„Hi, ich bin Nele und bemale Brautsneaker.“ So beginnen fast alle Videos von Nele Burgstaler. In ihrem Atelier in Dielingen bemalt sie Sneaker für Brautpaare, über 2.000 Paar sind es inzwischen. Angefangen hat alles 2020 mit einem Geschenk ihres Bruders an seine Freundin. Weil während Corona die Abiprüfung verschoben ist und ihr langweilig wird, fragt Nele auf Instagram, ob noch jemand so einen Schuh will. Die Nachbarin meldet sich, für 20 Euro bemalt sie deren Schuh.
Zwischen Farbe und Abendessen
Nach dem Abitur zieht Nele zu ihrem Freund in eine Ein-Zimmer-Wohnung, die ab jetzt auch Lager und Atelier ist. Sie malt am Esszimmertisch, auf einem weißen Ikea-Stuhl mit Löchern. Zum Abendessen schieben die beiden Farben und Schuhe in eine Ecke. Ihr Plan sah damals anders aus: „Wenn ich mein Studium beginne, dann höre ich damit auf und widme mich etwas Richtigem.“ Es kommt anders, weil ihr Psychologiestudium online bleibt. Nele malt zwischen Seminaren und meldet 2021 ein Gewerbe an. Den Bachelor bringt sie zu Ende, dann reichen die Bestellungen zum Leben.
Der Nike, den es nirgends gab
Das größte Problem der ersten Jahre ist nicht die Kundschaft, sondern das Lager. Nele arbeitet zu einem Großteil mit dem Nike Air Force 1, und der ist damals überall ausverkauft. Also klappert sie täglich jede deutsche Website ab und läuft manchmal von Store zu Store.


Was sie daraus gelernt hat, fasst Nele in zwei Wörtern zusammen: „Mehr Ordnung!“ Heute halten ein sortiertes Lager und Tabellen das Problem in Schach, denn „ohne die Ordnung hatte ich keine Zeit, kreativ zu sein“.
Durchtanzen statt High Heels
Viele ihrer Kundinnen können wegen Knie- oder Hüftproblemen keine High Heels tragen, andere wechseln erst nach der Trauung. Am meisten freut Nele sich über Haustier-Anfragen. Weil eine Hochzeit für viele Tiere stressig ist, wandert der Hund oder der Wellensittich auf den Schuh. Ein gemaltes Rotkehlchen kam noch weiter, die Kundin ließ sich das Motiv tätowieren.
Kein Hobby mehr
Gewachsen ist NeysCustoms rein organisch, ohne Marketingbudget und Investoren. 2024 war das erste Jahr mit sechsstelligem Umsatz. „Wer sein Hobby zum Beruf macht, hat kein Hobby mehr, aber den besten Beruf der Welt“, sagt Nele allen, die den Schritt überlegen.
Kunst muss nicht immer brotlos sein.
Und noch etwas gibt sie mit: „Man muss nicht in Hamburg oder Berlin wohnen, um gründen zu können. Es reicht auch das 2.000-Einwohner-Dorf ohne Co-Working Space.“






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