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Lukas Weisser sitzt in einem Workshop vor einer Leinwand mit der Aufschrift „Working Session!“, im Vordergrund Teilnehmende am Tisch.

Vom Versteck auf die digitale Bühne

Lukas Weisser hat mit BrandingPeople eine Agentur für Personal Branding auf LinkedIn aufgebaut. Hier erzählt er, wie aus zwei Jahren Kaltakquise ein Geschäft wurde und warum Fehler dazugehören.

Lukas Weisser steht mit verschränkten Armen vor einer Glaswand, er trägt einen dunkelblauen Pullover und lächelt.

Kurz gefasst

  • Fang mit dem an, was du schon gut kannst. Lukas dachte lange, er brauche für die Selbstständigkeit eine völlig neue Idee. Am Ende machte er sich mit dem selbstständig, wonach ihn andere immer öfter fragten: Tipps für LinkedIn, das ihm im Vertrieb geholfen hatte.
  • Frag nach einem Gespräch, auch ohne Plan dahinter. Seine Geschäftspartnerin Celine hatte einen seiner Posts kommentiert, und er fragte sie einfach nach einem Austausch. Nach dem ersten Call schrieb er ihr noch einmal. Sie brainstormten und schlossen sich dann drei Tage ein.
  • Kümmere dich zuerst um das, was Geld bringt. Am Anfang wollte Lukas alles machen und verzettelte sich, manche Kunden bekamen nicht die nötige Aufmerksamkeit. Heute stehen bei ihm die Money Making Actions an erster Stelle. Neues probiert er erst aus, wenn das sitzt.
  • Warte nicht auf den perfekten Plan. Viele warten auf den perfekten Plan oder die perfekte Website, sagt Lukas. Er rät, mit Menschen zu sprechen, Kunden zu suchen und Fehler zu machen, solange man daraus lernt. Umsatz komme schließlich von Umsetzen.

Lukas Weisser positioniert mit seiner Agentur BrandingPeople CEOs, Profisportler und ganze Belegschaften auf LinkedIn. Als Kind hat er versucht, möglichst unsichtbar zu bleiben. Wie wird daraus ein Geschäft mit Sichtbarkeit?

Warum Sichtbarkeit sein Thema wurde

Lukas, Vertrieb, Sportbusiness, Fitnessbranche, heute eine Agentur und nebenbei ein Veranstaltungsformat für Gründer. Wie erklärst du in einem Satz, was du machst?

Ich bin Lukas, Gründer, und ich liebe es, inspirierende Persönlichkeiten sichtbar zu machen und ihnen eine Bühne zu geben. Mit meiner Agentur BrandingPeople mache ich das täglich auf LinkedIn und mit Founders for Good bei unseren Gründer-AfterWorks in mehreren Städten.

Auf eurer Website steht „Die stärkste Marke bist du“. Warum machst du das? Steckt ein Erlebnis dahinter?

Ganz ehrlich? Weil ich es total schade finde, wenn Menschen sich verstecken und sich nicht in die Sichtbarkeit trauen. Ich teile das hier vermutlich zum ersten Mal öffentlich: Seit ich fünf bin, habe ich das Tourette-Syndrom. Als Kind und Jugendlicher habe ich mich deswegen ganz lange versteckt und versucht, die Tics zu verbergen, weil ich ja irgendwie anders war als andere. Heute weiß ich: Jeder ist einzigartig und „anders“ als die anderen. Das ist kein Grund, sich zu verstecken, sondern eigentlich erst recht der Grund, sich zu zeigen. Genau das lebe ich heute, stehe auf Bühnen und möchte anderen helfen, sich zu trauen und für das präsent zu sein, wofür sie brennen. Deswegen stehe ich jeden Tag mit einem Lächeln auf.

Von der Kaltakquise ins Café an der Alster

Selbstständig machen wolltest du dich schon lange. Was hat so lange gedauert?

Ich wusste ganz lange nicht, womit, und dachte, ich bräuchte eine total innovative und einzigartige Idee dafür. In der Gesundheitsbranche habe ich schon immer mit Menschen gearbeitet und eigentlich immer im Sales. Früher waren es Mitgliedschaften für die Sportanlage, die ich geleitet habe, später Sporthallen und in meinem letzten Job Partnerschaften für die SPOBIS Conference.

Und dann kam LinkedIn.

Die zwei Jahre Kaltakquise haben mich letztlich zum Thema LinkedIn gebracht, weil ich keine Lust mehr hatte, mich 50 Mal am Tag vorzustellen und immer das Gleiche zu erzählen, um Vertrauen aufzubauen. Also habe ich mit LinkedIn angefangen, was mir im Sales extrem geholfen hat. So kam immer öfter die Frage, wie ich das mache und ob ich mal mit Tipps helfen könne. Ich dachte mir: Das macht Spaß, hat Relevanz und ich kann das ganz gut. Dann mache ich mich doch einfach damit selbstständig.

