Ein Wortspiel zum Warmwerden
Christian Steiger: Herzlich willkommen zum Tell Your Story Podcast, dem Podcast für Macher und Macherinnen. Wir sind heute hier im Europa-Park, und das verbindet mich auch mit einer persönlichen Geschichte: Vor fast 30 Jahren habe ich zusammen mit Ben hier den Track, die Musik für die Euromir-Achterbahn, komponiert. Diese lange Zeit verbindet mich also auch emotional mit diesem Ort, und ich freue mich heute ganz besonders, mit Roland Mack sprechen zu dürfen. Er ist der Inhaber vom Europa-Park, mittlerweile eine ganze Unternehmensgruppe: Mack Rides für das Achterbahn-Fahrgeschäft, dann natürlich der Park selbst, den jeder kennt, Rulantica, das jedem etwas sagen wird, aber auch Mack Media, die Hotellerie und das TV- beziehungsweise Videobusiness. Also ein ganz, ganz breites Portfolio, Unternehmertum pur, was ich hier heute vor mir habe. Und ich freue mich ganz besonders, heute mit Roland Mack über Verantwortung, Familie und vielleicht auch darüber zu sprechen, was ihn als Person antreibt. Ganz herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und heute da sind, Herr Mack.
Roland Mack: Vielen Dank für Ihren Besuch.
Christian Steiger: Wir starten, um ein bisschen warm zu werden, mit einem kleinen Wortpaar-Spiel. Man kennt den Europa-Park, man kennt Sie, aber hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Es geht einfach darum, ein bisschen Gefühl dafür zu bekommen, wie Roland Mack tickt. Ganz ungezwungen starten wir: Kaffee oder Tee? Stadt oder Land? Und: Geschwindigkeit oder Substanz?
Roland Mack: Liebe Geschwindigkeit, aber ich brauche Substanz.
Christian Steiger: Super, hätte ich fast gedacht, das finde ich richtig schön. Ich glaube, mit der ersten oder zweiten Bahn ging es hier im Park richtig los. Ist es die Achterbahn oder die Wildwasserbahn?
Roland Mack: Wetterbedingt: Heute die Wildwasserbahn, bei Frühlingstemperaturen eher die Achterbahn.
Christian Steiger: Selbst im Tor stehen oder lieber Zuschauer auf der Tribüne?
Roland Mack: Verstanden, sehr gerne im Tor. Alles hat seine Zeit.
Christian Steiger: Dann noch zwei: Schwarzwald oder die weite Welt? Schwarzwald, ja, hatten wir gerade schon, das glaube ich. Zwei Freiburger Bobbele haben hier ja quasi Heritage ohne Ende. Und dann natürlich, das muss ich auch aus Lexware-Sicht fragen: Bauchgefühl oder Zahlen? Zuerst Zahlen, und wenn es eng wird, das Bauchgefühl. Na, super, das ist Unternehmertum. Hören Sie selbst gerne Podcasts? Ja, super. Und ich würde mich freuen, wenn Sie hier auf Abonnieren klicken und auch gerne Fragen in den Kommentaren hinterlassen, wen Sie sich als nächsten Gast wünschen, das wäre super. Also klickt hier gerne ran, abonniert den Podcast, wir freuen uns. Kennen Sie den Simon-Sinek-Talk, diesen Golden Circle? Da dreht sich immer alles um das Why, das How und das What, also warum man macht, was man tut. Den kenne ich nicht. Dann möchte ich ihn gerne kurz erklären, vielleicht anhand von Lexware als Beispiel. Unser Warum, warum wir tun, was wir tun, könnte man schnell so zusammenfassen: Die machen halt Buchhaltung oder Rechnungsstellung für Kleinstunternehmen oder größere Unternehmen. Aber das ist ja nicht unser Antrieb. Unser Antrieb ist, dass wir Unternehmertum einfach machen wollen. Das ist unser großes Why, das uns antreibt, was auch mich ganz enorm antreibt. Im Wie haben wir Softwarelösungen, die helfen sollen, die Priorität ein bisschen runterzudrücken, indem vieles automatisiert wird. Und die andere Seite ist unsere Haltung: Wir nennen es eben Tell Your Story, ähnlich wie dieses Format hier, nämlich Selbstständigen und Kleinstunternehmen, aber auch ganz großen, eine Bühne zu geben, damit es wieder Vorbilder gibt, damit mehr Menschen in Deutschland gründen. Und dann kommt das Was: Buchhaltung, Rechnungsstellung, Warenwirtschaft, all die Themen, weshalb sich eigentlich keiner selbstständig gemacht hat. Keiner hat sich selbstständig gemacht, um Buchhaltung zu machen, aber sie muss halt erledigt sein. Wir wollen helfen, damit man die Zahlen hat und nicht nur aus dem Bauchgefühl handeln muss. Das ist es, was uns ganz stark antreibt. Und gerade beim Zuhören ist es immer interessant zu sehen, was für ein Mensch dahintersteckt. Also was ist der Antrieb von einem Roland Mack, wie haben die Dinge begonnen bei dieser gigantischen Erfolgsgeschichte, was ist so der Antrieb? Gibt es etwas, das Sie beschreiben können, das Sie heute noch antreibt?
Die Vision entsteht in den USA
Roland Mack: Ja, gut, wir kommen ja aus dem Bau von Fahrattraktionen. Früher für die Zirkusse, später dann für die Schausteller, und in der dritten Stufe kam dann der Bau von stationären Anlagen. Das war im Grunde die Basis für den Einstieg und für die Entscheidung, einen eigenen Freizeitpark zu bauen, weil wir weg wollten vom mobilen Schaustellergeschäft hin zu stationären Fahrattraktionen. Der Europa-Park ist ja ein Park mit stationären Anlagen, und da haben wir gedacht: Das wäre ein tolles Versuchsfeld. Wir haben sehr schöne Ideen, wir können hier einiges realisieren und es vor allem unseren Kunden vorführen, die weltweit an den Produkten interessiert sind. Und gerade weil ein Produkt für Freizeitparks eher ein Exportprodukt ist, ist so eine Demonstration mehr als hilfreich, wenn Kunden große Investitionsentscheidungen treffen müssen. Sie können eine Bahn, auch einen Prototyp, schon einmal testen und sehen, wie die Gäste reagieren, dann fällt ihnen die Kaufentscheidung leichter.
