Alexandra startete 2010 mit einem Modeblog und steigerte über Pinterest die Aufrufe ihrer Webseite innerhalb eines Jahres um 700 Prozent. Heute macht sie Selbstständige auf Pinterest und in der KI-Suche sichtbar. Was braucht es dafür vor allem?
Ein Modeblog als Anfang
Alexandra, wer bist du, was machst du und von wo aus arbeitest du?
Ich lebe und arbeite in Berlin. Selbstständig im Homeoffice bin ich seit ungefähr zehn Jahren, aber auch während des Studiums habe ich schon selbstständig gearbeitet. 2010 bin ich in die Content Creation gegangen und habe für mich festgestellt, dass Content Marketing ein ziemlich cooler Kanal ist, um sichtbar zu werden und Leute auf die eigene Webseite zu bekommen. So bin ich auf Pinterest aufmerksam geworden. Heute helfe ich anderen Unternehmerinnen und Unternehmern dabei, dort sichtbar zu werden, mit Pinterest-Marketing, mit Content und mit KI-Sichtbarkeit.
Angefangen hat alles mit einem Modeblog. Wie kam es dazu?
Schon während meines Abis wusste ich, dass ich in Richtung Modejournalismus will. Also habe ich angefangen, einen Blog zu schreiben. Das war 2010, da war das alles noch sehr frisch und in den Kinderschuhen. Ich habe das konsequent weitergemacht, auch während meines Studiums, ich habe Textil- und Bekleidungstechnik mit Schwerpunkt Management studiert. Dann kam langsam die Zeit, in der man nicht mehr nur PR-Samples bekommen hat, sondern für Blogbeiträge auch bezahlt wurde. Man wurde zu Events eingeladen, und ich habe das immer weiter professionalisiert.
Wie bist du von dort zu Pinterest gekommen?
Ich habe mir irgendwann überlegt, wie ich noch mehr Menschen auf meine Webseite bekomme. Denn das war letztendlich die Währung, die ich hatte: Je mehr Menschen ich erreichen konnte, desto besser war das für die Kooperationen mit Unternehmen. Das war 2016, 2017. Pinterest habe ich für mich selbst eigentlich gern benutzt, eher als Inspiration, wenn ich etwas Kreatives gemacht habe. Dann habe ich das konsequent durchgezogen und auch in die USA geschaut, was dort gemacht wird. Innerhalb von einem Jahr habe ich die Aufrufe meiner Webseite um 700 Prozent gesteigert. Ich habe die Früchte geerntet und dachte: Ey krass, warum machen das nicht alle? Das war eine Nische, die noch nicht wirklich besetzt war. Und daraus konnte ich etwas für andere machen.
Unsichere Monate und ein neues Feld
Gab es einen Moment, in dem du am liebsten hingeschmissen hättest?
Diverse Momente. Als Selbstständige hast du einen Monat, in dem du denkst, du bist der reichste Mensch der Welt, und im nächsten denkst du: Oh mein Gott, was mache ich jetzt? Daran gewöhnt man sich. Aber am Anfang hat mich das ziemlich viel Angst gekostet. Die zweite große Herausforderung ist meine Positionierung. Ich bin in einem sehr neuen Feld. Die KI-Sichtbarkeit habe ich relativ früh eingeschätzt und in meine Positionierung mit aufgenommen, damit man mich auch dort findet und ich mich als Expertin zeige. Das ist ein sehr schnelllebiges Thema, und ich muss mir genau aussuchen, auf welche Themen ich setze.
Was bietest du heute konkret an?
Ich habe mich auf Pinterest-Marketing spezialisiert und habe einen Onlinekurs, in dem Unternehmerinnen und Unternehmer lernen, Pinterest als Marketingplattform zu nutzen. Außerdem übernehmen wir das Management von Pinterest-Accounts, dafür habe ich mir mittlerweile ein Team aufgebaut. Dazu kommt eine Membership. Ganz neu bringe ich bei, wie man Content macht, über den man gefunden wird und mit dem man seine Autorität zeigt, mit der eigenen Expertise und den eigenen Erfahrungen. Dazu gibt es mein Authority Content Lab. Und mit dem Authority Signals Lab gibt es einen weiteren Workshop dazu, wie Unternehmen in der KI-Suche sichtbar werden und was sie dabei beachten müssen. Über allem steht für mich die Frage: Wie können Brands heute Autorität und Anziehung aufbauen, damit sie nicht nur gefunden werden, sondern auch zur ersten Wahl ihrer Kund:innen werden?
Was die KI an der Suche verändert
Viele Webseiten bekommen gerade weniger Besucher über Google. Merkst du das bei Pinterest auch?
Es verändert sich gerade viel. Wer seinen Haupttraffic über Google bekommt, hat Probleme, weil die Leute jetzt viel mit KI quatschen und ihre Probleme erst einmal dort besprechen. Irgendwann kommen sie trotzdem beim Dienstleister an. Wenn jemand eine Hundebetreuung braucht, ist es egal, ob er vorher über die KI mehr darüber erfahren hat. Die Leute kommen später, vielleicht aber auch besser. Bei Pinterest merke ich diesen Einbruch gar nicht so stark, weil die Leute dort mit anderen Fragen kommen. Früher sind viele auf eine Webseite gegangen, um nachzusehen, wie hoch der Eiffelturm ist. Rein informativer Content bricht ein. Auf Pinterest haben die Leute eine ganz andere Absicht.
