Lexware
Eine Frau hält eine Tamponschachtel von LYFEADS mit Werbeaufdruck in die Höhe und betrachtet sie.

Werbung genau da, wo es drauf ankommt

Pheline Huber verwandelt Werbebudgets in kostenlose Tampons. Sie erzählt, wie sie die ersten Marken überzeugt hat, was sie in einem knappen Monat ohne Investoren gehalten hat und wohin sie mit ihrem Modell will.

Pheline Huber in dunklem Oberteil vor einer hellen Wand mit schrägem Lichteinfall.

Kurz gefasst

  • Such dir für den Anfang Leute, die Mut haben. Für ihre ersten Verkaufsgespräche wandte sich Pheline gezielt an Marketingchefinnen, deren mutige Kampagnen sie schon länger verfolgt hatte. Die Rückmeldung war so positiv, dass sie selbst überrascht war.
  • Prüf, ob jemand für deine Idee bezahlt. Den ersten Meilenstein sah Pheline im August 2025, als sie die ersten Rechnungen schreiben konnte. Auf dem Oktoberfest bezahlte das Festzelt Café Theres die gratis Tampons dann selbst, und da wusste sie, dass der Bedarf da ist.
  • Hol dir jemanden für Struktur und Zahlen dazu. Seit Ende August kümmert sich Gabrijela bei LYFEADS um Einkauf, Finanzen und Projektmanagement. Pheline selbst konzentriert sich auf Marke, Partnerschaften, Vertrieb und die Kampagnen für die Kundschaft.
  • Kläre dein Warum, bevor du gründest. Pheline rät, vor dem Start die Frage nach der eigenen Motivation zu beantworten. Gerade am Anfang muss man andere von der Vision überzeugen, und das gelingt kaum, wenn man sie selbst nicht fühlt.

Pheline Huber verkauft Werbung auf Tamponschachteln, die Frauen in Cafés, Bars und Festzelten kostenlos mitnehmen. Ausgelöst hat das ein Abend, an dem ihr niemand aushelfen konnte. Wie wird aus so einem Ärger ein Unternehmen?

Ein Networking-Abend ohne Tampon

Pheline, wenn du es in einem Satz sagen müsstest: Wer bist du, und was machst du?

Ich bin Pheline Huber, Gründerin von LYFEADS aus München, und ich verwandle Werbebudgets in kostenlosen Zugang zu Menstruationsprodukten. Denn ich bin überzeugt, dass Werbung mehr kann, als nur Aufmerksamkeit zu kaufen: Sie kann die Infrastruktur bilden, um ein echtes strukturelles Problem unserer Zeit zu lösen.

Angefangen hat alles auf einem Networking-Event, auf dem du plötzlich deine Periode bekommen hast. Was ist an dem Abend passiert?

Damals war ich im Online-Marketing tätig und viel auf Networking-Events unterwegs. Und dann bekam ich plötzlich meine Periode. Ich hatte keinen Tampon dabei, niemand konnte mir aushelfen, und am Ende musste ich früher gehen. Am meisten hat mich daran geärgert, dass ich deswegen das Event verlassen musste. Ich konnte mit den Leuten und Unternehmen, mit denen ich eigentlich noch sprechen wollte, nicht mehr reden. Und das nur, weil ich menstruiere.

Du hast damals selbst in der Werbung gearbeitet. Hat das eine Rolle gespielt?

Ich war in einer Agentur als Performance Marketing Managerin angestellt. Und ehrlich gesagt hat es mich schon länger wütend gemacht, wie wir in unserer Gesellschaft Werbung machen. Gerade im Onlinemarketing profitieren am Ende vor allem die Plattformen: Google, Meta, TikTok. Es gibt so viele Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und etwas bewegen wollen, aber trotzdem setzen alle auf die etablierten Werbeformen. Auch auf diesem Networking-Event waren überall Sponsoren zu sehen, auf allen Bannern, auf allen Schildern. Nur eben nicht da, wo es wirklich darauf ankommt.

Wann war klar, dass du das selbst in die Hand nimmst?

Das war weniger ein einzelner magischer Augenblick als die Erkenntnis, dass ich nicht darauf warten wollte, dass jemand anderes das Problem löst. Ich komme aus dem Marketing und kenne die Mechanismen. Marken zahlen für Sichtbarkeit. Und wo hat man einen ungestörteren Moment als auf der Toilette?

Tamponschachtel statt Wasserflasche

Ursprünglich wolltest du kostenloses Wasser über Werbung finanzieren. Was hatte die Tamponschachtel, das die Wasserflasche nicht hatte?

Kein Pfand und noch mehr gesellschaftliche Relevanz! Über kostenlose Menstruationsprodukte wird schon lange diskutiert, aber es scheitert in der Regel an der Finanzierung. Gleichzeitig haben wir durch die Tampons ein wunderbares Zielgruppentargeting, weil wir genau wissen, wer die Werbung am Ende gesehen hat.

