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Mirko Bilić steht mit einer Bürste vor seinem geöffneten Transporter voller Reinigungsgeräte.

Klare Sicht nach Feierabend

Erst ein gesperrtes Konto, dann ein Gewerbe und zwei Wochen Fensterputzen bei der eigenen Familie. Mirko Bilić hat sich sein Handwerk selbst beigebracht und baut sein Unternehmen an Abenden und Wochenenden auf.

Mirko Bilić im roten Firmenshirt zwischen den offenen Hecktüren seines Transporters, darin Bürsten, Abzieher und Reinigungsmittel.

Kurz gefasst

  • Nimm einen Rückschlag als Anlass, es ernst zu machen. Als eBay Kleinanzeigen sein Konto wegen gewerblicher Nutzung sperrte, meldete Mirko ein Gewerbe an. Aus einem gebrauchten Nassauger für 80 Euro wurde so Clean n Rent.
  • Sag zu und lern, was dir noch fehlt. Eine Kundin fragte nach Glasreinigung, Mirko gab ihr einen Termin in zwei Wochen. In der Zeit ließ er sich im Fachhandel beraten und putzte zu Hause und bei der Familie, bis das Ergebnis saß.
  • Schau dir jede Fläche an, bevor du ein Angebot machst. Jeder Auftrag beginnt bei Mirko mit einer kostenlosen Besichtigung. Pflaster reinigt er nicht mit vollem Druck, weil sich Moos sonst tiefer festsetzt, und Holz schrubbt er mit der Bürste in Faserrichtung.
  • Zeig deine Arbeit dort, wo deine Kundschaft sucht. Für seinen ersten Großauftrag über 220 Quadratmeter steckte Mirko viel Geld in Ausrüstung. Die Fotos der fertigen Fläche stellte er auf Social Media und sein Google-Profil, das brachte viel neue Kundschaft.

Mirko Bilić ist Pflegefachkraft und reinigt in Hamburg Fenster, Terrassen und Einfahrten. Gegründet hat er Clean n Rent neben dem Vollzeitjob, aus einem gebrauchten Nassauger heraus. Wie passt so ein Unternehmen in die Zeit nach Schichtende?

„Ich bin Mirko, 24 Jahre alt und der beste Fensterputzer Deutschlands!“ So stellt sich Mirko Bilić vor, wenn er es in einem Satz sagen soll. Seit dem 13. Februar 2026 betreibt er in Hamburg Clean n Rent, einen Reinigungsservice für Fenster, Stein, Terrassen und Einfahrten, der dazu Reinigungsgeräte vermietet. Seine Kundschaft reicht von Privatleuten bis zu Gewerbebetrieben. Und das alles neben seinem Beruf als Pflegefachkraft. Mirkos Tag beginnt um sechs Uhr und endet oft erst um acht Uhr abends.

Sechzehn Patienten und kein Frühstück

Mirkos Berufsleben beginnt, wie er selbst sagt, relativ klassisch. 2020 macht er Abitur und geht danach in die dreijährige Pflegeausbildung. Im August 2023 schließt er mit der Note zwei ab und fängt sofort vollzeit in einer Klinik an. Zuerst freut er sich: Endlich ist er selbst verantwortlich für seine Patienten, endlich kann er alte Muster ablegen und eigene Ideen einbringen.

Die Freude hält nicht lange. „Erst jetzt habe ich gemerkt, was es bedeutet, 16 Patienten vollumfänglich zu versorgen und nebenbei noch die ganze Dokumentation zu machen“, erzählt Mirko. Für ein richtiges Frühstück bleibt kaum Zeit. Anderthalb Jahre hält er durch, dann wechselt er zum Jahreswechsel 2025/2026 in die Psychiatrie. Er sei erschöpft gewesen, habe kaum ein Privatleben gehabt, und seine Nachmittage hätten aus Mittagsschläfchen bestanden.

