Begrüßung und Einordnung
Naomi: Oh, toll.
Christian: Willkommen beim Tell Your Story Podcast. Hier geht es nicht um Lebensläufe, sondern um Menschen und ihr Why, ihr Warum dahinter. Mein heutiger Gast ist Naomi Jon. Da freue ich mich ganz besonders. Herzlich willkommen, Naomi.
Naomi: Danke, danke. Ich würde am liebsten alle Kameras begrüßen – hallo, hallo, hallo.
Christian: Das ist ein großes Setup, so viele Kameras. Obwohl du es ja gewöhnt bist, vor Kameras zu stehen.
Naomi: Aber meistens bin ich zu Hause einfach nur vor einer.
Christian: Stimmt. Du bist Creatorin. Ich weiß gar nicht, ob ich es richtig sage – Stilbruch-Expertin, darüber können wir gleich sprechen, ob das überhaupt passt. Und jemand, der früh gelernt hat, dass das, was vielleicht nicht in Klischees passt, in der Gesellschaft ein Riesenvorteil sein kann.
Naomi: Warte, was passt jetzt nicht zu was? Ich habe gerade gar nichts verstanden.
Christian: Wenn ich sage, du bist Stilbruch-Expertin und jemand, der früh gelernt hat, Dinge anders zu machen, statt in Klischees zu passen. Das ist kein Nachteil, im Gegenteil, das macht ein ganzes Unternehmertum aus. Du hast Make-up gemacht, du hast, glaube ich, drei Parfüms, du machst Musik, und du bist selbst eine Marke. Das ist genau das, was wir bei Lexware gern Unternehmertum nennen: die Diversifikation von verschiedenen Produkten und Marken. Schön, dass du da bist und wir dich heute ein bisschen kennenlernen dürfen.
Wortpaare zum Aufwärmen
Christian: Zum Einstimmen mache ich immer gern einen kleinen Fragehagel – ein Wortpaar, da kann man nicht falsch antworten, null Druck. Katze oder Hund?
Naomi: Katze.
Christian: Kontrolle oder Chaos?
Naomi: Ein guter Mix aus beidem.
Christian: Overdressed oder underdressed?
Naomi: Overdressed.
Christian: Brokkoli oder Blumenkohl?
Naomi: Brokkoli.
Christian: Ironie oder Ernst?
Naomi: Ironie.
Christian: Bühne oder Rückzug?
Naomi: Das ist schwierig, weil ich beides liebe. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Also beides.
Christian: Anpassen oder irritieren?
Naomi: Irritieren – auch wenn das negativ behaftet klingt. Aber anpassen klingt auch negativ. Also irritieren.
Christian: Und letzte Frage: Hast du eigentlich unseren Podcast schon abonniert?
Naomi: Natürlich.
Das Why: aus Leidenschaft vor die Kamera
Christian: Kennst du den Simon-Sinek-Talk, den Golden Circle – Why, How, What? Unser Why bei Lexware ist: Wir wollen Unternehmertum einfach machen. Beim How haben wir zwei Bereiche: einerseits die Lösung, also alles rund um Buchhaltung und Programme, andererseits – das ist unsere DNA – wollen wir Unternehmerinnen und Unternehmer sichtbar machen, die sonst nicht sichtbar sind. Hast du so ein Warum, warum du das tust, was du tust?
Naomi: Boah, das ist eine voll tiefe Frage direkt am Anfang. Egal welchen YouTuber du fragst – ich bin ja von Anfang an YouTuberin –, alle werden sagen, sie sind da ein bisschen reingeschlittert. Alle haben hobbymäßig angefangen, keiner hat wirklich erwartet, dass daraus mal etwas wird. Letztlich ist mein Why einfach: Man macht das, worauf man Bock hat, und daraus resultiert, was jetzt ist. Es entsteht alles aus Leidenschaft, aus meiner Liebe zum Kreativsein und dazu, mich zu präsentieren. Ich hatte immer dieses Mitteilungsbedürfnis. Das war mein Ursprung.
Christian: Also weil es dir Spaß macht?
Naomi: Voll. Über das Vor-die-Kamera-Setzen habe ich nie nachgedacht, ob ich später ein Unternehmen gründe. Das war für mich weit weg. Ich wollte einfach meine Kreativität ausleben.
Der Start: einfach machen, auf Englisch
Christian: War es 2011, wo du gestartet hast?
Naomi: Nee, ein bisschen zu early. Ich habe 2016 mit Musical.ly angefangen, dem Vorgänger von TikTok. 2017 habe ich, glaube ich, mein erstes YouTube-Video hochgeladen.
Christian: Aber damals hast du einfach gemacht?
Naomi: Voll. Ich weiß noch, meine Mama hat zu mir gesagt: Naomi, du musst das machen. Ich war mir nicht sicher, weil ich auch noch sehr jung war.
Christian: Wie alt warst du da?
Naomi: Ich habe damals meine Ausbildung angefangen, da war ich 19. Viele YouTuber haben mit 15, 16 angefangen, für mich war 19 trotzdem jung – man kommt ja gerade aus der Schule. Ich war ein Jahr in England, das hat mir Confidence gegeben. Generell hat man immer Angst, was andere denken, aber meine Mama hat mich sehr supportet, weil sie wusste, das ist was für mich.
Christian: Was hast du in England gemacht?
Naomi: Ein Au-pair. Deswegen mache ich jetzt auch englische Videos.
Christian: Deine Mama hat dich gleich gefördert, als sie gemerkt hat, das will Naomi machen?
Naomi: Voll. Bianca war schon immer am Start, auch als ich meine Ausbildung zur Mediengestalterin gemacht habe, wie meine Mama auch. Social Media hat sich dann sehr schnell zeitgleich entwickelt, sodass ich plötzlich zwei Vollzeit-Jobs hatte. Meine Mama meinte: Naomi, wenn dir das zu viel wird, hör mit der Ausbildung auf. Sie hat schon immer Potenzial gesehen.
