Begrüßung und Warm-up
Christian: Herzlich willkommen im Lexware Tell Your Story Podcast, dem Podcast für Macher und Macherinnen. Heute hier aus einem anderen Ort, aus Freiburg, und da freue ich mich wirklich ganz besonders. Man sagt es sicherlich oft, aber wir sind hier in den Black Forest Labs in Freiburg und ich freue mich, mit Robin Rombach heute zu sprechen. Robin ist Mitbegründer und Chef von Black Forest Labs und seiner Bild-KI. Ich glaube, mittlerweile trifft es das ja nicht mehr, muss ich sagen, auch Bewegtbild. Also eure KI, die steckt bei Adobe, bei Canva, bei Meta, auch bei Microsoft, und eure Firma und deine Firma ist gerade mal zwei Jahre alt. Bisschen mehr, glaube ich.
Robin: Genau, ja. Wir sind jetzt zwei Jahre, und im April 2024 haben wir angefangen, also zwei Jahre, fünf Monate.
Christian: Das darf man noch zwei Jahre nennen, vor allen Dingen bei der Unternehmensbewertung von weit über drei Milliarden. Wirklich der Wahnsinn. Und das Spannende ist eben, Robin sitzt nicht im Silicon Valley, wie man es natürlich erwarten würde, sondern genau hier mitten in Freiburg, ein wunderschönes Büro, wo wir ja gerade sind, mit Blick hier auf die grüne Landschaft von Freiburg. Und heute treffen sich eigentlich schon fast zwei Geschichten, weil auch Lexware sitzt in Freiburg. Ich bin auch Ur-Freiburger, sogar Bobbele. Und was wir machen mit Software: Wir helfen über 650.000 Unternehmen in Deutschland, damit die den ganzen Bürokram und so wegkriegen. Und ihr baut eigentlich eine KI, die wirklich weltweit, international komplett eingesetzt wird. Das ist sehr erstaunlich. Und da muss ich morgens auch dran denken, ich weiß nicht, wie dein Tag startet. Ich fahre immer meine Tochter in die Schule, das ist so typisch, wenn nicht Events sind, bring die dorthin, dann geht die in die Schule, und ich starte so um halb acht für die Arbeit. Wie sieht denn dein Morgen aus, kurz und knapp?
Robin: Ja, der ist immer ein bisschen unterschiedlich. Ab und zu bringe ich auch meine Tochter in die Schule. Heute war ich ganz entspannt auf dem Münstermarkt und habe eine Bratwurst gefrühstückt.
Christian: Muss ich aber echt sagen, für die Zuhörerinnen und Zuhörer: Wenn man in Freiburg ist, muss es eigentlich eine Rote Lange mit Zwiebeln sein, das ist so die Ur-Freiburger Wurst. Aber Bratwurst ist auch okay.
Robin: Ja, die Rote Lange ist gar nicht so mein Ding.
Christian: Ist nicht so dein Ding. Aber heute will ich auch nicht nur über KI sprechen mit dir, sondern auch über dich als Mensch, was dich antreibt, so dein Warum. Und wir sind schon ein bisschen warm, aber vielleicht, um noch ein bisschen wärmer zu werden sozusagen, starte ich gerne mit so einem Wortpaar, damit die Zuhörer ein bisschen noch mal einen Blick zu dir kriegen, wer du so als Mensch bist. Da kann man auch nicht falsch liegen, es gibt kein Richtig, Falsch, es ist ganz, ganz einfach. Also, starte mal rein. Kaffee oder Tee?
Robin: Kaffee, ganz klar.
Christian: Schwarzwald oder Silicon Valley?
Robin: Schwarzwald.
Christian: Physik oder Informatik?
Robin: Physik.
Christian: Anerkennung oder Bekanntheit?
Robin: Anerkennung.
Christian: Planung oder Risiko?
Robin: Risiko.
Christian: Der Unternehmer. Ganz kurz als Zwischenstep: Habt ihr vielleicht den Podcast schon abonniert? Würde mich sehr freuen. Lasst einen Kommentar da oder schreibt, wer als nächster Gast, nächste Gästin teilnehmen soll. Würde mich super gerne freuen. Den Podcast ziehen wir auf nach dem Simon-Sinek-Talk. Kennst du den? Das Why, How, What?
Robin: Nee, da wollte ich einen kleinen Refresher.
