Max Fröhlich promoviert in Mathematik und erklärt als AI einfach erklärt auf Instagram, TikTok und YouTube, was hinter den KI-Schlagzeilen steckt. Dazu kommen Keynotes und Workshops. Wie wird aus Forschung ein Format, dem 68.000 Menschen folgen?
Von der Quantenphysik vor die Kamera
Du hast in der Quantenphysik geforscht und bist mit einer Arbeit zur Simulation offener Quantensysteme sogar in Nature veröffentlicht worden, bevor du angefangen hast, komplexe KI-Themen auf Instagram, TikTok und YouTube zu erklären. Wer bist du, was machst du, und von wo aus arbeitest du?
Ich bin Max Fröhlich, bin 29, wohne in Berlin und promoviere gerade in Mathematik, genauer gesagt in KI und Quantencomputing. Seit letztem Jahr erkläre ich auf Social Media die neuesten Entdeckungen und Hypes rund um das Thema KI. Interessant und verständlich, aber trotzdem nah an der Wissenschaft. Meistens arbeite ich von Berlin aus.
Vor dem Kanal war die Forschung. Erzähl von ganz vorne: Was kam nach dem Abitur?
Ich habe nach meinem Abitur angefangen, Wirtschaftsmathematik an der TU in Berlin zu studieren, und habe nebenher als Artist und Comedian in einem Duo namens Benno&Max gearbeitet. Da haben wir auch schon ein wenig Social Media gemacht. Nach meinem Master im Sommer 2023 habe ich angefangen, in Mathematik zu promovieren, KI und Quantencomputing, am Weierstrass-Institut in Berlin.
Und wann kam der Gedanke, die Forschung und die Kamera zusammenzubringen?
Während der Promotion hatte ich die Idee, Social Media und meine Forschung zu verbinden. Ich habe lange nach einem Format gesucht und bin letztendlich auf das gekommen, das ich heute noch produziere: schnell und greifbar Licht hinter KI-Hypes, Gerüchte und News bringen.
Vier Likes und ein zäher Anfang
Beschreib uns einen ganz normalen Tag aus der Zeit, als du dein allererstes Erklärvideo gedreht hast. Wo saßt du, wie viele Anläufe hat es gebraucht, bis du zufrieden warst, und was ist dabei schiefgegangen?
Ich stand in meinem Zimmer vor der Kamera und dem Ringlicht und habe einfach losgelegt. Anfangs ohne richtiges Skript, deswegen hat es auf jeden Fall einige Anläufe gebraucht. Aber auch heute noch brauche ich 3 bis 4 Anläufe für jeden Satz, daran hat sich nichts geändert.
Was war die größte Hürde auf dem Weg zu deiner heutigen Arbeit als AI-Erklärer? Der Moment, an dem du fast hingeschmissen hättest?
Ich glaube, das Schwierigste bei Social Media ist immer der Anfang. Auch bekannt als der „Cringe-Mountain“. Man redet in die Kamera, als wäre man ein Superstar, weiß aber, dass man dafür höchstens 4 Likes bekommt. Darauf hatte ich mich mental vorbereitet, aber je länger eine solche Phase dauert, desto härter ist es. Ich hatte meine ersten nennenswerten Views zum Glück nach ungefähr 4 Wochen und habe immer genau gecheckt, was funktioniert und was nicht, um möglichst schnell das passende Format zu finden. Den Gedanken hinzuschmeißen hatte ich zum Glück nie, dafür war ich vom Format zu überzeugt.
Man redet in die Kamera, als wäre man ein Superstar, weiß aber, dass man dafür höchstens 4 Likes bekommt.
Wissenschaftliche Sprache und ein TikTok-taugliches Erklärvideo sind zwei sehr unterschiedliche Register. Ging ein Erklärversuch schon einmal komplett daneben?
Als Artist hatte ich früher einige Shows, die in die Hose gegangen sind, als Keynote Speaker bisher nicht, aber ich denke, das kann immer mal passieren. Bei Videos ist es mir schon öfter passiert, dass ich ein Reel selbstbewusst drehe und schneide und dann, wenn es fertig ist, schaue ich es mir nochmal an und denke mir: „Na super, so versteht das kein Schwein.“ Meistens habe ich die aber trotzdem gepostet und oft einfach eine etwas andere, eher technische Zielgruppe damit abgeholt.
Was hast du daraus gelernt? Etwas, das du bei deinen Videos oder Vorträgen heute anders machst als am Anfang.
Anfangs dachte ich, je schneller und hektischer, desto besser. Das ist zwar für viele Formate auf Social Media richtig, wenn die Themen aber zu komplex sind, ist es besser, etwas Tempo rauszunehmen.
KI für Neueinsteiger und Profis
Auf deiner Website beschreibst du deine Mission so: den Hype um künstliche Intelligenz entschlüsseln, wissenschaftlich sauber, aber nie langweilig. Was treibt dich morgens aus dem Bett, auch an Tagen, an denen dir das Erklären schwerfällt?
Wir haben das Glück, eine der größten Revolutionen der Menschheit mitzuerleben, und alles geht schneller denn je. Jeden Tag gibt es aufregende News und immer mehr Dinge werden plötzlich möglich, die vorher undenkbar waren. Diese Bewegung mitzugehen und zu verstehen treibt mich an.