Christian: Respekt vor deiner Mama. Man will, dass das Kind glücklich ist, aber gleichzeitig fragt man sich: Ist das was Vernünftiges, verdient sie damit Geld? Zu dem Zeitpunkt war das völlig unklar. Du hattest also voll den Rückhalt.
Naomi: Ich hatte schon immer so ein Ur-Trust in the whole thing. Schon wieder meine Anglizismen – jetzt kommen wieder Kommentare.
Christian: Du machst deine Videos ja auf Englisch. Das bist du, man kann es mögen oder nicht. Aber gab es im Umfeld auch welche, die sagten, was macht die jetzt? Oder warst du so selbstbewusst, dass du wusstest, das ist mein Ding?
Naomi: Das Gute ist: Ich habe es nach der Schulzeit gemacht. Es gab also keine Leute, die über einen gelästert haben – davon hätte ich eh nichts mitbekommen. Das Einzige, womit ich ein bisschen Probleme hatte: Ich habe direkt englische Videos gemacht, und das mögen die Deutschen nicht. Da kam dann „Möchtegern, warum macht sie keine deutschen Videos, dieser Akzent und so. Also das war schon ein bisschen schwierig, aber generell war es jetzt nicht so, dass ich dachte: Oh Gott, was denken die Leute um mich rum.
Englische Videos und der schnelle Start
Christian: Die Frage liegt auf der Hand: Wieso war es gleich Englisch? War da eine Idee dahinter oder ist das einfach passiert? Es liegt ja gar nicht so nahe.
Naomi: Das stimmt, ja. Also ich denke, mein Auslandsjahr hat das schon sehr beeinflusst. Und zusätzlich war ich halt schon immer so ein Fan von American YouTube. Also ich wollte schon immer so sein wie die. Ich wollte die Make-up-Produkte in die Kamera halten. Und deswegen war ich halt auch so: Dann will ich ja auch Englisch sprechen, weil ich will ja wie die sein. Ich glaube, das hat sehr viel mit reingespielt.
Christian: Ja, super spannend. Das heißt, du hast auch Vorbilder. Also du hast gesagt: Eigentlich, so will ich auch mal sein oder so mal dastehen.
Naomi: Ja, doch, das hat mich auf jeden Fall auch mega angespornt, ja.
Christian: Das ist nämlich ganz oft auch ein Grund, warum wir das hier machen. Weil Leute vielleicht zuhören und sagen: Wie hat es die Naomi denn gemacht? Das ist auch ein Sinn und Zweck, warum wir darüber sprechen. Vielleicht sagen die einen oder anderen: Das mache ich auch, probiere es mal wenigstens aus. Ob es dann was wird, klar, das weiß man nicht. Aber so: Lebe deinen Traum, haben wir früher gesagt.
Naomi: Voll, generell, ich sage immer: Mach einfach. Voll viele fragen ja immer so: Ich würde gerne anfangen, aber ich traue mich nicht. Und hast du irgendwelche Tipps? Ich sage immer: Mach einfach. Damals habe ich auch schon gedacht: Boah, eigentlich bin ich viel zu spät, weil ich hatte das Gefühl, YouTube ist schon over damals. Aber es hat ja erst richtig angefangen. Auch heutzutage, ich würde es immer noch sagen, auch wenn jetzt YouTube schon 20 Jahre alt ist: Mach es einfach.
Christian: Ja.
Naomi: Kann ja nicht schaden.
Christian: Das ganz Witzige ist unser Claim: Lexware, einfach machen.
Naomi: Ja, echt?
Christian: Ja. Wir wissen aber auch, es ist nicht einfach zu machen. Also da steckt ja ganz viel mit drin. Aber ich bin völlig bei dir, auch in vielen Diskussionen: Wenn man es nicht macht, kann es sein, dass du irgendwann sagst: Wieso habe ich es nicht probiert? Und du wirst nie wissen, ob es geklappt hätte. Und das ist dann bitter, gerade in einem späteren Lebensabschnitt vielleicht zurückzugucken. Deswegen lieber ausprobieren, ob es dann was wird. Man merkt auch seine Grenzen und so weiter. Wann hast denn du gemerkt, dass das... Weil du hast gesagt: Dann mache ich es jetzt, und hast die Vorbilder gehabt. So stelle ich mir das jetzt gerade vor: Du gehst einfach mal mit der Kamera los, wahrscheinlich noch gar nicht mit einem Setup mit allem Drum und Dran.
Naomi: Da war ich noch auf dem Dachboden, bei meiner Mama zu Hause.
Christian: Ja, ich sage immer positiv naiv, das meine ich total positiv, wenn es so war. Weil man ist nicht so verkopft, man denkt nicht, was alles wieder falsch sein könnte, sondern man macht es einfach mal. Und was ist dann passiert? Also hast du relativ schnell, du hast ja wahnsinnig viele Follower, ging das wahnsinnig schnell hoch? Oder, ich habe so ein neues Wort gelernt, kennst du das: Hattest du den Cringe Mountain?
Naomi: Nee. Ich kenne nur Eisberg-Videos. Ist das ehrlich? Nur nach oben?
Christian: Ich habe es auch erst gelernt, ich gebe es zu. Cringe Mountain ist das, wenn man startet, hat man meistens erst mal Family and Friends, die einfach so beobachten, was man tut, und dann irgendwann kommt da...
Naomi: Ja, ja, makes sense. Nee, also es ging direkt schon relativ gut los, weil, wie gesagt, ich habe ja Musical.ly gemacht. Das heißt, da habe ich mir schon so eine gewisse, auch internationale Fanbase aufgebaut. Ich glaube, das war auch ein Faktor, warum ich dann gesagt habe, ich mache englische Videos, weil ich dachte, das gucken jetzt eh nur die Musical.ly-Leute und da sind jetzt nicht so viele Deutsche. Also ich hatte schon direkt auf YouTube deswegen so ein bisschen was: Mein erstes Video hat 2000 Views bekommen und das war für mich schon so: Oha, krass, da sind ja Leute, die das gucken. Und das ging dann schon relativ schnell. Also, wie gesagt, ich hatte meine Ausbildung dann, und so mitten in der Ausbildung dachte ich schon: Oha, ich muss ja voll viel Zeit jetzt in YouTube stecken. In der Woche mache ich meine Ausbildung, dann am Wochenende komplett meine Videos und schneiden. Also es ging doch sehr schnell, muss ich sagen, ja.