Simon Sinek und das Warum
Christian: Das mache ich sehr gerne. Der Simon-Sinek-Talk ist so ein TED Talk, wo er beschreibt, warum man was tut, weil die meisten Menschen sprechen über das, was sie tun. Ich mache ein Beispiel jetzt für Lexware: Was treibt uns an und auch mich, muss ich wirklich sagen, als Why, so dieses „Unternehmertum einfach machen“. Und das How ist, wir machen hoffentlich eine Software, die Kunden helfen soll, möglichst wenig von diesem Bürokratiezeugs zu machen. Und die andere Seite beim How wäre so dieses Tell Your Story, auch der Teil, der Podcast: Mut machen, Selbstständigkeit nach vorne bringen. Und dann kommt erst das What, und meistens spricht man vom What, nämlich Buchhaltung, Rechnungsstellung, Finanzen und so weiter. Und wenn man sich jetzt so Gedanken macht, was treibt denn überhaupt Robin Rombach an, was ist denn dem sein persönliches Why? Ich meine, du bist noch, darf ich glaube ich schon sagen, ich bin ja älter, also du bist noch sehr jung, unfassbar erfolgreich jetzt gerade mit deinen Themen, die du hier machst. Du hast Physik in Heidelberg studiert, und vielleicht kommt daher auch, du hast es ganz schnell gesagt, Physik und nicht Informatik. Kannst du mal loslegen? Wenn du darüber nachdenkst jetzt, was ist der Antrieb? Also warum tust du das, was du tust? Was zeichnet dich da als Mensch aus und wie hat das Ganze gestartet?
Robin: Ja, total. Also ich glaube, da gibt es wahrscheinlich verschiedene Blickwinkel drauf auf das Warum. Ich meine gerade, dass wir jetzt hier unser Headquarter haben, aber natürlich auch eng mit dem Silicon Valley vernetzt sind. Also ich möchte das gar nicht so als Entweder-oder betrachten. Ich glaube, da gibt es sehr viele verschiedene Gründe dazu. Für mich persönlich, ja, ich habe Physik studiert, wie du gesagt hast. Ich bin super fasziniert von Grundlagen, Naturwissenschaften, schon immer gewesen. Physik ist so das, glaube ich, das mit das Allgemeinste, was du machen kannst, was dir danach auch wirklich viele verschiedene Pfade offen lässt. Und genau, mich hat es dann in die Statistik-, Informatikschiene, Deep Learning, AI immer weiter reingedrückt über den Studiengang hinweg, bis ich da eben auch meinen Doktor angefangen habe. Genau, und ich glaube, da ist wirklich tatsächlich Fundamentales zu verstehen und auch dann, basierend auf dem Wissen, was man sich da aneignet, auch Neues zu entwickeln. Ich glaube, das ist ein Teil des Warums. Ein anderer Aspekt ist wahrscheinlich auch, es ist einfach gerade AI an sich und das, was wir machen, mit vor allem visueller KI. Man kann auch gleich noch ein bisschen drüber quatschen zu Bild versus Video oder warum das vielleicht auch ein bisschen das Gleiche ist. Es ist so eine grundlegende Technologie, die neu entwickelt wird. Das ist einfach eine Wahnsinnsgelegenheit, dass wir da als unsere eigene unabhängige Company auch mitgestalten können, wie das passiert, und dass wir das sogar von hier machen können. Das ist für mich eine super erfüllende Aufgabe. Das ist einfach als zweiter Aspekt, dieses Mitgestalten von neuer Technologie.
Christian: Also wirklich das, was dich reizt, ist das, was jetzt gerade eben passiert: Die Grundlagen werden eigentlich gelegt. Also so Grundlagentechnologien, das ist das, weil du hast ja schon mit Stable Diffusion und so weiter … Also ihr habt ja schon ganz viel gemacht. Kommt das auch, bist du als Kind schon arg in diese ganze Richtung rein, oder hast du ein Elternhaus, wo das herkommt? Das wäre mal interessant zu wissen. Also ist das gekommen im Laufe der Zeit oder gibt es noch so ein tieferes oder älteres Warum, soweit man das bei dir überhaupt sagen kann?
Robin: Mein Elternhaus direkt tatsächlich eher nicht. Ich komme aus einer Gastwirtschaft im Schwarzwald. Aber ja, man kann nur sagen, so ein bisschen Business habe ich da schon kennengelernt.
Christian: Unternehmertum dann in Reinform, also Gastro ist, muss man verstehen.
Robin: Genau. Aber auf der anderen Seite, es geht nicht nur rein um das Technische, glaube ich, von dem, was wir machen. Das ist natürlich super spannend, auch die Grundlagentechnologie weiterzuentwickeln. Aber es ist so eine neue Technologie, die auch sehr viel Impact hat auf die gesamte Gesellschaft, ganz verschiedene Aspekte. Es geht irgendwie um: Wie wird diese Technologie in die Gesellschaft geführt? Es ist auch eine sehr strategisch relevante Technologie. Da geht es um so was wie Souveränität und so weiter. Und ich glaube, all die Fragen werden zusammengefasst in dem, was wir tun. Und das finde ich sehr, sehr spannend und sehr erfüllend.
Von der Gitarre zur Physik in Heidelberg
Christian: Und du hast ja gesagt, du hast Physik studiert. Wie ging es denn dann weiter? Also du bist ja irgendwann in den Informatikraum auch eingetreten. Dann hast du ja auch mal, war das während dem Studium? Wann ist das ganze Stable-Diffusion-Thema hochgekommen? Weil du warst ja vor Black Forest Labs in dem Alter schon in ganz anderen Sphären unterwegs und hattest ja schon ganz viel erreicht. Wenn du da mal ein bisschen erzählen kannst, wie dieser Werdegang war, ich glaube, weil das für viele Zuhörerinnen spannend ist mitzubekommen: Wie hat es der Robin denn jetzt gemacht? Weil jetzt klar, Black Forest Labs, das kennt man. Was ist so da gewesen und was waren so ein paar Knackpunkte, die da dazu geführt haben?