Die Leute kommen später, vielleicht aber auch besser.
Und wo wird die KI für Pinterest zur Herausforderung?
Pinterest ist sehr visuell, und viele nutzen inzwischen KI, um Bilder zu erstellen. Gleichzeitig merke ich, dass viele Nutzer:innen solchen KI-Content gar nicht sehen möchten. Pinterest bietet zwar mittlerweile die Möglichkeit, weniger davon anzeigen zu lassen, allerdings funktioniert die Erkennung nicht immer zuverlässig. Das ist natürlich auch eine Herausforderung: Selbst für Systeme ist es nicht immer einfach zu erkennen, was KI-generiert ist und was nicht. Problematisch wird KI-Content vor allem dann, wenn er zwar schön aussieht, aber unrealistische oder sogar falsche Inspiration liefert. Im Garten wird dann zum Beispiel eine Pflanze neben die andere gesetzt, obwohl sie an diesem Standort oder nebeneinander gar nicht gut gedeihen würden. Das sieht schön aus, lässt sich in der Realität aber nicht sinnvoll umsetzen. Gerade auf Pinterest ist das relevant, weil die Nutzer:innen sehr umsetzungsstark sind: Sie suchen dort Inspiration, die sie anschließend wirklich ausprobieren möchten. Deshalb wird es immer wichtiger, dass wir Menschen mit unserer eigenen Meinung hinter unserem Content stehen und unsere Expertise und Erfahrungen mitgeben.
Geduld statt täglicher Storys
Woran merkst du, dass deine Arbeit funktioniert?
Am deutlichsten an den Ergebnissen meiner Kundinnen und Kunden. Mit einer Kundin haben wir Pinterest über mehrere Jahre aufgebaut, in ihrem stärksten Monat kamen rund 1,6 Millionen Impressionen und 20.000 Klicks auf ihre Webseite zusammen. Das passiert aber nicht über Nacht. Pinterest ist eine Suchmaschine, da braucht man viel Geduld, und gerade am Anfang heißt es schnell: Das funktioniert nicht. Umso schöner finde ich es, wenn Kundinnen mir später erzählen, dass sie durch die Zusammenarbeit ihr Marketing oder sogar ihr ganzes Business neu gedacht haben. Wir fragen nämlich nicht zuerst: Was möchte ich heute posten? Sondern: Wonach suchen Menschen, was interessiert sie und wobei brauchen sie Unterstützung? Das gilt für Pinterest genauso wie für Google oder die KI-Suche. Es geht nicht darum, immer mehr Content zu produzieren, sondern da präsent zu sein, wo Menschen suchen und Entscheidungen treffen.


Du sprichst oft von Geduld. Warum ist die heute so schwer?
Viele meiner Kundinnen und Kunden haben gerade keinen Bock mehr auf Social Media. Die sind ein bisschen müde davon, jeden Tag eine Story zu machen, ihr Gesicht und ihre Produkte in die Kamera zu halten, und nach 24 Stunden ist alles wieder weg. Ich bin eher für nachhaltiges Marketing. Durch Instagram sind wir es gewohnt, dass sofort etwas passiert, dass auf ein Foto ein Like kommt. Was wir am Ende wollen, ist aber, dass Leute auf die Webseite gehen, sich in den Newsletter eintragen und das Angebot buchen. Ein Like ist schön, aber das verkauft nicht. Deshalb freue ich mich, wenn ich bei Menschen die Erleichterung spüre: Es funktioniert wirklich, ich muss nicht jeden Tag mein Gesicht in die Kamera halten.
Mut, es auszuprobieren
Du bist direkt nach dem Studium ohne Kapital in die Selbstständigkeit gegangen. War das ein Nachteil?
Das war sicher gut, weil ich mich nicht von einem Jahresgehalt verabschieden musste. Als Studentin hatte ich erst einmal nichts zu verlieren, war frei und konnte das gut ausbauen. Aber ich denke, auf beiden Wegen findet man letztendlich, was man will.
Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, den gleichen Schritt zu gehen?
Für mich persönlich ist Selbstständigkeit das Schönste, was man im Leben machen kann: ein Unternehmen zu gründen, in dem man sich selbst verwirklicht. Viele sagen, das wäre nichts für sie. Ich glaube, manchmal fehlt auch einfach der Mut, es auszuprobieren. Jeder hat eine Leidenschaft, und vieles davon lässt sich auch monetarisieren. Das gibt dir so viel zurück, wenn du das machst, wofür du stehst. Die Freiheit, die einem das Unternehmertum schenkt, kann für mich kein übliches Gehalt aufwiegen. Man muss raus aus der Komfortzone. Aber wenn du es machst, ist es unbeschreiblich.
Was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?
Mach was, wofür du stehst. Man ist manchmal so fixiert auf den Beruf, den man gerade macht, und denkt, alles ist eingeschränkt und schwierig. Dabei geht es darum, das umzusetzen, was einen glücklich macht. Wir haben dieses eine Leben. Und es ist auch okay zu scheitern. Dann weiß man wenigstens: Ich habe es ausprobiert.






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