Vom Hobby zum Business: erste Einnahmen und Steuerfragen
Christian: Direkt aufgebaut. Und wann hast du gemerkt, dass das... Weil das finde ich immer spannend, wenn man so startet. Also erstmal ist es natürlich toll, wenn direkt dann auch was losgeht, man so schnell Response kriegt. Und letztendlich macht man es ja, um das zu erhalten. Man braucht sich ja nicht veröffentlichen, wenn man keine Zuschauer möchte.
Naomi: Ich habe es vorher auch für mich selber gemacht, ohne es zu veröffentlichen, als ich so 12, 13, 14 war, mit meinem Handy, ganz schlecht. Aber das ist ganz weit weg.
Christian: Tust du die mal noch veröffentlichen?
Naomi: Nee. Also ich habe schon ein paar Videos gemacht, wo ich so auf alte Sachen reacte, aber das reicht dann jetzt auch.
Christian: Okay, okay, vielen Dank. Gab es da so einen Zeitpunkt, wo du gemerkt hast: Jetzt ist es eigentlich gar nicht mehr nur dieses reine Leidenschaftsding im Sinne von Spaß, sondern da wird ein ganzes Geschäft plötzlich draus? Gab es da so einen Punkt oder ist das Stück für Stück gekommen? Oder wie muss man sich das vorstellen?
Naomi: Ja, Stück für Stück auf jeden Fall. Das geht ja nicht so: gestern 2000 Views, morgen habe ich meine GmbH eingetragen. Also das kommt schon alles schleichend, und das ist gut so. Trotzdem habe ich schon gemerkt, als ich dann meine erste Steuerabrechnung gemacht habe: Also gut, die kommt so oder so, aber mit Social Media war das schon überfordernd, weil auch die Steuerberater damals alle noch nicht so wussten, was machen sie denn jetzt genau. Also das war so der Moment, wo ich dachte: Scheiße, jetzt muss ich den ja auch bezahlen und ich muss dem erklären, warum ich jetzt Make-up absetzen will und so. Also das war alles schon so ein bisschen: Oh, jetzt wird es irgendwie businessmäßig.
Christian: Und was war dein erster Umsatz? Irgendwann war das über die YouTube-Werbung?
Naomi: Weiß ich noch ganz genau, ja. Das war mein allererstes Video, was eine Million Views geknackt hat. Das war so ein Christmas-Make-up-Tutorial, wirklich ganz basic, aber für damals... Und da weiß ich noch, ich habe 2000 Euro bekommen für dieses Video. Und das war für mich so krank. Ich hatte mit meiner Family einen New-York-Trip geplant, kurz nachdem ich dieses Geld bekommen habe. Wie ich schon gesagt habe, ich habe diese American YouTuber idolized, und dann war ich da in New York. Sephora gab es damals in Deutschland noch nicht. Ich war wirklich in diesem Sephora und in einem Ekstase-Moment, also ich war wirklich so: Oh mein Gott, ich kann dieses Make-up kaufen, was meine YouTuber, die ich so idolized habe, benutzen. Also es war wirklich so krass, ich werde es nie vergessen. 300 Euro habe ich da ausgegeben.
Christian: Die sind aber in Deutschland mittlerweile. Früher waren die tatsächlich in Amerika. Die gibt es schon lange in Deutschland. Und das war über Werbung dann, YouTube oder Kooperation?
Naomi: Nee, nee, Kooperationen habe ich damals noch nicht gemacht, das war noch ein bisschen early. Aber genau, Ad Revenue.
Christian: Ad Revenue direkt dann rein. Und dann ging das wahrscheinlich immer so ein bisschen weiter und höher, da waren es halt nicht mehr nur 2000 Euro. Ich weiß gar nicht, ob es um die Summe geht, es geht mehr um dieses: Wann war der Moment, wo du gemerkt hast, okay, ich baue hier gerade mein erstes Business auf? Oder gab es einen Moment, wo du gesagt hast: Ich bin nicht einfach nur YouTuberin, sondern ich bin Unternehmerin?
Naomi: Das hat noch ein bisschen gedauert auf jeden Fall. Also während meiner Ausbildung habe ich da noch gar nicht dran gedacht. Da war aber auch die Ausbildung noch sehr präsent in meinem Kopf, dass ich die auch erstmal gut abschließe. Tatsächlich, als ich dann nach Berlin gezogen bin, nach der Ausbildung, dann habe ich auch mit Musik angefangen, oder dann habe ich gesagt: Jetzt gehe ich das Ganze an. Und dann wurde das Ganze auch ein bisschen unternehmensmäßiger, also dann ging es so langsam los.
Christian: Und haben dir da Leute geholfen? Hast du jemanden gesucht? Oder hast du dich einfach so durch diese ganze Entwicklung reingefunden? Gleich so ein paar Begriffe: Klar, heute ist es selbstverständlich, kann ich mein Make-up absetzen. Und das war echt die erste Frage, als die 2000 Euro reinkamen.
Naomi: Ja, wo das alles gemacht wird. Ja, ich glaube, es war auch so ein bisschen: Ich habe ja dann auch Management gehabt, das trägt ja auch viel dazu bei, dass du merkst: Oh, das ist jetzt ein Business, weil plötzlich arbeiten ja Leute für dich. Und ich meine, mein Steuerberater hat mich dann natürlich auch immer beraten: Ja, Frau [Name unklar], jetzt wird es vielleicht mal Zeit, vielleicht kein Einzelunternehmen mehr, sondern tragen Sie jetzt tatsächlich eine GmbH ein oder sowas. Also da habe ich mich natürlich schon immer beraten lassen, weil so out of nowhere checkt man das ja gar nicht. Also man hat vielleicht in der Schule mal gelernt, was ist eine GmbH, was ist eine UG und so, aber wenn man dann wirklich...
