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Hellblau-weißer Born-Originals-Sneaker mit Stern-Logo an einem Fuß, das Bein über eine weiße Kante gestreckt.

Vom Screenshot zur eigenen Fertigung

Ein Sneaker, den er nicht besaß, in Photoshop mintgrün gefärbt und bei Instagram gepostet. Aus den Kommentaren wurde ein Auftrag, aus dem Auftrag eine Firma. Heute gehen die Pakete in über 60 Länder, und Melvin Lamberty erzählt auch von den Jahren, in denen es nicht lief.

Melvin Lamberty sitzt auf einem Sessel und hält einen Born-Originals-Karton sowie einen weiß-blauen Sneaker in die Kamera.

Kurz gefasst

  • Zeig die Idee, bevor du sie bauen kannst. Melvin Lamberty besaß den Schuh gar nicht, den er umfärbte. Er bearbeitete 2014 einen Screenshot in Photoshop und postete das Bild bei Instagram. Andere teilten es über hundertmal und fragten, wo man das Paar kaufen könne.
  • Such dir jemanden, der kann, was du nicht kannst. Ein Künstler aus Los Angeles kommentierte, er könne die Schuhe so machen. Lamberty schlug ihm eine Arbeitsteilung vor: Der eine bemalt, der andere übernimmt Shop, Marketing und Abrechnung. Nach einer Woche stand die Firma.
  • Frag nach Feedback, bevor du Geld ausgibst. Er ließ 2017 fünfhundert Paare eines eigenen Sneakers in Portugal fertigen und musste feststellen, dass niemand auf eine weitere Marke gewartet hatte. Heute spricht er vorab mit Leuten und holt Feedback ein, sobald ein Investment ansteht.
  • Klär deine Preise, bevor die Aufträge groß werden. Beim ersten Firmenkunden, einem Kranhersteller aus Wilhelmshaven, waren Preise und Abläufe willkürlich. Aus wenigen handbemalten Paaren für eine Messe wurden zuletzt hunderte. Die Abläufe hat er seitdem geordnet.

Melvin Lamberty fing ohne Ware an und ohne zu wissen, wie man Schuhe herstellt. Heute stehen mehr als 500 Projekte hinter ihm, dazu eine eigene Sneaker-Serie, die niemand haben wollte, und ein abgebrochenes Studium. Wie wird aus einem Screenshot ein Betrieb?

Ein Screenshot, der zum Auftrag wurde

Melvin, wenn dich jemand am Gartenzaun fragt, was du beruflich machst, was sagst du?

Ich bin Unternehmer aus Wilhelmshaven, lebe hier mit meiner Familie und arbeite in der Regel auch von hier aus. Bei Born Originals machen wir Schuhe, dafür sind wir bekannt. Der Kern unserer Identität ist aber Individualität, und viele Menschen suchen danach, weil sie selbst Individuen sind. Daher unser Claim: Born Originals wear Born Originals.

Angefangen hat das mit einem Screenshot. Was war das für ein Schuh?

Der Nike Air Yeezy Red October, eine exklusive Kreation von Nike und Kanye West. Release im Februar 2014 und innerhalb von Minuten sold out. Mich hat dieser Schuh fasziniert, also machte ich kurzerhand einen Screenshot davon und bearbeitete ihn mit Photoshop so, dass die Schuhe nicht mehr rot, sondern mintgrün waren. Das Bild samt Signatur postete ich bei Instagram, die Schuhe nannte ich Mint Summer Yeezys. Dann ging es auch schon los. Es hagelte Likes und Kommentare, über hundertmal wurde das Foto von anderen Accounts geteilt. „Wo gibt es die zu kaufen?“ „Sind das Fakes oder ist das Photoshop?“ Fragen über Fragen, dabei hatte ich beim Posten gar keine genaue Intention.

Arbeitsteilung über neuntausend Kilometer

Einer der Kommentare kam von einem Künstler aus Los Angeles.

Er sagte übersetzt so viel wie: „Ich kann die Schuhe so machen.“ Ich schaute mir sein Profil an, danach seine Website. Ein kreativer Kerl, der Schuhe, Jacken, Autos und sogar Personen bemalte. Die Kunst sah gut aus, sein Auftritt auf Instagram und seine Homepage waren aber ausbaufähig. So kam mir die Idee, mit ihm gemeinsame Sache zu machen.

Du hast ihm eine Arbeitsteilung vorgeschlagen. Wie lief das?