Christian Steiger: Wie muss man sich das vorstellen? So eine Entscheidung fällt ja nicht von heute auf morgen, das ist nur das Ergebnis. Wie muss ich mir das vorstellen, war das damals, ich glaube, so 1974 oder so, wenn ich das richtig recherchiert habe?
Roland Mack: Das war schon viel früher, das war 1972. Ich habe selbst die USA bereist in der Zeit, das war noch während meines Studiums, und ich war völlig fasziniert davon, wie man dort unsere Branche neu interpretieren kann, mit Storytelling, mit stationären Anlagen, mit Gartenarchitektur und mit sehr viel Infrastruktur, auch in Form von Gebäuden.
Christian Steiger: Das gab es hier in Deutschland so noch gar nicht.
Roland Mack: Das gab es in Deutschland überhaupt nicht. Stationäre Parks gab es schon in Schweden und in Dänemark: den Prater in Wien, das Tivoli in Kopenhagen oder Liseberg in Göteborg, Gröna Lund in Stockholm, das kannte man schon. Es war aber dennoch eine andere Form, wie wir das Thema Storytelling in unserem Park transportiert haben, wie ich eben erwähnt habe. Das hatte dort nicht die Bedeutung, die es heute bei uns hat. Wir orientieren uns eher an Walt Disney, daran, einen Themenpark zu erschaffen, der eine eigene Geschichte hat, der eigene Geschichten erzählt und erfindet. Mit dem Namen Europa-Park haben wir natürlich etwas geschaffen, das an diesem Standort im Dreiländereck genau auf diese Idee einzahlt: Straßburg liegt in unmittelbarer Nähe, die EWG mit damals bescheidenen sechs Mitgliedern war im Grunde die Vision, die wir Schritt für Schritt umgesetzt haben. Und die Politik hat uns dabei einen roten Teppich ausgerollt. Heute haben wir 27 oder 28 Staaten in Europa, die Ideen, die Größe und die Umsetzungsmöglichkeiten haben kein Ende.
Volles Risiko ohne Vorbild
Christian Steiger: Aber das war wahrscheinlich, wo die Idee geboren wurde, das zu tun, vielleicht auch ein bisschen anders, könnte ich mir vorstellen, oder? Gab es dafür schon Unterstützung? Haben Sie die Idee eingebracht, und musste man sie dann auch verteidigen, weil es ja unterschiedliche Sichtweisen darauf gibt? Wo macht man das, was heißt es da?
Roland Mack: Es gibt vielleicht zwei, drei Punkte, die ich an der Stelle nennen kann. Zum einen wollten wir nicht fortsetzen, was die Generation vor uns gemacht hat, nämlich Karussells irgendwo hinzustellen und stationär zu betreiben, so wie man es in den skandinavischen Parks oder auch im Prater tut. Uns war relativ schnell klar, dass es für einen Standort wie Rust ein ganz anderes Angebot braucht, etwas, das man nicht auf dem Volksfest in Stuttgart oder auf der Freiburger oder Basler Messe findet, sondern etwas Besonderes. Wichtig war uns dabei früh, dass dieser Park eine Geschichte braucht. Ich erinnere mich noch gut an meinen Besuch bei der Industrie- und Handelskammer, wo ich den Namen Europa-Park präsentiert habe. Der Zuständige ist fast vom Stuhl gefallen und dachte, das sei etwas größenwahnsinnig: Der Name Europa-Park klinge groß, während wir doch nur ein überschaubares Angebot planten. Anders war es damals aber auch kaum möglich, wenn man kaum eine Bank findet, die so etwas finanziert, und auf Eigenkapital angewiesen ist. Es war klar: Wir mussten klein starten, aber trotzdem die große Linie nicht aus den Augen verlieren.
Christian Steiger: Also sind Sie damals voll ins Risiko gegangen?
Roland Mack: Wir sind voll ins Risiko gegangen. Wir haben auch versucht, Pächter zu finden. Wir sind von Haus aus Maschinenbauer und eigentlich keine Dienstleister, deshalb dachten wir am Anfang: So ein Park braucht Gastronomie, dafür braucht es auch gastronomische Kapazität. Wir haben unsere Kunden angesprochen, denen wir auch Verkaufswagen verkauft und die Erfahrung im Bereich Gastronomie hatten. Aber die haben sich alle vor diesem Standort zurückgezogen, keiner hat daran geglaubt, dass an diesem Standort einmal so etwas entstehen könnte, wie wir es heute vorfinden. Wir selbst hatten diese Träume auch nicht, aber wir wussten, dass eine überschaubare Größe mit dem geplanten Angebot sicherlich auf Interesse stoßen würde. Ich weiß noch gut, wie mein Vater und ich die Zoos in Basel abgeklappert haben. Damals gab es noch keine Standortanalysen, es gab niemand, der das hätte erheben können. Also sagten wir uns: So viel wie der Basler Zoo oder der Zoo in Karlsruhe müsste sich mit dem Europa-Park schon erreichen lassen, wenn man sich das überlegt. Wir haben natürlich auch geschaut, wie viele Menschen hier leben, und uns war schnell klar, dass wir ein Einzugsgebiet von 100 bis 150 Kilometern brauchen. Und da leben doch beachtlich viele Menschen: Im 150-Kilometer-Kreis um den Standort Rust leben rund 25 Millionen Menschen, dazu kommen 8 Millionen Touristen, auch im Schwarzwald. Der Standort ist also besser, als man ihn ursprünglich einschätzt, weil jeder zunächst nur auf die Großstädte in der Nähe des Europa-Park schaut.
Christian Steiger: Vielen Dank, wo die Bobbele leben. Aber Sie haben gerade gesagt, dass entgegen aller kritischen Stimmen eine Wahnsinnsenergie da gewesen sein muss. Kam die auch von Ihrem Vater, oder haben Sie sich da durchgeboxt? Wenn alle sagen, das wird eher schwierig, und man sich dann auch noch selbst finanziert, braucht das ja auch nochmal einen anderen Mut.
