Bei der Bank gab es für Dennis Vonderstraß nur Absagen. Heute führt er mit Philipp Steiert die Steiert GmbH in Kirchzarten: Maler, Stuckateur, Gerüstbau, über 85 Leute. Sie arbeitet jeden Tag. Warum fühlt sich das für die beiden nicht nach Arbeit an?
Alles aus einer Hand
Dennis, du bist gemeinsam mit Philipp Steiert Geschäftsführer und Inhaber der Steiert GmbH in Kirchzarten. Was macht ihr genau?
Wir sind Maler, Stuckateure und Gerüstbauer und haben mittlerweile über 85 Mitarbeiter. Wir arbeiten im Umkreis von ungefähr einer Stunde um Freiburg, maximal bis Lörrach runter und bis Offenburg hoch. Dabei führen wir alle klassischen Leistungen aus, vom Kleinkunden, bei dem wir bei der Oma das Wohnzimmer streichen, bis zum großen Neubau mit 300 Wohneinheiten: tapezieren, streichen, verputzen, Trockenbau, Wärmedämmverbundsysteme, energetische Komplettsanierung. Wir haben uns ein bisschen die Fahne angesteckt, mehrere Leistungen aus einer Hand anzubieten, damit der Kunde ein besseres Erlebnis hat. Er muss keine acht Unternehmen beauftragen, sondern kann uns beauftragen, und wir führen das alles aus. Wir haben einfach gemerkt, dass die Gesellschaft da hingeht. Lieber einer, der alles macht.
Der Umweg über die Bank
Bist du von Anfang an aufs Handwerk zugesteuert?
Nein. Ich habe die Realschule so halb gut abgeschlossen und wusste eigentlich nicht, was ich machen will. Ich fand Anzüge und so was immer cool und wollte Bankkaufmann werden. Da habe ich eine Absage nach der anderen bekommen, weil mein Schulabschluss nicht ausreichend war. Dann hatte ich ein Buch, in dem Ausbildungsberufe und ihre Vergütung standen, und der Stuckateur war der Top-Verdiener in der Ausbildung. Ich wollte immer unabhängig von meinen Eltern sein, ich hatte früher eher meinen eigenen Kopf. Also habe ich ein Praktikum gemacht. Mein Chef damals hat gesagt, sie hätten wenige Realschüler, die sich bewerben, und hat mich auf die schönste Baustelle in Freiburg geschickt. Ich dachte: voll der geile Beruf, während der Ausbildung hat sich dann rausgestellt, dass das doch eher ein Projekt zum Anlocken war und nicht jedes Projekt nur so schön sein kann, am Ende hat sich daraus trotzdem meine Leidenschaft für den Beruft ergeben.
Warum bist du trotzdem drangeblieben?
Ich habe mir gesagt: Jetzt habe ich es angefangen, jetzt ziehe ich es durch. In der Schule hatte ich wenig positive Erfahrungen gemacht, Schule war für mich irgendwie nicht so. In der Ausbildung habe ich zum ersten Mal eine Bestätigung bekommen, dass es cool ist, was ich mache. „Danke für deine Arbeit.“ „Hey, das ist cool, dass du da bist.“ Da habe ich zum ersten Mal diesen Wert bekommen den Jugendliche in so einem Alter auch mal gebrauchen können. Ich hatte auf einmal einen praktischen Bezug zur Theorie in der Berufsschule, habe nur noch Einsen geschrieben und die Ausbildung als einer der Besten abgeschlossen. Aus dem Handwerk hat sich eine Leidenschaft gebildet. Und dann war dass das Ding: Alles klar, jetzt all in.
Der Schritt in die Selbstständigkeit
Was war die größte Hürde auf diesem Weg?