Robin: Ja, genau. Also ich glaube, es ist gar nicht so straightforward, wie das vielleicht im Nachhinein aussieht. Und auch noch mal zu deiner Frage, ob das von Anfang an schon klar war: gar nicht so sehr. Im Abi habe ich noch Musik als Schwerpunkt gemacht, habe Gitarre gespielt und war eigentlich auch kurz davor, mit Musikstudium anzufangen, und habe mich dann last minute noch für Physik entschieden. Und genauso übers Physikstudium hinweg hat sich auch der Schwerpunkt immer mehr so verändert. Am Anfang habe ich noch gedacht, ich komme ohne Programmieren durch. Als ich damit angefangen habe, keine Ahnung von Programmieren gehabt. Aber ich habe dann gemerkt, ja okay, die physikalischen Systeme, die man lernt, die man beschreibt, die zu simulieren, da kommst du nicht um Numerik, da kommst du nicht um Programmieren herum. Und habe mir das dann angeeignet und fand es dann auch super spannend, tatsächlich dann zu sehen, okay, wenn ich so ein System auf dem Papier als Gleichung, ein System von Gleichungen beschreibe, dann kann ich damit auch simulieren, und es sieht auf einem Bildschirm super spannend aus, wie sich so ein System entwickelt, so ein 2D-System. Und das hat mich dann auch sehr schnell an AI herangeführt, Pattern Formation. Wo ich dann auch das Glück hatte, das ist in Heidelberg, wo ich studiert habe, das wurde auch angeboten, da gab es verschiedene Vorlesungen dazu, und die haben mich dann direkt total abgeholt.
Christian: Das ist, glaube ich, auch so ein kleiner Hotspot in Deutschland, Heidelberg.
Robin: Genau, auf jeden Fall, genau, auch mit dem DKFZ. Da gab es auch super, super gute Arbeitsgruppen dort. Genau, und das hat mich einfach direkt voll mitgenommen, das war dann im Master irgendwann.
Christian: Aber Heidelberg, hast du das gesucht, oder war das dann random, dass du gesagt hast, wow, passt jetzt gerade, und du hast ja gestartet, dass gerade Musik …
Robin: Warum Heidelberg?
Christian: Ja.
Robin: Genau, für Physik ist Heidelberg schon eine wahnsinnig gute Universität.
Christian: Also super gezielt für dich.
Robin: Ja, genau. Also ich wollte schon zu einer der Unis, wo die in Physik den besten Ruf haben.
Christian: Da muss man mal ganz kurz sagen, wie man von Musik zu Physik, wo da genau, ich glaube, das interessiert, also mich interessiert es auf jeden Fall. Das ist ja nicht das Naheliegendste, was man erwarten würde.
Robin: Ja, ich glaube, es waren mehr so zwei Sachen, die parallel gelaufen sind. Und einfach, ich glaube, was ich aus der Zeit von dem Musik-Abi mitgenommen habe, ist das: Ich habe mir das kurz vor der Oberstufe in den Kopf gesetzt, dass ich jetzt dieses Musik-Abi machen will, wo ich, ich war wirklich nicht so tief drin, aber ich dachte einfach, okay, das ist eine Wahnsinns-Challenge, da muss ich irgendwie Gehörbildung noch lernen und so weiter. Und das will ich jetzt machen. Und dann habe ich damit gelernt im Prinzip, dass, wenn ich jeden Tag vier Stunden da reininvestiere, dann kommt auch was bei rum. Und ich glaube, das konnte ich dann ganz rüber transferieren.
Christian: Bist du der Ausdauermensch, der sagt, okay, wenn ich was mache, dann fange ich auch an, da wirklich tief reinzugehen? Weil das ist ja, ich sage immer, Unternehmertum ist das ja auch, also dass man sagt, ich muss, wenn ich gut werden will, muss ich dranbleiben sozusagen. Ist das bei der Musik auch schon so gewesen?
Robin: Genau, aber ich glaube, ich meine, so einfach ist es dann leider auch nicht. Es muss, glaube ich, auch Spaß machen.
Christian: Ja, absolut. Sonst wird es nur so, es wird so Qual, täglich.
Robin: Ja. Aber wenn die Kombination da ist, würde ich sagen, dann schon.
Christian: Und es war Gitarre, hast du noch ein Instrument gemacht?
Robin: Nee, das war genug für mich.
Christian: Und dann Physik, wie kommt man da drauf? Also wie ist das, vor allem bei dir natürlich jetzt, also auch viel Mathe, aber Physik und Musik hätte ich jetzt gar nicht so zusammengebracht, oder muss es vielleicht auch gar nicht sein?