Roland Mack: Es wäre so vielleicht möglich gewesen, wenn mein Vater nicht Feuer gefangen hätte. Mein Vater war ein anerkannter Unternehmer, der sehr selten Fehlentscheidungen getroffen hat. Ich selbst war fasziniert, wie ich vorhin schon erzählt habe, durch die Besuche in Amerika. Es gab dann eine schöne Begegnung: Wir haben uns nach 14 Tagen in Florida in Los Angeles getroffen und gemeinsam Disneyland, Knott's Berry Farm und die anderen Parks dort angeschaut. Als mein Vater ankam, sagte er: Wir müssen unbedingt einen Park bauen, das ist etwas Faszinierendes, ich suche schon seit 14 Tagen ein Gelände am Oberrhein.
Eigene Geschichten statt geliehener Figuren
Christian Steiger: Wenn Sie von Disneyland sprechen: Disney hatte ja schon immer diese Ur-Geschichten, die wir alle kennen, musste das Storytelling also gar nicht neu aufbauen. Bei Ihnen ist das anders, jede Achterbahn braucht ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Figuren. Die Euromaus finde ich da spannend: Es gibt ja schon die Micky Maus, wie haben Sie das geschafft, ohne eine Klagewelle?
Roland Mack: Indem wir zunächst eine Ratte verändert haben. Wir mussten lernen, dass Plüschtiere und Symbolfiguren für Kinder sympathisch sein müssen, das war für uns alles Neuland. So wurde aus einer Ratte tatsächlich ein Mäuschen. Als wir uns entschieden, dass daraus die Symbolfigur des Parks werden sollte, waren wir schon ein, zwei Jahre im Betrieb, und es gab den einmillionsten Besucher. Ein unvorsichtiger Journalist schrieb daraufhin, die Micky Maus begrüße den einmillionsten Besucher im Europa-Park. Daraufhin musste ich zu den Anwälten nach Los Angeles fliegen, weil sie zu Recht darauf hinwiesen. Ich habe ihnen mit aller badischen Bescheidenheit erklärt, wie unbedeutend dieser Park sei, und dass es überhaupt kein Problem darstelle. Heute würde Disney das wahrscheinlich anders entscheiden, weil Disneyland Paris sich schwer getan hat und der Europa-Park für Europa ein echter Wettbewerber geworden ist. Damals haben wir das noch geregelt bekommen, und der Flug hat kaum etwas gekostet: Meine Frau hat bei der Lufthansa gearbeitet, sodass ich für 80 D-Mark nach Los Angeles hin- und zurückfliegen konnte. Insofern war das ein voller Erfolg.
Christian Steiger: Das ist eine ganz starke Geschichte, das hatte ich mich schon gefragt, ich habe nur nie nachgeschaut, wie das damals gelöst wurde, ohne dass daraus ein Problem wurde.
Roland Mack: Was das Storytelling angeht, sind wir jetzt aber auch schon in die heutige Zeit gesprungen. Wir haben deutlich bescheidener angefangen und nicht als Themenpark gestartet, sondern versucht, stationäre Anlagen in die bestehende Gartenarchitektur einzubauen, denn hier war ja ein alter Schlosspark. Erst nach und nach haben wir das Thema Europa in Architektur, Musik und Gestaltung der Attraktionen in unser Storytelling gebracht. Erst als mein Sohn Michael im Unternehmen aktiv wurde, viel später also, rückte das Thema Storytelling bei neuen Attraktionen wie Arthur oder dem Voletarium mehr und mehr in den Mittelpunkt. Das nimmt heute einen ganz erheblichen Teil unserer konzeptionellen Arbeit ein, weil wir eigene Themen erfinden müssen. Disney hat es da etwas einfacher, weil sie die Themen aus ihren Filmen direkt in die Themenwelten einbringen können, das ist natürlich ein Pfund, das sie haben, und ihre Geschichten und ihr Storytelling sind entsprechend bekannter als unsere. Wir kommen von der anderen Seite, aber das macht es nicht schlechter. Heute haben wir zum Beispiel mit unserer Maus eine tolle Verbindung: Millionenauflagen bei Büchern, Präsenz im Kinderkanal. Wir kommen eben von der anderen Seite als Disney. Ich habe immer gesagt: Walt Disney und Franz Mack hätten gut zusammenarbeiten können, wir hätten die Fahrgeschäfte gebaut.
Christian Steiger: Und Sie die Geschichten und Marken mitgebracht. Das sollte man wirklich beobachten, das ist so spannend, es ist ja auch immer wieder eine völlige Neuerfindung: Ein Park erfindet sich immer wieder neu, genau wie eine neue Attraktion entsteht. Wie halten Sie das über die Zeit aufrecht? Ich gehe nochmal zurück zu 1972, als die Idee entstand, hier stationär etwas aufzubauen. Dann ging es erstmal darum zu schauen, ob das funktioniert, ob ein Geschäftsmodell dahintersteckt, ob die Besucher kommen. Und dann wieder zu sehen: Ich muss wieder etwas Neues schaffen oder dazubauen. Woher kommt dieser Antrieb?
Roland Mack: Im Grunde kommen wir ja nicht von der Steuerberatungsseite, sondern aus dem klassischen Maschinenbau, seit Jahrhunderten in dieser Branche aktiv, mittlerweile in der siebten Generation, meine Söhne und meine Tochter in der achten. Wir sind auf internationalen Messen, reden mit Kollegen, beliefern Parks in der ganzen Welt und kennen dadurch Trends relativ früh. Wohin geht der Wettbewerb, nicht vor der eigenen Haustür, sondern in Los Angeles oder Tokio? Mittlerweile haben wir bei 150 Millionen Gästen auch sehr viel Erfahrung damit, was der Europa-Park-Besucher eigentlich will. Wir haben zudem ein junges Team an kreativen Leuten im Haus, aus diesem Mix entstehen neue Dinge. Wir wissen auch, was wir von der Leistungsfähigkeit her produzieren können, und die Gegebenheiten vor Ort spielen eine Rolle: Jahrhunderte alte Bäume werden für eine Attraktion nicht gefällt, sondern wir planen die Attraktionen um die Bäume herum. Auch das muss berücksichtigt werden. Aus diesem Mix ist der einmalige Europa-Park entstanden. Ich glaube, die Wertschätzung für die Natur, die Innovationsfähigkeit des Maschinenbauers und der Weitblick in die Welt hinaus, verbunden mit der Rückkopplung unserer Gäste, haben aus dem Europa-Park das gemacht, was er heute ist: eine der schönsten Parkwelten.