Die erste Zeit der Ausbildung war brutal. Als Azubi auf dem Bau bist du erst mal der, der das machen muss, was keiner machen will. Alles Dinge die ich heute im eigenen Unternehmen anders angehen kann. Die schwierigste Phase war aber die, als ich mich entschieden habe, mich selbstständig zu machen. Da musst du abwägen: Ich bin jetzt selbstständig und muss alles in das Unternehmen stecken, oder gehe ich halt lieber am Samstag Feiern oder chille mit den Jungs? Ich war extrem froh Philipp da an meiner Seite zu haben und dass wir das gemeinsam durchgezogen haben, das gegenseitige pushen ist da unbezahlbar gewesen. Die Denkweise verändert sich. Du versuchst, aus allem das Positive zu ziehen, und alles zu geben was du hast, um dein Traum zu verwirklichen. Ich musste mir sagen: Okay, das Leben verändert sich, vertrau auf den Prozess.
Diese Entscheidung kam bei dir ziemlich früh.
Ja, da war irgendwas, das mich nicht aufhören hat lassen weiter gas zu geben, nach den zwei Meistern die ich gemacht hatte, habe ich dann noch den Betriebswirt im Handwerk in Abendschule studiert, danach stand die Entscheidung der Selbstständigkeit fest, als ich den Weg mit Philipp eingeschlagen habe war schnell klar, dass das die richtige Entscheidung war.
Woran Erfolg sichtbar wird
Für wen machst du das alles, auch an einem schlechten Tag?
Für alle Mitarbeiter, die bei uns arbeiten, und alle Familien, die dahinterstehen. Für mich selbst und den gemeinsamen Traum von Philipp und mir, die Visionen, für die wir jeden Tag einstehen, für meine Familie, meinen Papa die ich stolz machen möchte. Ich mache das ja mit Philipp Steiert zusammen, und mal kämpft er für mich und mal kämpfe ich für ihn. Das ist, an sich das Beste an allem, da nicht allein zu sein. Man hat über die Zeit gelernt, dass es teilweise nur übers Kämpfen geht und dass eigentlich die schlechten Tage die guten Dinge hervorbringen. Man fühlt sich nach einem schlechten Tag, an dem man produktiv war, trotzdem besser als nach einem guten Tag, an dem alles toll läuft.
Woran merkst du, dass es funktioniert?
Das Problem an der Sache ist, dass man das selten merkt, man beschäftigt sich immer mit den Dingen, die nicht funktionieren oder besser laufen sollten. Man schaut wenig nach hinten und sagt: Hey, das läuft doch voll geil. Du siehst immer nur, was nicht läuft, und wir wollen immer besser werden. Aber klar, wir wurden bundesweit als Top-Gründer im Handwerk ausgezeichnet, für unsere Entwicklung und das Wachstum. Angefangen haben wir vor drei Jahren mit acht Mitarbeitern, jetzt haben wir über 85. Das war so ein Moment, in dem du auf einer Bühne stehst, so einen Preis übergeben bekommst und denkst: Hä, eigentlich läuft es ja. Und am 1. Oktober hat uns Focus als Wachstumschampion 2027 ausgezeichnet, bundesweit Zweiter in der Branche Handwerk und 19. über alle Branchen. Auch saugeil. Da sagen wir: Okay, alles ist gut, wir machen eine gute Arbeit.


Euer Wachstum sieht man inzwischen auch in der Stadt.
Mittlerweile fahre ich durch Freiburg und sehe überall unsere Schilder, unsere Plakate, unsere Gerüste, unsere Autos, die Schmetterlinge. Wir haben eine Straßenbahnwerbung, wie cool ist das? Teilweise sind da auch Sachen, von denen ich gar nichts weiß, weil wir so groß sind. Das sind dann Projekte von Philipp oder Holger. Dann sehe ich auf einmal ein Gerüst von uns und denke mir: Ey, wie mega, was ist das für ein Projekt? Und rufe bei Philipp an und muss erstmal fragen „Was machen wir da?“
Gibt es den einen schönsten Moment?
Ich glaube, den einen gibt es nicht. Es ist so viel Schönes dabei, auch mal Kleinigkeiten. Klar, der Preis sticht schon heraus, weil das so ein Gänsehautmoment war. Zum Beispiel machen wir einmal im Monat eine Betriebsversammlung, da ist morgens das ganze Unternehmen da. Wenn ich da stehe und in die Gesichter von allen sehe, die bei uns arbeiten, das ist abartig schön. Eigentlich passieren jeden Tag so viele schöne Dinge, man muss sie nur erkennen.
