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Caroline und Tim Nichols stehen nebeneinander in einer hellen Küche, auf der Theke vor ihnen eine Etagere mit 3Bears-Riegeln.

Vom Küchentisch zur Porridge-Marke

Erst kopierte die Konkurrenz das Produkt, dann stiegen Harry Kane und Serge Gnabry als Gesellschafter ein. Caroline Nichols erzählt, was sie in zehn Jahren 3Bears über das Gründen gelernt hat.

Caroline Nichols im blauen Poloshirt lächelt vor einer grünen Wand in die Kamera.

Kurz gefasst

  • Probier deine Idee erst selbst aus. Caroline kaufte in der Drogerie Trockenfrüchte und verschiedenste Haferflocken und mischte am Küchentisch so lange Sorten zusammen, bis der Geschmack stimmte. Erst mit dieser Rezeptur ging sie zu den Herstellern.
  • Lass dir dein Rezept nicht wegrechnen. Die Produzenten rieten ihr zu weniger Frucht, so viel lasse sich nicht verkaufen. Sie blieb bei 20 bis 30 Prozent echtem Apfel statt Aroma und Rübenzucker.
  • Geld aus dem Deal landet selten in der Werbung. Nach der Höhle der Löwen flossen die 150.000 Euro komplett in den Cashflow. Auf einmal kamen große Bestellungen von Supermarktketten, dazu ein Team, Gehälter und ein richtiges Büro. Vorher waren sie zu dritt.
  • Du musst nichts studiert haben, um es zu können. Caroline hat keine Ökotrophologie studiert und trotzdem alle Rezepturen selbst entwickelt. Bei 3Bears hatte sie mehrere Positionen, bevor es ein Team gab: Supply Chain Managerin, Marketing Managerin und Vertrieblerin.

Caroline Nichols mischte Haferflocken am Küchentisch, weil ihr im Supermarktregal zu viel Zucker steckte. Heute verkauft 3Bears Porridge, Overnight Oats und Riegel. Wie wird aus einer Idee eine Marke mit 35 Leuten?

Vom eigenen Frühstück zur Geschäftsidee

Caroline, du hast in Passau Kulturwirtschaft studiert und fünf Jahre in London in der Lebensmittelbranche gearbeitet. Was machst du heute?

Ich bin Caroline, Mitgründerin von 3Bears, und mache das jetzt seit zehn Jahren. Wir sind ein Münchner Start-up, nicht mehr ganz Start-up, mit ungefähr 35 Leuten. Ich habe 3Bears mit meinem Mann Tim gegründet, wir haben zwei kleine Kinder, und unser ganzer Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ist hier.

Angefangen hat alles mit deinem eigenen Leidensdruck. Was war da los?

Ich habe lange an Reizdarm gelitten und bin in Bayern mit Brot und Brezen groß geworden. Als ich dann in England in der Lebensmittelbranche gearbeitet habe, habe ich Porridge wirklich für mich entdeckt, das war dort gerade ein großer Trend. Ich habe viel mehr Sport gemacht, meine Ernährung umgestellt und mich erstmals so viel besser gefühlt. Mit einem warmen Frühstück, mit weniger Gluten. Ich bin nicht glutenintolerant, aber es war einfach eine Ernährungsweise, die mir sehr gut getan hat. Und ich dachte mir: Eigentlich ist es verrückt, wie viele Zuckerfallen im Cerealienregal stecken. Ich wollte etwas auf den Markt bringen, was ich selbst gerne konsumiere, und diesen Aha-Moment, wenn die Leute es probieren und denken: Wow, so eine einfache Zutatenliste und trotzdem so ein Geschmackserlebnis.

Wem machst du mit 3Bears den Tag ein Stück besser?

Gerade das Thema Darmgesundheit ist so groß, es wird ja oft als Volkskrankheit beschrieben. So viele Menschen haben da Themen, sprechen aber nicht darüber. Wir sind keine Ernährungswissenschaftler, ich sage nur, wie es mir damit geht. Wir sind aber nicht nur eine Marke für Menschen mit solchen Problemen. Mein Mann zum Beispiel macht unglaublich viel Sport und liebt es, weil die Haferflocken viele komplexe Kohlenhydrate liefern und lange satt machen.

Ohne Kontakte, mit Trockenfrüchten aus der Drogerie

Ihr kamt aus England zurück, ohne einen einzigen Kontakt in die deutsche Lebensmittelbranche. Wie fängt man da an?

Wir hatten diese pure Idee und ein weißes Blatt Papier. Wir kannten keine Lebensmittelproduzenten, LinkedIn war noch keine große Plattform. Also viel Google-Recherche, um überhaupt herauszufinden, wer so etwas entwickeln kann. Am Anfang bin ich einfach immer in die Drogerie gegangen, habe ganz viele Trockenfrüchte und verschiedenste Haferflocken gekauft und in der Küche Sorten zusammengemischt, wie ich dachte, so würde es mir schmecken.

