Robin Maeter stand am Fließband, bevor er mit seinem besten Freund die Agentur CREW10 gründete, die heute Werbefilme für große Marken dreht. Warum hat er einen Lamborghini gekauft, und was hat ihn diese Entscheidung gekostet?
Bühne, Polizeistudium, Fließband
Robin, mit CREW10 produzierst du von Rheine aus Filme und Kampagnen für Marken wie Nike. Wie fing dein Weg dorthin an?
Ziemlich weit weg von einem geraden Lebenslauf. Nach dem Abitur habe ich in Lyon als Akrobat gearbeitet. Ich war vorher als B-Boy und im Tricking und Freerunning unterwegs und war unter anderem beim „Supertalent“. Der Sport und die Bühne waren mein Lebenselixier. 2012 habe ich ein Polizeistudium begonnen, aber die Bühne blieb ein riesiges Thema. 2014 sind wir bei der TV-Show „Millionärswahl“ ins Finale gekommen, meine Konzentration lag fast nur dort. Die Klausuren habe ich verhauen, und damit war der Weg bei der Polizei vorbei. Auch die Show lief anders als erhofft. Da waren auf einmal zwei Wege, in die ich viel Energie gesteckt hatte, ziemlich abrupt zu Ende.
Und dann?
Dann kam eine schwere Zeit. Ich habe rund 60 Bewerbungen geschrieben und niemanden gefunden, der mir eine Chance geben wollte. Also stand ich etwa sechs Monate als Leiharbeiter am Fließband, für 1.300 Euro netto im Monat, inklusive Nachtschichten. Bei der Polizei war mein Geld im Voraus gekommen, davon musste ich etwas zurückzahlen, und der erste Lohn vom Band kam erst am 15. des Folgemonats. Ich habe diesen Job gehasst und war gleichzeitig dankbar, überhaupt Geld zu verdienen. Damals habe ich mir geschworen, nie wieder solche Geldprobleme zu haben und nie wieder dauerhaft etwas zu machen, das ich hasse.
Wo kam da die Kamera ins Spiel?
Die war schon lange da. Mit zwölf habe ich einen Onlineshop für japanische Kunstgegenstände aufgebaut. Das waren Einzelstücke, ich musste jedes einzeln fotografieren und überlegen, wie ich seine Besonderheiten sichtbar mache. Gleichzeitig gehörte die Kamera in unserer Sportszene einfach dazu. Wir haben unsere besten Tricks gefilmt und aufwendig zusammengeschnitten. Man wollte ein Video hochladen, bei dem die anderen sagen: „Alter, wie habt ihr das gemacht?“ Nach dem Fließband konnte ich bei einem großen Onlinehändler einen Shop aufbauen, und 2018 habe ich mich als Fotograf und Videograf selbstständig gemacht.
Erst Freundschaft, dann Firma
Deinen Mitgründer Dima hast du über eBay Kleinanzeigen kennengelernt. Wie kam es dazu?
Über einen Tausch. Ich hatte ein iPad, er ein MacBook, ich habe 50 Euro draufgelegt. Zufällig haben wir denselben Sport gemacht und hatten die gleichen Ziele im Leben. Heute ist er mein bester Freund. Wenn man so etwas erlebt hat, fragt man sich natürlich, was aus der nächsten Begegnung entstehen kann. Ich kann nicht planen, was daraus wird, aber ich kann dafür sorgen, dass überhaupt etwas entstehen kann. Heute kümmert sich Dima vor allem um die Projekte und das Personal, ich mich um den Vertrieb und die Weiterentwicklung des Unternehmens.
Bevor ihr gegründet habt, wolltet ihr selbst Creators werden.
Im November 2018 haben wir uns zu fünft vorgenommen, 365 Tage lang jeden Tag einen Vlog auf YouTube zu veröffentlichen. Das Ziel war eine Million Abonnenten. Am Ende waren es ungefähr 1.000. Geld hatten wir nicht, wir hatten einfach nur eine verdammt große Vision. Trotzdem war die Zeit wertvoll. Wir wissen seitdem, wie viel Arbeit hinter wenigen Minuten Video steckt und was es bedeutet, jeden Tag wieder mit einer neuen Idee anzufangen.
2020 habt ihr CREW10 als Unternehmen gegründet. Dann kam Corona.
Uns brachen die Aufträge weg, über Monate kamen keine Umsätze rein. Da ging es ganz konkret darum, wie es überhaupt weitergehen kann. Wir haben weitergemacht, selbst Content produziert und über TikTok wieder Aufträge gewonnen. Erst einen, dann weitere. Aufgeben war für mich keine Option, auch wenn es genügend Gründe gab, zu zweifeln.
Ein pinker Lamborghini ohne Auftrag
In deiner Bewerbung sprichst du offen über Fehlentscheidungen. Welche meinst du?
Bei einem gemeinsamen Onlinehandelsprojekt haben wir zu früh Wachstum mit Stabilität verwechselt, Prozesse zu spät aufgebaut und zu viel gleichzeitig gemacht. Von außen kann etwas erfolgreich aussehen, während intern die Probleme wachsen. Später war der Umbau unserer Unternehmensstruktur ein echter Bruch in der Liquidität, weshalb wir im Februar 2024 ein Darlehen über 300.000 Euro aufgenommen haben. Nur zu sagen, das war eine teure Erfahrung, reicht nicht. Ich muss verstehen, welchen Anteil meine Entscheidung daran hatte.
Das bekannteste Beispiel für ein schnelles Ja ist ein Sportwagen.
