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Zwei Gründerinnen sitzen vor einer Sandsteinwand und löffeln je ein Glas Rawry.

Von der Yogareise ins Kühlregal

Förderungen haben Rawry über die ersten Jahre getragen, vom Gründungsstipendium der NBank bis zu KickStart. Jetzt muss Lena Kuschel die Produktion abgeben, ohne ihre Ansprüche an das Glas zu senken.

Lena Kuschel hält einen Löffel mit Himbeertopping hoch und lacht, neben ihr eine Zimmerpflanze.

Kurz gefasst

  • Nutz die Jahre, in denen du wenig zu verlieren hast. Als Studentin bekam Lena Kuschel Räume, Lebensmittelanalysen und Kontakte ins regionale Gründungsnetzwerk, ohne dafür zu zahlen. Ihre Bachelorarbeit über das Marktpotenzial von Rawry war zugleich die erste Marktanalyse des Unternehmens.
  • Eine Zutat mehr kann das ganze Rezept kippen. Für mehr Cremigkeit ergänzte sie die Cashews um Hafer- und Kokosmilch. Im Kühlschrank wurde die Creme grisselig, das komplette Gegenteil. Für die Cremigkeit der zweiten Schicht ging die KickStart-Förderung später in einen Pacojet.
  • Das erste Gespräch mit dem Handel kommt über Menschen. Der Kontakt, der Rawry 2025 ins Regal des ersten REWE-Marktes brachte, entstand über ihr Netzwerk. Für sie war das ein surrealer Schritt, weil aus der Entwicklungsarbeit plötzlich etwas Greifbares wurde.
  • Abgeben heißt nicht, die Ansprüche zu senken. Noch produziert das Team jedes Glas von Hand. Die Herstellung auszulagern hieße, ein Stück Kontrolle abzugeben, und genau das fällt ihr am schwersten. Sie sucht einen Partner, der die Ansprüche versteht und Rawry genauso ernst nimmt wie sie.

Lena Kuschel verkauft mit Rawry Raw Cakes im Glas: vegan, glutenfrei, ohne raffinierten Zucker. Die Idee kam ihr mitten im Studium auf einer Yogareise in Spanien. Wie wird aus einem Dessert für eine Yogagruppe ein Produkt im Kühlregal?

Was im Glas steckt

Lena, wer bist du, und was machst du?

Ich bin Lena Kuschel, 24 Jahre alt, habe in Osnabrück Wirtschaftsingenieurwesen für Lebensmittel studiert und Rawry gegründet.

Rawry ist ein geschichteter Snack im Glas. Stell dir vor, du stehst bei einer Verkostung neben dem Kühlregal und jemand bleibt kurz stehen. Was erzählst du ihm?

Rawry ist ein frischer, geschichteter Snack im Glas, der zeigt, dass gesund und lecker absolut zusammenpassen. Wir kombinieren natürliche Zutaten mit cremigen Schichten und fruchtigen Toppings. Alles vegan, glutenfrei und ohne raffinierten Zucker. Rawry ist für alle, die bewusst genießen wollen, ohne auf Geschmack zu verzichten. Einfach aufmachen, Löffel rein und genießen!

Wie aus dem Dessert ein Unternehmen wurde

Angefangen hat alles mit einem Dessert auf einer Yogareise in Spanien. Wo standest du damals?

Ich war mitten im Studium, kurz vor meiner Bachelorarbeit und auf der Suche nach einem Praktikum bei einem renommierten Unternehmen. Eine eigene Gründung war zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar kein Gedanke. Auf der Reise habe ich dann ein geschichtetes Dessert gemacht. Eine Teilnehmerin hat es probiert und gefragt, warum man so etwas nicht einfach kaufen kann. Das hat etwas in mir angestoßen.

Und dann?

Zeitgleich hatte ich im Studium im Modul Entrepreneurship einen Perspektivwechsel erlebt. Ich durfte das Thema Gründung kennenlernen und habe gemerkt, wie viel Leidenschaft darin für mich steckt: etwas Eigenes aufbauen, Ideen ausprobieren und selbst gestalten, statt nur Teil eines bestehenden Unternehmens zu sein. Also habe ich meine Bachelorarbeit über das Marktpotenzial von Rawry geschrieben, und aus einer Idee wurde Schritt für Schritt ein Unternehmen. Meinen Master habe ich anschließend konsequent genutzt, um Rawry weiterzuentwickeln und möglichst viel aus der Theorie direkt in die Praxis umzusetzen. Rückblickend war es eine Mischung aus einem zufälligen Impuls und einer bewussten Entscheidung. Die Idee kam auf dieser Reise, aber ich habe mich entschieden, etwas daraus zu machen und einfach anzufangen.

Eine Teilnehmerin hat es probiert und gefragt, warum man so etwas nicht einfach kaufen kann.