Und dann kam die Ernüchterung bei den Herstellern.

Ich habe gesagt, ich möchte einen Apfel-Zimt-Porridge, dann kamen Muster, die ich überhaupt nicht gut fand, weil da viel zu wenig Apfel drin war. Und die haben immer gesagt: Wenn du so viel hineinpackst, wie du es in deiner eigenen Rezeptur isst, dann wirst du das nicht verkaufen können. Deswegen sage ich ganz oft zu den Leuten: Geht in den Supermarkt, dreht die Packung um und schaut mal, wie viel in eurem Beerenporridge an echter Beere drin ist. Bei uns sind 20, 30 Prozent echter Apfel drin und nicht ein bisschen Apfelaroma und danach Rübenzucker.

Mit wie viel Geld seid ihr gestartet?

Mit 10.000 Euro, erst als UG, später haben wir in eine GmbH umfirmiert. Irgendwann haben wir einen verrückten Müslimischer gefunden, der uns das gemischt hat. Die Website hat mein Mann selbst gebaut, die Fotos auch. Ganz viel Learning by Doing. Ich bin einfach zu einem Edeka hingeradelt und habe gefragt, wie das denn funktioniert, wenn ich da rein will. Da war niemand, der uns an die Hand genommen hat.

Du kannst dir alles selbst beibringen.

Der Name, die Kopien und die steile Lernkurve

Euer erster Produzent hat euch dringend davon abgeraten, die Marke Modkorn zu nennen. Ihm fielen dabei Mordkommission, modrig und Motten ein. Wie kamt ihr auf 3Bears?

Goldilocks and the Three Bears ist der Ursprung unseres Firmennamens, ein englisches Märchen, das dort jeder kennt: Goldlöckchen probiert von jeder Schale Porridge und sagt am Ende, lecker. Falsch ausgesprochen wird der Name trotzdem ständig.

Du hast einmal gesagt, Gründen bedeute ständige emotionale Höhen und Tiefen. Was war die größte Hürde?

Nach der Höhle der Löwen wurden das Produkt und die ganze Kategorie extrem viel kopiert, teilweise bis heute. Es gab mal ein Produkt, das sah genauso aus wie unseres, nur mit einem anderen Logo drauf. Und viele Kunden drehen die Packung leider nicht um. Du hörst dann nur: Oh, die sind zwei Euro günstiger, ihr seid zu teuer. Und du denkst: Ja, aber hast du mal geschaut, was da drin ist? Molke, Milchpulver und Zucker.

Gab es einen Moment, in dem du fast hingeschmissen hättest?

Solche Momente gibt es immer wieder, die Lernkurve ist so steil. Du musst auf einmal über Nacht aus dem Büro raus und ein neues suchen, und ich war hochschwanger. Da habe ich schon gedacht: Jetzt wäre es kurz mal schön, angestellt zu sein und zu denken, das regelt jemand anderes. Aber nein, ups, ich muss alle Entscheidungen treffen. Zum Glück habe ich meinen Mann an meiner Seite. Wenn der eine mal unten ist, dann reicht der andere einem wieder die Hand.

Was nach der Höhle der Löwen wirklich passierte

2017 wart ihr bei Die Höhle der Löwen und habt 150.000 Euro für 30 Prozent an Frank Thelen und Judith Williams abgegeben. Worauf warst du nicht vorbereitet?

Ich habe damals völlig naiv gedacht: Wow, 150.000 Euro, was wir da alles machen können. Im Endeffekt ist alles in den Cashflow geflossen, weil wir auf einmal große Bestellungen von Supermarktketten hatten. Und dann baust du ein Team auf, hast Gehälter, brauchst ein richtiges Büro. Vorher waren wir zu dritt. Es ist nicht so, dass du sagst: Jetzt buche ich hier Plakatwerbung. Zum Glück kam der Auftritt total gut an. Die Leute haben gekauft und vor allem wieder gekauft.

Auf euren Packungen steht Porridge Genau Richtig. Was steht heute im Sortiment?

Damals hatten wir nur Porridge, vier Sorten in zwei Größen. Heute ist unsere Hauptkategorie nicht mehr das Porridge, sondern die Overnight Oats, ich sage mal, das Bircher Müsli 2.0. Daneben machen wir Riegel, Proteinriegel und Knuspermüslis, alles auf Haferbasis.

Harry Kane ist seit September 2024 Gesellschafter, Serge Gnabry ebenfalls, im Mai 2026 kam Sally Özcan dazu. Was verändert sich, wenn sehr bekannte Menschen mit am Tisch sitzen?