Mit Haut und Haaren dabei
Christian Steiger: Hätten Sie gedacht, dass daraus das wird? Sie haben ja gesagt, Sie haben mit Ihrem Vater, oder auch allein, quasi auf dem Bierdeckel den ersten Plan gemacht. Ist das richtig, gibt es den Bierdeckel noch?
Roland Mack: Den Bierdeckel gibt es leider nicht mehr, aber es ist tatsächlich wahr: Wir sind den ganzen Tag durch amerikanische Parks gelaufen und haben abends in der Bar noch einmal Revue passieren lassen, was wir gesehen hatten. Dort haben wir die ersten Skizzen und Notizen gemacht und überlegt, wer das betreiben könnte. In dem Moment, als die Idee entstand, war noch gar nicht klar, dass ich überhaupt Betreiber werden könnte, denn ich war eigentlich als Nachfolger meines Vaters im Produktionsunternehmen geplant. Wir haben mit möglichen Partnern gesprochen, mit Banken, mit Politikern, aber auch einen Pächter konnten wir nicht finden. Ganz am Schluss ist dann sogar noch ein möglicher Betreiber kurz vor der Eröffnung gestorben, sodass irgendwann die Notwendigkeit da war, selbst zu übernehmen. Mein Vater war damals schon 54 Jahre alt, und ich wollte ihn mit dieser Aufgabe nicht allein lassen. Ich war völlig fasziniert und habe dann hier auf der grünen Wiese mit angefangen. Hätte ich gewusst, was daraus wird, hätte ich wahrscheinlich gar nicht erst angefangen.
Christian Steiger: Das geht vielen so, auch kleineren Selbstständigen: Hätten sie vorher gewusst, was alles auf sie zukommt, hätten sie vielleicht nie angefangen. Ich glaube, es ist ganz gut, mit einer gewissen positiven Naivität hineinzugehen, man wächst dann wirklich mit den Aufgaben. Wie war das innerhalb der Familie? Waren Sie jemand, der die 80-Stunden-Woche gefahren hat, um voranzukommen? Jemand, der wirklich Vollgas gegeben hat und gesagt hat, jetzt gehe ich all in? Ist das ein Teil Ihrer DNA, ein Teil Ihres Warums?
Roland Mack: In meinem Alter kann ich das jetzt so sagen. Früher, wenn man mich vor 30, 40 Jahren gefragt hat, ich habe viele Interviews gegeben, habe ich immer gedacht, die Leute würden sich fragen, ob ich überhaupt weiß, wie schön das Leben ist, ob es auch noch schöne Hobbys gibt. Ich habe dann immer vom Skifahren erzählt, aber das stimmte alles gar nicht, denn ich habe in der Tat wochenlang durchgearbeitet, mit Sicherheit 80 Stunden an jedem Wochenende, und ich habe mich mit 30, 40 Jahren noch nicht getraut, das zu erzählen, weil ich dachte, alle würden mich komisch ansehen. Heute kann ich mit Gelassenheit zurückschauen und sehen, was daraus geworden ist. Ich will nicht behaupten, ich hätte kein Märklin-Hobby gehabt, das hatte ich tatsächlich, mein Vater und ich haben im Keller Märklin-Eisenbahn gebaut. Aber später habe ich das nicht mehr gebraucht, weil wir hier im Park etwas haben, das ein bisschen besser ist als eine Märklin-Eisenbahn.
Christian Steiger: Auch wenn Märklin schön ist, das ist ja nicht ganz so spannend. Das heißt, Sie haben etwas gemacht, das Sie wirklich lieben, das ist mehr als nur ein Job, weil daneben ja noch etwas mitläuft. Und wenn man auf kleinere Selbstständigkeit schaut, ist es ähnlich: Wüsste man vorher, was alles kommt, würde man vielleicht gar nicht erst starten. Aber wenn man das, was man macht, gerne macht, muss man das auch zu Hause verteidigen können.
Roland Mack: Es gibt ja diesen fürchterlichen Begriff in der deutschen Sprache: Fachidiot. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, wenn man so etwas wie diesen Park startet, zum Fachidioten zu werden und sich mit Haut und Haaren einzubringen.
Christian Steiger: Heute nennt man das Nerd, ist aber dasselbe.
Roland Mack: Wir mussten dann die Gastronomie, die Souvenirbereiche und später die Hotels selbst übernehmen. Man muss sich da überall einarbeiten, und mit dem parallelen Wachstum war das in einer 40-Stunden-Woche schlicht nicht zu schaffen. Aber ich habe es geliebt, hatte riesigen Spaß, und ich wohne bis heute direkt am Park und gehe immer noch jeden Morgen gerne ins Unternehmen. Ich bringe kaum einen Tag zusammen, an dem ich das nicht gerne gemacht habe, außer wenn es nur zwei Stunden Schlaf nach einem großen Fest gab, da hat es schon mal etwas Überwindung gebraucht, aber ich habe es trotzdem gemacht. Zumal mein Vater immer gesagt hat: Wer Feste feiern kann, kann auch Feste arbeiten.
Familie als Fundament
Christian Steiger: Das sagt man heute auch noch. Und die Familie hat das dann immer mitgetragen, weil es ja gar nicht so einfach ist. Das ist eine schöne Geschichte.
Roland Mack: Mein Vater, ich komme da oft auf ihn zurück, kam noch aus einer Männerwelt, in der die Frau eigentlich an den Herd gehörte und nicht zwingend im Unternehmen arbeiten musste. Aber wenn meine Frau eine Viertelstunde zu spät kam, um die Buchhaltung zu öffnen oder die Hauptkasse zu bedienen, fragte er trotzdem: Wo bleibt deine Frau? Das muss er mir irgendwann im Himmel noch erklären, wie das zusammenpasst. Aber ohne die Familie geht es nicht: Meine Mutter hat mitgeholfen, mein Bruder, meine Kinder, alle haben mit angepackt. Nur so konnte das zum Erfolg werden. Wenn die Familie nicht mitzieht und nicht hinter der Idee steht, gerade wenn man kaum Unterstützung von Politik, Banken oder Partnern bekommt, muss man sich mit Haut und Haaren einbringen. Dann kamen die ersten Erfolge, und man wusste, man ist auf dem richtigen Weg. Das hat den Europa-Park zu dem gemacht, was er heute ist.
