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Jasper Kolb und zwei Frauen lachen an einem Tisch mit Perlen und Garnrollen, im Vordergrund ein bunter Blumenstrauß.

Von der Workshop-Plattform zur Eventagentur

Erst kostete ein Lockdown fast über Nacht den Umsatz, dann platzte ein Deal aus „Die Höhle der Löwen“. Jasper Kolb erzählt, warum ausgerechnet Anfragen, die niemand geplant hatte, The Makery weitergebracht haben.

Das Team von The Makery in schwarzen T-Shirts mit Logo posiert vor einer Backsteinwand mit Graffiti.

Kurz gefasst

  • Frag direkt vor Ort nach, was gebraucht wird. Jasper druckte die ersten Mock-ups der Seite auf Papier aus und fuhr mit dem Fahrrad zu Schmuckateliers, Kochschulen und Studios. Das Feedback der Kreativen zu den Funktionen floss direkt in die Entwicklung der Plattform ein.
  • Ändere das Format, aber nicht den Grund. Als im Frühjahr 2020 keine Workshops mehr stattfinden durften, stellte The Makery innerhalb weniger Tage auf Online-Workshops um. Getragen haben das Unternehmen am Ende die DIY-Boxen, mit denen Menschen zu Hause kreativ werden konnten.
  • Achte auf das, was schon funktioniert. Die Agentur war nie geplant. Sie entstand aus Anfragen, die immer wieder eingingen. Beim ersten großen Sommerfest 2022 fand sich niemand, der eine DIY-Area für 2.500 Personen umsetzen konnte, also machte das Team es selbst.
  • Gib jedem Geschäftsbereich einen eigenen Zweck. Wer einen Workshop bucht, will einen Nachmittag lang etwas lernen. Wer auf einem Firmenevent ist, will feiern. Seit The Makery beides getrennt behandelt und der Agentur eine eigene Identität gegeben hat, fallen Entscheidungen klarer aus.

Jasper Kolb hat The Makery 2017 mit Maija als Berliner Plattform für Kreativ-Workshops gegründet. Heute entwickelt seine Agentur Mitmach-Erlebnisse für Marken, auch für 2.500 Gäste. Wie wurde aus der Plattform ein zweites Geschäft?

Von Sydney über Zalando zur eigenen Plattform

Jasper, die Idee zu The Makery stammt aus Sydney. Was habt ihr dort erlebt?

Maija und ich haben vorher in Sydney gelebt. Dort sind wir auf eine kleine Firma gestoßen, die jeden Abend Kreative in ihr Studio eingeladen hat, die Workshops zu den unterschiedlichsten Themen angeboten haben. Wir waren neu in der Stadt und fanden das großartig: Man konnte einfach vorbeikommen, ohne jemanden zu kennen, von jemandem lernen, der für sein Handwerk brannte, und kam am Ende mit den Leuten neben sich ins Gespräch. Diese Idee ist bei uns geblieben.

Gegründet hast du trotzdem nicht sofort. Warum?

Ich wusste, dass ich irgendwann etwas Eigenes gründen wollte, aber es gab nur mehrere unkonkrete Ideen. Also habe ich nach unserer Rückkehr nach Berlin erst mal wieder bei meinem alten Arbeitgeber Zalando angefangen. Den Plan habe ich nicht aus den Augen verloren, neben der Arbeit nahm The Makery langsam Gestalt an. Sehr langsam, weil ich nur nebenbei daran arbeiten konnte.

Am Anfang habe ich das Konzept vorangetrieben, Maija hatte noch ihren eigenen Job. Sie wurde stärker eingebunden, als klar wurde, dass mir in Marketing und Markenaufbau die Erfahrung fehlte. Was damit begann, dass ich um Hilfe gebeten habe, wurde nach und nach zu einer echten Partnerschaft: Ich habe mich auf die geschäftliche und operative Seite konzentriert, Maija hat einen Großteil der kreativen und visuellen Ausrichtung geprägt. Ende 2017 sind wir mit zehn Workshops in Berlin live gegangen.

Wie hast du die ersten Kreativen überzeugt, ihre Workshops bei einer Plattform einzustellen, die es noch gar nicht gab?

Das Angebot war damals sehr zersplittert: Manche Anbieter hatten Webseiten, andere nur Instagram oder Kleinanzeigen. Eine Webseite, die alles bündelt, gab es nicht. Ich hatte erste Mock-ups unserer Seite, habe sie auf Papier ausgedruckt und bin mit dem Fahrrad losgefahren, zu Schmuckateliers, Kochschulen und Studios. Die Reaktionen waren überwiegend positiv, und das Feedback zu Funktionen haben wir direkt in die Entwicklung eingebaut.

Lockdown, DIY-Boxen und ein geplatzter Deal

Im Frühjahr 2020 durfte von einem Tag auf den anderen kein Workshop mehr stattfinden. Was hat das für euch bedeutet?