„Scheiß drauf, wir kaufen einen Lambo.“ Eine schnelle Entscheidung über WhatsApp, und auf einmal ging es um 359.000 Euro. Dima und ich waren überzeugt, dass wir den viralsten Lamborghini Deutschlands schaffen können. Einen Auftrag dafür hatten wir nicht. Drei Menschen aus unserer Crew haben uns damals verlassen, weil sie sich mit den Werten, die sie darin gesehen haben, nicht identifizieren konnten. Das muss ich als Unternehmer ernst nehmen. Später wurde der pinke Lamborghini Teil unserer Kampagne mit Nike und Absolute Teamsport zur Fußball-EM 2024. Ein Team von zehn Leuten hat in wenigen Wochen mehr als 100 kurze Videos produziert, und wir kamen auf rund 40 Millionen organische Views.
Ich bereue das Ja nicht. Aber eine Vision im Kopf zu haben und sie verständlich zu machen, sind zwei unterschiedliche Aufgaben.
Bei derselben Kampagne ist auch etwas schiefgegangen.
Neben dem Lamborghini sollte eine G-Klasse pink foliert werden. Dima schickte mir ein Foto, und ich dachte noch, vielleicht liegt es am Licht. Dann kam seine Nachricht: „Jo, Bro? Die G-Klasse wurde abgeholt und ist einfach in der falschen Farbe.“ Das Auto war lachsfarben. Komplett. Im Briefing stimmten die Bilder, aber der Farbcode gehörte noch zum vorherigen Schuhdesign. Uns blieben 24 Stunden, um das Auto neu folieren zu lassen. Heute kann ich darüber lachen.
Was vor einer Zusage geklärt sein muss
Seit 2023 produziert ihr für DERTOUR Inhalte zu rund 100 Hotels im Jahr. Auch ein schnelles Ja?
Ich wollte diesen Auftrag unbedingt, weil hier Reisen, Fotografie und Film zusammenkommen. Gleichzeitig steht hinter jedem Hotel Reiseplanung, Drehtage und die gesamte Nachbearbeitung. Wenn die nächste Produktion beginnt, muss die vorherige trotzdem fertig werden. Sobald ich einem Kunden etwas verspreche, hat das Konsequenzen für unsere Crew. Deshalb muss ich vor einer Zusage klären, was sie zeitlich, personell und wirtschaftlich bedeutet. Begeisterung ersetzt keine Kalkulation.
Was fragst du heute, bevor du Ja sagst?
Was ist genau vereinbart? Wie viel Zeit brauchen wir realistisch? Wer trägt die Verantwortung? Und was bleibt am Ende übrig, wenn wirklich alle Aufwände berücksichtigt sind? Ein Projekt kann kreativ extrem spannend sein und trotzdem wirtschaftlich oder organisatorisch nicht passen. Wir beschäftigen uns deshalb stärker mit Projektsteuerung, Zeiterfassung und unseren Zahlen. Dazu gehört auch, Zusatzaufwände anzusprechen, statt sie einfach irgendwie mitzumachen.
Für wen machst du das alles?
Für unsere Kunden, für unsere Crew und natürlich auch für das Leben, das wir uns damit aufbauen. Ein Kunde investiert bei uns Geld und Vertrauen. Ein schöner Film allein beantwortet noch nicht die Frage, ob wir unseren Job gut gemacht haben. Wenn ein Projekt wirtschaftlich funktioniert, der Kunde zufrieden ist und die Crew sagt: „Das war richtig gut“, dann haben alle etwas davon.
Besser werden statt größer
Was war dein schönster Moment, seit du selbstständig bist?
Das Finale unserer „Challenge in Paradise“ am 31. Oktober 2025 auf den Malediven, die wir mit DERTOUR umgesetzt haben. Sechs Creators, sechs Inseln, und ich durfte auf der Bühne die besten auszeichnen. Im Alltag bist du ständig mit der nächsten Entscheidung beschäftigt. An diesem Abend konnte ich das Ergebnis unserer Arbeit einfach mal bewusst wahrnehmen. Ich habe selbst als Creator angefangen. Jetzt durfte ich mit unserer Crew einen Rahmen schaffen, in dem andere ihr Können zeigen.
Gerade baust du CREW10 so um, dass es nicht mehr an dir hängt. Was fällt dir dabei am schwersten?
Den eigenen Reflex auszuhalten: „Ich mache das eben selbst.“ Kurzfristig geht das manchmal schneller. Auf Dauer landet die nächste Frage dann wieder bei mir. Ich gebe Projektsteuerung und Freigaben in die verantwortlichen Bereiche und will selbst stärker die Richtung vorgeben. Ende 2026 wollen wir nicht größer sein, sondern besser: klarere Abläufe, bessere Wirtschaftlichkeit, weniger Abhängigkeit von einzelnen Personen.
Was rätst du jemandem, der gerade am Fließband steht und sich mit Kamera und Laptop selbstständig machen will?
Dass dein bisheriger Lebenslauf nicht festlegt, was du noch machen kannst. Aber eine Kamera, ein Laptop und ein bisschen Mut ergeben nicht automatisch ein Unternehmen. Finde heraus, wofür Menschen dich bezahlen. Lerne, Angebote zu schreiben, sauber zu kalkulieren und zuverlässig zu liefern. Und lass dir von niemandem deine Träume ausreden. Nur weil dein erster Plan nicht funktioniert hat, musst du deine Ziele nicht kleiner machen.






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