Robin: Ich glaube, muss gar nicht so unbedingt sein. Klar gibt es natürlich auch einen gewissen Overlap. Ich glaube, es gibt relativ viele Menschen, auch in Naturwissenschaften, die musikalisch begabt sind. Aber ja, ich glaube, Physik an sich habe ich genommen, weil es einfach ein sehr generelles Studium ist. Es lässt sehr viele Möglichkeiten offen, und da wollte ich mich damals nicht so richtig festlegen, in welche Richtung es gehen soll. Und ja, ich wusste einfach, dass, also ich konnte Naturwissenschaften ganz gut, und es war für mich das Generellste, und wollte im Prinzip in die Grundlagen rein und dann mal schauen.
Christian: Genau, für die Grundlagen, das habe ich verstanden. Und dann, glaubst du, dass Musik dir noch was geholfen hat? Vielleicht hast du einen etwas kreativeren Blick. Aber ich will nicht sagen, auch Physik und Mathematik ist ja auch kreativ. Das ist immer so ein doofes Wort, finde ich. Aber es ist ja nicht ein anderer, sondern eine andere Gehirnhälfte wird stärker angesprochen. Vielleicht ist die Musik was, wo du heute im Rückblick sagst, hat das was, oder ist das jetzt zu arg interpretiert?
Robin: Ja, vielleicht, aber es ist vielleicht auch … Also für mich ist es wirklich so, also ja, Kreativität vielleicht schon, aber für mich war es wirklich so dieses: Okay, ich mache was, was mir Spaß macht, und dann mache ich es viel, und dann merke ich, wie es besser wird. Und das war, glaube ich, einfach so ein Kern-Insight im Prinzip. Genau, und dann in Physik, nicht alle Themen in Physik, muss man dazu natürlich auch sagen, aber manche davon haben mir dann natürlich auch Spaß gemacht, und da bin ich dann immer tiefer rein.
Masterarbeit, Latent Diffusion und Stable Diffusion
Christian: Genau. Und wie ging es dann bei den ersten Schritten weiter? Also wann war diese Zeit mit Stable Diffusion? Und dann auch in London warst du, meine ich, noch in einer Firma am Start.
Robin: Genau.
Christian: Kannst du da mal …
Robin: Also genau, Heidelberg war dann, da bin ich in diese AI-Lectures rein. Und der Master, also man muss seine Masterarbeit schreiben am Ende des Studiums.
Christian: Wann war das ungefähr so, zeitlich?
Robin: Das war 2017.
Christian: 2017.
Robin: Ja, 2017/18. Genau, um den Master abzuschließen, musst du eine Masterarbeit schreiben, und da lässt einem der Studiengang, oder damals zumindest hat der Studiengang einem relativ viel Freiheiten gelassen, wo man das macht. Und dann, dadurch, dass ich diese Vorlesung so spannend fand, habe ich gesagt, okay, ich will in so eine Arbeitsgruppe reingehen, um das zu tun. Und bin dann in die Computer-Vision-Gruppe, IWR, das Institut für Wissenschaftliches Rechnen in Heidelberg. Und genau, habe dann auch super schnell jetzt meinen Mitgründer hier, den Patrick, kennengelernt. Der war nämlich mein Betreuer für die Masterarbeit. Da haben wir dann angefangen zusammenzuarbeiten.
Christian: Das war er dann in dieser Truppe, den kanntest du gar nicht vorher.
Robin: Genau, ich bin in diese Arbeitsgruppe rein, und er wurde mir da als Betreuer für die Masterarbeit zugeteilt. Aber es hat tatsächlich super gut geklappt, direkt von Anfang an. Wir haben auch damals schon an generativen Modellen für Bilder gearbeitet.
Christian: Wo kein Mensch dieses Wort benutzt hat, im Mainstream zumindest.
Robin: Ja, total. Und es war auch wirklich, wenn man das vergleicht mit dem, was heute passiert, da musste man schon dran glauben, dass es mal besser funktioniert.
Christian: Weil die Rechenpower nicht da war? Oder warum musste man glauben?
Robin: Genau, die Algorithmen waren noch nicht ganz so weit, die Rechenpower war auch noch nicht so weit. Ja, es war einfach noch ein bisschen früher.
Christian: Also Grundlage vor der Grundlage, Forschung.
Robin: Ja, ich glaube, wir hatten eigentlich eine ganz schöne Zeit dann getroffen, wo man eben noch mit-contributen konnte zu diesen Grundlagen.
Christian: Zu diesem Ursprung, ja, genau.
Robin: Und wir haben dann dadurch, dass … Auch dort gab es nicht so wahnsinnig viel Rechenpower. Aber es gab natürlich dann auch schon immer die Algorithmen, die irgendwie den State of the Art definiert haben, die die beste Performance definiert haben. Und da haben wir uns dann schon auch immer mit gemessen, so über wissenschaftliche Paper-Veröffentlichungen ging es dann schon immer darum: Okay, können wir was machen, was da rankommt? Das war damals auch schon, weil hauptsächlich von Google und OpenAI wurde das vorangetrieben. Und genau, dann haben wir im Prinzip die ganze Zeit an Algorithmen gebastelt, die das generative Modellieren mit KI effizienter gestalten.