Fast über Nacht war unser Umsatz weg. Unser ganzes Geschäft bestand darin, Menschen in einem Raum zusammenzubringen, und plötzlich war das nicht mehr erlaubt. Und es waren ja nicht nur unsere Umsätze, sondern vor allem die der vielen Workshop-Anbieterinnen und -Anbieter auf unserer Plattform, die plötzlich keine Einnahmen mehr hatten.

Gemeinsam mit unserer Host-Community haben wir die Plattform innerhalb weniger Tage auf Online-Workshops umgestellt, aber die konnten nicht ersetzen, was wir verloren hatten. Was uns wirklich durchgetragen hat, waren die DIY-Boxen: Wenn Menschen nicht zu einem Workshop kommen konnten, konnten wir oder unsere Anbieter ihnen etwas schicken, das sie zu Hause machen konnten.

Was ich daraus mitgenommen habe: Man kann das Format ändern, solange man an dem Grund festhält, warum man angefangen hat. Für uns heißt das, Menschen zu helfen, etwas zu erschaffen und sich zu verbinden.

Man kann das Format ändern, solange man an dem Grund festhält, warum man angefangen hat.

In „Die Höhle der Löwen“ hattet ihr im Studio einen Deal mit Georg Kofler, der danach nicht zustande kam. Wie blickst du heute darauf?

Im Rückblick bin ich froh, dass es so gekommen ist. Abgesehen von diesem Auftritt haben wir nie aktiv nach Investoren gesucht. Vielleicht wären wir heute deutlich größer, vielleicht würde es uns aber auch nicht mehr geben.

Unabhängig zu bleiben hat uns Freiheit gegeben. Wir können experimentieren und Ideen sich entwickeln lassen, bevor wir genau wissen, wohin sie führen. Die Agentur ist genau aus diesem Freiraum entstanden.

Wie neben der Plattform eine Agentur entstand

Die Agentur war also gar nicht geplant?

Nein. Sie ist aus Anfragen entstanden, die immer wieder bei uns eingegangen sind, und daraus, dass wir beobachtet haben, worauf Kunden und Gäste positiv reagiert haben. Eine Lehre daraus: Achte auf das, was bereits funktioniert, auch wenn es nicht zu dem Plan passt, mit dem du gestartet bist.

Die zweite: Wer auf der Plattform einen Workshop bucht, will einen Nachmittag lang etwas lernen. Wer bei einem Firmenevent dabei ist, will feiern und sucht etwas Einfaches zum Mitmachen. Sobald wir aufgehört haben, das als dasselbe zu behandeln, wurden Entscheidungen klarer.

Erklär jemandem, der noch nie einen Workshop gebucht hat: Was bietet The Makery heute an?

The Makery hat zwei Seiten. Die Plattform ist der Ursprung. Lokale Kreative und Künstler unterrichten dort Workshops unter eigenem Namen, von Töpfern über Pasta bis Naturkosmetik. Dazu kommen Gutscheine und DIY-Sets für zu Hause.

Die Agentur macht aus Kreativität ein Eventformat. Wir haben mehr als 150 erprobte Konzepte, aber wir stellen nicht einfach einen Standard-Workshop in einen Raum. Wir übersetzen Marke, Zielgruppe und Eventziele in ein Hands-on-Erlebnis und übernehmen alles bis zur Umsetzung vor Ort. Das kann ein 90-minütiger Workshop sein, eine offene DIY-Station, Live-Stickerei, Gravur oder Siebdruck, oder ein komplett neues Konzept für eine Marke.

Wann hast du gesehen, was aus der Agentur werden könnte?

Bei unserem ersten großen Event 2022, einem Sommerfest für 2.500 Personen. Der Kunde wollte eine DIY-Area mit verschiedenen Themen, aber nur mit einem Partner arbeiten, der alles organisiert. Wir haben festgestellt, dass das in dieser Größenordnung niemand umsetzen kann, und es dann selbst gemacht.

Ich erinnere mich, wie ich über den Raum geblickt und gesehen habe, wie all diese Menschen gleichzeitig etwas gemacht haben. Sie waren konzentriert, haben verglichen, was sie gemacht hatten, und es einander mit dieser fast kindlichen Begeisterung gezeigt. Wir hatten bewiesen, dass ein großes Event jedem Gast trotzdem einen persönlichen kreativen Moment geben kann. Derselbe Kunde ist seitdem jedes Jahr wiedergekommen.

Zwei Geschäftsbereiche, ein gemeinsamer Grund

Und welche Geschichte erzählst du, wenn dich jemand auf einer Party fragt, was du eigentlich machst?

Ich fange meistens mit der einfachen Version an: Wir bringen Menschen dazu, mit ihren Händen etwas zu machen. Dann erzähle ich, dass das einmal bedeutet hat, für Bentley eine Duftbar auf einer spanischen Rennstrecke zu bauen, an der Gäste einen persönlichen Duft kreiert haben. Das zeigt gut, wie weit sich die Arbeit vom klassischen Sitz-Workshop entfernt hat.