Christian: Da bist du aber ganz special. Ich habe das nicht gelernt.
Naomi: Nee?
Christian: Nein. Ich würde mir wünschen, dass man sehr stark einmal so ein Bild reinkriegt, dass man weiß: Was heißt denn das eigentlich?
Naomi: Voll, also ich fand auch, es war zu wenig. Es ist nur so in meinem Kopf rumgeschwirrt, aber ich wusste ja gar nicht, was ist es dann eigentlich, was heißt es und was hat es für einen Impact eigentlich?
Christian: Voll, voll. Unterschreibe ich.
Naomi: Also das würde ich auch immer sagen, an alle Schulen: Ihr müsst mal ein bisschen mehr das Leben beibringen. Also da war ich schon ein bisschen so: Oh Gott, was mache ich jetzt? Und musste schon sehr auf den Rat von anderen vertrauen. Ich meine, es ist aber auch Learning by Doing.
Christian: Gab es da Fehler? Also in der schnellen Größenordnung gab es auch Menschen, wo man sagt, was man immer daraus lernt: War vielleicht nicht so clever. Jetzt im Nachhinein, währenddessen weiß man es ja leider nie.
Naomi: Man lernt ja so viele Leute kennen. Also ich habe auch schon echt schlimme Leute kennengelernt. Also ich meine, eigentlich alle handeln ja aus Eigennutzen. Aber ich finde, es muss trotzdem ein gutes Maß sein von Eigennutzen. Und ich möchte ja auch, dass mein Künstler wächst, also jetzt aus Managementsicht. Mein Management war super. Aber es gibt trotzdem viele Leute, die jetzt nicht nur das Beste für dich im Sinn haben.
Christian: Das stimmt, ja. Hast du auch die Erlebnisse dann?
Naomi: Auf jeden Fall.
Diversifikation: Parfüm, Musik und die eigene Marke
Christian: Und dann hast du ja wahrscheinlich in dieser ganzen Laufbahn angefangen, eben mit YouTube sozusagen einen Revenue-Stream aufzubauen, bis zur GmbH. Und wenn man heute drauf guckt, wir hatten es im Intro drüber, bist du ja so eine Multi-Unternehmerin, oder wie man es nennen mag. Wann kam das Thema auf? Ist das einfach passiert? Oder waren da auch ganz krasse Entscheidungen, wo du sagst: Ich muss noch was Weiteres machen. Ich habe meine Marke, ich als Naomi, meine Make-ups, ich habe jetzt meine eigene Parfumserie. War dir sowas bewusst? Ist es einfach, weil es Spaß macht? Oder hast du Menschen gehabt, die dir... Also wie passiert sowas dann auch? Klar, man braucht die Reichweite, aber man muss ja auch dann weitergehen. Man könnte ja sagen: Reicht doch, ich habe da lustige YouTube-Videos, läuft auch gut, habe Spaß, mache die ganzen Food-Geschichten, die habe ich glaube ich noch gar nicht erwähnt, die du auch noch machst. Und macht mir Freude, gut. Irgendwas ist ja passiert, dass du sagst: Ich mache das viel breiter.
Naomi: Also klar, wie du schon gemerkt hast, es stammt ja alles aus Leidenschaft, es macht mir Spaß, aber klar, irgendwann brauchst du die Leute um dich rum, die dir sagen: Naomi, jetzt ist es Zeit, da mal ein bisschen mehr businessmäßig ranzugehen. Auch Parfüm zum Beispiel: Ich finde Parfüm ganz toll, aber bin ich irgendwann mal auf die Idee gekommen, mein eigenes Parfüm zu machen? Nee. Aber dann hatte ich damals mein Management: Ey, Naomi, wie sieht's denn aus? Und dann checke ich auch erst mal so: Ey, das ist ja möglich. Das war genauso wie mit der Musik. Ich fand Musik immer so toll. Ich wollte immer Sängerin werden. Ich dachte immer: Das ist aber nicht möglich. Gehe ich zu DSDS oder was mache ich? Das war für mich immer so weit weg. Und dann, als ich gemerkt habe, ich habe mir meine eigene Fanbase aufgebaut, meine Community: Ich kann jetzt Musik machen und die hört jemand. Also da muss man erst mal zu dieser Erkenntnis kommen, entweder für sich selber oder eben durch Leute um mich herum. Und wie gesagt, mein Steuerberater, ich rede heute viel über meinen Steuerberater, der hat auch echt viel immer gesagt: Jetzt wird es Zeit hierfür, überlegen Sie sich mal das und vielleicht wäre das gut. Also da sind schon auf jeden Fall viele Anstöße auch durch das Umfeld gekommen.
Christian: Ja, aber die Entscheidung musst du ja immer du treffen letztendlich. Die Unternehmensentscheidung, die kannst du ja nicht dem Steuerberater abgeben oder sowas. Oder auch keinem Berater eigentlich, weil das ist immer gefährlich. Das sollte man sehr, sehr bewusst machen und sagen: Nee, das will ich auch. Weil man muss sich überlegen, am Ende geht es ja immer auf dich zurück, soweit ich das jetzt richtig beurteilen kann. Da ist die Naomi als Brand, als Marke, egal was du machst, geht es zu dir. Jede Entscheidung fällt irgendwo dann auch auf dich. Und die Entscheidung zu sagen, ich mache ein Parfum... Ich bin neugierig gerade: Gibt es auch welche, so Hater, die jetzt sagen: Jetzt war ja klar, jetzt macht sie noch ein Parfum, weil sie halt ein bisschen Make-up-Zeugs macht?
Naomi: Immer. Wobei, also Parfüm geht noch. Ich bin ja schon in der Beauty-Szene drin. Also es passt ja zu mir. Wo ich das natürlich mehr höre, ist Musik.
Christian: Die Influencerin macht jetzt auch Musik. Ja, das ist natürlich der Klassiker.
Naomi: Und es tut mir natürlich immer weh, wenn ich das lese. Das ist ein kleiner Stich ins Herz.