Christian Steiger: Das ist ja schon mehr als gut, da hat man ja etwas erwirtschaftet. Ich meine, es gibt das Unternehmen beziehungsweise die Unternehmensgruppe schon seit rund 250 Jahren. Und dann in den 70er-Jahren nochmal alles auf eine Karte zu setzen, das muss die ganze Familie mitgetragen haben.
Roland Mack: Wir waren stolz darauf, ein eigenes, schuldenfreies Haus zu haben. Das hat mein Vater dann nochmal mit 55 Jahren an die Bank übertragen. Ich hatte als Student selbst nichts, wurde dann aber beteiligt und Gesellschafter. Ich habe damals gesagt, meine Kollegen, die gerade als Diplomingenieure von der Uni kamen, würden das Dreifache verdienen. Darauf hat mein Vater gesagt: Aber die sind nicht an einem Unternehmen beteiligt. So habe ich gelernt, was Beteiligung bedeutet.
Christian Steiger: Was Eigenkapitalbeteiligung heißt, oder Mitarbeiterbeteiligungsmodelle. Stark, stark, stark. Gab es auch Momente, in denen Sie gezweifelt haben? Das gehört ja immer zum Unternehmerleben dazu, auch wenn es von außen aussieht, als würde alles nach vorne laufen, gerade bei so einer großen Unternehmung mit so unterschiedlichen Bereichen, die sich immer wieder neu erfindet. Die Kinder haben das ja auch mitgeschafft, das fasziniert mich sehr, dass ein Unternehmen über so viele Generationen erfolgreich weitergeführt werden kann, das ist auch bei unseren Kunden ein großes Thema, wie man mit Nachfolge umgeht. Erzählen Sie doch etwas dazu, wie Sie es schaffen, einerseits loszulassen und Neues zuzulassen und andererseits das Bewährte zu bewahren, das stelle ich mir schon sehr groß vor.
Roland Mack: Das war es auch. Wir hatten im Produktionsbetrieb der Familie, wo es drei Brüder gab, meinen Vater und zwei weitere Brüder, sehr große Probleme, weil die anderen beiden nicht am Europa-Park beteiligt waren. Mein Vater hat das aus dieser Unternehmung heraus finanziert, weil die anderen Angst hatten mitzumachen. Das wird interessanterweise schnell vergessen. Das führte zu Spannungen, als sich der Erfolg des Europa-Park einstellte, und dazu, dass wir später beide Familienstämme ausbezahlt haben. Der Europa-Park ist seitdem eine hundertprozentige Tochter meines Familienstamms. Natürlich gibt es hier im Park auch Zweifel bei Prototypen: Bringt man sie zum Laufen? Bei der Bobbahn war es zum Beispiel extrem schwierig, bis wir sie zum Laufen bekamen, der Zug fuhr zunächst nicht durch. Aber das sind technische Herausforderungen, die man bewältigen muss, wenn man einmal A gesagt hat, muss man auch B sagen, hat mein Vater immer gesagt. Man packt alle Dinge zusammen und schafft die Probleme aus dem Weg. Ich muss aber fairerweise sagen, dass sich alles, was wir angepackt haben, auch sehr schnell positiv entwickelt hat: Die Rückmeldung der Kunden und der wirtschaftliche Erfolg haben sich eingestellt. Man hat gesehen, dass man Risiken beherrschen und bewältigen kann, wenn man sie eingeht. Natürlich gibt es bei größeren Schritten immer wieder Rückfragen, Gespräche und Zweifel, der Einstieg in die Hotellerie war so ein Schritt.
Christian Steiger: Und da haben Sie gesagt, das war völlig neu, es gab keine Erfahrung.
Roland Mack: Völlig neu, und es war unklar, welche betriebswirtschaftlichen Grundlagen so ein Hotel braucht. Auch da haben wir zunächst Mövenpick und andere Hotelgruppen angesprochen. Aber selbst die haben damals, immerhin 20 Jahre nach der Eröffnung des Europa-Park, gesagt, das sei ihnen zu riskant. Gott sei Dank haben sie es nicht gemacht, denn heute ist die Hotellerie ein Erfolgsbringer für den Park, weil wir dadurch das Einzugsgebiet erweitert und dem Europa-Park das Kurzreise-Geschäft erschlossen haben.
Christian Steiger: Da hat sich die Geschichte also wiederholt: Was 1972 schon nicht passiert ist, nämlich dass andere einsteigen, ist 20 Jahre später bei der Hotellerie wieder passiert.
Roland Mack: Ganz genau. Vielleicht hatten die Hotelgruppen auch Angst vor dem Saisongeschäft, das damals noch rein von April bis Oktober lief, während ein Hotel eigentlich gewohnt ist, ganzjährig zu arbeiten. Vielleicht war das der eine Grund, vielleicht konnten sie auch die Nähe zu einem Freizeitpark nicht richtig einschätzen und bekamen deshalb kalte Füße. Wir haben es jedenfalls selbst angepackt und dabei nochmal ganz neue Erfahrungen gemacht, mit einem holprigen Einstieg und Schwierigkeiten in der gastronomischen Versorgung, denn die Hotellerie ist ein ganz anderes Geschäft als das Fastfood-Angebot im Park. Ich weiß noch gut, wie alle mit anpacken mussten, damit der Saisonstart 1975 einigermaßen über die Bühne ging. Heute läuft es reibungslos, und wir haben bis hin zur Zwei-Sterne-Gastronomie alles an Bord.
Immer der Kunde im Blick
Christian Steiger: In der IT würde man sagen, es ist skaliert.
Roland Mack: Aber es geht eben nicht, wenn man sich wegduckt, man muss mitten rein. Ich versuche das auch immer wieder an die nächste Generation weiterzugeben. Natürlich haben meine Kinder gemerkt, dass Papa oft wenig da war. Wir sind zum Glück in der Nähe des Parks aufgewachsen, sodass man die Sorgen auch mit nach Hause gebracht hat. Sie haben das von Anfang an mitbekommen und wissen, was auf sie zukommt, sie kennen das Unternehmerleben eben.