Christian: Im Kontext Bild oder war das noch ganz Grundlage?
Robin: Das war, wir haben dafür immer Bilder verwendet, in der Arbeitsgruppe wurden auch Videos noch verwendet. Da hat dann zum Beispiel der Andi, der auch einer der Mitgründer hier ist, der kam dann auch irgendwann in die Arbeitsgruppe rein, und der hat daran gearbeitet. Aber es ist eben ein schönes Medium, um auch schnell Fortschritt zu machen, weil du siehst auch direkt, wenn es funktioniert oder nicht. Genau, und dann haben wir im Prinzip an Algorithmen gearbeitet, die das Lernen effizienter gestalten, eben auch einfach aus der Beschränkung mit der Rechenleistung heraus. Und ja, da habe ich das während meiner Masterarbeit gemacht, und dann hat es mir so viel Spaß gemacht, dass ich da geblieben bin für den Doktor.
Christian: Und habt ihr schon als kleines Team sozusagen zusammen das alles gemacht? Also war das schon so eine Gemeinschaftsleistung? Weil im Studium sind wir meistens ja doch dann wieder alleine, spätestens bei der Dissertation oder Promotion dann später, wenn es noch kommt. Oder wie stellt man sich das vor?
Robin: Genau, das ist eine gute Frage. Also das Ziel von den Projekten in dieser Arbeitsgruppe war im Prinzip immer, eine wissenschaftliche Veröffentlichung draus zu machen. Da gibt es dann so verschiedene Konferenzen im AI-Bereich, vier sehr große, sehr wichtige jedes Jahr, wo man dann versucht, das Paper einzureichen. Das wird dann gepeer-reviewt. Wir haben meistens relativ geringe Acceptance Rates. Also die Chance, da reinzukommen, ist so mittelhoch. Und dann ist es schon sehr, sehr hilfreich, wenn du zusammen als Team daran arbeitest, weil es alleine extrem schwierig ist. Und genau, das hat auch einfach sehr gut funktioniert. Und dann habe ich zuerst mit dem Patrick angefangen, das zu tun, und dann später kam der Andi, den ich schon erwähnt habe, auch mit auf Projekte dazu. Und in dieser Zeit haben wir uns dann immer über diese Conference-Deadlines durchgehangelt.
Christian: Und war das so ein Tag-und-Nacht-Spiel? Wie stelle ich mir das jetzt vor? Also wie muss man sich das vorstellen? War das was, wo ihr gesagt habt, es geht jetzt so richtig, es gibt nichts anderes mehr, weil es macht euch Spaß, oder es ist jetzt gerade der Mittelpunkt des Lebens, im Sinne von: Das müssen wir hinkriegen?
Robin: Genau, ja, also es war schon echt eine ganz coole Zeit, in dem Sinn, dass das das Einzige war, was wir gemacht haben. Also gerade wenn ich es zu heute vergleiche: extrem fokussiert. Also wirklich nur, okay, das Ziel ist, dieses Paper fertig zu bekommen und zu zeigen, dass wir das richtig gut machen.
Christian: Und das Paper war schon eine Vorstufe zu Stable Diffusion?
Robin: Genau, genau. Und das waren im Prinzip diese Algorithmen, die generatives Modellieren effizienter machen. Und dann hat es eines dieser Paper, das nennt sich dann, was wir veröffentlicht haben, nennt sich Latent Diffusion. Und das war die Vorstufe zu dem Modell Stable Diffusion, was du angesprochen hast. Das ist im Prinzip ein sehr fundamentaler Algorithmus, der ausnutzt, dass Bilder und Videos sich komprimieren lassen. Und diesen Kompressionsmechanismus, den haben wir dann mit einem neuronalen Netzwerk selber gelernt und das dann mit einer anderen Technik, die nennt sich Diffusion Modeling, kombiniert. Und genau, das dann publiziert in dem Paper Latent Diffusion, und das ist ein sehr, sehr grundlegendes Paper heutzutage. Es hat jetzt knapp 40.000 Citations, was tatsächlich ziemlich viel ist, was ich mir damals gar nicht so richtig hätte vorstellen können, dass wir das mal erreichen.
Christian: Ich glaube, die ganze Wissenschaft weiß, es ist eine extrem hohe Zahl. Muss man das mal einsortieren. Ich meine, du bist jetzt da drin, aber vielen Zuhörern sagt es ja gar nichts. 40.000, so viele Follower habe ich, so nach dem Motto. Nee, das ist eine andere Nummer, muss man sagen. Da gibt es ja jetzt im KI-Bildbereich, wird es dann dünn, oder? Also da gibt es DeepSeek und Stable Diffusion gefühlt in dieser richtigen Masse international.
Robin: Genau, im Nachhinein kann man sagen, es ist ein sehr fundamentales Paper gewesen.