Christian: Ja, voll. Lässt du dich da treffen?
Naomi: Ja, schon, bei Musik schon, weil das ist so ein richtiges Herzensprojekt. Das ist ja so persönlich, wenn ich selber meine Songs schreibe, meinen Input gebe, das ist ja so aus dir heraus, das ist wie ein Stück von mir irgendwie. Und wenn das dann kritisiert wird, oder sagen wir, nicht auf eine gute Art und Weise kritisiert wird, also keine konstruktive Kritik, oder manchmal auch konstruktive Kritik: Ich kann das nicht so gut annehmen. Da bin ich ein bisschen unprofessionell, sage ich mal. Oder emotional einfach.
Christian: Das finde ich auch spannend, weil das heißt eigentlich, oder so würde ich es fast schon reformulieren: Wenn du da so angreifbar bist, dann ist das deine Urleidenschaft oder so. Also das ist noch mehr als vielleicht das andere, wenn man dich da so treffen kann. Das scheint ja was ganz Besonderes für dich zu sein, wenn du bei anderem, sagen wir mal, cooler reagieren kannst und nicht so angreifbar bist.
Naomi: Ich meine, ich liebe beides so doll, aber die Musik, wie schon gesagt, es kommt ja wirklich aus deinem Herzen und du sitzt da wirklich Ewigkeiten an einem Song und Musikvideo. Also da ist einfach so ein ganz langer Rattenschwanz dran, also das ist schon sehr, sehr special für mich, ja.
Christian: Wann ging denn das los? Also es ging los: YouTube, dann Make-up, Parfum. Wann ging das mit der Musik? Als Business-Baustein sozusagen.
Naomi: 2021 habe ich mit Musik angefangen. Aber da war es auch erst mal so: die Gewässer testen, oder wie man das sagt, erstmal die Fühler ausstrecken. Aber für mich war gerade die Musik am Anfang wirklich sehr Selbstverwirklichung, weil, wie gesagt, ich wollte es schon immer machen. Und dann habe ich gemerkt: Oha, ich kann das jetzt machen. Deswegen habe ich auch unglaublich viel Geld für Musikvideos ausgegeben, wo ich jetzt denke: Vielleicht aus unternehmerischer Sicht nicht so schlau und nicht so wirtschaftlich. Aber das war am Anfang einfach eine Herzenssache.
Christian: Wie bist du da rangegangen? Also klar, das habe ich verstanden, das war schon dein Urtraum, den du dir eigentlich erfüllen konntest sozusagen. Und wie bist du dann rangegangen? Hast du dir einen Produzenten gesucht? Hast du einfach selber angefangen zu schreiben, Keyboard gekauft, wie muss ich mir das vorstellen?
Naomi: Keyboard hatte ich immer. Damals kam der Producer-Kontakt durch mein damaliges Management. Also die Leute sind ja alle immer irgendwie connected. Und ja, keine Ahnung, es war einfach durch Connections. Dann wurde ich in eine Session reingeworfen. Musiksessions sind auch total crazy, weil du bist immer mit Leuten, die du vorher noch nie gesehen hast, und plötzlich machst du aber was super Persönliches und du musst dich eigentlich direkt öffnen und so tun, als ob du die schon ewig kennst. Also es ist schon wild. Bis heute finde ich Song-Sessions total crazy.
Christian: Dein erster war ganz schön erfolgreich, ich glaube 6 Millionen Views oder sowas.
Naomi: Mein erstes Musikvideo? Ja.
Christian: Und da kam das von dem YouTube, was du gerade gesagt hast: Musikvideo ist so wichtig, da muss ich gleich vollgasmäßig rein.
Naomi: Ich bin ja ein sehr visueller Mensch. Und für mich, ich habe dann einfach so einen Anspruch an mich selber: Ich will mindestens fünf Looks, ich will Wigs, ich will, dass das Make-up sitzt, ich will geile verschiedene Locations, es soll professionell aussehen. Da habe ich auf jeden Fall auch schon sehr viel erlebt, sage ich mal. Ich bin aber auch ein bisschen ein Control-Freak. Bei mir muss immer alles perfekt sein.
Christian: Ja, also man sieht es auch, dass da kein Zufall im Spiel ist. Wigs sind übrigens Perücken, oder?
Naomi: Ja, ja, genau.
Christian: Also, das müsste ich mir irgendwann mal angucken. Ist das eine?
Naomi: Das ist eine. Wer weiß, was ich darunter habe.
Christian: Du hattest ja mal eine ähnliche Frisur wie ich.
Naomi: Tatsächlich schon, ja. Haben wir vorhin schon festgestellt.
Christian: Aber jetzt gerade nicht.
Naomi: Nee, jetzt sind sie wieder lang geworden.
Christian: Und die Musikgeschichte: Wie schaffst du das eigentlich alles unter einen Hut zu kriegen? Das habe ich mich gefragt, als ich geguckt habe, was die Naomi da so alles macht. Ich glaube, du veröffentlichst immer einmal die Woche irgendwas auf YouTube. Dann Musik ist sonntags, habe ich das richtig?
Naomi: Also sonntags ist mein YouTube-Video, so rum ist es, genau. Musik, die kann man nicht so oft veröffentlichen, aber ich versuche momentan schon, ein bisschen mehr zu veröffentlichen. Also früher war es wirklich so: Ich kann zeittechnisch einfach nicht so viel Musik rausbringen, weil mit YouTube und Social Media und allem, was damit zusammenhängt, es nimmt schon so viel Zeit weg. Aber das ist auch scheiße, weil für Spotify zählt ja auch: Man muss ein bisschen diese Regelmäßigkeit drin haben. Die müssen wissen: Oh, die ist da. Die meint es ernst, und nicht so ab und zu mal einen sporadischen Song. Aber das kann ich jetzt auch machen, weil jetzt habe ich, wie gesagt, meinen Musikvideo-Fokus abgelegt. Jetzt liegt der Fokus ein bisschen mehr auf der Musik. Ich mache jetzt auch Singles ohne Musikvideo. Und dann ist das mehr möglich, weil Musikvideos nehmen wirklich sehr viel Zeit weg.
