist aber keine Garantie, nur weil jetzt ...
Aya: ... von allem im Gründertum. Also deswegen fand ich es so wichtig, dass ich da jetzt einfach ein bisschen näher reingucken kann. Weil ganz ehrlich, ich bin ja auch noch jung. Es ist jetzt nicht so, dass jetzt die Tage gezählt sind.
Christian: Ja, ich habe dir gerade zehn Jahre draufgeschlagen im Intro, aber du bist definitiv noch jung, du kannst noch sehr, sehr viel machen.
Aya: Ja, ich glaube, die ersten Menschen sind halt ...
Christian: Musstest du damit nicht mehr so hart mit Hass umgehen und so weiter? Ich meine, wenn man so dreht aus dieser Welt heraus, dann hätte ich jetzt erwartet, dass das also auch noch, auch noch die Frau als Projektionsfläche, die super ist für Vorbild und so weiter. Und die dreht jetzt aus dieser Welt in die eigentlich gegensätzliche Richtung, wo die alle hin drehen. Ja.
Aya: Ich glaube, ich war Projektionsfläche für sehr viele Menschen, die ähnliche Gedanken hatten wie ich, die sich ähnlich unwohl gefühlt haben mit diesen ganzen KI-Trends und keine Ahnung was. Und dann haben die natürlich in die Kommentare ganz viele Meinungen, und von Beleidigungen zu Name Calling und so weiter, war da alles dabei. Aber vor allem hat man so ein bisschen rausgehört, diese Menschen haben ein großes Problem damit, dass ich da einfach rausgegangen bin, dass ich mich einfach dagegen entschieden habe und diesen Weg nicht gegangen bin. Und es war so diese Mentalität von, ja, in Deutschland muss man doch irgendwas zu Ende machen. Man muss das auch zu Ende gehen.
Aya: Und da bin ich einfach nicht dabei. Diese Sunk Cost Theory, da bin ich nicht dabei. Das müsste man an meinem Leben schon sehen, beim Lebensabschluss.
Christian: Ich glaube schon, mit deinem Börsenspiel. Ja, genau. Da kannst du irgendwann das System halt ...
Aya: Also, egal wie viel Zeit du da in irgendwas investiert hast, wenn es sich nicht mehr richtig anfühlt, ...
Christian: Und was positive Resonanz auch bekommen.
Aya: Natürlich.
Christian: Und aber auch ...
Aya: Sehr, sehr viel.
Aya: Ich habe mir eine komplett andere Bubble aufgebaut eigentlich. Also auch mit meinem Instagram, ich mache das ja jetzt seit fast sieben Monaten oder so, und ich habe irgendwie, glaube ich, 40.000 Follower jetzt in dieser Zeit irgendwie auch bekommen, und das komplett ohne Ads, sondern ich habe einfach begonnen, meine Meinung innerhalb dieses Kosmos auf LinkedIn, auf Instagram zu teilen, weil ich mir dachte, ich glaube, mit diesen Meinungen bin ich nicht alleine. Und am Ende des Tages habe ich echt gemerkt, ach, die Kommentare, die werden langsam positiver. Am Anfang waren die noch sehr feindlich.
Christian: Das ist ja immer, man sagt ja immer, liest man dann nicht und so, aber es ist ja doch immer so, also es ist ja nicht so einfach, die Schale aufrechtzuerhalten, also ... Ja.
Aya: Oder war das zu schnell?
Christian: Oder war es so schnell auch Positives, weil wenn es erstmal so nicht ...
Aya: Ja, glücklicherweise war das so, dass auf LinkedIn alle mit Klarnamen kommentieren. Dementsprechend waren die Kommentare nicht ganz so schlimm auf LinkedIn. Ich habe sehr viel gelernt über die Kommentare, natürlich auch wie man argumentieren muss, damit man seinen Standpunkt klar kommunizieren kann. Also, ich bin auch niemand, der jetzt über die ... Also, ich habe jetzt sehr viel über Moral und Werte gesprochen, aber in meiner Kommunikation wirst du das eigentlich nicht so sehen. Ich gehe schon über Zahlen, Daten, Fakten und Statistiken aus, die bei jedem eigentlich sagen sollen, hey, unsere Demokratie ist gefährdet gerade wegen dieser Vermögensungleichheit, und dagegen sollte jeder sein.
Aya: Ob jetzt Kapitalist oder Antikapitalist ist mir so egal. Am Ende des Tages haben wir einen Billionär mittlerweile, Elon Musk, der halt einfach mehr besitzt als 46 % der ärmeren Bevölkerung. Das ist ...
Christian: Aber der Weltbevölkerung oder?
Aya: Ja, also, wenn man sich anschaut, das ist die untere Hälfte, 46 % von den ... Was meinst du?