Die Plattform ist die bekanntere Marke, die Agentur operativ inzwischen deutlich größer. Wie balancierst du das?

Die Plattform ist weiterhin unsere sichtbare B2C-Marke und das kulturelle Herz von The Makery. Dort lebt die ursprüngliche Idee. Die Agentur ist inzwischen der größere Teil im Tagesgeschäft. Und sie ist deutlich rentabler als das Kommissionsgeschäft der Plattform. Deshalb ist es für uns wichtiger, dort neue Kunden zu gewinnen, als die Plattform in weitere Städte auszubauen. Der Agentur eine eigene Identität zu geben, hat geholfen. Zwei Geschäftsbereiche zu balancieren heißt nicht, sie gleich zu machen. Es heißt, jedem einen klaren Zweck, eigene Erfolgsmaßstäbe und genug Raum zur Entwicklung zu geben, während eine gemeinsame Mission sie verbindet.

Zwei Geschäftsbereiche zu balancieren heißt nicht, sie gleich zu machen.

Wer steckt hinter so einem Event?

Wir sind ein kleines Team, unterstützt von Freelancern und einem Netzwerk von mehr als 300 kreativen Partnern. Das Wort Workshop kann klein klingen, aber die Arbeit hinter einer großen Aktivierung ist es nicht. Wir testen den Ablauf, bereiten Tausende Materialien vor und koordinieren das Team so, dass Mitmachen sich für jeden Gast mühelos anfühlt.

Was ihn antreibt und was er anderen rät

Was treibt dich nach neun Jahren und einigen Krisen noch an?

Der Grund ist erstaunlich gleich geblieben: Wir wollen Kreativität zugänglich machen und Menschen durch kreative Erlebnisse zusammenbringen. Oft braucht es einfach die richtige Einladung. Und ehrlich: Wenn jemand zu uns kommt und sagt „Ich bin doch gar nicht kreativ“ und am Ende stolz zeigt, was er gemacht hat, dann ist genau das der Moment, der mir zeigt, warum ich das mache.

Du hast selbst neben dem Job gegründet. Würdest du das anderen empfehlen?

Pauschal nicht. Für mich hat es sich damals richtig angefühlt, weil ich nicht sicher war, wohin es geht, und mir das Sicherheitsnetz wichtig war. Manchmal ist es aber besser, alles auf eine Karte zu setzen.

Worauf ich in jedem Fall achten würde: warum Menschen zu dir kommen, und ob sie eigentlich etwas anderes brauchen, als du ursprünglich gedacht hast.

Wohin soll sich The Makery entwickeln?

Einige der wichtigsten Teile von The Makery waren nicht geplant, deshalb plane ich nicht jedes Detail voraus. Die Plattform soll ein starkes, kuratiertes Zuhause für lokale Kreative bleiben. Mit der Agentur wollen wir langfristige Markenpartnerschaften vertiefen und unsere internationale Arbeit ausbauen. Die größere Vision ist, dass The Makery für kreatives Mitmachen steht, wo immer Menschen zusammenkommen. Wir haben zwei Seiten eines Unternehmens um einen einzigen Glaubenssatz herum aufgebaut: Gemeinsam etwas zu machen verbindet Menschen.

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www.themakery.de
© Foto Credits:
The Makery
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Häufige Fragen zu

Jasper Kolb

Wer ist Jasper Kolb?

Jasper Kolb ist Mitgründer und Geschäftsführer von The Makery in Berlin. Er hat das Unternehmen 2017 gemeinsam mit Maija Kassari gegründet, zunächst neben seinem Job bei Zalando. Beim Aufbau kümmerte er sich um die geschäftliche und operative Seite.

Was bietet The Makery an?

The Makery hat zwei Bereiche. Auf der Plattform unterrichten lokale Kreative Workshops unter eigenem Namen, von Töpfern über Pasta bis Naturkosmetik, dazu kommen Gutscheine und DIY-Sets. Die Agentur entwickelt Mitmach-Erlebnisse für Markenevents und setzt sie vor Ort um. Dafür gibt es mehr als 150 erprobte Konzepte, bei Bedarf entsteht ein neues.

Wie ist die Agentur von The Makery entstanden?

Geplant war die Agentur nicht. Sie entstand aus Anfragen, die immer wieder eingingen, und aus dem, worauf Kunden und Gäste positiv reagierten. Beim ersten großen Event 2022, einem Sommerfest für 2.500 Personen, organisierte das Team die gesamte DIY-Area selbst. Derselbe Kunde kommt seitdem jedes Jahr wieder.

Würde Jasper Kolb empfehlen, neben dem Job zu gründen?

Nicht pauschal. Ihm war das Sicherheitsnetz wichtig, weil er nicht wusste, wohin es geht. Manchmal ist es aber besser, alles auf eine Karte zu setzen. In jedem Fall rät er, darauf zu achten, warum Menschen kommen und ob sie etwas anderes brauchen als ursprünglich gedacht.

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