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Anja Helming steht am Meer und lacht, im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne.

Jeder soll Chef über sein Konto sein

Vier Gespräche, am Ende ein schriftlicher Fahrplan: Anja Helming zeigt Menschen, wie ein finanzielles Fundament entsteht. Und warum auch zehn Euro im Monat ein Anfang sind.

Anja Helming telefoniert vor einem Gebäude und hält einen Laptop unter dem Arm.

Kurz gefasst

  • Fang mit dem an, was übrig bleibt. In jedem einzelnen Gespräch widerlegt Anja Helming die Annahme, es sei nichts zum Sparen da. Wer Einnahmen und Ausgaben einmal aufdröselt, findet fast immer einen Rest, weil die meisten anders an das Thema herangehen.
  • Schau dir an, was du über Geld gelernt hast. Im zweiten der vier Gespräche geht es um die eigene Geldgeschichte: Welche Muster hast du von zu Hause mitbekommen, was darf bleiben, was nicht? Erst danach baut Anja Helming mit dir eine Struktur, die im Alltag funktioniert.
  • Lass dir einen schriftlichen Fahrplan geben. Am Ende der Begleitung steht ein Fahrplan auf Papier, mit dem du allein weitergehst. Ob ETF-Sparplan, Aktien, Gold oder Sparen für eine Immobilie: Anja Helming erklärt die Wege, entscheiden musst du selbst.
  • Zehn Euro im Monat sind ein Anfang. Auch wer nur 10 Euro im Monat übrig hat, kann diese 10 Euro anlegen. Anja Helming hält ein gutes Verhältnis zum eigenen Geld für das Recht von jedem und sagt: Die meisten haben mehr als 10 Euro übrig, und es ist nie zu spät.

Anja Helming begleitet als Feel-Good-Money-Coach aus Hamburg Menschen, die sich mit ihrem Geld unwohl fühlen. Dabei hatte sie selbst mit 40 keinen Cent gespart. Wie hat sie aus dem Konsumstrudel herausgefunden?

Erst die Firmenfinanzen, dann die eigenen

Anja, du nennst dich Feel-Good-Money-Coach. Was machst du genau?

Ich bringe Menschen in ihre finanzielle Bestform. Und zwar Menschen, die sich mit ihrem Geld nicht so richtig wohlfühlen. Die immer ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie an ihr Geld denken müssen. Mit ihnen lege ich ein Fundament und eine klare Struktur. Daraus entsteht Klarheit, und mit der Klarheit kommt Ruhe. Ich arbeite von zu Hause aus, im wunderschönen Hamburg.

Bevor du dich selbstständig gemacht hast, warst du 20 Jahre im Rechtsbereich tätig, auch mit Forderungen und Verträgen von Unternehmen. Wie sah es mit deinen eigenen Finanzen aus?

Ich war 20 Jahre im Thema Recht unterwegs, also Forderungsmanagement, Verträge und solche Geschichten für Unternehmen, festangestellt. Ich habe immer gut verdient, aber nichts übrig behalten. Es war egal, ob ich 3.000 Euro netto hatte oder 6.000 Euro netto, ich habe genau das ausgegeben. Ich habe das Geld, das da war, verlebt. Ich dachte immer: Wenn ich den Konsum nicht mitgestalte, mit schicken Klamotten und Marken, dann bin ich nicht angesagt. Ich war voll in diesem Konsumstrudel und hatte mit 40 kein Geld. Alleinerziehend, zwei Kinder, keinen Cent gespart.

Was hat dich da herausgeholt?

Ein Gespräch. Da fragte mich jemand: Warum kümmerst du dich nicht um deine eigenen Finanzen, sondern immer nur um die Finanzen deiner Firmen? Das konnte ich nämlich sehr gut. Ich habe gesagt, weil ich das nicht kann, weil mir das nicht zusteht und weil ich halt aus so einer Familie komme. Und er sagte: „Ja, und das kannst du auch ändern.“ Dann habe ich das geändert. Mit ungefähr 40 habe ich angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen, und habe verschiedene Weiterbildungen zu Finanzen gemacht.

Vier Gespräche, ein Fundament

Du verkaufst keine Geldanlagen. Was gibst du deiner Kundschaft stattdessen mit?

