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Julius Göllner und Christian Steiger

Self-Made SaaS: Insights von Julius Göllner im Tell Your Story Podcast

Julius Göllner ist Serial Entrepreneur, Angel Investor und eine zentrale Figur der deutschen SaaS-Szene. Mit 16 Gründungen und zwei Exits unterstützt er heute Gründerinnen und Gründer beim Aufbau und der Skalierung nachhaltiger SaaS-Unternehmen. Sein Antrieb liegt weniger im finanziellen Erfolg als in Selbstbestimmung, Sinn und Freude an der Arbeit. Nach Stationen bei McKinsey und Zalando entschied er sich bewusst für Bootstrapping statt klassischer VC-Modelle. Zentrale Learnings seiner Laufbahn sind die Bedeutung von Leidenschaft, klaren Rollen und ehrlicher Kommunikation. Mit der ARRtist Summit hat er zudem eine Plattform geschaffen, die den Austausch und Wissenstransfer im SaaS-Ökosystem stärkt.

zur Person

Julius Göllner

Julius Göllner ist Serial Entrepreneur, Angel Investor und Software-as-a-Service-Vordenker aus Berlin. Er wuchs in ganz normalen Verhältnissen auf – seine Mutter arbeitete in einer Krankenkasse, sein Vater war Lehrer. Mit gerade zu viel Familieneinkommen für BAföG, aber zu wenig elterlicher Unterstützung musste er sein BWL/VWL-Studium komplett selbst finanzieren. Nach dem Studium ging er in die Unternehmensberatung zu McKinsey, wechselte nach zwölf Monaten ins damals junge Zalando und stieg dort bis ins C-Level auf. Seine Eltern verstanden den Schritt zunächst nicht. Heute hat er 16 Gründungen und zwei Exits hinter sich; mit der ARRtist Community und dem ARRtist Summit hat er sich gemeinsam mit Mitgründern zu einer der größten deutschen SaaS-Stimmen entwickelt. Göllner finanziert seine Firmen bewusst über Bootstrapping, Family & Friends oder einzelne Business Angels statt institutionellem Kapital. Er ist verheiratet und Vater zweier Töchter, ist Montessori-Fan und macht morgens vor dem Kinderbringen Sport.

Kurz gefasst
Julius Göllner
Im Überblick
  • Göllner verzichtet bewusst auf institutionelle Investoren und finanziert seine Firmen über Bootstrapping, Family & Friends oder einzelne Angels.
  • Vor jeder Gründung arbeitet sein Team drei bis vier Monate ohne eigene Gesellschaft zur Probe zusammen.
  • Als größten Fehler nennt er ein Startup mit sechs gleichberechtigten Gesellschaftern ohne klare Rollenverteilung.
  • Sein Tool-Stack ist bewusst schlank: WhatsApp, Slack, Notion und E-Mail; LLM-Agenten nutzt er für Recherche und Vorbereitung.
  • Beim Arbeiten mit KI-Agenten gehe es darum, ein Ziel statt einer Aufgabe vorzugeben und Kontext mitzuliefern.

Im Tell Your Story Podcast spricht Christian Steiger mit Julius Göllner über einen ungewöhnlichen Weg durchs Unternehmertum: nicht das eine große Startup, sondern viele Firmen parallel, die meisten ohne Wagniskapital. Göllner ordnet ein, warum ihn genau diese Vielfalt antreibt und wie er dabei den Überblick behält.

Das Gespräch dreht sich um Bootstrapping, den Aufbau von Gründerteams und die Frage, wie sich Erfahrungen aus Konzern und Beratung in eigene Projekte übersetzen lassen. Außerdem geht es darum, wie KI-Werkzeuge den Arbeitsalltag verändern und warum persönliche Netzwerke und Events dabei eher wichtiger werden.

Vom Zalando-Management zur ersten eigenen Firma

Göllner lernte das Unternehmertum nicht im Hörsaal, sondern bei Zalando, wo er früh in einer Führungsrolle arbeitete und wie ein Gründer agierte. Die Erkenntnis, dass ihm große Strukturen keinen Spaß machen, führte zu seiner ersten eigenen Firma – einem Handelsmodell, das er ohne nennenswertes Kapital starten konnte. Prägend war für ihn das Elternhaus, das ihm früh Freiräume und Vertrauen für eigene Erfahrungen ließ.