Christian: Also ist dein Traum in Erfüllung gegangen, zu sagen, ich mache was, was wirklich gesellschaftlich, also für die ganze Welt, eine gewisse Rolle spielt, was Fundamentales in dem Bereich, Physik reingeholt in diese digitale Welt?
Robin: Ja, in dem Sinn schon, ja. Aber es war uns damals ja auch nicht so hundertprozentig klar, dass das so einschlägt. Wir waren schon überzeugt davon, dass es gut ist, ganz gut. Aber ja, genau, und dann dieses Modell, was du angesprochen hast, Stable Diffusion, das war dann ein generatives Text-zu-Bild-Modell, was wir basierend auf diesem Algorithmus trainiert haben. Und das war dann zusammen mit dem Startup aus London, was du angesprochen hast, und noch einem anderen Startup, wo der Patrick dann gearbeitet hat. Das waren Stability AI und Runway.
Christian: Genau.
Robin: Und dann haben wir dieses Modell eben in dieser Kollaboration trainiert.
Christian: Kannst du das, das wirst du wahrscheinlich oft gefragt, kannst du das so erklären, dass es jede Frau, jeder Mann versteht, was dieses Modell dann wirklich tut? Man sagt ja auch bei generativer KI zum Beispiel, es ist wie so ein Wenn-dann, aber halt mit Trilliarden von Parametern. Kann man das in der Bildwelt, der Visualitätswelt, kannst du das an einem Beispiel festmachen, wo man es gut erklären kann, was das eigentlich wirklich Revolutionäres tut?
Robin: Im Prinzip, das kann man vielleicht ein bisschen loslösen von dem älteren Modell, sondern einfach so jetzt auf heute schauen. Im Prinzip gibt es verschiedene Medien, in denen man sich als Mensch bewegt. Es gibt Sprache, wir machen einen Podcast. Dann gibt es Bilder, also entweder fixe Bilder oder Bewegtbilder, Videos. Es gibt Audio. Und dann gibt es noch viel mehr, du kannst riechen, du kannst fühlen und so weiter.
Christian: Also alle Sinne eigentlich.
Robin: Genau. Und das Bild der Realität, was sich in deinem Kopf formt, entsteht ja über die Kombination von alledem. Und im Prinzip ist das Ziel für die Art von Modellen, die wir entwickeln, dass sie die Realität so gut wie möglich verstehen und simulieren können. Und dafür will man im Prinzip die KI auf allen möglichen Datentypen, also zum Beispiel Bildern, Videos, Audio, zeitgleich trainieren. Und wenn das die KI sehr gut kann, dann kannst du die auch dafür einsetzen, zum Beispiel ein Video zu beschreiben oder einen Podcast zu transkribieren. Oder wenn du Text mit reinmischst, dann kannst du die KI einsetzen, um dir beim Schreiben zu helfen. Oder wenn du Code mit reinmischst, das ist die große Anwendung jetzt gerade aktuell von den Coding Agents, natürlich dann selber Programme zu schreiben. Das ist der generative Part, und der andere Part ist eben dieses Verstehen. Das ist jetzt auch was, was jetzt immer größer wird in den letzten, vor allem dieses Jahr: Robotik, die man durch diese Modelle, die die Welt sehr gut verstehen und die damit auch mit der Welt interagieren können, nutzt, um sie im Prinzip als Gehirn für den Roboter einzusetzen.
Von London nach Freiburg
Christian: Da kommen wir gleich noch drauf. Ich wollte gerade noch bei dem Weg dann bleiben. Okay, super, vielen Dank für das Erklären. Jetzt bist du dann eben in London gewesen, oder warst du auch in London, oder hast du für die Firma gearbeitet, die in London sitzt?
Robin: Genau, ich habe da eine Zeit lang, genau, wir haben mit denen zusammen das Modell gemacht und da remote gearbeitet eine Zeit lang. Und dann kam irgendwann der Andi, der jetzt hier auch einer meiner Mitgründer ist, der kam mit dazu, zu der Firma. Und dann, das war noch so während Covid-Zeiten, und dann konnten wir uns aussuchen, wo wir ein Büro starten wollen, weil wir hatten auch beide keine Lust mehr auf Remote Work. Der Andi kommt auch von hier, der ist aus Waldkirch, und dann haben wir uns gedacht, ja okay, dann gehen wir nach Freiburg. Und haben das dann gemacht und dann auch da angefangen, Leute zu hiren für dieses Team. Und dann waren wir schon in dieser Zeit mit einem kleinen Office, also nicht weit von hier, es ist da drüben, waren wir da in einem super kleinen Office, haben da angefangen und es dann von dort aus so weiter aufgebaut.
Christian: Stark. Das heißt, du konntest zusammen mit dem Andi eigentlich auch Menschen dazuholen, die ihr ausgesucht habt, das klingt ein bisschen, aber das meine ich im Positiven, die dann auch wirklich passen. Du hast ja auch gesagt, es muss Spaß machen, was du machst.
Robin: Genau, und alle von denen, die da am Anfang mit dazugekommen sind, die sind jetzt auch im erweiterten Gründungsteam von Black Forest Labs.