Ich erkläre den Menschen, wie das Fundament funktioniert. Ein Fundament hat jeder, jeder hat so ein paar Brocken, aber überall sind Lücken. Manche haben Mindset-Lücken, manche Wissenslücken, manche haben Ängste. Diese Lücken fülle ich, damit sie mit ihrem eigenen Geld nach vorne gehen können.

Wie läuft so eine Begleitung ab?

Coaching hört sich für mich immer so abgegriffen an, das sagen so viele. Eigentlich ist es eine Finanzbegleitung, eine Begleitung der eigenen Finanzen. Im Grunde sind das vier Gespräche über drei Monate. Im ersten verschaffen wir uns einen Überblick: Was kommt rein, was geht raus, wo soll es eigentlich hingehen? Im zweiten geht es um die eigene Geldgeschichte. Welche Muster hast du von zu Hause mitbekommen, was darf bleiben, was nicht? Im dritten bauen wir eine klare Struktur, die im Alltag funktioniert. Die meisten Menschen denken, sie haben nicht genug Geld, um etwas zu sparen. Das widerlege ich eigentlich in jedem einzelnen Gespräch. Da ist immer irgendwas über, weil die meisten anders an das Thema herangehen. Im vierten gibt es einen schriftlichen Fahrplan, damit du allein weitergehen kannst. Welche Wege es danach gibt, ob ETF-Sparplan, Aktien, Gold oder Sparen für eine Immobilie, erkläre ich. Entscheiden tust du.

Die meisten Menschen denken, sie haben nicht genug Geld, um etwas zu sparen. Das widerlege ich eigentlich in jedem einzelnen Gespräch.

Warum gerade vier Termine?

Ich habe schon alles ausprobiert, Halbjahrescoaching, Monatscoaching, alles Mögliche. Jetzt mache ich immer drei Monate, vier Termine. Wenn die Leute einmal verstanden haben, wie es geht, ist es gar nicht so schwer. Das ist wie Fahrradfahren oder Laufenlernen. Wer mehr braucht, kann zwei weitere Gespräche dazubuchen. Ich will die Leute nicht in elend langen Verträgen knebeln, das mag ich nicht. Lieber kurz und knackig, und wenn sie sagen, das reicht nicht, hängen wir noch zweimal dran. Das hat sich aus den letzten Jahren so ergeben.

Der Absprung aus dem festen Job

Angefangen hast du nebenberuflich. Was war die größte Hürde auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Die Sicherheit des festen Jobs loszulassen. Das war für mich das Schlimmste. Ich habe das lange nebenbei gemacht und den Job weiterlaufen lassen. Irgendwann ließ sich beides nicht mehr gut miteinander verbinden. Dann musste ich eine Entscheidung treffen. Die habe ich getroffen, und es hat funktioniert. Selbstständig bin ich seit 2019.

Als Solo-Selbstständige gibst du dir deinen Tag selbst vor. Was holt dich an schlechten Tagen aus dem Bett?

Meine Struktur. Natürlich gibt es Tage, an denen ich am liebsten liegen bleiben möchte. Dann fange ich klein an, und sobald ich im Flow bin, geht es direkt weiter. Ich habe meine To-do-Listen und einen ganz klaren Plan, der trägt mich auch an zähen Tagen. Aber es ist nicht so, dass man jeden Morgen aus dem Bett springt und Juhu sagt. Das ist gerade für uns Solo-Selbstständige eine Herausforderung.

Am Finanzstammtisch reden alle offen

Über Geld spricht man nicht gern. Wie erlebst du das?

Beim Geldthema ist es so: Du kannst dich überall an die Tische stellen und über alles reden, aber nicht über Sex und über Geld. Du würdest ja nie fragen: Wie ist denn dein Sexleben so? Oder: Wie steht es gerade um deine Finanzen, wie viel verdienst du? Stell dich mal mit der Frage an den Tisch, dann sind alle weg. Das sind die beiden Themen, über die man nicht sprechen darf. Und deshalb ist es so schön: Ich mache manchmal kostenlose Webinare, öffne Räume, oder wir treffen uns einfach zu einem Finanzstammtisch. Es ist so crazy, die Leute sitzen am Tisch und hauen es sofort raus. Die sagen gleich: Da stehe ich, was kann ich machen? Das ist ein großes Vertrauen, das ich inzwischen genieße.

Anja Helming tippt auf einem Laptop, den sie im Sand auf dem Schoß hält.
Anja Helming lehnt am Cafétisch, vor ihr eine Tasse Kaffee.