Neben dem dualen Wirtschaftsstudium im elterlichen Betrieb erka Verpackungssysteme und dem Fußball, recht ambitioniert bis in den Regionalliga-Kader beim SV Wilhelmshaven, hatte ich noch etwas Zeit, mich kreativ auszuleben. Und vielleicht ließ sich damit ja sogar Geld verdienen? Ich schlug ihm vor, zusammenzuarbeiten. „Du machst die Schuhe, ich kümmere mich um den Rest.“ Gemeint waren Onlineshop, Marketing, Kundenservice und Abrechnung. Wir sprachen ein oder zwei Mal via Skype und einigten uns auf den Namen Born Originals. Jeder Mensch ist ein Unikat, so auch seine Schuhe. Unerfahren, aber voller Tatendrang sagte ich ihm, dass ich für meine Tätigkeit 15 Prozent vom Umsatz bräuchte. Man muss nicht lange überlegen, um zu erkennen, dass die Rechnung hinten und vorne nicht aufging. Aber so starteten wir. Nach einer Woche standen Website, PayPal, Bankkonto und Instagram-Account.

Fehlte nur noch jemand, der so ein seltenes Paar besitzt und es auch noch mintgrün färben lassen will.

Schließlich war es ein mir bekannter Fußballprofi, der die Schuhe besaß und sich für die Idee begeistern ließ. Ich fuhr nach Bremen und besuchte ihn bei sich zuhause. Dann schickte ich die Schuhe nach Los Angeles, zu „John Born“, dessen bürgerlicher Name allerdings ein anderer ist. Da war er also, unser erster Auftrag, schon nach ein paar Wochen.

Das erste Atelier neben der Matratze

Die ersten Jahre liefen parallel zum dualen Studium. Wo hast du damals gearbeitet?

Meine Eltern hatten gebaut, und wir mussten aus dem alten Haus raus, bevor das neue fertig war. Überbrückt haben wir die Zeit in der Firma, dort standen noch Büroflächen leer und im Lager war Platz für den Hausstand. Ich hatte also mein Zimmer im Bürotrakt, duschte mich morgens ganz früh in der Werkstatt, bevor die ersten Werkstatt-Mitarbeiter kamen, und bemalte die ersten Schuhe dort am Schreibtisch neben meiner Matratze, die einfach auf dem Boden lag. Irgendwann zogen wir ins neue Haus, und ich behielt den Raum als mein erstes Büro und Atelier. Nicht direkt die „Garage“, in der alles begann, aber fast. Oft arbeitete ich nachts, war dann morgens auf der Arbeit und abends beim Fußballtraining. Während des Semesters ließ ich das Studium schleifen, um auch tagsüber an Born Originals zu arbeiten.

Nicht direkt die „Garage“, in der alles begann, aber fast.

Von der Veredelung zur eigenen Produktion

Von außen liest sich die Geschichte als gerade Linie von 2014 bis heute. Wo war sie das nicht, und was machst du seitdem anders?

2017 produzierte ich den ersten Born Originals Sneaker in Portugal, weil ich mich selbst verwirklichen und irgendwann unabhängig von den Marken sein wollte, die wir bis dahin veredelten. Ich ging vor wie bisher, bemühte mich um organische Postings anderer Accounts, produzierte 500 Paare in verschiedenen Farben und musste dann feststellen, dass die Welt nicht auf eine weitere Sneaker-Brand gewartet hatte. Auch bei weiteren Modellen merkte ich, dass eigene Produkte zu etablieren deutlich schwieriger ist, als populäre Produkte anderer Brands zu veredeln. Parallel wusste ich, dass ich das reine Veredeln nicht mehr dauerhaft weiterführen möchte. Das war eine schwierige und ungewisse Phase. Heute spreche ich vorab mehr mit Leuten und frage nach Feedback, sobald Investments ins Spiel kommen. Ich lote eher aus, was den Menschen überhaupt gefällt und wo ich gegebenenfalls auf dem Holzweg bin.

2022 hast du das Studium abgebrochen. Wie ist die Entscheidung gefallen, und wer hat dir abgeraten?

Zu dem Zeitpunkt hatte ich im B2B große Projekte umgesetzt und siebenstellige Umsätze mit guter Profitabilität generiert. Nun war Selbstständigkeit nicht mehr nur Selbstverwirklichung, sondern auch der Weg, irgendwann verhältnismäßig viel zu verdienen. Und sollte ich mich doch einmal bewerben, berufe ich mich nicht auf mein durchschnittliches Wirtschaftsstudium, sondern auf meine jahrelange Hands-on-Erfahrung. Das scheint mir mehr wert zu sein. Abgeraten hat mir übrigens niemand. Meine Eltern sind keine Akademiker, mein Vater ist selbst Unternehmer gewesen und hatte Verständnis dafür, dass ich mich voll auf die eigene Firma konzentrieren möchte. Dennoch sage ich heute, rückblickend, dass ich die letzten Module ruhig auch noch hätte machen können. Dann hätte ich jetzt neben der abgeschlossenen Berufsausbildung auch einen Bachelor-Abschluss.

Heute tragen Teams von PayPal, Commerzbank und Ferrero eure Schuhe. Was bestellt so ein Unternehmen bei euch, und woran erinnerst du dich beim allerersten Firmenkunden?