Das macht Spaß, hat Relevanz und ich kann das ganz gut. Dann mache ich mich doch einfach damit selbstständig.

Wie sah ein ganz normaler Arbeitstag aus, als du noch allein selbstständig warst?

Tatsächlich war ich lange zu geizig für ein Büro und habe mich in Hamburg ganz oft ins Starbucks an der Alster gesetzt zum Arbeiten. Funfact: Bei meinem Kaffeekonsum war das vermutlich nicht günstiger als ein Büro. Daheim ist mir die Decke auf den Kopf gefallen, und in Hamburg sitzen ganz viele Selbstständige in den Cafés, da fühlt man sich nicht so alleine. Als One-Man-Show verzettelt man sich allerdings oft, weil man sich um alles selbst kümmern muss.

Mit Celine vom Einzelkämpfer zur Agentur

Ausgerechnet LinkedIn hat dich mit deiner Geschäftspartnerin Celine zusammengebracht. Woran habt ihr gemerkt, dass daraus ein Unternehmen wird und nicht nur ein gutes Gespräch?

Ich hatte zu der Zeit irgendwo im Hinterkopf, dass ich wachsen möchte, nur der genaue Weg war noch nicht klar. Celine hatte unter einem Post von mir kommentiert, also habe ich sie einfach nach einem Austausch gefragt, noch ohne den Hintergedanken, dass sie eine Geschäftspartnerin sein könnte. Aber im ersten Call hat das so gut gematcht, dass ich ihr danach nochmal geschrieben habe: „Celine, wir müssen nochmal sprechen.“ Wir haben gebrainstormt und uns dann drei Tage eingeschlossen.

Was war die größte Hürde? Der Moment, an dem du fast hingeschmissen hättest.

Ich weiß gar nicht, ob es „die eine größte Hürde“ gab. Ich glaube, jeder Selbstständige kennt die vielen Rückschläge, die nach außen gar nicht so dramatisch sind, sich für einen selbst aber riesig groß anfühlen. Wenn ich eins nennen müsste, dann, dass ich zu Beginn am liebsten alles machen wollte, gar kein konkretes Produkt hatte und mich viel zu oft verzettelt habe. Das hat auch mal dazu geführt, dass Kunden nicht die notwendige Aufmerksamkeit bekommen haben und ich Dinge gemacht habe, die weder Umsatz noch Weiterentwicklung gebracht, aber enorm viel Zeit gefressen haben.

Was machst du heute anders?

Ganz klar: Focus is key. Für mich stehen heute die MMAs an erster Stelle, die Money Making Actions. Wenn das funktioniert und alles sitzt, kann man on top noch Neues ausprobieren. Aber auch da sollte man sich immer fragen, was es einem bringt und warum man etwas macht.

Beiträge für andere, Workshops und die Bundesliga

Erklär dein Angebot so, als würdest du es deinem Nachbarn erzählen, der LinkedIn nur vom Namen kennt.

Ganz einfach gesagt: Wir geben Menschen online eine Bühne für sich und ihr Business, indem wir ihnen entweder die ganze Arbeit abnehmen oder ihnen zeigen, wie es richtig geht. Das machen wir für einzelne Menschen wie CEOs, Profisportler oder Gründer, oder für Mitarbeitende eines Unternehmens, die wir in der Gruppe schulen, damit sie als Markenbotschafter für das Unternehmen und für sich selbst auf der digitalen Bühne sprechen können.

Lukas Weisser steht vor einer Leinwand mit Workshop-Agenda und zeigt auf einen Programmpunkt, in der Hand einen Presenter.
Lukas Weisser lehnt lachend an einem Geländer in einem hellen Bürogebäude, er trägt einen weißen Pullover.

Über 50 betreute Personenmarken, mehr als 100.000 Impressionen am Tag. Woran merkst du selbst, dass es funktioniert?

Der größte Indikator dafür, dass unsere Kunden happy sind, ist, dass wir ganz wenige Kündigungen haben und die Kunden langfristig mit uns zusammenarbeiten. Und auch wenn es egal ist, ob ein Unternehmen schon bekannt ist oder nicht, macht es schon etwas stolz, wenn große Brands wie congstar, Marc O'Polo oder DAZN dazugehören. Ich bin außerdem großer Fußballfan, deswegen ist jede Zusammenarbeit mit Clubs für mich super emotional. Mit der Bundesliga und dem VfL Wolfsburg durften wir ganz tolle Corporate-Influencer-Programme aufbauen. Ein Kick-off-Workshop im Stadion, ich meine, was gibt es Besseres?

Gibt es einen Meilenstein, der von außen weniger sichtbar ist?

Seit dem Start in die Selbstständigkeit habe ich eigentlich nie wirklich Urlaub gemacht. Dieses Jahr war das zum ersten Mal richtig möglich, drei Wochen Rio. Ich konnte sicher sein, dass Celine alles im Griff hat und ich ihr vertrauen kann. An dieser Stelle nochmal ein fettes Danke! Und jede Einstellung von Mitarbeitenden ist für mich ein Abenteuer. Man merkt, dass das eigene Unternehmen größer wird und laufen lernt.