Woran merkst du, dass deine Arbeit wirkt?

Das Feedback ist durchweg positiv. Mit vielen Menschen habe ich schon vor fünf, sechs Jahren angefangen. Gerade erst hat mir wieder jemand geschrieben: Ich bin dir so dankbar, dass du mir das damals gezeigt hast, mein Leben hat sich verändert. Solches Feedback kommt immer wieder, und die Leute bringen neue Leute mit. Die empfehlen mich weiter, und die vertrauen mir dann.

Gab es einen Moment, in dem dir das besonders klar geworden ist?

Vor Kurzem hatten wir in meiner Heimat einen Finanzstammtisch, da waren ganz viele meiner Kunden. Darunter ein Pärchen. Er wollte gar nichts davon wissen, der war überhaupt nicht interessiert, seine Frau hat das angeschoben. Dann kam er zu diesem Stammtisch, saß noch nicht richtig und hat mir so geniale Fragen gestellt. Ich habe ihn angeguckt, und er sagte: Und, kannst du mir das beantworten? Ich sage: Stopp mal eben, wir müssen über deine Fragen sprechen. Ist dir klar, was du nach drei Treffen für Fragen stellst? Das ist krass. Daran merke ich es immer, wenn Menschen mir nach drei, vier Treffen solche Fragen stellen. Da denke ich: Alter Schwede. Dann sehe ich den Erfolg, dass sie sich damit beschäftigen.

Selbst anlegen statt anlegen lassen

Inzwischen begleitest du Menschen auch beim Investieren. Wie gehst du da vor?

Ich mache das nicht für diese Menschen. Jeder soll Chef über sein Konto sein, das ist mir ganz wichtig, jeder soll eigenverantwortlich handeln. Ich beschäftige mich selbst seit Jahren intensiv mit Aktien und Krypto. Bei mir lernen die Leute, selbstständig anzulegen und Schritt für Schritt Vermögen aufzubauen, bis ihr Geld für sie arbeitet. Weil das am Anfang viele verunsichert, begleite ich sie dabei. Eine Anlageberatung ist das nicht, die Entscheidung bleibt immer bei ihnen.

Was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?

Finanzielle Freiheit und ein gutes Verhältnis zum eigenen Geld sind das Recht von jedem. In den Nachrichten wird oft Angst geschürt. Aber es kann jeder schaffen. Auch wenn du nur 10 Euro im Monat übrig hast, kannst du diese 10 Euro anlegen. Und die meisten haben mehr als 10 Euro übrig. Es ist nie zu spät.

Was rätst du jemandem, der heute überlegt, sich selbstständig zu machen?

Spring. Spring auf die Welle.

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anja-helming.de
© Foto Credits:
Franzi Hetti
Auf einen Blick

Häufige Fragen zu Anja Helming

Wer ist Anja Helming?

Anja Helming ist Feel-Good-Money-Coach und arbeitet solo-selbstständig von Hamburg aus. Zwanzig Jahre lang war sie angestellt im Rechtsbereich und bearbeitete Forderungen und Verträge für Unternehmen. Mit 40 begann sie, sich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen, und machte Weiterbildungen zu Finanzen. Selbstständig ist sie seit 2019.

Wie läuft eine Finanzbegleitung bei Anja Helming ab?

Die Begleitung besteht aus vier Gesprächen über drei Monate. Im ersten geht es um den Überblick über Einnahmen und Ausgaben, im zweiten um die eigene Geldgeschichte, im dritten um eine Struktur für den Alltag. Im vierten gibt es einen schriftlichen Fahrplan. Wer mehr braucht, kann zwei weitere Gespräche dazubuchen.

Verkauft Anja Helming Geldanlagen?

Nein. Anja Helming verkauft keine Geldanlagen und berät auch nicht zu einzelnen Produkten. Sie erklärt, wie ein finanzielles Fundament funktioniert, und zeigt die Wege auf, etwa ETF-Sparplan, Aktien, Gold oder Sparen für eine Immobilie. Entscheiden muss jeder selbst.

Was rät Anja Helming Menschen, die sich selbstständig machen wollen?

Springen. Ihr eigener Weg führte über eine lange nebenberufliche Phase, bis sich Job und Selbstständigkeit nicht mehr gut verbinden ließen und sie sich entscheiden musste. Die größte Hürde war für sie, die Sicherheit des festen Jobs loszulassen.

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