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Ben Berger im Interview

Vom Lehramt zum Tischler und Creator

Studium abgebrochen, Handwerk gewählt, Social Media erobert: Ben erzählt, wie man Leidenschaft zum Beruf macht und Risiken richtig nutzt.

Kurz gefasst
Das nimmst du von
Ben Berger
mit
  • Du musst nicht wissen, was du willst. Es reicht, zu wissen, was du nicht willst. Ben suchte seinen Weg über das Ausschlussverfahren: kein Chef, keine starren Regeln, kein anonymes Rädchen im Konzern. An seinem letzten Abend in Venice Beach ging er die nächsten Jahre durch, Klausur, Bachelorarbeit, Master, Referendariat, und wusste, dass er das nicht will. Handwerker gab es in seiner Familie keine, eine Schreinerei hatte er nie von innen gesehen.
  • Erfahrung kannst du nicht abkürzen. Mit Abitur hätte Ben die Ausbildung verkürzen dürfen und zog die vollen drei Jahre durch. Ein Jahr länger noch nicht die volle Verantwortung zu tragen, sondern sich aufs Lernen zu konzentrieren, war ihm mehr wert als das gesparte Jahr.
  • Wenn dein Geld woanders herkommt, kannst du Aufträge ablehnen. Die Schreinerei schreibt ein eingeplantes Minus, ein Gehalt zahlt Ben sich daraus nicht. 60 Quadratmeter Parkett oder einen einfachen weißen Einbauschrank lehnt die Werkstatt ab, eine Sitzgruppe aus recyceltem Holz nimmt sie an.
  • Film erst, dann leg das Handy weg. Jeden Arbeitsschritt filmt Ben einmal in der Totalen, einmal halbtotal, einmal nah. Danach kommt das Handy weg. Bei den zehntausend Arbeitsschritten im Möbelbau, sagt er, wird geteilte Aufmerksamkeit schnell teuer oder gefährlich.

Ben Berger hat den klassischen Karriereweg verlassen und sich seiner Leidenschaft, dem Tischlerhandwerk, verschrieben. Mut, Ausprobieren und Unkonventionelles stehen für ihn über Planbarkeit.

Mit seinen Projekten auf Social Media inspiriert er andere, ihren eigenen Weg zu gehen. Ben zeigt: Wer den Mut hat, Risiken einzugehen, kann Träume wirklich verwirklichen.

Der Bruch mit dem geplanten Weg

Ben studierte Lehramt und arbeitete gern in der Schule, spürte aber während eines Auslandsaufenthalts in Kalifornien, dass der vorgezeichnete Weg nicht zu ihm passt. Kurz vor der Bachelorarbeit brach er das Studium ab und entschied sich aus dem Bauch heraus für eine Tischlerausbildung. Familie und Bekannte reagierten skeptisch und fragten, warum er einen akademischen Weg gegen eine Ausbildung tauscht. Sein Vater unterstützte ihn voll, ein Rückhalt, der ihm den Schritt erleichterte.

Mein Bauch hat gesagt: Darauf hast du Bock. Mein Hirn hat gesagt: Das ist unlogisch.

Ausbildung ohne Abkürzung

Sein erstes Lehrjahr war ein unbezahltes Berufsgrundschuljahr. Ben finanzierte sich über Wochenendarbeit, unter anderem 13 Jahre lang als Fremdenführer und bei der Instandhaltung einer Burg. Obwohl er mit Abitur hätte verkürzen dürfen, zog er die vollen drei Jahre durch, aus der Überzeugung, dass im Handwerk nicht der Brief, sondern die Erfahrung zählt. Es waren nach eigener Aussage die härtesten Jahre, aber er hatte echte Lust darauf.

Im Handwerk macht dich kein Brief zu einem guten Handwerker, sondern nur deine Erfahrung.

Pionier im Handwerks-Content

Nach der Ausbildung gründete Ben 2022 mit einem Kollegen eine Social-Media-Agentur für regionale Unternehmen. Später wechselte er ins Marketing eines E-Commerce-Unternehmens, dessen Reichweite er in rund anderthalb Jahren von 400.000 auf 2,4 Millionen Follower steigerte. Parallel baute er seinen eigenen Schreiner-Account auf, in einem Feld, in dem es kaum Vorbilder gab. Seriösen, erklärenden Handwerks-Content in dieser Form gab es vor ihm praktisch nicht.

Zwei Welten unter einem Dach

Mit seiner eigenen Möbelschreinerei nimmt Ben bewusst nur Aufträge an, auf die er Lust hat. Möglich ist das, weil die Social-Media-Einnahmen die Werkstatt mitfinanzieren. Beim Drehen hat er sich feste Abläufe angewöhnt, um Handwerk und Kamera nicht zu vermischen, gerade an gefährlichen Maschinen wie der Kreissäge. Mit dem Wachstum wächst auch seine Verantwortung: Mehrere Menschen sind inzwischen von seiner Arbeit abhängig. Vorbild sein will er trotzdem nicht als Creator, sondern als Beispiel dafür, dass sich ein eigener, unkonventioneller Weg lohnen kann.

Mehr zu Ben Berger und seiner Arbeit findest du auf: https://www.instagram.com/benberg.er/

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Ben Berger
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