Warum er bewusst ohne VC baut

Statt institutionelles Wagniskapital aufzunehmen, finanziert Göllner seine Unternehmungen selbst oder mit kleinen Beteiligungen. Wagniskapital würde aus seiner Sicht ein langfristiges Vollzeit-Commitment auf ein einziges Thema verlangen, das nicht zu seinem Modell aus vielen parallelen Projekten passt. Bei Handel und Dienstleistungen sei Kapital ohnehin selten der begrenzende Faktor – wichtiger seien Branchenverständnis und Netzwerk.

Kapital ist gar nicht der beschränkende Faktor.

Klare Rollen statt stillschweigender Annahmen

Sein größtes Learning zieht Göllner aus einem gescheiterten Projekt mit sechs gleichberechtigten Gesellschaftern ohne klare Aufgaben. Heute legt er Rollen, Erwartungen und Beteiligungen vor jeder Gründung schriftlich fest und überprüft sie regelmäßig. Vor dem Gang zum Notar arbeitet sein Team drei bis vier Monate zur Probe zusammen, um Zusammenarbeit und Commitment realistisch zu testen.

Ich bin, glaube ich, unanstellbar.

Denken in Zielen: Arbeiten mit KI-Agenten

Göllner sieht gut trainierte, auf die eigene Arbeit abgestimmte Sprachmodelle als zentrales Werkzeug. Entscheidend sei, einem Agenten ein Ziel statt einer reinen Aufgabe zu geben und den nötigen Kontext mitzuliefern. Wer das einübt, gewinnt aus seiner Sicht langfristig viel Zeit – auch wenn der Einstieg Geduld kostet.

Das Rückgrat der Wirtschaft sind nicht die Startups

Göllner verweist darauf, dass Startups nur einen Bruchteil der Gründungen ausmachen, während Selbstständige, Handwerk und kleine Betriebe das eigentliche Rückgrat der Wirtschaft bilden. Genau diese Gruppe bekomme zu wenig Sichtbarkeit. Mit der ARRtist-Plattform versucht er umgekehrt, der SaaS-Szene einen Ort für ehrlichen Austausch über Erfolge und Fehler zu geben.

Mehr zu Julius und seiner Arbeit findest du auf: arrtist.net

Volltext-Transkript

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Julius Göllner
40
Min. Gesprächsdauer
Auf einen Blick

Hintergrundinfos zum Gast zusammengefasst

Warum gründet Julius Göllner ohne Wagniskapital?

Göllner verzichtet bewusst auf institutionelle Investoren, weil Wagniskapital ein langfristiges Vollzeit-Commitment auf ein einzelnes Thema verlangt. Das passt nicht zu seinem Modell, parallel viele Unternehmen aufzubauen. Viele seiner Modelle – etwa Handel und Dienstleistungen – lassen sich ohnehin ohne großes Startkapital starten.

Was rät Julius Göllner Gründerteams?

Klare Rollen, Erwartungen und Beteiligungen von Anfang an schriftlich festzuhalten und regelmäßig zu überprüfen. Sein größter Fehler war ein Team aus sechs gleichberechtigten Personen ohne klare Aufgaben. Heute arbeitet sein Team vor jeder Gründung drei bis vier Monate zur Probe zusammen.

Wie nutzt Julius Göllner KI im Arbeitsalltag?

Er setzt auf Sprachmodelle und selbst gebaute Agenten, etwa zur Recherche und Podcast-Vorbereitung. Wichtig sei, einem Agenten ein Ziel statt einer reinen Aufgabe zu geben und den passenden Kontext mitzuliefern. Sein übriger Tool-Stack bleibt bewusst schlank: WhatsApp, Slack, Notion und E-Mail.

Was treibt Julius Göllner an?

Sein Antrieb hat sich vom reinen Geldverdienen hin zu Freiheit und Leidenschaft verschoben. Er will sein Leben so gestalten, dass ihm seine Arbeit Spaß macht, und baut vor allem Dinge, für die er brennt. Finanzieller Erfolg ist für ihn oft die Folge echter Begeisterung – nicht der Ausgangspunkt.

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