Damals waren es die personalisierten Einzelstücke, heute sind es individuelle Kleinauflagen oder größere Drops für Communities oder Unternehmen. Es muss bei Schuhen nicht aufhören, wir machen auch Collegejacken und ganze Boxen voller individueller Produkte. Einer der ersten Firmenkunden war Manitowoc, ein großer Kranhersteller mit Standort in Wilhelmshaven. Damals bestellten sie wenige handbemalte Paare für eine Messe, zuletzt waren es hunderte. Bei den ersten B2B-Kunden war das Pricing willkürlich und die Abläufe unklar. Das hat sich geändert.

Melvin Lamberty sitzt lachend vor einem Mikrofon an einem Holztisch bei einer Podcastaufnahme.
Melvin Lamberty hält einen Stapel individuell gestalteter Sneaker mit Firmenlogos im Arm.

Was nach zwölf Jahren bleibt

Woran merkst du heute, dass es funktioniert?

Wir dürfen seit 2025 auch andere Brands bei der Schuhproduktion unterstützen, nicht zuletzt den Sicherheitsschuh-Hersteller Atlas aus Dortmund, für den wir den ersten Sneaker produzieren dürfen. Ein Ritterschlag für uns. Ansonsten sind es die mehr als 500 Projekte, die alle für sich kleine Erfolge sind.

Eure Pakete gingen in über 60 Länder, Mario Götze, Leroy Sané und J Balvin sind in euren Schuhen unterwegs. Was war dein schönster Moment in den gut zwölf Jahren?

Der Made for More Award 2019 war sicherlich das größte Highlight, mit Live-Übertragung im Fernsehen zur Primetime. Der erste siebenstellige Auftrag war ein großer Moment. Genauso die Beziehung zu J Balvin, den ich über die Zeit recht privat erleben durfte. Zuletzt haben wir backstage seinen Geburtstag nach dem Konzert in Berlin gefeiert. Das sind Momente, die man sich nicht kaufen kann.

Was treibt dich morgens aus dem Bett, auch an Tagen, an denen nichts läuft, und für wen machst du das alles?

Ich mache es, weil es mir Spaß macht und weil ich viel Zuspruch für unsere Ideen erhalte. In schwierigen Phasen führe ich mir das vor Augen und bleibe optimistisch. Und wenn man etwas über zehn Jahre macht, haben einen viele Menschen irgendwann unterstützt und an einen geglaubt, allen voran Familie und Freunde. Ich mache es in erster Linie für sie.

Dein Podcast heißt „Normal Gets You Nowhere“. Wann hat der Satz für dich zum ersten Mal wirklich gestimmt?

Ich stehe mit meinem Weg selbst für dieses Motto. Über den Podcast durfte ich viele spannende Menschen kennenlernen, unter anderem Sophia Flörsch, Enissa Amani und Linda Zervakis. Das hätte sich nicht ergeben, wenn ich nicht mein eigenes Ding machen würde. Wenn du neue Wege gehst, weniger vergleichst und mehr auf dich schaust, dann öffnen sich Türen, die du vorher gar nicht gesehen hast.

Was würdest du jemandem sagen, der heute mit einer Idee und wenig Geld dasteht?

Loslegen, Feedback einholen, adjustieren, weitermachen und schauen, wo die Reise hingeht. Essentiell ist, dass man für seine Sache brennt und dass sie sich nicht nach Arbeit anfühlt. Dann kann man auch andere dafür begeistern und steckt die Energie rein, die es braucht.

Was soll von deiner Geschichte hängen bleiben?

Ich möchte andere inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen.

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© Foto Credits:
Born Originals
Auf einen Blick

Häufige Fragen zu

Melvin Lamberty

Wer ist Melvin Lamberty?

Melvin Lamberty ist Gründer und Geschäftsführer der Born Originals GmbH in Wilhelmshaven. 2014 begann er neben dem dualen Wirtschaftsstudium damit, Sneaker von Hand bemalen zu lassen. Heute lässt das Unternehmen in Portugal fertigen und beliefert Privat- und Firmenkunden.

Wie ist Born Originals entstanden?

Aus einem Screenshot. Lamberty färbte 2014 ein Bild des Nike Air Yeezy Red October in Photoshop mintgrün und postete es bei Instagram. Ein Künstler aus Los Angeles bot an, die Schuhe so zu bemalen. Die beiden teilten sich die Arbeit auf, nach einer Woche standen Website, Shop und Konto.

Was macht Born Originals heute?

Das Unternehmen fertigt eigene Sneaker in Portugal, veredelt Schuhe und produziert individuelle Kleinauflagen für Unternehmen und Communities, dazu Collegejacken und andere Produkte. Seit 2025 unterstützt Born Originals auch andere Marken bei der Schuhproduktion.

Was rät Melvin Lamberty Menschen, die mit einer Idee starten?

Loslegen, Feedback einholen, nachjustieren und weitermachen. Entscheidend ist für ihn, dass man für die eigene Sache brennt und sie sich nicht nach Arbeit anfühlt. Dann lassen sich auch andere dafür begeistern.

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