Zwölf Stunden, die sich nicht wie Arbeit anfühlen
Wie viele Stunden arbeitest du in der Woche?
Alle Stunden. Ich arbeite samstags, ich arbeite sonntags, jeden Tag über 12, 13 Stunden. Was soll ich sagen? Ich arbeite ja nicht, sondern ich übe meine Leidenschaft aus. Ich vergleiche das immer mit einem Profifußballer. Der ist auf dem Fußballplatz, auch wenn kein Training ist, und niemand fragt: Was machst du da? Ja, ich habe halt Bock zu kicken. Und bei mir ist es so: Ich habe halt Bock, in meinem Büro was zu machen. Genauso ist Philipp drauf, das mit Ihm gemeinsam zu machen, macht einfach Laune. Das verstehen nur sehr wenige. Aber für mich ist es so: Wir gehen nicht arbeiten, wir machen unser Ding, darauf haben wir Bock und das macht uns Spaß, der Erfolg dahinter und die Entwicklung die wir machen, macht das alles so besonders.
Ich arbeite ja nicht, sondern ich übe meine Leidenschaft aus.
Was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?
Fiese Frage. Dass es gesellschaftlich nichts Schlimmes ist, viel zu machen. Das Arbeiten schön sein kann. Dass man alles in etwas stecken darf, wofür man brennt. Das finde ich wichtig, weil das halt einfach ein bisschen verrufen ist. Wenn ich morgen nicht mehr da bin, würden voll viele sagen: Oh Mensch, der Arme, der hat zu viel gearbeitet, der hatte gar nichts vom Leben. Aber das, was ich jeden Tag mache, ist so besonders, das kann man sich gar nicht vorstellen und auch gar nicht beschreiben. Bei uns sind jeden Tag Dinge, da kribbelt es, da brennst du, du löst Probleme, du stehst vor Themen bei denen du erstmal nicht weißt was du machen sollst und irgendwie geht es doch immer weiter, Das ist einfach sau geil.
Hinter euren 80 Mitarbeitern stehen viele weitere Menschen. Wie sehr spürst du diese Verantwortung?
Man muss sich ab und zu bewusst sein, was man da eigentlich tagtäglich macht und was dahintersteckt. Hinter jedem Mitarbeiter steckt eine Familie. Wir sagen immer, im Schnitt drei Personen. Das sind mittlerweile 255 Leute. Alles, was ein Mitarbeiter kauft, ob Essen oder Weihnachtsgeschenke, kann er nur kaufen, weil wir uns der Verantwortung bewusst sind und wir versuchen, unseren Job so gut wie möglich zu machen. Damit ich ihm Arbeit geben kann und er sich seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Genauso stehen ja auch Lieferanten dahinter, Kunden und deren Träume, die Projekte, die wir umsetzen, ein Hausbau für die Familie. Da steckt manchmal so viel Verantwortung dahinter, vielleicht ist es auch besser diese nicht zu 100% zu verspüren…
Was sagst du jemandem, der heute überlegt, den gleichen Schritt zu gehen?
Soll er/sie auf jeden Fall machen, man muss halt nur auf die Zähne beißen. Es muss jedem bewusst sein, dass es nur übers Kämpfen geht und nichts von selbst kommt. Es ist nicht so, wie es oft heißt: Hey, voll cool, du bist selbstständig, dann kannst du deine Arbeitszeit selbst einteilen. Es gibt kein Einteilen, ich arbeite am Feiertag und am Sonntag. Wenn du die Entscheidung triffst, dann triff sie. Und dann tu es auch.
Würdest du heute irgendetwas anders machen?
Nee, nee, genau so. mit allen positiven und allen negativen Erfahrungen, nur daran wächst man. Eins zu eins, genau so Punkt. Ich Liebe was ich mache






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