Zehn Gründer, eine Firma
Christian: Aber lass uns ganz kurz da bei London bleiben, weil ihr wart ja, wenn ich das richtig verstanden habe, jetzt aus Sicht von dem, was du auch beschrieben hast, Spaß, Grundlagenforschung, alles, in diesem ganzen Kosmos, in dieser Bubble ja schon richtig bekannt mit dem, was ihr getan habt, habt eigentlich schon Lorbeeren gepflückt. Wie kommt es dann dazu? Irgendwann kommt der Punkt, wo ihr sagt, nee, jetzt wollen wir was selber machen. Jetzt kommt so ein anderes Stück von Unternehmertum rein, weil ihr hättet ja sagen können, das ist doch super, wir können da weiterentwickeln, die geben uns Freiraum, wir können alles machen, wir können sogar selber uns die Leute aussuchen. Wie muss man sich das vorstellen? Was ist da der Antrieb? Unternehmen – wir wollen jetzt was ganz Eigenes machen.
Robin: Ich glaube, wir waren schon immer so als dieses Team, das existiert ja in der Form, oder der Kern des Teams existiert ja in der Form schon eben seit dieser Uni-Zeit. Wir haben schon immer so ein bisschen unseren eigenen Weg gesucht, eben mit so einem Modell wie Stable Diffusion. Das war dann Open Source, was ja auch komplett anders war als alles andere, was zu der Zeit so gemacht wurde, und auch dadurch mega viel Impact hatte. Und schon immer, glaube ich, so ein bisschen unseren eigenen Weg, darüber nachzudenken. Und für uns ist einfach diese Unabhängigkeit extrem wichtig, und wenn du dann irgendwann merkst, dass die Technologie, die du baust, dass die so fundamental ist, und es war dann schon, ja, war dann im Prinzip der nächste Schritt für uns, einfach zu sagen, ja, wir wollen es jetzt selber probieren.
Christian: Wer hat dieses Unternehmer-Gen? Weil zwischen jetzt Forschung, Grundlagen und dem klassischen Unternehmertum ist meistens eigentlich so ein kleiner Graben, sage ich mal so. Also oftmals gar nicht so nah.
Robin: Genau, da war ich irgendwann auf einer Konferenz in den USA, und dann bin ich zurückgekommen und habe angefangen, erst dem Andi und dann den anderen das vorzuschlagen, dass wir das machen.
Christian: Den Floh ins Ohr gesetzt.
Robin: Ja, das war dann recht schnell klar, dass das eine gute Idee ist.
Christian: Also die haben gesagt, okay, machen wir. Also es ist gar kein Riesenprozess gewesen oder so was?
Robin: Ja, es ging relativ schnell.
Christian: Und dann wart ihr ja, wie viele haben dann mitgegründet?
Robin: Genau, auf den Gründungsdokumenten sind zehn Leute drauf. Das sind dann eben Leute aus dieser Vergangenheit von Uni und den Startups davor, die wir so kennengelernt haben.
Christian: Da liegt die Frage nah, ist ja super spannend. Also wir sehen oft auch, wenn Selbstständige im Team arbeiten, es ist ja auch nicht immer konfliktfrei, aber mit zehn stelle ich es mir wahnsinnig schwer vor. Wie kriegt man das organisiert, aufgeteilt in die verschiedenen Bereiche? Ihr kommt alle, wenn ich es richtig verstanden habe, aus dieser Forschung heraus, ein tiefes Wissen in Grundlagen und alles. Jetzt kommt plötzlich so eine unternehmerische Welt rein, die ja doch ganz andere Fragestellungen mit sich bringt, und da muss man ja mal gucken: Stimmt hier alles, ist es richtig aufgesetzt, was ist unsere Unternehmensform, plötzlich vielleicht auch Mitarbeiter, eine andere Verantwortung, all so Themen. Kannst du da mal erzählen, wie ihr das organisiert habt, gerade zum Start? Weil das interessiert immer viele, zu sagen, hey, wie haben die das dann auch wirklich gemacht? Weil ihr habt es ja gemacht.
Robin: Genau, also wir haben uns da am Anfang mit dem, was wir wussten, was uns so erwartet, hingesetzt und haben gesagt, okay, es gibt natürlich jetzt noch zusätzliche Aufgaben zu dem, was wir sonst als Forschungsteam machen würden, und haben uns dann überlegt, wer macht was. Und wer ist auch bereit, noch mehr Verantwortung zu übernehmen in der Firma? Es ging ja auch darum, ein HR-System aufzusetzen, das hat der Sumith gemacht, der an der Westküste in SF drüben sitzt. Dann musst du den ganzen Hiring-Prozess irgendwie ankurbeln und so weiter. Und ja, das haben wir uns dann am Anfang einmal überlegt.
Christian: Jeder hat so ein bisschen eigene Bereiche dann bekommen.