Aya: Das kann doch nicht sein, und er ist schon auf dem Weg zu seiner zweiten Million. Also das ist halt krass, weil er so eine krasse Wette auf KI wirklich geschlossen hat und jetzt mit diesen Aktien, die er hat und hält, neue Unternehmen auch im KI-Bereich kauft, und ich denke mir so, okay.
Aya: Wenn diese ...
Christian: Mit der Mentalität, die hinter Winner takes it all steht. Genau. Das ist dann schon ein bisschen ...
Aya: Diese Mentalität und über die Klippe bringt, dann möchte ich wenigstens die Warnung kurz vorher ausgesprochen haben. Also, das ist so ein bisschen die Rolle, die ich habe, und da bin ich ganz froh eigentlich.
Werte, System und der Titel des Films
Christian: Und hast nie gehadert mit ...?
Aya: Mit dieser kritischen Seite.
Christian: Ja, also gab es da auch eine Zeit, wo du gedacht hast, habe ich es jetzt überzogen oder ...?
Aya: Die Frage war natürlich ...
Christian: Sehr bestätigen eigentlich nur noch, dass dann jetzt geht's straight forward, also jetzt schon. Ich finde, die Werte bleiben wahrscheinlich gleich, aber so von der Außenperspektive nimmt man da zwei, ja, es war so. Also dann denkt man auch dann, da muss ja, und meistens ändern sich ja Werte, wenn es das so war, bei Menschen, wenn irgendwas eher sehr, sehr schlimmes oder sehr signifikantes im Leben passiert. Aber du hast eigentlich nicht den Wert geändert, nur die Sicht darauf.
Aya: So. Die Werte haben sich nie geändert, aber sie sind mir halt wirklich einfach klar geworden, dass das Silicon Valley diese Werte nicht repräsentiert, von denen ich dachte, dass sie repräsentiert werden.
Christian: Also eher eine Erkenntnis, als nicht bei dir eine Änderung, sondern die Erkenntnis. Genau. Da ist was.
Aya: Okay. Das war es wirklich. Also mir war das wirklich bewusst, als ich dann mir auch Gedanken machen musste, okay, wen erkläre ich hier eigentlich als Feind in meinem Kopf? Ja. Und es waren nicht die Gründer, es waren auch nicht die Investoren, sondern es war für mich dieses ganze System, das eben diese Milliardäre überproduziert hat, und diese Milliardäre mal herzunehmen und zu sagen, okay, wir müssen mal mehr über Steuern sprechen. Wir müssen mal mehr darüber sprechen, warum er überhaupt so viel Geld anhäufen konnte. Und wie die KI das überhaupt möglich gemacht hat.
Aya: Also, ne, wie KI Daten trainiert, wie KI zum Datenhunger beiträgt, zum Klimawandel beiträgt und so weiter und so fort. Das spielt ja alles eine Rolle. Okay, das ist mein Feind. Das muss ich mir erklären.
Christian: Finde ich sehr schlau, weil das, was du sagst, gilt für Groß- und Kleinunternehmen genauso. Also System schafft immer Kultur, oder Struktur schafft Kultur.
Christian: Die sind nicht einfach da. Ja. Und das ist ein Spiel, man braucht manchmal Zeit, das zu verstehen, aber das ist überall fast gleich, egal wie groß oder klein. Das ist überall, oder? Ja, ist so.
Christian: Also es ist auch mein Key Learning, also das muss man ja auch schmunzeln, wenn irgendwie Unternehmen sagen, meinetwegen erstmal Kulturprogramme, ja, heftig.
Aya: Ja, genau.
Christian: Es ist bloß am System oder der Struktur, wenn du es, und dann kannst du nur wirken, du kannst auch keinen Mensch ändern. Das ist auch so eine Farce. Der Mensch kann sich selber ändern, haben alle keinen Bock drauf so richtig, weil anstrengend. Also das ist immer, auch was du gerade beschreibst, stelle ich mir wahnsinnig anstrengend vor. Also sich selber aus den Dingen rauszuziehen, weil man sagt, es passt nicht, aber das heißt eine Veränderung bei sich herbeizuführen. Und das mögen wir eigentlich alle nicht. Wir sagen das immer so im Bewerbungsgespräch, ja, ich will lieber ändern, sonst ein Spaß sind es, denn unser Biomechanismus ist ja darauf ausgelegt, Energie zu sparen. Das heißt, und es ist anstrengend.
Aya: Danke. Ja, dass du das sagst, weil ich, also ich bin ja komplett im Hustle-Modus auch bei einem Startup. Da bist du ja von vorne bis hinten nur an dem Produkt interessiert. Wann hast du da überhaupt ein Buch mal in die Hand genommen, was mal themenfremd ist?