Kontrolle, Perfektionismus und die Ein-Frau-Firma
Christian: Ja, das glaube ich. Neben allen anderen Aktivitäten, die du da so treibst. Am Ende bist ja immer du. Auch mit Team: Du hast gesagt, du hast jetzt Leute, die mit dir zusammenarbeiten, ein ganzes Team hintendran, neben dem berühmten Steuerberater. Wie viele sind denn das mittlerweile?
Naomi: Es ist wirklich alles sehr klein gehalten. Ich habe mein Management für Social Media und ich habe dann aber auch noch ein Management für Musik, aber das ist beides halt eine Person. Also gut, mein Management ist auch ein Management, richtig, aber trotzdem habe ich eine Bezugsperson. Und bei meinem Musikmanagement ist es genauso. Das muss man auf jeden Fall trennen, weil eine Person kann nicht beides machen.
Christian: Und dann hast du ja die Videodrehs, also wie viele Menschen sind da? Wie viele stehen denn hinter dir? Oder halten dir den Rücken frei, so nennen wir es immer.
Naomi: Genau, aber das ist ja kein festes Team, also da probiere ich mich immer aus, weil ich finde, gerade bei Musikvideos willst du ja auch unterschiedliche Vibes und Visuals. Da stecken aber natürlich sehr viele dahinter. Das ist wirklich crazy, wenn du einfach bedenkst: Die Leute sind alle für mich hier, damit wir mein Produkt machen. Oder auch für die Tour, da ist ja auch ein großes Team. Für mich ist es ein großes Team, für Adele wäre es jetzt kein großes Team, aber trotzdem denke ich mir: Diese Leute sind alle hier, damit ich auf dieser Bühne performe für meine Community. Also es ist schon crazy, wenn man darüber nachdenkt.
Christian: Und hast du Festangestellte?
Naomi: Tatsächlich nicht, nee.
Christian: Alles über Freelancing, ach spannend. Also du bist eine Ein-Person-, Solo-Selbstständige.
Naomi: Ich kann es auch immer noch nicht glauben, aber irgendwie kriege ich einfach alles hin. Ich habe überall, also ich brauche das auch, ich habe überall meine Fühler drin. Klar, ich habe meine zwei Unternehmen, aber für mich sind die halt immer noch so ich. Und ja, klar, ich habe Freelancer, die irgendwie mal hier und da was für mich machen. Aber ich bin ja auch Mediengestalterin. Das heißt, ich will auch immer alles machen. Ich mache meine Cover selber. Ich mache Konzepte selber. Hair und Make-up, also Hair nicht, aber Make-up, Outfits, das mache ich so oft auch selber. Das ist einfach mein Thing. Ich liebe das.
Christian: Wahnsinn. Also das sieht man seltener. Ich glaube meistens, wenn es größer wird und vor allen Dingen, wenn es diversifiziert wird, also verschiedene Produktformen, das bist du ja, dann fängt es eigentlich meistens anders an. Da kommt auch eine andere Verantwortung nochmal: Wenn da Mitarbeiterinnen sind und es nicht gut läuft, trifft es nicht nur einen selber, da kommt nochmal eine andere Dimension mit rein.
Naomi: Ich bin ehrlich: Manchmal denke ich mir schon, gerade für YouTube-Videos, so ein Director oder irgendwie ein Cutter oder so. Also ich habe jetzt einen Cutter, der mich unterstützt, aber ich bin immer noch so: Ich muss das danach haben, und dann sitze ich selber nochmal ein paar Stunden dran, weil ich kann es nicht aus der Hand geben. Ich brauche so meine persönliche Handschrift da drin. Ich habe auch neulich random eine DM gelesen, eine Privatnachricht, wo jemand meinte, weil meine Sonntagsvideos öfter mal zu spät kommen, weil ich einfach zeittechnisch nicht hinkomme: Ja, such dir einen Cutter, wir kriegen nie das Video pünktlich. Und ich denke mir: Wenn ich mir einen Cutter suche und der wirklich alles selber macht, dann werde ich auch nicht happy, weil dann wäre es nicht mein Style, dann wäre es nicht mein Editing-Style, und dann würdet ihr denken: Hä, was ist denn jetzt mit Naomis Videos los? Also es ist so eine ganz schwierige Balance.
Christian: Ist das auch ein Thema mit Loslassen? Das habe ich für mich immer gelernt, das ist manchmal gar nicht so leicht, gerade wenn man in irgendwas gut ist, und du bist ja offensichtlich sehr gut, das zeigt es ja. Aber natürlich, in der Business-Sprache: Das skaliert natürlich nicht so, weil man kann sich nicht klonen.
Naomi: Ich kann schon nicht gut loslassen, das stimmt.
Christian: Ja, das ist ja immer spannend, dann zu sagen: Kann es kein anderer so gut wie du, oder denkst du das?
Naomi: Also mit allen Leuten, mit denen ich bisher gearbeitet habe, mein Resümee ist immer: Ich kann es am besten, sorry. Also ich kann jetzt natürlich nicht mich selber filmen in einem Musikvideo, klar, manche Sachen gibst du natürlich ab. Aber gerade was Editing angeht, oder auch mich zur Schau zu stellen oder mich zu inszenieren: Ich weiß einfach, wie ich mich inszeniert haben möchte. Und ich glaube, es ist auch manchmal sehr anstrengend, mit mir zu arbeiten, aber nicht, weil ich gemein bin, sondern einfach, weil ich genaue Vorstellungen habe.
Christian: Ja, das ist super, das braucht es ja. Du brauchst eine ganz klare Linie, weil wenn du die brichst, dann verlierst du die Leidenschaft, dann bist du raus. Das verstehe ich total.
Naomi: Ja, und ich will ja auch nichts Halbarschiges rausbringen.
