Als sein Arbeitgeber insolvent ging, eröffnete Tischlermeister Jan Roloff keine weitere Tischlerei, sondern kaufte einen Laser. Seitdem befreit er in Hamburg Holz, Metall und Stein von Rost und altem Lack. Einer seiner größten Aufträge begann im Halteverbot.
Vom Gesellen zur Kalkulation im Büro
Jan, wie erklärst du jemandem auf der Baustelle, der noch nie von Laserreinigung gehört hat, was du machst?
Moin! Ich bin Tischlermeister und habe mich auf die mobile Laserreinigung spezialisiert. Ich entferne schonend und präzise per Laser Verunreinigungen wie Rost, Lack und Beschichtungen von den verschiedensten Materialien und Oberflächen.
Wolltest du schon immer dein eigenes Unternehmen haben?
Das ist erst während der Meisterschule entstanden. Ich war bei meinen Arbeiten immer schon sehr selbstständig, wollte aber eigentlich nicht das Risiko eingehen, mich selbstständig zu machen. Im Meister habe ich dann gemerkt, wie sehr mich Zahlen, Optimierungen und nun mal die Büroarbeit interessieren. Deshalb hat die Stelle bei meinem alten Arbeitgeber gut gepasst.
Wie sah diese Stelle aus?
Von Januar 2018 bis Dezember 2024 habe ich in einer Tischlerei und Zimmerei gearbeitet. Angefangen habe ich als normaler Geselle, der Türen und Fenster eingebaut hat. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich wissensmäßig so nicht mehr weiterkomme, und habe mich entschlossen, den Tischlermeister zu machen. Noch während meiner Meisterschule hat er gefragt, ob ich zurückkommen würde. Sie wollten anfangen, Möbel zu bauen, und ich könnte als Werkstattleiter einsteigen. Das Angebot habe ich sehr gern angenommen.
Nach etwa eineinhalb Jahren als Werkstattleiter ist im Büro die Person weggefallen, die für Arbeitsvorbereitung und Kalkulation zuständig war. Ich war der einzige andere Tischlermeister und wollte gern ins Büro, also bin ich gewechselt. Drei Monate später ist die zweite Person gegangen, die im Büro für die Tischlerei zuständig war, und ich war allein für das Team von sieben Leuten verantwortlich. Mein Part waren Kundenberatung, Aufmaß, Kalkulation und Rechnungen. Genau das, was ich machen wollte.
Die Insolvenz und der erste eigene Laser
Dann ging der Betrieb in die Insolvenz. Wie bist du von dort zum Laser gekommen?
Durch falsches Management ist die Firma leider insolvent gegangen, und ich war arbeitslos. Erst habe ich einen Job gesucht, der die Aufgaben meiner alten Stelle spiegelt, aber nichts gefunden. Dann waren wir mit der Familie im Urlaub in der Karibik. Genau einen Tag nach der Rückkehr kam mir unter der Dusche der Gedanke vom Lasern wieder. Ich hatte mich damals bei der Arbeit an denkmalgeschützten Fenstern schon kurz damit befasst, die Idee am Ende aber beiseitegelegt. Also habe ich recherchiert, was so ein Laser kann, und die vielen Möglichkeiten gesehen. Und dass es in Hamburg bislang noch keinen Dienstleister dafür gibt. Bevor ich die nächste Tischlerei von vielen eröffne, wollte ich lieber etwas machen, das mich auszeichnet. So ist Laserreinigung Roloff entstanden.
Wie lief die Arbeit an den denkmalgeschützten Fenstern bis dahin, und wie hast du den passenden Laser gefunden?
Die meiste Arbeit wurde direkt auf der Baustelle erledigt. Die letzte große Baustelle war eine Villa in Hamburg. Dort sind sechs Monate lang drei Kollegen hingefahren, haben die Fensterflügel ausgehängt, auf Arbeitsböcke gelegt und die Profile und Ecken von Hand nachgeschliffen. Das ist eine extrem mühsame Fleißarbeit.
Bei meiner Recherche habe ich dann drei Laseranbieter verglichen. Ich habe mir über Kleinanzeigen ein sehr altes Fenster gekauft, bin damit zu den Anbietern gefahren, habe meine Vorstellung erzählt und ganz offen gesagt: Wer es am besten macht, bei dem kaufe ich. Jedes Mal war das Fenster das Testobjekt. So hatte ich einen guten Vergleich.
Bevor ich die nächste Tischlerei von vielen eröffne, wollte ich lieber etwas machen, das mich auszeichnet.
Gibt es einen Menschen, ohne den du diesen Schritt nicht gemacht hättest?
Wenn ich länger darüber nachdenke, ist es meine Freundin. Hätte sie mich bei der Idee und der Gründung nicht unterstützt, hätte ich wahrscheinlich nicht den Mut und das Vertrauen gehabt, in eine so neue Technologie zu investieren.
Was an schlechten Tagen trägt
Was bringt dich dazu, morgens mit dem Laser loszufahren, auch an Tagen, an denen nichts so läuft wie gedacht?
Zum einen die Vielseitigkeit. Jedes Projekt ist anders, jedes Material verhält sich anders, und die Einstellungen müssen genau angepasst werden. Das ist meistens wieder eine Herausforderung, der ich mich gern stelle. Natürlich gibt es Momente, in denen ich zweifle und mich hinterfrage, aber ich habe gemerkt, dass mich jede Erfahrung weiterbringt.
Und dann sind es die Kunden. Ich bekomme viele Einblicke in unterschiedliche Branchen, Verfahren und Fertigungen. Dadurch lerne ich ständig Neues kennen und kann mein Wissen erweitern.