Ehrlicherweise verändert es gar nicht so viel, das sind alles nur Menschen. Es hilft uns, neue Communities zu erreichen, und hat uns ein anderes Standing gegeben. Mit Harry Kane haben wir die Proteinriegel gemacht, davor die Granolas mit einer der größten Mum- und Fitness-Influencerinnen. Aber der Alltag, wie das Team arbeitet, ist immer noch der gleiche. 35 Leute sind für uns genau richtig: Wir produzieren nicht selbst, wir haben zwei Produktionspartner in Deutschland, und die Logistik macht unser Partner in Augsburg.

Zehn Jahre später, ohne die eine Gründerperson

2026 feiert ihr zehn Jahre 3Bears. Was war dein schönster Moment?

Es gab viele Kneif-mich-Momente, etwa im Stadion zu stehen und Harry Kane kennenzulernen. Sehr besonders war aber dieses Jahr im Mai unsere Jubiläumsparty, wirklich nur für Freunde und das Team, kein Influencer-Event, gar nichts. Wir haben in dieser Zeit zwei Kinder bekommen, die sind jetzt vier und sieben, und das Unternehmen aufgebaut, mit vielen langen Nächten. Da waren die Freunde dabei, die uns damals bei der Höhle der Löwen im Customer Service unterstützt haben und die meine Kinder abgeholt haben, wenn ich nicht wusste, wie ich alles unter einen Hut kriege. Mit diesen Menschen zu feiern, das war ein schöner Moment. You gotta love what you do.

Caroline Nichols spricht bei einer Gesprächsrunde ins Mikrofon, hinter ihr ein Olivenbaum.

Vor der Gründung warst du bei der IHK und hast dir sagen lassen, wie eine Gründerperson sein sollte. Wie ist das ausgegangen?

Da haben die mir ein Schreiben mitgegeben: Man kann nicht viel planen, man muss Routinen aufgeben, man muss zurückstecken. Und dann dachte ich: Gott, dafür bin ich eigentlich überhaupt nicht gemacht. Ich bin jemand, der sehr gerne plant, routineverliebt, und der nicht gerne Risiken eingeht. Heute würde ich sagen: Es gibt nicht die eine Gründerperson. Wenn die Idee da ist und dich so packt, dann aktiviert sie ganz andere Dinge in dir. Es heißt ja oft, wenn du Gründer bist, musst du extrovertiert sein, weil du so viele Gespräche führen musst. I don't think so. Wir sind so bunt.

Was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?

Dass du das ohne Vorwissen und Vorahnung schaffen kannst. Ich habe ja nicht Ökotrophologie studiert und habe trotzdem alle unsere Rezepturen selbst gemacht, weil ich schon immer eine Passion fürs Kochen hatte. Du kannst dir alles selbst beibringen. Ich habe bei 3Bears so viele Positionen innegehabt, bevor wir das Team hatten: Supply Chain Managerin, Marketing Managerin, kurz auch Vertrieblerin. It's all not rocket science, wenn du Passion hast. Mut haben, an etwas glauben, das ist das Wichtigste. Der Weg ist nicht immer geradlinig, und man soll auch Spaß dabei haben.

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3Bears
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Häufige Fragen zu

Caroline Nichols

Wer ist Caroline Nichols?

Caroline Nichols ist Mitgründerin und Geschäftsführerin von 3Bears, einem Münchner Unternehmen für Porridge, Overnight Oats, Riegel und Knuspermüslis. Sie hat in Passau Kulturwirtschaft studiert und fünf Jahre in London in der Lebensmittelbranche gearbeitet. 3Bears hat sie mit ihrem Mann Tim gegründet.

Wie ist 3Bears entstanden?

Caroline Nichols entdeckte Porridge während ihrer Zeit in England für sich und störte sich an den Zuckerfallen im deutschen Cerealienregal. Sie kaufte Trockenfrüchte und Haferflocken in der Drogerie und mischte am Küchentisch eigene Sorten. Gestartet ist das Unternehmen mit 10.000 Euro, zuerst als UG, später als GmbH.

Was verkauft 3Bears heute?

Die Hauptkategorie sind heute Overnight Oats, dazu kommen Porridge, Riegel, Proteinriegel und Knuspermüslis, alles auf Haferbasis. Produziert wird bei zwei Partnern in Deutschland, die Logistik übernimmt ein Partner in Augsburg.

Was rät Caroline Nichols beim Gründen?

Dass es nicht die eine Gründerperson gibt. Sie selbst plant gerne, liebt Routinen und geht ungern Risiken ein und hat trotzdem gegründet. Wichtig sind ihr Mut, an etwas zu glauben und dranzubleiben, auch wenn der Weg nicht geradlinig ist.

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