Christian Steiger: Sie wissen also, was es heißt, wenn die ganze Verantwortung mit nach Hause kommt. Sie haben viel über Ihren Vater erzählt: Ist das, darf ich das so fragen, Ihre Superpower, sich auch gegen große Widerstände durchzusetzen, gerade wenn eigentlich alle sagen, man solle es mit Partnern machen? Das scheint sich ja zu wiederholen, vielleicht sogar mehrfach, dass Sie dann sagen: Jetzt erst recht, jetzt ziehe ich das durch, weil ich daran glaube und die Erfahrung dafür habe.
Roland Mack: Um meinen Vater zu zitieren: Er hat immer wieder gesagt, wenn solche Phasen kamen, man werde als Unternehmer geboren. Man könne Unternehmer nicht lernen, sondern man sei es oder werde es nie. Und im Rückblick kann ich ihm da nur recht geben.
Christian Steiger: Würden Sie das genauso unterschreiben und auch so an Ihre Kinder weitergeben?
Roland Mack: Ich versuche, es mitzugeben, aber das Gen muss einfach da sein. Wenn das Gen nicht da ist, ist, glaube ich, Hopfen und Malz verloren, aus manchen Kindern wird dann einfach kein Unternehmer. Ein Unternehmer kann Zahlen interpretieren und auf Hilfsmittel zurückgreifen, aber ganz am Ende braucht es den unternehmerischen Mut für die letzte Entscheidung: Traue ich mir das zu? Kann ich das leisten und umsetzen? Wird es meinen Gästen gefallen? Halte ich das Budget, kann ich es im Preis abbilden? Wächst mit einer Großinvestition mein Einzugsgebiet, kann meine Besucherzahl wachsen? All diese Fragen. Ich war immer unglaublich tief in solchen Themen drin, mit internationalen Kontakten und mit Prokura, habe die Betriebswirtschaft mitgesteuert und das Informationszentrum vollständig verändert, weg vom handbetriebenen System. Ich war einer der Ersten, der Pro-Kopf-Umsätze ausrechnen ließ, heute läuft das alles automatisch, mittlerweile habe ich alle Zahlen auf dem Handy und bin in der Lage, relativ früh zu interpretieren, zu steuern und Entscheidungen zu treffen.
Christian Steiger: Ganz stark, wirklich ganz stark, das sehe ich nicht so oft. Wir nennen das Geschäftsmodellierung, ein bisschen Englisch aus der IT-Welt, aber ich glaube, das ist ganz wichtig, und wir sagen das auch unseren Kundinnen und Kunden: Es ist so wichtig, die eigenen Zahlen zu verstehen, das kann man nicht komplett outsourcen oder von jemand anderem machen lassen. Man kann sich Berater dazu holen, aber man muss selbst die Hebel im Geschäft kennen, sonst geht man ein Risiko ein, das eher einem Glücksspiel gleicht, und das macht kein Unternehmer. Ein Risiko bleibt es immer, wenn man etwas neu angeht, aber sich da voll hineinzugeben, das ist spannend.
Roland Mack: Dinge zu Ende zu denken, das war bei meinem Vater auch schon so. Kriegsbedingt war er eigentlich nur Handwerker, in Anführungszeichen, aber er war ein Autodidakt und hat sich unglaublich weiterentwickelt. Er hatte ein Bauchgefühl dafür, Dinge richtig zu machen, und einen hohen Qualitätsanspruch, den er auch mir vermittelt hat, und da habe ich durchaus harte Worte zu hören bekommen.
Christian Steiger: Gab es oft harte Auseinandersetzungen zwischen Ihnen?
Roland Mack: Ja, er hat kein Blatt vor den Mund genommen, da ging es richtig zur Sache. Meine Mutter musste ab und zu vermitteln und die Dinge geraderücken. Aber auch im Rückblick war das richtig so. Ich bin generell kein Freund davon, den Leistungsanspruch, wie bei den Bundesjugendspielen, künstlich herunterzuschrauben.
Christian Steiger: Das ist vielleicht nicht mehr so spannend, aber es geht bei diesen Themen ja auch immer darum, als Unternehmer erfolgreich zu sein. Das ist eine Riesenverantwortung, hier arbeiten 5.000 Menschen oder sogar mehr, die erwarten, dass die Unternehmensführung die richtigen Entscheidungen trifft. Dabei geht es neben den Zahlen ja auch immer darum, den Kunden zu verstehen. Wie haben Sie das über die Jahre immer wieder so gut hinbekommen?
Roland Mack: Ich bin, glaube ich, eine klassische Ausnahme, was das Ingenieurwesen angeht: Ich habe zwar die Ausbildung zum Ingenieur gemacht und die technischen Fähigkeiten erworben, aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass wir das Unternehmen vom Kunden her denken müssen. Das ist ein Wort, das Sie mindestens einmal die Woche von mir hören, und auch meine Mitarbeiter hören es: Man hält Vorträge darüber, und wenn man dann in die Praxis geht, merkt man plötzlich, dass der Kunde schon wieder vergessen wurde. Das kann man nicht oft genug wiederholen, der Kunde ist letztlich unser Arbeitgeber, der Kunde muss zufrieden sein, das ist mein oberstes Prinzip: das Unternehmen wirklich vom Kunden her zu denken. Deshalb haben wir schon relativ früh mit der Uni Freiburg Umfragen und Tests im Park eingeführt, um das Feedback unserer Gäste repräsentativ zu bekommen, nicht nur gefühlt oder anhand von ein, zwei Stichproben. Ich glaube, das hat uns immer weitergebracht und uns dahin gebracht, wo wir heute stehen. Es ist ja nicht gottgegeben, dass ein Park in Rust, einem Fischerdorf mit 2.500 Einwohnern, zu den Weltmarktführern der Branche gehört.
Christian Steiger: Das ist ganz spannend, das ist eigentlich das Elixier, das uns auch ganz stark antreibt. Man hört oft, dass kein Unternehmen von sich sagt, es schaue nicht auf den Kunden, aber das wird meistens nur in Präsentationen behauptet und passiert in der Praxis gar nicht. Dann bringt man irgendein Produkt oder Angebot auf den Markt und wundert sich, dass es nicht ankommt. Das ist ja ein iterativer Prozess, den man immer wieder durchläuft. Sind diese neuen Dinge, die Hotellerie und Gastronomie auf einem ganz anderen Level, aber auch die ganzen Filme, die inzwischen über Mack Media laufen, auch aus der Kundenperspektive beziehungsweise aus der Marktforschung entstanden? War das auch ein Teil davon?
