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Sarah-Lisa Besemer steht an einem Geländer an der Spree in Berlin und blickt zur Seite.

Vom Funktionsmodus ins Fühlen

Eine Lungenentzündung zwang sie zum Stillstand, ein Gruppenprogramm ohne eine einzige Buchung fast zum Aufgeben. Sarah-Lisa Besemer erzählt, wie aus ihrem eigenen People Pleasing ein Geschäft wurde, das anderen beim Neinsagen hilft.

Sarah-Lisa Besemer liegt mit geschlossenen Augen und einem leichten Lächeln auf einem Kissen.

Kurz gefasst

  • Wenn keiner kauft, bau das Angebot um. Ihr erstes Gruppenprogramm kaufte niemand, obwohl Sarah-Lisa 25 Kennenlerngespräche geführt hatte. Sie baute alles um, übte und investierte in sich selbst. Die nächsten zwei Runden waren ausverkauft.
  • Erzähl deinen eigenen Weg, statt nur Wissen zu zeigen. Auf LinkedIn fürchtete Sarah-Lisa bei jedem Post, dass frühere Kollegen sie belächeln. Den Schub brachte ein Auftritt in einem großen Podcast. Sie zeigte sich als Erfahrungsexpertin, und in dieser Geschichte fanden sich die Leute wieder.
  • Rechne mit mehr Zeit, als du eingeplant hast. Sarah-Lisa wollte nach sechs Monaten vom Coaching leben. Gegen Ende merkte sie, dass sie ihre hohen Fixkosten aus der Vergangenheit so nicht decken kann. Sie investierte viel privates Vermögen, auch ohne großen Rückhalt aus der Familie.
  • Kenn deinen Wert, bevor du den Preis nennst. Trotz 15 Jahren im Vertrieb fiel es Sarah-Lisa schwer, sich selbst zu verkaufen. Nannte sie in den ersten Kennenlerngesprächen ihren Preis, war ihr der Zweifel anzumerken, ob es das wert ist. Heute kennt sie ihren Wert.

Fünfzehn Jahre lang hat Sarah-Lisa Besemer in Vertrieb und Konzernen funktioniert. Heute löst sie mit Emotion Alchemist in Berlin per Hypnose die Muster anderer: im Coaching, in Gruppen und in Unternehmen. Was hat sie selbst zum Fühlen gebracht?

Zwei Monate im Bett und ein Nein an die Chefin

Sarah-Lisa, Emotion Alchemist steht auf keiner Berufsliste. Wie würdest du in einem Satz erklären, was du machst?

Ich bin zertifizierte Coachin für klinische Hypnose, Speakerin und Gründerin von Emotion Alchemist aus Berlin. Ich arbeite mit Menschen, die trotz Therapie, Coachings und vielen Büchern immer wieder in denselben Mustern landen. Sie wissen, warum, und trotzdem ändert sich nichts, weil ihre innere Handbremse angezogen bleibt. Mit Hypnose löse ich sie dort, wo der Verstand nicht hinkommt, im Unterbewusstsein: einzeln, in Gruppen und als Speakerin für emotionale Intelligenz in Unternehmen.

Davor hast du fünfzehn Jahre in Vertrieb, Beratung und Unternehmensführung gearbeitet. Wann hat dein Körper nicht mehr mitgespielt?

Ich habe mich auf Anraten meiner Therapeutin zwei Wochen krankschreiben lassen. Am ersten Tag habe ich eine Grippe bekommen, dann eine Nebenhöhlenentzündung und dann eine Lungenentzündung. Ich lag zwei Monate im Bett. Ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben nicht mehr funktionieren, und das war der Moment. Ich hatte so viele unangenehme Gefühle und keine andere Wahl, als mich mit ihnen zu beschäftigen. Als ich die Entscheidung getroffen habe, aus dem Konzern auszusteigen, wurde ich gesund.

2022 war ich mit meinem Sohn auf Bali. Ich habe ihm beim Spielen im Pool zugeschaut und gedacht: Ich habe alles. Einen tollen Job, ein sicheres Gehalt, Hilfe, ein gesundes Kind. Aber ich konnte es nicht fühlen. Ich war nicht glücklich.

Ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben nicht mehr funktionieren, und das war der Moment.

Woher kam dieser Funktionsmodus?

Ich habe sehr früh gelernt, Verantwortung für andere zu übernehmen, für meine Schwestern, aber auch für meine Eltern. Acht Jahre habe ich in der Gastronomie gearbeitet und in gehobenen Restaurants größere Teams geleitet. Später bin ich sehr jung allein nach Amerika gegangen, habe in Detroit, New York und Los Angeles gelebt und dort neue Standorte gegründet. Über acht Jahre war ich dort die einzige Frau im Vertrieb weltweit. Ich war so gut darin, die Emotionen anderer zu lesen und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Nur mich selbst habe ich dabei verloren.

Wie bist du trotzdem aus dem sicheren Job herausgekommen?