Mehr Verantwortung, nur nicht auf Station

Am neuen Standort wird vieles besser. Mirko hat angenehmere Arbeitszeiten, mehr Zeit für die Patienten, für die Dokumentation und auch wieder für ein entspanntes Frühstück. Ein Gefühl bleibt trotzdem: Mirko will mehr Verantwortung. Also bewirbt er sich als stellvertretende Stationsleitung. Die Bewerbung wird abgelehnt, genau wie viele weitere danach. „Aber das Gefühl nach mehr Verantwortung blieb“, sagt er.

Mirko sucht deshalb nach Wegen, sich neben der regulären Arbeit etwas dazuzuverdienen, etwas, das eventuell groß werden könnte. Den Job in der Pflege gibt er dafür nicht auf. Er baut das Neue daneben.

Ein Nassauger für 80 Euro

Der Anfang ist ein einzelnes Gerät. Auf eBay Kleinanzeigen entdeckt Mirko einen Nassauger von Kärcher und ergattert ihn für 80 Euro. Kurzerhand bietet er ihn online zum Verleih an, und schon kommt die erste Anfrage. Alles läuft wunderbar, bis sein Konto gesperrt wird, wegen des Verdachts auf gewerbliche Nutzung.

Für Mirko ist das der Punkt, an dem aus der Idee ein Unternehmen wird. Nach langen Gesprächen meldet er ein Gewerbe an, „ohne zu wissen, wo die Reise hingeht“. Ohne seine Freundin, sagt Mirko, hätte er wahrscheinlich nie angefangen. Sie habe ihn immer wieder bestärkt, und dank ihres Zuspruchs habe er es „riskiert“. Bereut hat er keine einzige dieser Entscheidungen.

Zwei Wochen, um Fensterputzen zu lernen

Die Wende zur Dienstleistung kommt von einer Kundin. Eine Frau mittleren Alters fragt den Nassauger an. Weil sie kein Auto hat, bringt Mirko ihn vorbei. Als sie fertig ist, fragt sie ihn, ob er auch Glasreinigung anbiete. „Ich war erstmal kurz verwirrt“, erinnert sich Mirko. Dann sagt er zu, ohne zu wissen, wie man das professionell macht, und gibt ihr einen Termin in zwei Wochen.

Du bist dafür gemacht, du schaffst das!

Diese zwei Wochen nutzt er, um es zu lernen. Mirko geht in den nächsten Fachhandel und lässt sich beraten. Zu Hause putzt er seine eigenen Fenster, bestimmt zehnmal, bis das Ergebnis perfekt ist. Danach sind sein Onkel dran, seine Tante, seine Oma und alle anderen. Alle sind zufrieden, und trotzdem wird Mirko nervöser, je näher der Termin rückt. „Es plagten mich Gedanken wie: Schaffst du das? Du kommst doch gar nicht aus der Branche.“ Er schafft es. Die Kundin ist sehr zufrieden, und von da an nimmt die Glasreinigung ihren Lauf.

Was Pflege und Pflaster gemeinsam haben

Dass ausgerechnet ein Pfleger Fenster putzt, wirkt auf den ersten Blick wie ein Bruch. Mirko sieht mehr Verbindendes, als man denkt. „Das Wichtigste ist, die Bedürfnisse des Kunden wahrzunehmen und zu verstehen, was ihm wichtig ist“, sagt er. Natürlich hätten Patienten ganz andere Sorgen als saubere Fenster. Im Grunde gehe es aber in beiden Berufen darum, Menschen aufzufangen und ihre Wünsche umzusetzen. Ein Patient hat Angst vor der Operation und vor Nebenwirkungen, ein Kunde will sichergehen, dass an seinem Haus kein Schaden entsteht. „Am Ende ist es sehr ähnlich, aber gleichzeitig anders.“

Wer bei ihm anruft, ist jung oder alt, privat oder gewerblich. Das Problem sei bei allen dasselbe: schmutzige Fenster und der Wunsch nach klarer Sicht. „Der größte Unterschied ist das trübe Gesicht, bevor ich da war, und das strahlende Lächeln, sobald ich fertig bin.“