Roland Mack: Es kommt teilweise aus der Kundenseite, aber ich glaube, der größere Input kommt eher aus unserem Kontakt zur internationalen Branche, aus den Gesprächen mit unseren Kollegen bei Disney, Universal und den anderen großen Playern der Branche, mit denen wir auch über neue Attraktionen diskutieren. Da lernen wir unglaublich viel. Ich war selbst auch Präsident des Weltverbandes der Branche, wo ich mir ein unglaubliches Netzwerk aufbauen konnte, das letztlich dem Europa-Park zugutekam.
Christian Steiger: Und wenn Sie sagen, das ist international ausgerichtet, sehen Sie das bei diesen Geschäftsmodellen auch weiter als hier in Deutschland?
Roland Mack: Die großen Player [Name unklar] haben, wie wir schon gesagt haben, eigene Ressourcen und Kapazitäten.
Christian Steiger: Das ist natürlich unschlagbar, dieses Ganze zu Ende zu denken.
Roland Mack: Gastronomie und so weiter, mir bleibt vor allem in Erinnerung, dass wir, wenn wir mit diesen Kollegen sprechen, in gewaltiger Unterzahl auftreten: Wenn wir zu zweit oder zu dritt mit unseren Ingenieuren kommen, sitzen auf der anderen Seite oft 10, 15, 20 Leute. Aber ich glaube, ein Familienunternehmen ist dafür auch schlagkräftig und kann schnelle Entscheidungen treffen. Ich habe in meiner Laufbahn erlebt, wie bei Disney und Universal viele Manager gekommen und gegangen sind, keiner von denen aus der Zeit von 1973, 1974 ist heute noch an Bord. Diese Beständigkeit ist wohl auch etwas, das den Europa-Park als Familienunternehmen auszeichnet.
Christian Steiger: Wie schön. Wir sagen auch gerne, dass es zum Unternehmertum dazugehört: Am Anfang braucht es oft Mut bei neuen Themen, aber am Ende ist es auch die Ausdauer, die einen nicht blind macht, sondern einfach durchhalten lässt. Und gerade im Familienunternehmen ist es ein Vorteil, dass man die Entscheidung selbst trifft, natürlich auch mit dem entsprechenden Risiko.
Roland Mack: Sie haben gerade ein gutes Stichwort gebracht: Ausdauer. Ich glaube, die wird gerade in unserer Branche mit ihrer anspruchsvollen Saison, sieben Tage die Woche, teilweise bis tief in die Nacht, hinreichend unterschätzt. Viele haben diese Ausdauer nicht mitgebracht und konnten nicht aussitzen, bis sich der Erfolg einstellt, weil vieles zu langsam ging. Viele sind deshalb abgesprungen oder leichtsinnig geworden, das hat unser Unternehmen so nie gemacht. Das war ein Gen, das mir meine Vorfahren mitgegeben haben, wofür ich wirklich dankbar bin.
Familienverfassung, Nachfolge und ein Blick auf KI
Christian Steiger: Sind Sie auch besonders stolz darauf, dass jetzt die eigenen Kinder in diese Rollen hineinwachsen? Sie haben ja gesagt, Sie schauen genau hin, ob das wirklich passt, und nicht nur, weil jemand zufällig Ihr Kind ist. Ich stelle mir das großartig vor, wenn es im eigenen Unternehmen über so viele Generationen hinweg funktioniert, ich kenne ehrlich gesagt kaum ein Beispiel dafür.
Roland Mack: Nun, es hat bei uns ja auch nicht durchgehend funktioniert, ich habe vorhin von den Spannungen im Produktionsbetrieb erzählt. Hier bin ich froh, dass die Kinder Freude an der Aufgabe haben. Wir sind heute auch wesentlich breiter aufgestellt als früher, als eigentlich nur der Ingenieur oder vielleicht noch ein Kaufmann Platz finden konnte. Heute kann man bei uns sogar Priester sein, wir haben eigene Kirchen, wir machen Shows, wir brauchen Talente in Architektur, Film, Gastronomie, Hotellerie und Betriebswirtschaft. Es ist eine so breite Palette, dass, wenn jemand darin nichts findet, auch unter den eigenen Kindern, das eher am wahren Leben liegt als an unserem Angebot, das durch die Breite des Unternehmens ja fast alles abdeckt.
Christian Steiger: Das heißt, Sie sehen auch, dass es eine andere Art von Führung braucht als früher, weil das Unternehmen mit seinen vielen Bausteinen heute viel breiter aufgestellt ist.
Roland Mack: Weil es weggeht vom Alleinunterhalter, von Franz Mack und Roland Mack, hin zu einer größeren Familie, habe ich relativ früh das Thema Familienverfassung aufgegriffen. Wir haben uns dazu mit Juristen, Volkswirten und Mediatoren zusammengesetzt und versucht, die Firma gewissermaßen aufzublättern. Wir haben die Ehepartner der Kinder mit einbezogen und zwei Jahre an dieser Verfassung gearbeitet. Das hat ein unglaubliches Verständnis für den Fortbestand des Unternehmens geschaffen, aber auch für die Rolle des Einzelnen innerhalb der Familie.
Christian Steiger: Also mit den Kindern und auch den angeheirateten Partnern gemeinsam über zwei Jahre entwickelt. Das klingt nach einem Erfolgsrezept, weil jeder daran beteiligt ist und niemand von oben vorgibt, wie es läuft. Ist das das Geheimnis dahinter?
Roland Mack: Ich habe am Anfang auch gedacht, man könnte das abkürzen, indem man einfach die Verfassung eines anderen Familienunternehmens übernimmt und den Namen austauscht. Aber eine solche Verfassung muss man wirklich erarbeiten, auf das eigene Unternehmen zuschneiden, verstehen und vor allem leben. Das war eine riesige Chance, was den Fortbestand des Unternehmens als Familienorganisation angeht. Mehr kann man eigentlich nicht tun: Man kann vorleben, Werte setzen, diese Familienverfassung erarbeiten, und man muss die Kinder natürlich auch coachen und eng begleiten. Und da sind wir auf einem guten Weg.