Meine Chefin hat damals gesagt: „Es gibt niemanden, der das so gut kann wie du. Wieso machst du es nicht?“ Ich musste ihr Nein sagen, weil ich wusste, dass ich nicht glücklich werde, wenn ich weitermache. Was dann kommt, wusste ich nicht. Nur: Das möchte ich nicht mehr machen.

Die Hypnoseausbildung habe ich zur Selbsterfahrung gemacht, um mir selbst zu helfen. Ich habe gemerkt, dass Hypnose der Schlüssel zu nachhaltiger Veränderung ist: Ich fühle mich in derselben Situation anders und verhalte mich anders. In der Ausbildung habe ich viele Hypnosen für andere gegeben, und das Feedback war positiv. Ich habe so viele Buchungen bekommen, dass ich den Gründungszuschuss beantragt und aus der Arbeitslosigkeit heraus mein Coaching-Business aufgebaut habe.

Die ersten Klientinnen und ein Programm, das niemand kaufte

Wie bist du an die ersten Klientinnen und Klienten gekommen?

Über den Freundeskreis. Die Menschen haben meine Veränderung gesehen. Ich habe so oft gehört: „Boah, Lisa, endlich. Endlich traust du dich, und das passt einfach so zu dir.“ Mich mit dem neuen Thema auf LinkedIn zu zeigen, war unfassbar schwierig. Bei jedem Post dachte ich: Oh Gott, meine ganzen Kollegen lesen mit und werden mich belächeln. Dann war ich in einem großen Podcast bei einer Freundin, und ab da ging es sehr schnell. Ich habe mich nicht als Expertin gezeigt, sondern als Erfahrungsexpertin, die alle auf ihrem Weg mitnimmt. In dieser Geschichte haben sich die Leute wiedergefunden.

Sarah-Lisa Besemer sitzt an einem Holztisch, macht sich Notizen und schaut auf ihren Laptop.
Sarah-Lisa Besemer steht im Sonnenlicht am Spreeufer in Berlin.

Was war der Moment, an dem du fast hingeschmissen hättest?

Ursprünglich wollte ich nach sechs Monaten vom Coaching leben. Gegen Ende der sechs Monate habe ich gemerkt, dass ich meine hohen Fixkosten aus der Vergangenheit so nicht decken kann. Ich habe viel privates Vermögen investiert, in mich und in meinen Glauben, dass ich das schaffe. Auch meine Familie war nicht der beste Support, weil niemand verstanden hat, warum ich das mache, wenn ich in einem anderen Job so leicht Geld verdiene.

Und als ich mein allererstes Gruppenprogramm entwickelt habe, hat es niemand gekauft. Keine einzige Person. Ich habe 25 Kennenlerngespräche geführt, und niemand hat gekauft. Da war ich kurz davor aufzuhören. Ich habe die Welt nicht verstanden, im Einzelcoaching sah ich doch die ganzen Erfolge. Also habe ich alles umgebaut, geübt und in mich investiert. Die nächsten zwei Runden waren ausverkauft.

Hypnose ohne Mystik, vom Kinderzimmer bis zur Sonntagsgruppe

Was bekommt jemand, der sich heute bei dir meldet? Erklär es so, als hätte die Person noch nie etwas von Hypnose gehört.

Eine Affirmation ist nur ein Satz, den du dir vorsagst, zum Beispiel „Ich bin mutig“, und der bleibt meistens im Kopf. In der Trance erlebst du die Situation, als wärst du wirklich dort. Du fühlst sie im Körper. Wir können simulieren, dass du schon dreißigmal auf der Bühne gestanden hast. Dann wird aus Angst Neugier.

Mir ist wichtig, die Mystik um Hypnose aufzulösen. Du erleidest keinen Kontrollverlust, ich pflanze dir nichts ein, was du nicht möchtest. Du wählst, wie du dich fühlen möchtest. Ich stelle es mir vor wie viel befahrene Autobahnen: Wir bauen neue und bauen alte zurück, die nicht mehr funktionieren. Hypnose-Coaching ist keine Therapie und ersetzt sie nicht.

Du arbeitest auch mit Kindern. Welche Session ist dir geblieben?

Bei Kindern ist der Zugang spielerisch. Ein Kind, das in der Schule gemobbt wurde und große Angst hatte, dorthin zu gehen, hat sich in der Session einen imaginären Superman-Umhang gebastelt. An dem prallten alle fiesen Worte ab. Er gab ihm endlich den Mut, darüber zu sprechen. Dieses Bild verwende ich bis heute für Erwachsene: Stell dir vor, du ziehst dir einen Superwoman-Umhang an und fühlst dich plötzlich total sicher.

Bei deiner Sonntagsgruppe in Berlin sitzen höchstens acht Menschen, die sich nicht kennen. Was passiert da in vier Stunden?

Echte, tiefe Verbindung. Mit Gong und Hypnose schaffen wir einen sicheren Raum, in dem die Teilnehmenden üben, sich zu zeigen, wie sie sind. Am Ende essen wir gemeinsam. Eine Frau sagte mitten im Kreis: „Das hab ich noch niemandem erzählt. Und ich kenn dich nicht mal.“ Eine andere: „Ich fühl mich hier gerade mit euch verbundener und sicherer, mich zu zeigen, als mit meiner besten Freundin.“

Skeptiker im Workshop und der eigene Preis

Neben Privatleuten buchen dich Unternehmen. Was ist anders, wenn die Leute nicht freiwillig da sind?