Bürste statt Hochdruck

Mit dem Hochdruckreiniger wild drauflosreinigen könne jeder, sagt Mirko. Genau darin will er sich von Privatleuten unterscheiden. Jeder Auftrag beginnt deshalb mit einer kostenlosen Besichtigung. Dabei schätzt er gemeinsam mit der Kundschaft den Aufwand ein und erklärt, was er macht, wie und worauf er achten muss. Danach folgt ein Angebot. Die Kundschaft entscheidet, ob nur der Schmutz weg soll oder ob die Einfahrt wieder aussehen soll wie am ersten Tag.

Mirko Bilić reinigt mit einer Teleskopstange die Fenster eines Backsteinneubaus.
Mirko Bilić putzt das Glasdach einer Terrassenüberdachung, auf seiner Jacke steht Clean n Rent.

Welches Verfahren eine Fläche verträgt, erkennt Mirko meist auf den ersten Blick, und sonst fragt er nach. Pflastersteine etwa dürfe man nicht mit vollem Druck reinigen, weil das die Oberfläche anraut und sich Moos, Algen und Flechten danach noch tiefer festsetzen. Holz schrubbt er klassisch mit Bürste, Wasser und Spezialreiniger in Faserrichtung. Stein schützt er danach mit einer Imprägnierung, an der Wasser und Schmutz abperlen. Sein Wissen hat Mirko sich selbst erarbeitet, durch lange Recherchen im Internet, in Fachmärkten und mit eigenen Versuchen im Garten.

Samstage voller Angebote

Gründen neben dem Job hat einen Preis, und Mirko zahlt ihn am Wochenende. Früher hat er an freien Samstagen ausgeschlafen, mit seiner Freundin gefrühstückt und ist im Sommer viel Motorrad gefahren. Heute sind die Wochenenden mit Buchhaltung und Angeboten gefüllt. In der Anfangszeit kreisen seine Gedanken ständig um dieselben Fragen: Wird das überhaupt was? Kann ich das alles? Wie bringe ich das mit meinem Privatleben in Einklang? „Natürlich war auch Druck ein ständiger Begleiter“, sagt Mirko. Anfangs sei es schwer gewesen, damit umzugehen, mittlerweile komme er gut zurecht.

Ans Aufhören denkt Mirko oft, vor allem nach kleinen Fehlern: wenn ihm der Eimer ausläuft oder er einen Fleck übersieht. Herausgeholt haben ihn zwei Dinge. Wieder seine Freundin, die ihn bestärkt, und Geschichten erfolgreicher Unternehmer. Am meisten beeindruckt ihn der Erfinder der Dyson-Geräte, der tausende Fehlschläge hinter sich hatte, bevor es einmal funktionierte. Im Vergleich dazu, sagt Mirko, seien seine eigenen Fehler nichts.

220 Quadratmeter Erleichterung

Irgendwann zahlt sich das Durchhalten aus. Im April bekommt Mirko seinen ersten Großauftrag, eine Steinreinigung auf mehr als 220 Quadratmetern. Er weiß zuerst gar nicht, wie er mit so viel Verantwortung umgehen soll. Als der Zuschlag kommt, ruft er als Erste seine Freundin an, danach seine Eltern und seine Freunde. Alle freuen sich mit ihm. „Ich war sehr erleichtert, weil ich wusste, das, was ich tue, trägt Früchte und hat eine Zukunft.“

Für den Auftrag muss Mirko zum ersten Mal viel Geld in Ausrüstung und Material stecken. Die Investition lohnt sich doppelt: Die Fotos von der fertigen Fläche landen auf seinen Social-Media-Kanälen und seinem Google-Profil und bringen viele neue Kunden. Im Juli folgt der nächste Meilenstein, der von außen eher nach Bürokratie klingt. Clean n Rent wächst über die Kleinunternehmerregelung hinaus. „Da wurde mir erst klar, wie viel ich in so kurzer Zeit geschafft habe.“

Auch im Alltag hat sich seit dem Start einiges verändert. Mirko sagt, er sei im Umgang mit der Kundschaft sensibler geworden und verstehe besser, was sie erwartet. Und der Weg vom ersten Anruf über das Angebot bis zur Abwicklung sei heute deutlich einfacher und effizienter als am Anfang.