Wie erklärst du einer Freundin beim Kaffee, was LYFEADS heute macht?

Wir bauen ein System auf, in dem gratis Tampons die Norm werden. Bei uns bezahlen nicht die Menstruierenden für die Tampons, sondern Unternehmen. Im Kern bieten wir Marken ein einzigartiges Markenerlebnis, einen Moment voller Emotionen und einen Zugang zu Locations und Situationen, den aktuell kein anderes Werbemedium schafft.

Gratis Tampons sollten ebenso normal sein wie gratis Klopapier.

Werbung auf Tamponschachteln muss man Marketingleuten erst einmal verkaufen. Wie lief dein erstes Gespräch?

Ich war total nervös. Überzeugt von meiner Vision, aber trotzdem sehr nervös, wie die Reaktion sein würde. Menstruation und damit auch Tampons sind in Deutschland immer noch ein Tabuthema. Deswegen habe ich mich am Anfang sehr bewusst an weibliche CMOs gewandt, die ich schon länger verfolgt habe und von denen ich wusste, dass sie auf mutige Kampagnen setzen. Die Rückmeldung war direkt so positiv, dass ich selbst überrascht war! Das Gute an diesen Gesprächen ist, dass sich jeder damit identifizieren kann. Egal ob Menstruierende, die selbst schon mal einen Tampon gebraucht und keinen gehabt haben, oder Männer, die nachts noch einmal losgeschickt wurden, um Tampons für ihre Frau oder Freundin zu kaufen.

Für wen machst du das am Ende, für die Frauen auf der Toilette oder für die Marken, die zahlen?

Für beide Seiten. Für Marken schaffen wir einen wunderschönen, emotionalen Moment und einen Zugang zu Situationen, Locations und Events, den es bei keiner anderen Werbeform gibt. Natürlich mache ich das Ganze aber auch, um das aktuelle System zu verändern. Gratis Tampons sollten ebenso normal sein wie gratis Klopapier.

Spenden, erste Rechnungen und das Festzelt

Ein Teil des Geldes pro Schachtel geht an soziale Projekte. Wohin genau?

Wir arbeiten mit dem Frauenobdach Karla51 in München zusammen, aber auch mit Viva con Agua, um global etwas gegen Periodenarmut zu tun. Bei Karla51 ist es eine zweckgebundene Spende, mit der Menstruationsprodukte eingekauft werden. Mit Viva con Agua unterstützen wir Projekte im Sanitärbereich. Wasser und Menstruation haben mehr gemeinsam, als man vermutet.

Zwei Hände halten eine Tamponschachtel, auf der Platz für Werbung angeboten wird.
Pheline Huber lacht, an eine helle Wand gelehnt, das Haar fällt über ihre Schulter.

Welcher Moment seit dem Start hat dich am meisten gefreut?

Definitiv der, als ich zum allerersten Mal eine gedruckte Schachtel mit einem Werbepartner in der Hand gehalten habe. Das war einfach der Wahnsinn. Bis dahin hatte ich immer nur digital am Laptop gearbeitet. Ein Produkt zum Anfassen zu entwickeln, war für mich etwas völlig Neues: einen Produzenten für die Schachteln finden, das Design anlegen, einen Werbepartner gewinnen und einen Partner für die Tampons finden. Das fertige Produkt dann live zu sehen, war unglaublich schön.

Woran hast du gemerkt, dass das Modell trägt?

Der erste wichtige Meilenstein war im August 2025, als ich die ersten Rechnungen schreiben konnte. Im Dezember hatten wir dann zum ersten Mal sieben Partner gleichzeitig, das war ein ganz besonderes Gefühl. Einer der wichtigsten Meilensteine war das Oktoberfest in diesem Jahr. Im Festzelt Café Theres gab es zum allerersten Mal gratis Tampons, finanziert vom Café Theres selbst. Da habe ich gemerkt, dass es sich finanziell trägt und dass der Bedarf da ist.

Ein knapper Monat und Verstärkung im Team

Gab es auch einen Punkt, an dem du fast aufgehört hättest?

Definitiv. Ich erinnere mich gut an einen Moment vor einigen Monaten. Ich finanziere aktuell alles selbst, ohne Investoren, und es gab einen Monat, in dem es sehr knapp wurde. Der einfachste Ausweg wäre natürlich gewesen, aufzuhören und wieder in eine Festanstellung zu gehen.

Was hat dich da rausgeholt?

Das sind immer die Gespräche mit meinen Freundinnen und Freunden und ihr Rückhalt. Wir waren gemeinsam wandern und haben auf einem Berg übernachtet, ohne Zelt, einfach so. In solchen Momenten merke ich wieder, worauf es im Leben ankommt, und dass die Probleme im Kopf oft viel größer sind als in der Realität.