Wer freiwillig zu mir kommt, hat sich schon entschieden, sich zu öffnen. Im Unternehmen sitzen viele da, weil sie geschickt wurden, manche mit Skepsis. Regelmäßig stehen nach meinen Workshops Menschen weinend vor mir, berührt von einer Erfahrung, mit der sie nicht gerechnet hätten. Emotionale Intelligenz entscheidet, ob jemand gerne zur Arbeit geht oder nicht. Gerade jetzt, wo KI- und Softwareschulungen überhandnehmen, ist es unglaublich wichtig, sie zu trainieren.

Du arbeitest mit Menschen, die schlecht Nein sagen können. Wie gut gelingt dir das im eigenen Geschäft?

Ich spreche öffentlich über mein eigenes Muster, das People Pleasing, und darüber, wie oft ich Ja gesagt habe, obwohl mein ganzer Körper Nein meinte. Obwohl ich 15 Jahre im Vertrieb gearbeitet habe, ist es etwas ganz anderes, sich selbst zu verkaufen. Als ich in den ersten Kennenlerngesprächen meinen Preis genannt habe, war die Frage groß, ob es das wert ist. Das hat man mir angemerkt. Heute kenne ich meinen Wert. Ich würde sogar sagen: Weil ich gelernt habe, Nein zu sagen, habe ich überhaupt gegründet.

Bühnen, ein Retreat und ein Satz unter jeder E-Mail

Woran merkst du, dass es funktioniert?

In den letzten neun Monaten hatte ich 19 Speaker-Auftritte, darunter meine erste eigene Keynote vor 500 Menschen bei der VOICES2026 von Staffbase. Zwei Gruppencoachings waren ausverkauft, mein erstes eigenes Retreat auf Mallorca auch. Im Oktober eröffne ich in Berlin-Mitte meinen ersten Anti-Stress-Pop-up-Store. Der größte Meilenstein sind aber die Menschen, die sich ihren Traumjob nehmen, ihr Gehalt verhandeln oder sich selbstständig machen, weil sie sich plötzlich dessen wert sind.

Was würdest du jemandem sagen, der heute überlegt, aus einer sicheren Position in etwas Eigenes zu gehen?

Arbeite an deinem Mindset und an deinen Ängsten. Die werden auftreten. Gründen ist wie Mutterwerden: Spätestens hier zeigen sich all deine Ängste. Es gibt keine Abkürzung für Machen und Erfahrung, der Weg entsteht beim Gehen. Hol dir Support, einen Coach oder eine Coachin, die dich in dieser Phase begleitet. Und wenn es gerade gar nicht läuft und ich an die Option denke, zurückzugehen, schnürt es mir den Hals zu. Dann weiß ich, dass das der richtige Weg ist.

Was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?

Ein Satz, mit dem ich jede E-Mail unterschreibe: „Gefühle sind zum Fühlen da.“ Hättest du mir vor zwei oder drei Jahren gesagt, dass ich in großen Podcasts spreche, auf großen Bühnen stehe und so viele Menschen begleite, ich hätte dich ausgelacht. Here I am.

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© Foto Credits:
Anna Härlin, Manuela Asmus
Auf einen Blick

Häufige Fragen zu

Sarah-Lisa Besemer

Wer ist Sarah-Lisa Besemer?

Sarah-Lisa Besemer ist zertifizierte Coachin für klinische Hypnose, Speakerin und Gründerin von Emotion Alchemist in Berlin. Davor arbeitete sie fünfzehn Jahre in Vertrieb, Beratung und Unternehmensführung, unter anderem in Detroit, New York und Los Angeles.

Wie funktioniert Hypnose-Coaching bei Emotion Alchemist?

In der Trance erlebst du eine Situation, als wärst du wirklich dort, und fühlst sie im Körper. So lässt sich etwa simulieren, dass du schon dreißigmal auf einer Bühne gestanden hast. Einen Kontrollverlust gibt es dabei laut Sarah-Lisa nicht. Hypnose-Coaching ist keine Therapie und ersetzt sie nicht.

Welche Angebote hat Emotion Alchemist?

Sarah-Lisa coacht einzeln und in Gruppenprogrammen, dazu kommt eine Sonntagsgruppe in Berlin mit höchstens acht Teilnehmenden. Unternehmen buchen sie als Speakerin für emotionale Intelligenz. Ihr erstes eigenes Retreat fand auf Mallorca statt.

Was rät Sarah-Lisa Besemer Menschen, die gründen wollen?

Sie rät, an Mindset und Ängsten zu arbeiten, weil diese in der Gründung auftreten werden. Für Machen und Erfahrung gebe es keine Abkürzung, der Weg entstehe beim Gehen. Und sie empfiehlt, sich für diese Phase Unterstützung zu holen, etwa einen Coach oder eine Coachin.

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