Das Rent im Namen bleibt

Der Name erinnert bis heute daran, wie alles angefangen hat, und er ist mehr als Erinnerung. Clean n Rent vermietet weiterhin Reinigungsgeräte, inzwischen vor allem an Gewerbetreibende und andere Reinigungsbetriebe. Deshalb bleibt das Rent auch im Namen.

Ein Mittagessen als Lohn

Fragt man Mirko nach seiner liebsten Geschichte von einem Auftrag, erzählt er keine von Rekordflächen. Er hilft einem älteren Ehepaar bei der Glasreinigung. Der Mann kann sich nach einer Erkrankung nicht mehr ums Haus kümmern, seine Frau pflegt ihn und kommt mit dem Rest nicht mehr hinterher. Mirko putzt dort unentgeltlich. Jedes Mal gibt es als Dank ein leckeres Mittagessen. „Das ist für mich keine große Sache“, sagt er, und gleichzeitig ist es für ihn die schönste Geschichte.

„Ein ungenutzter Tag ist eine Vergeudung“

Was ihn antreibt, beschreibt Mirko ohne Umwege: ein besseres Leben für sich und seine Familie, und das Wissen, jeden Tag etwas zu schaffen und sein Bestes zu geben. „Ein ungenutzter Tag ist eine Vergeudung, weil das Leben sowieso viel zu kurz ist.“

Einer Kollegin aus der Pflege, die überlegt, sich neben dem Job selbstständig zu machen, würde Mirko nicht lange zureden müssen. „Mach es! Finde etwas, was dir Spaß macht, womit du auch anderen helfen kannst.“ Sie werde sehen, dass es sie erfüllt. Und wenn von seiner Geschichte nur ein Satz bleiben soll, dann dieser: „Du bist dafür gemacht, du schaffst das!“

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cleannrent.de
© Foto Credits:
Mirko Bilić
Auf einen Blick

Häufige Fragen zu Mirko Bilić

Wer ist Mirko Bilić?

Mirko Bilić ist Pflegefachkraft in Hamburg. Seit Februar 2026 betreibt er neben seinem Beruf Clean n Rent, einen Reinigungsservice für Fenster, Stein, Terrassen und Einfahrten, der auch Reinigungsgeräte vermietet.

Wie ist Clean n Rent entstanden?

Mirko kaufte auf eBay Kleinanzeigen einen gebrauchten Nassauger für 80 Euro und verlieh ihn online. Als sein Konto wegen gewerblicher Nutzung gesperrt wurde, meldete er ein Gewerbe an. Eine Kundin fragte später nach Glasreinigung, daraus wurde der Reinigungsservice.

Was bietet Clean n Rent an?

Clean n Rent reinigt Fenster, Stein, Terrassen und Einfahrten für Privatleute und Gewerbebetriebe. Jeder Auftrag beginnt mit einer kostenlosen Besichtigung und einem Angebot. Außerdem vermietet Mirko Reinigungsgeräte, inzwischen vor allem an Gewerbetreibende und andere Reinigungsbetriebe.

Was rät Mirko Bilić, wenn du neben dem Job gründen willst?

Mach es, sagt Mirko, und such dir etwas, das dir Spaß macht und womit du anderen helfen kannst. Rechne damit, dass Wochenenden für Buchhaltung und Angebote draufgehen. Geholfen haben ihm der Rückhalt seiner Freundin und Geschichten wie die des Erfinders der Dyson-Geräte, der tausende Fehlschläge hinter sich hatte.

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