2024 bist du beim Ideenwettbewerb der Hochschule Osnabrück Zweite geworden. War das der Tag, an dem klar war: Das wird mehr als eine Idee?

Ja, tatsächlich. Rückblickend ein extrem niedrigschwelliger Wettbewerb, aber für mich und für Rawry das erste Feedback und der Start, die Idee als Business zu sehen.

Rezeptur, Team und Zielgruppe

Bis ein Glas so war, wie du es dir vorgestellt hast, hat es einige Versuche gebraucht. Was ist schiefgegangen?

Bei Rawry muss einiges zusammenpassen: die Konsistenz, die einzelnen Schichten und natürlich der Geschmack. Gerade die Cremigkeit der zweiten Schicht war eine Herausforderung, deshalb haben wir die KickStart-Förderung in einen Pacojet investiert. Mal war die Creme zu fest, mal zu flüssig, oder die Konsistenz war nach einiger Zeit im Kühlschrank nicht mehr so, wie sie sein sollte. In der allerersten Rezeptur haben wir unsere Cashews mit Hafer- und Kokosmilch ergänzt. Wir dachten, das macht die Creme geschmeidiger. Das komplette Gegenteil war der Fall: Die Creme wurde im Kühlschrank grisselig. Auch ein Learning! Irgendwann merkt man, dass es nicht mehr nur ein Rezept ist, sondern das Produkt, das man im Kopf hatte. Dieser Moment ist jedes Mal die Mühe wert.

Du sprichst von „wir“. Wer gehört zu Rawry?

Sina und ich haben uns bei einer Netzwerkveranstaltung für Gründungsinteressierte in Osnabrück kennengelernt. Damals hatte ich die Produktidee, aber noch keine konkrete Marke. Sina hat das Potenzial gesehen und im Rahmen ihrer Bachelorarbeit das Logo und die Labels entwickelt. So ist aus meiner Produktidee Schritt für Schritt eine Marke geworden. Heute kümmere ich mich vor allem um die strategische Ausrichtung, die Produktentwicklung und den Vertrieb. Sina bringt ihre Erfahrung in Design, Marketing und Kommunikation ein und entwickelt den Markenauftritt weiter.

Für wen machst du das alles?

Für Menschen, die im Alltag viel leisten und sich dabei selbst nicht vergessen möchten. Vielleicht ist es die Studentin zwischen zwei Vorlesungen, der Sportler nach dem Training oder jemand, der sich im stressigen Arbeitsalltag zwischen zwei Meetings einen kleinen Moment nur für sich nimmt. Wenn Rawry dazu beiträgt, dass jemand seinen Tag für einen Moment unterbricht, genießt und sich dabei gut fühlt, dann ist das genau der Grund, warum ich es mache.

Der Schritt ins Kühlregal

2025 stand Rawry zum ersten Mal bei REWE. Wie kam es dazu?

Das erste Gespräch mit dem Einzelhandel hat sich über mein Netzwerk ergeben, dafür bin ich sehr dankbar. Heute kann ich sagen: Mit einem guten Netzwerk erreicht man um einiges mehr. Für mich war das ein wichtiger, aber auch surrealer Schritt, weil aus all der Entwicklungsarbeit plötzlich etwas Greifbares wurde.

An einem Marktstand stehen gestapelte Rawry-Gläser und ein Glücksrad, dahinter eine Mitarbeiterin im Rawry-Shirt.
Drei gestapelte Rawry-Gläser werden vor einem Shirt mit Rawry-Logo in beiden Händen gehalten.

Und dann stand das Glas zum ersten Mal im Regal.

Das war der schönste Moment bisher. Rawry das erste Mal einsortiert im Kühlregal unseres ersten REWE-Marktes zu sehen, konnte ich gar nicht so richtig greifen. Jeder erzählt von den großen Hürden, in den Einzelhandel zu kommen. Und ja, groß gedacht ist es auch eine riesige Herausforderung, sich in den Märkten zu behaupten. Doch dieser Moment hat mir gezeigt, dass alles möglich ist. Gleichzeitig war es kein Endpunkt, sondern eher der Startschuss. Im Kühlregal zu stehen, ist das eine. Sich dort langfristig zu behaupten und noch mehr Menschen zu erreichen, ist die nächste Herausforderung.

Ihr habt euch lange über Förderungen finanziert, das Gründungsstipendium der NBank zum Beispiel lief zehn Monate. Gab es einen Moment, in dem du fast aufgegeben hättest?

Ehrlicherweise nicht. Natürlich gab es Phasen, in denen vieles länger gedauert hat als geplant und wir uns von Förderung zu Förderung gehangelt haben, um an Rawry festhalten zu können. Aktuell stecke ich mitten in meiner Masterarbeit, und wir sind noch bis Ende des Jahres in einer Förderung. Was uns nie verlassen hat, ist unsere Vision. Auch nicht, wenn jemand an unserer Idee gezweifelt hat.