Christian: Da hast du ja kurz nachgefragt beim Intro: Machst du bewusst Dinge anders, weil du weißt, es funktioniert? Oder ist es einfach, weil es du bist? Oder ist da auch ein gewisser Plan hintendran, was ich nicht negativ meine, sondern einfach eine Überlegung? Oder vielleicht auch, damit zu spielen, also mit irgendwelchen Etiketten, Wahrnehmungen, Statusgeschichten. Du hast vorhin gesagt, deine Mama hat dich gleich gestützt, da musstest du jetzt nichts brechen. Manchmal ist es ja oft so, dass man gegen was geht. Ist das das Stück Naomi oder ist es einfach, weil es so ist? Oder gibt es da auch was, wo du sagst: Nee, das macht mir schon auch Spaß, in Anführungszeichen zu provozieren vielleicht, oder was anderes zu machen?
Naomi: Eigentlich nicht. Ich bin schlecht im Provozieren, weil ich kann nicht damit umgehen, wenn die Leute dann wirklich provoziert sind. Die Reaktion ist dann nie so. Ja, ich bin eigentlich immer nur Liebe, Frieden und alles. Kein Hate, ich bin auch kein Ragebaiter oder sowas. Also eigentlich bin ich tatsächlich einfach nur ich selbst, und manche Leute fühlen sich dann halt davon provoziert. Dann ist das halt so.
Burnout-Angst und Plattformabhängigkeit
Christian: Ist das ein Thema bei dir? Wir hatten mal eine Studie dazu, dass viele, gerade Creator und Creatorinnen, auch sehr erfolgreiche, eine ganz hohe Quote an Burnout haben. Das waren so 150 Befragte, die haben zwischen 3.000 und 150.000 netto im Monat verdient.
Naomi: Also ich warte auch schon auf meins, ich bin ehrlich.
Christian: Ja?
Naomi: Ja, also ich frage mich, wie es immer noch geht, muss ich dir ehrlich sagen. Ich weiß es nicht, aber es klappt noch. Aber irgendwie bin ich schon so: Irgendwie muss das ja irgendwann kommen.
Christian: Wow, aber wieso sagst du das?
Naomi: Weil ich einfach so viel mache und mir immer denke... Ich höre das ja auch um mich herum, meine Freunde und meine Kollegen, und dann hört der wieder auf und der und der braucht eine Pause. Und ich denke mir: Oh Gott, was, wenn das auch bei mir bald kommt? Aber bis jetzt schaffe ich es halt alles, deswegen weiß ich nicht, ich habe immer so ein bisschen Angst.
Christian: Also machst du dir da auch Sorgen? Oder denkst du halt drüber nach? Das ist ja schon ein Stück Sorge.
Naomi: Genau, ja, ich denke auf jeden Fall drüber nach. Aber ich bin noch nie an dem Punkt gewesen, wo ich wirklich dachte: Okay, ich brauche jetzt eine Pause. Okay, doch, vielleicht mal hier und da. Aber dann kann ich auch wieder rechargen zu Hause und am nächsten Tag mache ich halt weiter. Also irgendwie funktioniert es noch, ja.
Christian: Das heißt, du ziehst immer noch super positive Energie aus allem. Das muss es ja fast sein.
Naomi: Ja, muss ich schon.
Christian: Weil Stress ist auch so ein Wort. Es gibt auch positiven Stress.
Naomi: Ich brauche auch Stress. Der kann dich energizen, oder ich sage: Okay, ich kann unter Stress arbeiten.
Christian: Ja, wenn es positiv ist. Aber ich wünsche es dir nicht, weil Burnout ist nicht witzig, das ist richtig ernst eigentlich. Deswegen hat es mich auch schockiert damals, auch uns, dass das so eine hohe Quote hat. Das kennen wir aus den anderen Unternehmensbereichen schon auch, aber nicht in dieser Dimension. Hast du auch Angst vor so Plattformabhängigkeiten?
Naomi: Es geht, würde ich sagen.
Christian: Vielleicht aus der Außenperspektive: Du hast dich schon ein bisschen diversifiziert. Aber wenn man sagt, man macht jetzt nur YouTube und der Algorithmus ändert sich, was weiß ich, dann wird es natürlich etwas düster.
Naomi: Ich bin ehrlich, du sprichst da was an, das ist auch eine internalized Fear, ich glaube, von jeder Social-Media-Person. Gerade YouTube: YouTube ist mein Baby, ich liebe YouTube über alles, es ist eine Konstante in meinem Leben. Und wenn ich mir vorstellen würde, das fällt weg: Also ich könnte gar nicht sagen, was ich dann mache. Klar, ich bin auf TikTok. Klar, ich habe jetzt auch einen deutschen TikTok-Kanal. Klar, ich mache Musik. Aber YouTube ist mein Baby. Also das ist ja auch meine Einnahmequelle. Also das wäre schon crazy, wenn das nicht mehr da wäre.
Christian: Geht dir das durch den Kopf? Weil das könnte ja so ein Thema sein, weshalb man, was ich dir natürlich auf keinen Fall wünsche, in so Bad Vibes kommt, bis hin zu einem ganz schlimmen Burnout, dass man sich da so verrückt macht. Aber die sind jetzt nicht jeden Tag da?
Naomi: Doch! Die sind immer da, unterschwellig.
Christian: Ja, okay. Immer. Und du kennst ja wahrscheinlich auch wahnsinnig viele, auch sehr erfolgreiche Influencer, Creator, wie man sie nennen mag, also dieses neue Unternehmertum. Kannst du das auch bestätigen in deinem Umfeld, dass es das gibt?
Naomi: Ich glaube, wirklich jeder hat das, entweder mehr oder weniger, diese Angst, weil es ist immer ein Ungewisses. Du hast ja nicht einen Angestelltenvertrag oder einen Vertrag, wo steht: Du kriegst so und so viele Views auf jedes Video. Also das ist halt immer dieses Ungewisse, was auch irgendwie diesen Job natürlich ausmacht. Aber es wird immer eine Angst in dir drin sein, dass dein Job eigentlich technisch morgen vorbei sein könnte. Klar, du kannst immer irgendwo anders dann wieder versuchen stattzufinden, aber trotzdem, da ist keine Sicherheit halt.