Was war dein schönster Moment, seit du selbstständig bist?

Wahrscheinlich, als ich das erste Mal eine eigene Rechnung rausgeschickt habe und das Geld dann auf meinem Konto gelandet ist. Haha, typisch Vertriebler. Ansonsten durfte ich für Eventim mal eine Keynote in einem großen Kino halten. Das war schon sehr cool.

Viele Beiträge schreibt ihr im Namen eurer Kundschaft, die Reichweite gehört also anderen. Wie fühlt es sich an, wenn so ein Beitrag durch die Decke geht und jemand anderes dafür gefeiert wird?

Tatsächlich freue ich mich darüber sogar mehr, als wenn es ein eigener Beitrag von mir ist. Die Menschen vertrauen uns und geben uns ihren LinkedIn-Account ab. Wenn wir dieses Vertrauen zurückzahlen können, ist das wirklich großartig. Ich freue mich jedes Mal, wenn Menschen die Aufmerksamkeit bekommen, die sie einfach verdient haben.

Ihr gebt auch Workshops in Branchen, die nichts mit Kommunikation zu tun haben, zuletzt für Betreiber von Freizeitbädern. Erzähl von einem Moment daraus.

Ich liebe es, wenn Menschen im Workshop sitzen, die LinkedIn noch gar nicht richtig kennen oder glauben, es sei nur ein Jobportal. Genau in diesem Workshop hatten zwei Teilnehmer noch nicht mal einen Account, haben sich den aber noch im Workshop eingerichtet und sind heute ganz fleißige Nutzer mit echt tollem Content. Manchmal braucht es einfach diesen einen Stupser.

Einfach machen statt ewig planen

Personal Branding auf LinkedIn hat einen zweifelhaften Ruf. Mit welchem Mythos würdest du am liebsten aufräumen?

Ganz klar mit dem, dass man auf LinkedIn nur mit Selbstbeweihräucherung funktioniert. Klar, es gibt diese Selbstdarsteller, aber deswegen muss man ja selbst nicht zu einem werden. Es gibt auch ganz viele schlechte Bücher, trotzdem kann man selbst ein gutes schreiben. Am Ende gewinnt immer, wer es schafft, sich selbst treu zu bleiben. Dann braucht es keine erfundenen Erfolgsstorys. Sei einfach du selbst.

Was würdest du jemandem sagen, der heute überlegt, den gleichen Schritt zu gehen?

Einfach machen! Ganz kurz und knapp, wenn jemand Lust hat zu gründen, dann los. Die meisten warten auf irgendwas, auf den perfekten Plan oder die perfekte Website. Aus meiner Sicht alles Quatsch. Sprich mit Menschen, such dir Kunden, und das Wichtigste: Mach Fehler! Das ist völlig okay, solange man daraus lernt und besser wird. Lieber Fehler machen, als ewig zu planen und nicht in die Umsetzung zu kommen.

Und was soll von deiner Geschichte hängen bleiben? Ein Satz.

„Anders“ als die Anderen zu sein ist kein Grund, sich zu verstecken, sondern macht dich einzigartig.

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© Foto Credits:
BrandingPeople GmbH
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Häufige Fragen zu

Lukas Weisser

Wer ist Lukas Weisser?

Lukas Weisser ist Gründer der Agentur BrandingPeople, die er gemeinsam mit Celine Pfleiderer gegründet hat. Vorher arbeitete er im Vertrieb, erst in der Gesundheitsbranche, zuletzt für die SPOBIS Conference. Mit Founders for Good organisiert er außerdem Gründer-AfterWorks in mehreren Städten.

Was macht die Agentur BrandingPeople?

BrandingPeople macht Menschen auf LinkedIn sichtbar. Die Agentur übernimmt für CEOs, Profisportler oder Gründer die Arbeit am Profil, oft als Ghostwriting, oder zeigt ihnen, wie es richtig geht. Für Unternehmen schult sie Mitarbeitende in der Gruppe, damit sie als Markenbotschafter auftreten.

Wie kam Lukas Weisser zu LinkedIn?

Zwei Jahre Kaltakquise brachten ihn dazu, weil er sich nicht mehr 50 Mal am Tag vorstellen wollte. Über LinkedIn baute er Vertrauen auf, was ihm im Vertrieb stark half. Als immer mehr Menschen nach Tipps fragten, machte er sich damit selbstständig.

Was rät Lukas Weisser Menschen, die gründen wollen?

Einfach anfangen. Statt auf den perfekten Plan oder die perfekte Website zu warten, soll man mit Menschen sprechen, Kunden suchen und Fehler machen, solange man daraus lernt. Auf LinkedIn rät er, sich selbst treu zu bleiben, statt Erfolgsgeschichten zu erfinden.

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