Seit Kurzem bist du nicht mehr allein. Wie ist Gabrijela dazugekommen?

Wir haben uns Ende August kennengelernt. Gabrijela übernimmt alle operativen Themen bei LYFEADS, schafft Struktur und sorgt dafür, dass wir eine Basis aufbauen, auf der wir wachsen können. Vor allem Einkauf, Finanzen und Projektmanagement liegen bei ihr. Ich kümmere mich weiter um den Aufbau der Marke, Partnerschaften, Vertrieb und die Planung der Kampagnen für unsere Kunden.

Wie sieht eine Woche bei dir aus?

Ganz ehrlich: Eine normale Woche gibt es gerade nicht. Jeder Tag sieht anders aus, und das ist auch gut so. Ich bin gleichzeitig im Austausch mit Marken, gewinne neue Locations, plane Kampagnen, kümmere mich um unsere Lieferkette und überlege, wie wir LYFEADS größer machen können. Und wir sind viel auf Events und Messen unterwegs, um unsere Mission sichtbar zu machen und neue Partnerschaften aufzubauen.

Hamburg und die große Vision

Neben München ist Hamburg euer wichtigster Markt. Was läuft dort anders?

Hamburg hat mich von Anfang an mit seiner Offenheit für Social Entrepreneurship begeistert. Ich habe das Gefühl, dass Marken dort gesellschaftliche Verantwortung oft selbstverständlicher als Teil ihres Geschäfts sehen und schneller bereit sind, Neues auszuprobieren. Aber ich glaube, der entscheidende Unterschied ist nicht die Stadt, sondern das Netzwerk. Wenn die ersten Marken und Locations an eine Idee glauben, entsteht Vertrauen. Daraus werden Empfehlungen, neue Partnerschaften und echte Bewegung. Genau das bauen wir gerade in Hamburg und München auf.

Was hält dich bei der Sache, wenn mal eine Marke abspringt?

Es gab viele Tage, an denen ich darüber nachgedacht habe, das Ganze sein zu lassen. Aber mich motiviert die große Vision. Wenn wir es in den nächsten fünf Jahren schaffen, dass es an jedem Flughafen, an jedem Bahnhof, in jedem Zug und überall dort, wo es schon gratis Klopapier gibt, auch gratis Tampons gibt, und das nur, weil wir mit LYFEADS den Zugang dazu schaffen, dann haben wir viel bewegt.

Was rätst du einer Frau, deren Idee erst einmal komisch klingt und die überlegt zu gründen?

Überleg dir gut, warum du gründen möchtest. Was ist dein Antrieb, deine Motivation, dein Warum? Diese Frage sollte man für sich beantworten können, bevor man anfängt. Gerade am Anfang geht es darum, andere Menschen von der Vision zu überzeugen. Wenn man die selbst nicht fühlt, wird es umso schwerer, andere mitzureißen.

Und was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?

Man muss nicht die ganze Welt allein verändern. Man muss mutig genug sein, den ersten Schritt zu gehen, Dinge anders anzugehen und Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam daraus etwas Großes machen können.

Mehr zu
Pheline Huber
:
lyfe-ads.de
© Foto Credits:
Luisa Brandstetter
Auf einen Blick

Häufige Fragen zu Pheline Huber

Wer ist Pheline Huber?

Pheline Huber ist Gründerin von LYFEADS aus München. Bevor sie gründete, arbeitete sie als Performance Marketing Managerin in einer Agentur. Heute verkauft sie Werbung auf Tamponschachteln und finanziert damit kostenlose Tampons.

Wie funktioniert LYFEADS?

Marken bezahlen für Werbung auf Tamponschachteln, die in Cafés, Bars, Festzelten und auf Events ausliegen. Die Tampons sind für die Frauen kostenlos. Pheline vergleicht das Ziel mit Klopapier: Gratis Tampons sollen genauso selbstverständlich werden.

Welche sozialen Projekte unterstützt LYFEADS?

Ein Teil des Geldes pro Schachtel geht an soziale Projekte. In München arbeitet LYFEADS mit dem Frauenobdach Karla51 zusammen, dort werden mit einer zweckgebundenen Spende Menstruationsprodukte eingekauft. Mit Viva con Agua unterstützt LYFEADS Projekte im Sanitärbereich.

Was rät Pheline Huber Frauen, die gründen wollen?

Sie rät, sich vor dem Start gut zu überlegen, warum man gründen möchte. Am Anfang geht es vor allem darum, andere von der eigenen Vision zu überzeugen. Wer sie selbst nicht fühlt, kann andere kaum mitreißen.

Tell Your Story Podcast

Diese Folge schauen oder hören.

weiterempfehlen
Gib dieser Geschichte eine Bühne

So machen es andere in deiner Lage