Mit Abi-Partys fing es an, mit Einzelhandel ging es weiter und heute führt Florian Laudon in Hamburg die Eventagentur Island Collective. Eine Woche vor der Eröffnung seines Ladens an der Ostsee kam Corona. Was treibt jemanden an, der dafür keine Lösung fand?
Vom Auflegen zum Veranstalten
Florian, wie erklärst du ganz einfach, was du beruflich machst?
Ich bin Gründer und Geschäftsführer einer Eventagentur, um es einfach zu halten. Und was am Ende dabei herauskommt? Wir kreieren Erlebnisse, die Gänsehaut erzeugen. Ich bin gebürtiger Hamburger, komme von hier und möchte auch gerne hierbleiben.
Angefangen hat alles mit Abi-Partys. Wie kam es dazu?
Damals gab es noch diese klassischen Partys, mit denen das Abitur vorfinanziert wurde. Ich weiß nicht, ob es die heute noch gibt. Mein Geschäftspartner und ich waren an benachbarten Schulen, und wir saßen beide in diesen Komitees. Ich habe damals angefangen aufzulegen, er hat die Partys an seiner Schule veranstaltet. Irgendwann hat er mich dann für seine Abi-Partys gebucht. Von da an hat alles seinen Weg genommen, und so sind wir in die Veranstaltungsschiene gerutscht. Ich habe erst nebenbei ganz viel als DJ gemacht, irgendwann haben wir zusammen Partys veranstaltet. Das war der Ursprung von dem Ganzen.
Gänsehaut als Antrieb
Was bringt dich auch an einem schlechten Tag aus dem Bett?
Es gab zwischendurch tatsächlich Phasen, in denen ich mich genau das gefragt habe. Klar gibt es äußere Einflüsse wie Corona. Aber es gab auch Phasen, in denen man sich fragt: Warum macht man das eigentlich? Mein Geschäftspartner und ich haben schon ganz viele unterschiedliche Sachen in unserem Leben gemacht. Am Ende haben wir das für uns so manifestiert: Es ist Gänsehaut. Es sind diese realen, echten Erlebnisse. Wenn man mutig ist, wenn man dran glaubt und wenn man wirklich etwas spüren will, kommt man immer wieder an diesen Punkt. Das können auch kleine Sachen sein, Erlebnisse mit dem Team oder den Mitarbeitenden. Momente, die gar nicht so großartig bedeutsam sind, die aber dafür sorgen, dass man morgens Bock hat, zur Arbeit zu fahren und sich den ganzen Stress anzutun.
Und für wen machst du das?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, in gewisser Weise für mich selbst. Nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil ich nach meinen Werten etwas verändern möchte. Ich möchte Impact haben im Unternehmertum: wie man mit Mitarbeitenden umgeht, wie man Unternehmen aufbaut und wie man sie führt. Und, das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, auch eine Wirkung darüber hinaus. Ein bisschen etwas mitbewirken.
Der Laden, der nie öffnete
2019 lief es so gut wie nie. Dann kam Corona. Was ist passiert?
2019 hatten wir mit allen Geschäftsbereichen und unseren verschiedenen Firmen das beste Jahr, seit wir gestartet sind. Wir dachten: Wir stellen uns neu auf, sortieren alles, es funktioniert. Wir waren richtig guter Dinge. Und dann, Anfang 2020: boom. Wir hatten damals auch noch einen Einzelhandelsbereich und einen Onlineshop. Am einschneidendsten war ein Laden in Travemünde an der Ostsee. Alles war fertig geplant, und ich glaube, eine Woche vor der Eröffnung kam Corona. Wir konnten den Laden nicht aufmachen. Eigentlich kann man mit allem irgendwie umgehen. Dieses Dopamin, Lösungen zu finden, treibt mich an. Aber dafür gab es einfach keine Lösung. Das Schlimmste war nicht dieses eine Ding, sondern dass alle unsere Geschäftsbereiche betroffen waren. Das wirkt immer noch nach, da bin ich ganz ehrlich.
Dieses Dopamin, Lösungen zu finden, treibt mich an. Aber dafür gab es einfach keine Lösung.
Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?
