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Eine Person klebt einen Post-It an eine Wand mit vielen weiteren bunten Post-Its

Die beste Entscheidung meines Lebens

Nachdem die Dotcom-Blase geplatzt war, verlor Andreas Lutz seine Festanstellung: Das beste, was ihm aus heutiger Sicht passieren konnte! Denn in der Folge machte er sich selbstständig. Die Gründungsidee verdankt er der deutschen Bürokratie, den Erfolg seinem Marketinggeschick und seinem Gespür für die Bedürfnisse seiner Kund:innen: Die Beantragung des Gründungszuschusses war eine komplizierte, bürokratische Angelegenheit: „Doch Komplexität eröffnet Marktchancen“, sagte sich Lutz und machte es einfach: Aus der von ihm initiierten Seite gruendungszuschuss.de entstand später der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschlande. V. (VGSD), mit dem er als Vorsitzender Gründer:innen und Selbstständige in allen Belangen der Gründung und Selbstständigkeit unterstützt.

Foto von Andreas Lutz

Herr Lutz, sie haben sich vor 20 Jahren selbstständig gemacht. Was hat Sie motiviert, sich etwas Eigenes aufzubauen?

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase verlor ich 2003 meine Anstellung als Business Developer bei einem Verlag. Ich nutzte die Freistellung zum Experimentieren, lernte eine neue Sprache, gab Seminare. Ein Freund wies mich auf den Gründungszuschuss hin. Nach einem Monat Arbeitslosengeld-Bezug machte ich mich selbstständig. Die Geschäftsidee kam gleich beim ersten Seminar der Arbeitsagentur, beim zweiten verteilte ich vorher mit Word gebastelte Flyer, drei Wochen später berichtete der STERN über meine Website gruendungszuschuss.de, aus der später der VGSD entstand.

Rückblickend: Wir empfanden Sie den Schritt in die Selbstständigkeit? Was war einfach, was kompliziert?

Es war die beste Entscheidung meines Lebens, weil Selbstständigkeit und Eigenverantwortung besser zu meiner Persönlichkeit passen. Als Angestellter wäre ich nie dauerhaft zufrieden gewesen. Die Zusage der Arbeitsagentur rührt mich noch heute, 20 Jahre später. Sinngemäß schrieb sie: "Die Gründungszeit ist turbulent, wir wollen Ihnen in dieser stressigen Anlaufzeit mit unserer finanziellen Unterstützung den Rücken freihalten, damit sie sich ganz auf eine erfolgreiche Gründung konzentrieren können." Kompliziert war es damals schon, aber Komplexität eröffnet ja auch Marktchancen.

Person schreibt in ein Notizbuch
Frau steht vor einer Tafel und schaut nachdenklich

Welche Chancen waren das?

Ich nutzte gekonnt das Internet und die ganz neuen Google Adwords sowie SEO, um meine Website schnell bekannt zu machen und war wenige Wochen später der bekannteste Experte in Deutschland zu "meinem" Thema. Die Nutzer brachten mich ständig auf neue Produktideen, zum Beispiel: Gib dein Wissen doch auch in Seminaren weiter. In der Folge veranstaltete ich mehr als 2.000 Seminare, veröffentlichte 20 Ratgeber, baute ein bundesweites Beraternetzwerk auf etc.

Was war kompliziert?

In der Spitze hatte ich zehn Einnahme-Überschuss-Rechnungen, alleine und mit Partnern, mit und ohne Umsatzsteuer, gewerblich und freiberuflich. Ich handhabte das extrem effektiv, aber im Nachhinein betrachtet hätte ich fokussierter bleiben sollen. Aber daraus habe ich gelernt. Der Aufbau des VGSD war ein noch größerer Erfolg und ich kann damit im Leben von noch weitaus mehr Menschen einen Unterschied machen. Das tolle Feedback, das wir für unsere Arbeit bekommen, treibt mich und inzwischen ein zehnköpfiges Team jeden Tag an, unser Bestes zu geben.

Gibt es einen „Fehler“, den Sie bei Gründer:innen zum Start in die Selbstständigkeit besonders häufig beobachten?

Vor allem männliche Gründer überschätzen sich manchmal. Die meisten Gründerinnen trauen sich dagegen zu wenig. Der größte Fehler ist, keine Fehler machen zu wollen, denn am schnellsten lernt man aus Fehlern. Ein Netzwerk auf Augenhöhe mit anderen Selbstständigen kann dabei sehr hilfreich sein.

Welche Hilfe, welchen guten Ratschlag hätten Sie sich 2003 beim Start in Ihr Gründerleben gewünscht?

Ich hätte mir gewünscht, dass es damals schon einen Verband wie den VGSD gegeben hätte, in dem ich Gleichgesinnte finde. Aber auch so habe ich meine Entscheidung nie auch nur eine Sekunde bereut.

5 Tipps

Andreas Lutz wichtige Tipps für Gründungswillige

Andreas Lutz ist Autor mehrerer Ratgeber rund um Gründung und Selbstständigkeit. Seine fünf wichtigsten Tipps für Gründungswillige:

  • Tipp 1: Frage potenzielle Kunden, was sie wirklich brauchen, worauf es ihnen dabei genau ankommt und wie viel sie dafür zu zahlen bereit sind.
  • Tipp 2: Binde deine Kunden, vor allem die guten, mit denen die Zusammenarbeit Spaß macht, die deine Qualitäten schätzen und die zuverlässig ihre Rechnungen bezahlen.
  • Tipp 3: Wähle längerfristig laufende Kosten mit Bedacht aus. Aber investiere entschlossen, wenn du einen zuverlässigen Weg gefunden hast, dein Geschäft zu skalieren.
  • Tipp 4: Automatisiere und vereinfache wiederkehrende Prozesse: Nicht um seiner selbst willen, sondern um Vorteile für den Kunden zu schaffen.
  • Tipp 5: Warte nicht zu lange, Arbeit zu delegieren: Behalte auch deine eigene Work-Life-Balance im Blick.

Hier geht’s zur Seite des VGSD: www.vgsd.de

© Foto-Credits: Thomas Dreier | Adobe Stock

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