Für wen erklärst du das eigentlich? Wem machst du mit deinen Videos und Vorträgen den Arbeitsalltag leichter?
Ich versuche, durch meine Videos und Vorträge allen möglichen Menschen den Zugang und das Verständnis über KI näherzubringen. Egal ob kompletter Neueinsteiger oder Profi, mein Ziel ist es, die große Kluft zwischen Wissenschaft und Otto Normalverbraucher in Bezug auf KI wenigstens ein bisschen zu schließen. Einige Vorträge und Videos sind natürlich auch explizit an Unternehmer, Arbeitnehmer, Forscher oder Enduser angepasst. Mir macht es vor allem auch Spaß, vor verschiedenstem Publikum zu sprechen.
Was genau bietest du heute an, zwischen Kurzvideos, Keynotes und Workshops? Erklär es so, als würdest du es deinem Nachbarn erzählen.
Ich mache vor allem Kurzvideos und fange gerade an, mehr Workshops und Keynotes zu geben, was mir sehr viel Spaß macht. Ab und zu bin ich auch zu Paneldiskussionen eingeladen oder in Podcasts zu Gast. Ich helfe auch gerne Unternehmen bei der Integration von KI in ihre Strukturen oder auch Privatleuten und Selbstständigen, die mit KI noch nicht so sicher sind und Hilfe brauchen.
Vom Uhrzeiten-Video zur ersten Anfrage
Inzwischen folgen dir rund 68.000 Menschen auf Instagram. Woran hast du gemerkt, dass es wirklich funktioniert? Nenn uns deine größten Meilensteine, gern mit Zahl oder Datum.
Das erste Video, das über 100.000 Views hatte, war das, in dem ich erzählt habe, warum KI keine Bilder von Uhrzeiten generieren kann. Das stimmt inzwischen übrigens nicht mehr. Da ist mir vor allem aufgefallen, dass das Verhältnis von Views zu Followern extrem hoch war. Das ist das Wichtigste, um langfristig Reichweite aufzubauen. Als das dann direkt bei den nächsten Videos auch geklappt hatte, dachte ich mir: „Das könnte was werden.“
Ab wann haben Unternehmen angefangen, dich für Keynotes und Workshops zu buchen? Welche Anfrage hat dich richtig überrascht?
Die ersten Anfragen hatte ich schon bekommen, als ich noch unter 20.000 Follower hatte. Da dachte ich mir: „Wow, super, wenn das jetzt schon anfängt mit solchen coolen Anfragen, wie sieht es dann aus mit noch mehr Reichweite?“ Die erste Anfrage für einen KI-Workshop kam tatsächlich von der katholischen Kirche Baden-Württemberg. Ich war sehr überrascht, da ich damals wirklich noch keine große Reichweite hatte und nicht damit gerechnet habe, dass die Kirche mich anfragt, bevor es mittelständische Unternehmen tun. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe mit vielen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern 2 Tage über KI in der Jugendarbeit gesprochen.
Was war dein schönster Moment, seit du mit AI einfach erklärt auf eigene Rechnung unterwegs bist?
Ich glaube, die schönsten Momente sind immer, wenn die KI Creator Community zusammenkommt und sich austauscht. Das passiert meistens auf größeren Events wie der Google I/O oder der IFA. Und natürlich meine erste größere Keynote auf dem Fake News Festival in Frankfurt (Oder). Da war ich super nervös und war total happy, nachdem sie gut gelaufen war.
Promotion, Varieté und ein letzter Satz
Wie organisierst du den Papierkram rund um Keynotes, Workshops und Kooperationen, und was frisst dir im Alltag am meisten Zeit?
Ich versuche, alles, was automatisierbar ist, zu automatisieren, und das geht vor allem bei Buchhaltung, Rechnungen und Mailings. Die größten Zeitfresser sind definitiv die Recherchen für meine Videos und das Schneiden.
Du bewegst dich zwischen Fachpublikationen und 60-Sekunden-Videos. Was erzählst du auf Partys, wenn dich jemand fragt, was du eigentlich beruflich machst?
Puuh, das Problem ist, dass ich neben Promotion und Influencer auch noch eine GmbH & Co. KG im Veranstaltungsbereich leite und bundesweit Varieté- und Dinnershows unter dem Namen WOW VArieté produziere. Teilweise stehe ich auch selbst noch als Artist und Comedian auf der Bühne, für Gala-Events, Circus FlicFlac oder Roncalli. Ich fange bei Partys aber aktuell immer eher mit der Promotion und den KI-Erklärvideos an und arbeite mich im Laufe des Gesprächs zum artistischen Teil vor, falls es sich ergibt.
Was würdest du jemandem sagen, der heute überlegt, mit komplexem Fachwissen online sichtbar zu werden?
Anfangen. Das ist das Wichtigste. Die meisten denken zu lange über das perfekte Format nach und fangen nie an. Das Format entwickelt sich auf dem Weg.
Was soll von deiner Geschichte hängen bleiben? Ein Satz.
Benutzt KI so viel ihr könnt, aber hört nicht auf, selbst zu denken.






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