Gab es seit der Gründung einen Punkt, an dem du ans Aufhören gedacht hast?
Ich glaube, so etwas ist in einer Selbstständigkeit ganz normal. Letztens hatte ich eine sehr bescheidene Woche. Zuerst war ich an einem Boot zugange und habe es entschichtet. Am Anfang lief es noch gut, aber dann habe ich die Grundierung nicht mehr gelöst bekommen, und zusätzlich kam richtiger Starkregen, sodass ich aufhören musste. Meine Kalkulation ging nicht mehr auf, und der Kunde war auch nicht so überzeugt. Wir haben uns dann für einen Abbruch entschieden, und ich habe nichts berechnet.
Am nächsten Tag habe ich bei einem ausgebauten Camper Rost entfernt. Ich habe immer mehr Rost gefunden, der sich teilweise bis in den Innenraum durchgefressen hatte. Das hat man am Anfang nicht gesehen, und der Kunde wollte eigentlich nur ein paar Schönheitsreparaturen. Jetzt müssen aufwendige Karosseriearbeiten gemacht werden. Das hat die Stimmung des Kunden ins Negative gezogen, und das hat sich auch auf mich übertragen. Auch wenn die Dinge teilweise nur bedingt mit mir zu tun hatten, habe ich alles infrage gestellt.
Und manchmal gibt es Tage oder eine ganze Woche, in der kein einziger Anruf reinkommt. Zwei Tage fühlen sich noch normal an, aber am vierten Tag fragt man sich schon, ob das, was ich anbiete, wirklich einen Markt hat. Den Kopf in den Sand zu stecken, ist aber keine Option. Wenn man kurz Abstand nimmt, fallen einem neue Ideen oder Branchen ein, bei denen man sich melden kann. Oder es ruft jemand an, der gleich eine ganze Woche buchen möchte. Manchmal muss man aushalten und geduldig sein. Es findet sich immer ein Weg.
Zwei Aufträge, die hängen geblieben sind
Welcher Auftrag ist dir bisher besonders im Kopf geblieben?
Sehr spannend war ein Auftrag zusammen mit einem Kollegen. Wir haben fünf Tage lang Wärmetauscherplatten gereinigt. Die waren vorher mit Glasperlen gestrahlt worden, aber das Ergebnis war mangelhaft. In den Vertiefungen saß immer noch die alte Beschichtung, und das Material war so stark aktiviert, dass es durch die Luftfeuchtigkeit schnell zu rosten anfing. Das Unternehmen hatte Zeitdruck, es musste also schnell gehen. Wir haben die Platten zu zweit von Donnerstag bis Sonntagabend gereinigt und ein perfektes Ergebnis abgegeben.
Einer deiner größten Aufträge fing damit an, dass du falsch geparkt hattest. Wie kam das?
Das war ein Zufall. Ich musste in der Hamburger Innenstadt in einer Wohnung etwas lasern. Weil die Parkplätze dort knapp sind, habe ich mich in ein Halteverbot gestellt, das für Bauarbeiten ausgeschildert war. Kurz darauf wurde ich angerufen, dass ich dort falsch stehe und wegfahren muss. Am Auto wartete die Person schon auf mich und war sehr nett. Es war eine Restauratorin, die dort arbeiten musste, und sie hat direkt gefragt, ob ich auf ihrer Baustelle schnell vorbeischauen kann, ob es mit dem Laser funktionieren würde. Gesagt, getan. Leider konnte ich ihr dort nicht helfen, aber wir haben Kontakte ausgetauscht.
Zwei Monate später bekam ich eine Mail von einer anderen Restauratorin, der ich empfohlen worden war. Sie hatte ein Problem mit einer Sandsteinfassade, und vier andere Gewerke hatten ihr schon nicht helfen können. Wir haben einen Termin vereinbart, und ich habe eine Musterfläche angelegt. Insgesamt waren fünf Personen dabei: der Auftraggeber und sein Assistent, die Restauratorin und zwei Leute vom Denkmalamt. Nach der kurzen Demonstration waren alle begeistert, und ich konnte mehrere Hundert Quadratmeter Sandstein reinigen. Das Ganze kam nur zustande, weil ich auf einem falschen Parkplatz stand.


Der Weg zur ersten Anstellung
Selbstständig bist du jetzt seit gut einem Jahr. Woran merkst du, dass es funktioniert?
Einen direkten Meilenstein gibt es, glaube ich, nicht. Ich merke aber an mir selbst, dass ich beim Lasern besser geworden bin und anspruchsvollere Aufgaben angehen kann. Auch wirtschaftlich läuft es ziemlich so, wie ich es im Businessplan geplant hatte. Zugegeben, der zweite Laser war noch nicht für das erste Jahr gedacht. Ich habe aber ein gutes Angebot bekommen und auch die richtigen Anfragen.
Bis Ende 2026 willst du die Strukturen für eine erste Anstellung schaffen. Was müsste dafür passieren?
Ich hätte gern einen langfristigen Werk- oder Rahmenvertrag mit einem größeren Kunden. Ich möchte meinen künftigen Angestellten einen geregelten Arbeitstag bieten und nicht alle zwei Tage die Planung umwerfen, das sorgt nur für Stress. Natürlich weiß ich, dass Mitarbeitende auch Verantwortung bedeuten. Ich kann also nur Leute einstellen, wenn ich genügend Arbeit habe. Ich möchte niemandem nach sechs Monaten wieder kündigen, weil mir die Arbeit ausgeht.






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