Was treibt dich an, wenn es zäh wird?

Mich treibt der Wunsch an, aus einer Möglichkeit etwas Reales zu machen und zu zeigen, dass es sich lohnt, Dinge anders zu denken. Natürlich gibt es Rückschläge. Aber ich möchte nicht irgendwann zurückblicken und mich fragen, was aus dieser Idee hätte werden können, wenn ich es einfach versucht hätte. Ich möchte es herausfinden, und genau dafür mache ich weiter.

Wachsen heißt abgeben

Was machst du heute anders als am Anfang?

Am Anfang war ich sehr stark auf das Produkt und die Idee fokussiert. Heute weiß ich, dass ein gutes Produkt allein noch kein erfolgreiches Unternehmen macht. Es braucht genauso Vertrieb, ein gutes Netzwerk und die Fähigkeit, Chancen zu erkennen und zu nutzen. Und wir haben gelernt, dass wir bei uns bleiben müssen und uns nicht mit anderen Food-Start-ups vergleichen sollten. Inspiration einholen, ja. Aber vergleichen, wenn man das Gesamtbild gar nicht sieht, nein!

Noch wird bei euch von Hand produziert. Was fällt dir beim Gedanken schwer, die Herstellung abzugeben?

Ein Produktionstag bedeutet heute vor allem Planung, Vorbereitung und viel Handarbeit, da steckt viel Liebe zum Detail drin. Die Produktion auszulagern, wäre ein wichtiger Schritt, um größer zu werden und mehr Menschen zu erreichen. Am schwersten fällt mir der Gedanke, ein Stück Kontrolle abzugeben. Gleichzeitig können wir nicht alles selbst machen, wenn wir wachsen wollen. Die Herausforderung ist, einen Partner zu finden, der unsere Ansprüche versteht und Rawry genauso ernst nimmt wie wir.

Wo merkst du, dass du vom Selbermachen ins Führen kommst?

Ich merke immer mehr, dass es nicht darum geht, alles selbst zu machen, sondern die richtigen Prioritäten zu setzen. Gerade im Vertrieb gibt es viele Möglichkeiten, aber ich muss entscheiden, welche davon Rawry wirklich voranbringen. Mein Ziel ist ein Unternehmen, in dem die einzelnen Bereiche von Fachleuten geführt werden. Wie sagt man so schön: Du führst gut, wenn deine Mitarbeitenden besser werden als du.

Und den Papierkram machst du auch noch selbst?

Gerade am Anfang macht man als Gründerin gefühlt alles gleichzeitig. Die größte Herausforderung ist, neben dem Tagesgeschäft die Zeit zu finden, Rechnungen, Angebote und Lieferscheine zu schreiben und dabei den Überblick zu behalten. Ich möchte meine Zeit möglichst in die Weiterentwicklung von Rawry stecken. Aber diese Aufgaben gehören einfach dazu, wenn man ein Unternehmen aufbaut.

Eine Kommilitonin erzählt dir von ihrer Produktidee und fragt, ob sie gründen soll. Was sagst du ihr?

Einfach machen! Als Studentin hat man keine großen Verpflichtungen und sitzt an der Quelle von kostenlosen Ressourcen, die für eine Gründung super wertvoll sein können. Bei uns waren es zum Beispiel Räume, Lebensmittelanalysen und die Kontakte ins regionale Gründungsnetzwerk. Meine Professorin hat mir damals gesagt: Besser als in deiner eigenen Gründungsgeschichte kannst du unternehmerisches Handeln gar nicht zeigen.

Und was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?

Aus „einfach machen“ wird „einfach genießen“!

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:
www.rawry.de
© Foto Credits:
Vanessa Nikitin, Sina Schmidt, Anne Kuhl
Auf einen Blick

Häufige Fragen zu Lena Kuschel

Wer ist Lena Kuschel?

Lena Kuschel ist die Gründerin von Rawry aus Osnabrück. Sie hat Wirtschaftsingenieurwesen für Lebensmittel studiert und ihre Bachelorarbeit über das Marktpotenzial ihrer eigenen Produktidee geschrieben. Heute verantwortet sie Strategie, Produktentwicklung und Vertrieb.

Was ist Rawry?

Rawry ist ein geschichteter Snack im Glas: natürliche Zutaten, cremige Schichten, fruchtige Toppings. Alles vegan, glutenfrei und ohne raffinierten Zucker.

Wo gibt es Rawry zu kaufen?

Seit 2025 steht Rawry im Kühlregal, der erste Markt war ein REWE. Das erste Gespräch mit dem Handel kam über das Netzwerk der Gründerin zustande.

Was rät Lena Kuschel Studierenden, die gründen wollen?

Einfach machen. Als Studentin hast du wenig Verpflichtungen und kommst kostenlos an Räume, Lebensmittelanalysen und Kontakte ins regionale Gründungsnetzwerk.

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