Am meisten, das Denken in Konkurrenz aufzubrechen. Stattdessen sagen wir: Alles klar, wir suchen den Austausch mit anderen Agenturen. Zusammen schafft man viel mehr. Man connectet sich, spricht über Probleme, nutzt Erfahrungen gemeinsam und kommt weiter. Das hängt auch mit Selbstbewusstsein zusammen. Wenn man an sein eigenes Business glaubt, kann man auch Sachen weitergeben. Wenn der andere besser ist, dann hat er es verdient, dann ist das fein für mich. Wenn man von seiner Idee und seinen Produkten überzeugt ist, wird es dafür auch einen Abnehmer geben.
Hamburger Zurückhaltung
Woran merkst du, dass es funktioniert?
Ganz viel an persönlicher Bestätigung: von Mitarbeitenden, von Kunden, aus dem Umfeld, über Empfehlungen. Es ist schön und gut, groß in die Welt hinauszuschreien, was man alles macht. Ich gehe da eher mit einer gewissen Hamburger Zurückhaltung ran. Wenn du merkst, dass Menschen für dich sprechen, ohne dass du sie darum gebeten hast, dann ist das einer der größten Punkte. Da kann man einen Haken dahinter machen und sagen: Ey, richtig nice.


Gab es den einen schönsten Moment?
Ich glaube, den einen gibt es nicht. Bei uns hat sich alles immer von allein entwickelt. Es gab nicht diesen Punkt, den andere vielleicht haben, wie die erste eigene Kollektion. Früher war das so eine Ladeneröffnung, wenn man die Tür zum ersten Mal aufmacht. Das ist richtig cool. Aber in der Agenturwelt sind es immer wieder die Umsetzungen, die realen Erlebnisse.
Mut statt Beliebigkeit
Was sagst du jemandem, der überlegt, sich selbstständig zu machen?
Erst vor ein, zwei Stunden habe ich eine Nachricht bekommen: Können wir uns mal austauschen, ich möchte mich selbstständig machen. Ja, sehr gerne. Aber eigentlich auch nicht gerne. Heute hat hier jemand so schön gesagt: einfach machen. Es wäre schön, wenn es wirklich so wäre, und ich finde gut, dass Leute dafür sprechen. Aber Menschen, die mir nahestehen, rate ich oft auch, es nicht zu tun. Oder ich brauche mehr Kontext. Je nach Bereich braucht es sehr viel davon, um beurteilen zu können, ob man diese Hürden und diesen Weg wirklich auf sich nehmen will. Das sage ich aus meiner eigenen Leidensgeschichte, auch wenn das jetzt nicht so negativ gemeint ist. Es bringt super viel Positives, aber eben auch sehr viel Negatives.
Wenn jeder ein Briefing einfach in seinen Agenten schmeißt, liefern am Ende alle das gleiche Erlebnis.
Was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?
Wirkung. Und vor allem das, was wir bei uns als Wert ganz groß aufgehängt haben: Mut. Etwas anders zu machen und nicht beliebig zu sein. Das finde ich gerade heute wichtig. Als Gründer und Gründerin muss man aufpassen, nicht in dieser Beliebigkeit zu landen. Alles wird vergleichbarer, jeder kann KI bedienen. Wenn jeder ein Briefing einfach in seinen Agenten schmeißt, liefern am Ende alle das gleiche Erlebnis. Das wird die Agenturen einander angleichen. Da mutig zu sein und den persönlichen Austausch hochzuhalten, auch das, was zwischen Menschen Reibung erzeugt, dabei sollte man bleiben. Auch wenn der Weg manchmal schwierig ist und weh tut, sollte man sich nicht verstecken. Ich glaube, das haben wir gesellschaftlich ein bisschen verloren. Es wäre schön, wenn wir wieder mutiger werden, in den Diskurs gehen und uns auf Augenhöhe austauschen, mit offenem Visier.
Zum Schluss: Was möchtest du noch ergänzen?
Ich greife das „einfach machen“ noch mal auf. Für mich heißt es eher, so wie heute beim Lexware Festival hier: Geht raus und habt Spaß. Man kann viel optimieren und Abläufe und Prozesse besser gestalten. Darin liegt, glaube ich, die größte Chance für uns: Zeit zu bekommen für das, was Spaß macht und was Gänsehaut, Erlebnisse oder ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Sich Zeit freizuschaffen für die Dinge, die der Seele guttun, das hat heute das größte Potenzial.






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