Christian: Sprecht ihr darüber? Also hast du Ventile? Das müssen ja welche sein, die auch einen ähnlichen Stand haben wie du, sonst bringt es ja nicht so viel. Hast du Leute, mit denen du sprechen kannst?
Naomi: Ich glaube, wir ticken alle gleich. Also ich bin jetzt nicht so, dass ich unglaublich viele YouTuber-Friends habe, aber ich habe schon die, die ich seit Jahren kenne, und wir alle haben die gleichen Battles und die gleichen Struggles, aber natürlich auch die gleichen Freuden. Also klar, irgendwie ist es bei jedem gleich, ja.
Internationale Community, Europatour und „The Broccoli"
Christian: Und dadurch, dass du ja auf Englisch gestartet hast, das finde ich ganz spannend, hatten wir es auch kurz drüber: War das schon immer so, auch was International-Sein angeht? Also 40 Prozent deiner Follower sind aus Deutschland und der Rest ist international, wo auch immer. Das heißt, du kannst ja auch mit der Musik sofort, das gibt es ja auch nicht so oft, weltmäßig an den Start gehen. Das klingt so, aber ist ja so.
Naomi: Ja, ich bin weltmäßig am Start. Aber tatsächlich nicht so doll, wie du jetzt vielleicht denkst, weil Musik ist nochmal anders. Nicht jeder, der meine YouTube-Videos guckt, hört auch meine Musik. Leider. Es ist tatsächlich nur ein Bruchteil. Und deswegen, was meine Musik angeht, sind es tatsächlich mostly die Deutschen. Und ich muss auch sagen, in Polen und Tschechien ist auch viel am Start, natürlich auch die USA, aber es ist wirklich sehr gestückelt. Aber Deutschland ist bei der Musik tatsächlich am strongsten. Ich frage mich nur warum, ich mache englische Musik, was ist da los? Ich weiß es nicht.
Christian: Die treuesten, ich weiß es auch nicht. Du kennst wahrscheinlich deine Community besser als jeder andere, logischerweise. Das finde ich schon sehr spannend. Da bin ich auch gespannt, wo deine Reise weitergeht. Also im April erstmal Europatour. Das sagen zu können: Überleg mal zurück, als deine Mama gesagt hat, mach das. Und du hast einfach nur YouTube geguckt: Wie die Amis, das hätte ich auch mal gern. Und jetzt kannst du hier sitzen und sagen: Ich gehe auf Europa-Tour. Das können nicht so viele. Das ist ja schon echt was ganz Besonderes.
Naomi: Ich bin auch jeden Tag grateful. Also ich bin wirklich ganz happy.
Christian: Du kommst auch sehr entspannt rüber, muss ich sagen. Das ist sehr schön. Man merkt, du lebst, was du tust. Das ist immer toll, also auch unternehmerisch und so weiter, ob YouTube, TikTok, was auch immer. Die Zeit rast, ich fasse es gerade selber nicht. Ich kriege das Zeichen, dass wir langsam schon zum Ende kommen. Wir haben doch noch gar nicht geredet.
Naomi: Hat sich jetzt ehrlich wirklich auch so angefühlt.
Christian: Ich hätte auch noch 10.000 Fragen. Es ist, wie es ist sozusagen. Ich habe aber noch eine Frage ganz zum Schluss, das ist so unsere Signature-Frage. Und zwar: Wenn du dir vorstellst, und bei dir kann man sich das, glaube ich, gut vorstellen, dass das auch passieren wird, dass dein Leben filmwürdig verfilmt wird: Was wäre denn der Titel dieses Films, den du dir wünschen darfst?
Naomi: Uiuiui. Boah. Können da Leute schnell drauf antworten?
Christian: So und so, es gibt ja keinen Preis dafür. Also du kannst auch noch kurz was anderes erzählen und hinterher überlegen, was da drinsteckt.
Naomi: Genau, du musst noch was anderes erzählen, Multitasking. Boah, das ist echt, das ist richtig schwer.
Christian: Vielleicht dein Why, ich weiß nicht, das, was du beschrieben hast, könnte es ja sein. So ein James-Bond-Titel, so The World is Not Enough.
Naomi: Also guck mal, das Ding ist, ich versuche jetzt die ganze Zeit an etwas richtig Cooles zu denken, aber in meinem Kopf bleibt halt einfach der Brokkoli. Einfach weil, das ist so mein Ursprung, ich nenne meine Fans ja auch Broccolis. Und ich finde, das ist auch irgendwie ein iconic Title. Ich glaube, das würde auch Aufsehen erregen, weil man wüsste gar nicht, worum es jetzt geht. Und einfach so: The Broccoli? Und dann die Story dahinter, also weißt du, da muss dann so ein Subtext sein. Das fände ich irgendwie funny einfach.
Christian: Finde ich auch geil. Das bleibt auf jeden Fall hängen. Mega Titel. Und über drei Millionen wissen jetzt sofort, was damit gemeint ist.
Naomi: Mindestens. Technisch schon, ja.
Christian: Genau. Mensch, super. Ganz, ganz vielen Dank, dass du da warst. Das war wirklich bereichernd. Hat riesig Spaß gemacht. Die Zeit ist extrem schnell verflogen für mich. Ich habe mich super wohl gefühlt, ich hoffe, du auch. Spannend, und ich hoffe, die eine oder der andere hat zugehört und gesagt: Kann ich das auch so starten? Einfach machen, ich kann es nur unterstreichen, was Naomi gesagt hat: ausprobieren, damit später nicht der Jammer da ist: Mensch, wieso habe ich es nicht probiert? Super, super toll. Ganz vielen Dank, Naomi, dass du hier gewesen bist. Und wenn ihr noch Lust habt: Ich würde mich freuen, wenn ihr uns einfach abonniert und gerne Kommentare schreibt. Was habt ihr heute gelernt? Was gibt es noch an Fragen? Und wen würdet ihr auch gerne mal hier als Gast oder Gästin sehen? Ganz lieben Dank an euch.
Naomi: Tschüss. Ich sehe die Kamera. Bye.