Christian Steiger: Das war ein ganz toller Tipp, ich glaube, vielen ist gar nicht klar, dass es auch in einem viel kleineren Rahmen hilft, so etwas wie eine Verfassung aufzusetzen, sich gemeinsam zusammenzusetzen und zu schauen, wie eine neue Zukunft aussehen kann, damit es weiter funktioniert und jeder seinen Teil hat. Wenn man mitgestaltet, kann man das Ergebnis auch meistens besser mittragen, als wenn es einem nur vorgesetzt wird.
Roland Mack: Ich habe viele Familienbetriebe erlebt und war selbst auch in der Gefahr, wenn man von Anfang an alles selbst bestimmt und allein in der Hand hat, irgendwann zu sagen: Ich weiß, wie es geht, ihr müsst nur schauen, was Papa macht. Aber so funktioniert es nicht, vor allem nicht, sobald die Partner der Kinder dazukommen und die Gespräche abends in der Familie weitergehen. Wenn man dann nicht eingreift und handelt, geht die Bombe irgendwann hoch, und das wäre wirklich schade: Man arbeitet 50, 60 Jahre Tag und Nacht für so ein Unternehmen, und am Ende fliegt alles auseinander.
Christian Steiger: Das ist hier aber definitiv nicht der Fall. Vielleicht noch etwas zum Thema, weil es interessant ist: Bei uns trifft natürlich KI auf ein Software-Unternehmen, wobei wir eigentlich keine reine Softwarefirma sind, sondern Unternehmenslösungen schaffen wollen. Wie hält KI kurz gesagt Einzug im Europa-Park? Gibt es dabei Themen, bei denen es auch eine Überraschung war, dass sie eine solche Wirkung erzeugen?
Roland Mack: Es erzeugt Wirkung. Wir haben das Thema bei unseren digitalen Teams platziert und bauen gerade ein eigenes System auf. Mittlerweile greifen viele Mitarbeiter auf frei verfügbare KI-Tools zu, wo unsere IT dann zur Vorsicht mahnt, weil dabei unter Umständen Viren und Ähnliches eingeschleust werden könnten. Wir müssen daraus ein eigenständiges, eigenes Projekt machen, das gerade läuft. Aber ich glaube, dass der persönliche Kontakt zum Kunden am Ende durch KI überhaupt nicht ersetzt werden kann. Sie wird aber hilfreich sein, wir setzen sie zum Beispiel schon im Gästeservice ein, wo Fragen beantwortet werden und Kunden schneller eine Antwort bekommen. Da ist bereits einiges digitalisiert.
Christian Steiger: Die Beziehung bleibt also, das gilt wohl für uns alle. Ich könnte jetzt sicher noch zwei Stunden weiterfragen, aber wir kommen langsam zum Ende, es ging schneller, als ich dachte, hoffentlich geht es Ihnen genauso. Erstmal ganz vielen Dank für diese wahnsinnigen Einblicke. Ich habe immer eine wiederkehrende Frage in diesem Podcast: Sie sind ja selbst auch Filmemacher, wenn einmal ein Film über Sie gedreht werden würde, vielleicht wurde ja schon einer gedreht, welchen Titel würden Sie sich dafür wünschen?
Roland Mack: Roland Mack ist bodenständig, nah an den Menschen, setzt auf Qualität und ist ein ehrlicher Kerl, das schafft Vertrauen bei den Gästen und letztlich auch bei den eigenen Mitarbeitern. Ich glaube, das waren auch die Inhalte eines Porträts [Name unklar] zum 50-jährigen Jubiläum, das ich sehr schön fand. Ein wichtiger Hinweis an alle Unternehmer, die zuhören: Bei jedem Erfolg sollte man nie vergessen, wo man herkommt, und dass andere Menschen auf dem Weg wichtig waren, um diesen Erfolg zu ermöglichen. Diese Bodenständigkeit sollte man nicht verlassen. Mein Vater hat immer gesagt, man kann nur ein Schnitzel essen, und zum Schluss wollte er sogar nur noch eine VW-Schorle, also viel Wasser, selbst der gute Wein war ihm irgendwann nicht mehr wichtig. Ich glaube, das macht uns auch sympathisch, und das ist ein Teil unseres Erfolgs, dass wir mit Menschen können. Mir ist derjenige, der Papier aufhebt oder reinigt und einfache Aufgaben erledigt, genauso wichtig wie der Ingenieur, der Programmierer oder der KI-Spezialist.
Christian Steiger: Ich glaube, das ist ein Teil Ihres Erfolgs: die Nähe zum Kunden und das Verständnis dafür, wo man selbst nicht steht, genauso im Umgang mit den Mitarbeitenden, egal welcher Aufgabe. Vielleicht wäre auch ein Titel, das kam mir gerade in den Sinn, natürlich entscheiden Sie das: "Man kann nur einen Schnitzel essen." Den würde ich mir auf jeden Fall ansehen.
Roland Mack: Das können Sie gerne machen.
Christian Steiger: Vielen, vielen Dank, Herr Mack, vielen Dank für Ihre Zeit und dafür, dass Sie so offen erzählt haben. Ich glaube, das inspiriert ganz viele Menschen da draußen.
Roland Mack: In so einem Gespräch merkt man immer wieder, wofür man eigentlich keine Zeit hat, wenn man nach Erfolgsfaktoren gefragt wird. Aber so ein Gespräch bringt dann doch einiges auf den Punkt und ruft Dinge in Erinnerung, die man fast schon vergessen hatte: die harte Arbeit, den Verzicht, der der Pflicht immer folgt, und auch damit umgehen zu können, dass man ein Fachidiot ist, aber lieber ein guter Fachidiot, der sein Geschäft kennt, als jemand, der nur über das Geschäft redet und anderen erklären will, wie es funktionieren muss, ohne es selbst zu beherrschen.
Christian Steiger: Absolut. Man nennt das ja auch Timekeeper oder Clockbuilder, so schön das klingt. Vielen, vielen, vielen Dank, wirklich, es freut mich sehr.