Aya: Genau, und das möchte ich gerade auch betonen. Also, da hat mich kein Buch hingebracht, was ich jetzt mal über Vermögensungleichheit gelesen hätte. Wie soll ich überhaupt auf diese Sachen kommen? Also weder im Studium noch irgendwo anders lerne ich das kennen. Dementsprechend musste der Schalter im Kopf wirklich passieren, und ich musste diese Grenzen wirklich am eigenen Leib spüren, und deswegen finde ich es so wichtig, dass man so ein bisschen in Tune ist mit sich selber und ob das, was man macht, ob das mit dem noch übereinstimmt, wofür man stehen möchte. Ja. Deswegen bin ich so froh, dass du mich eingeladen hast, dass ich darüber sprechen kann, dass Leute darüber sprechen.
Christian: Dass du das gemacht hast und jetzt auch hier, wir kommen leider so langsam wieder zum Ende, aber ich glaube, es ist so wichtig, das ein bisschen zu verstehen, ...
Christian: ... Menschen, die es machen, und was da so an Themen ist, warum die dahin gekommen sind, wo sie jetzt stehen, auch du, das ist halt einfach eine faszinierende Geschichte, und ich glaube, das ist halt auch genau dieses Vorbild, was wir immer suchen. Da muss man ganz viel drüber sprechen und gar nicht nur von dem, was du tust, sondern eben dieses, das ist dieses mit dem Why, How, What, Warum. Und da finde ich, kann man richtig, richtig viel lernen. Oder ich glaube, es gibt viele, die hoffentlich jetzt zuhören.
Christian: Die vielleicht ein, das wäre vielleicht ein guter Punkt, wo man drüber nachdenken kann, weil man immer so flapsig das so sagt, werden so, ja, so hören wir ja ein bisschen in Deutschland wie Silicon Valley denken. Das ist sehr banal und zu platt in meinem Denken auch, wo ich sage, erstens, sind wir es nicht, und zweitens, guck doch mal, was da passiert. So öffentlich, dass du das sagst. Aber diese, das, ja, aber ich kann das auch nicht mehr hören, ehrlich gesagt. Es ist da, wie viele Unternehmen machen Ausflüge ins Silicon Valley, freuen sich dann, weil irgendwo Google Campus steht, wie das ...
Aya: Und jetzt was?
Christian: Genau, und jetzt was, weil wir wollen doch hier was, wir wollen doch hier was schaffen. Genau. Und Januar war das, das kann man so ohne zu, wir schreiben die ganze Zeit über Trump, ja. Aber wir müssen doch hier was ändern, was bringt uns das jetzt? Wir können jetzt jede Atembewegung muss ich aufpassen, wie wir zeigen, aber ...
Aya: Da treffen wir uns wieder. Deswegen Souveränität, wir bauen hier unsere eigenen Strukturen. Brauchen wir.
Christian: Fragen, denn das habe ich immer in diesem Podcast ganz, ganz, ganz viel Lust, und zwar: ...
Christian: ... Wenn über dich ein Film gedreht werden würde, was ich mir übrigens bei dir gut vorstellen kann, dass das einer mal macht oder eine, was wäre so dein, was würdest du dir wünschen, was müsste der Titel sein, dass du sagst, ja genau, das bin ich. Das beschreibt vielleicht sogar meine Wahl.
Aya: The only way is through.
Christian: The only way is through. Und auch auf Englisch.
Aya: Ja, wahrscheinlich, also wahrscheinlich wäre es wahrscheinlich irgendwas auf Englisch, weil ich mir dieses, oder der einzige Weg ist durch. Ich weiß nicht, ob auf Deutsch würde der wahrscheinlich so gehen, weil ich habe echt gemerkt, du kannst nicht drumherum gehen um diese großen moralischen Fragen. Du musst deine Werte irgendwann herausfinden, und irgendwann wird es dich so sehr nerven.
Christian: Und fast zu allen Fragen gleich. Deswegen sagen wir immer so, einfach machen, wir wissen aber, es ist nicht einfach zu machen. Das ist genau, das ist nicht das, was wir sagen, aber ...
Aya: Ja, und einfach weitermachen, durchhalten, auch wenn es unangenehm wird. Es wird besser.
Christian: Ja, vielen, vielen, vielen Dank, hat mir mega Spaß gemacht.
Aya: Miau.
Christian: Danke für die Fragen. Noch 10.000 Sachen mit dir, weil es einfach schön ist zu hören, dass man merkt eben, dass du machst, was du liebst. Das ist vom ganz klaren Herzen. Vielen Dank dafür.
Aya: Vielen Dank.