Robin: Genau, oder im Prinzip, ja, wer macht mit beim Company Building und wer fokussiert sich auf die technische Arbeit, weil das war damals, vor allem wenn du startest, war das natürlich auch der Kern. Das mussten wir dann erst mal selber alles aufbauen bei uns. Und genau, und dann hatten wir auch, da haben wir immer noch sehr gute Investoren mit drin, die uns natürlich auch helfen konnten. Und dann auch die ersten, nachdem wir dann unser erstes Modell veröffentlicht hatten, dann auch die ersten nicht-technischen Hires gemacht, die uns auch mega geholfen haben natürlich, das dann weiter aufzubauen. Und jetzt für mich persönlich, und ich glaube auch für andere bei uns aus dem Team, das ist schon echt mega die krasse Umstellung auch in dem, wie man arbeitet. Das ist schon sehr anders. Und jetzt vor allem mit über 100 Leuten gerade, da kommen noch mal neue Fragen dazu, nicht immer einfach.
Vom Forscher zum CEO
Christian: Kannst du mal beschreiben, was du, wenn du jetzt zurückdenkst, wo du so gestartet hast, was dich da als Mensch, als Robin, was dann anders war? Eigentlich der, der sagt, ich mache hier die Grundlagen neu, Algorithmen erstellen und so weiter, und plötzlich kommen so, keine Ahnung, Buchhaltungsfragen, Zeugs auf einen rein, und man denkt, ich habe ja keinen Bock auf den ganzen Mist hier, was macht man jetzt? Oder wie stelle ich mir das vor? Oder auch, dass du die Rolle dann genommen hast, du bist ja schon so der Chef dann sozusagen. Wie ist das in der Dynamik dann, haben die anderen gesagt, ja, wir brauchen ja jemanden, der so ein bisschen das Gesicht ist? So nehme ich das wahr, oder kann man schon sagen, glaube ich. Wie hat sich das entwickelt, und auch für dich persönlich, weil es ja was anderes war? Ich habe das so mitgeschnitten, was du gesagt hast, wo dein Spaß herkommt, dein Drang, die Grundlagen zu machen und so weiter, und dann kommt dieses Unternehmerische. Kannst du da mal ein bisschen erzählen, wie das war, auch für dich?
Robin: Genau, also ich würde sagen, für mich persönlich ist es gar nicht mehr nur dieses Technologische, sondern auch damit, dass man ein Unternehmen gründet, dass man ein Startup gründet, bewegst du ja auch noch mal ganz andere Sachen. Wenn dann Leute zu mir kommen, die irgendwie sagen, ich finde es so cool, was ihr macht, und das hat sie jetzt auch dazu motiviert, selber was zu gründen, das finde ich mega cool. Und das ist auch was, was ich liebe. Das gibt mir genauso viel Energie, würde ich sagen. Und das ist eine andere Art, glaube ich, von Grundlagen irgendwie zu legen. Und gerade hier, wo es überhaupt nicht so üblich ist wie im Silicon Valley, ist das, glaube ich, ja, also für mich ist das tatsächlich so der Ansatz oder die Blickweise, die für mich da wirklich super viel Erfüllung mitbringt.
Christian: Also auch das ist wieder ein Teil von Grundlage, nämlich dass du zeigen kannst, was ihr mit Black Forest Labs hier hochgezogen habt, animiert auch andere, vielleicht Dinge zu tun. Das ist für dich auch was wie eine, also die unternehmerische Grundlage versus die algorithmische, nenne ich es jetzt mal, KI-Grundlage.
Robin: Genau, ja. Also für mich ist es genauso groß. Also nicht nur dieses Technische, sondern dass man überhaupt was macht.
Christian: Und was hat sich für dich jetzt persönlich geändert? Ich glaube, ihr habt gegründet, dann im August kam ja schon dann dieses Flux 1 an den Start. Da habe ich sehr mit rumgespielt, da erinnere ich mich gut, im Bildbereich. Und dann warst du ja schon viel mehr in unternehmerischen Tätigkeiten drin als davor, nehme ich jetzt mal an. Was waren dann so die … Hast du noch Momente, wo du sagst, oh Gott, damit hast du jetzt auch nicht gerade gerechnet, dass so ein Thema kommt, oder auch Themen, wo du sagst, na gut, die muss man machen in der Rolle, die du halt neu hast, aber die du auch nicht so magst?
Robin: Ich glaube, so eine Core-Spannung, die man vor allem als technisches Gründungsteam immer hat, ist, dass im Prinzip das, was einen erfolgreich macht, ist, dass man technologisch extrem fit ist als Team und das sehr gut kann. Und wenn man dann erfolgreich ist, wie dieses Flux-1-Modell, das hat brutal gut eingeschlagen, dann kommen auf einmal ganz viele neue Aufgaben dazu, die du auch abdecken musst und willst, aber die dir im Prinzip Fokus kosten von der technologischen Innovation, und vor allem in so einem Feld wie KI, das sich so schnell entwickelt, ist es meiner Meinung nach, genau, die Hauptschwierigkeit, diese Spannung gut hinzubekommen. Ja, und natürlich müssen wir als Company erfolgreich sein, wir müssen ein Business machen, damit wir auch zeigen …
Christian: Aber das sind ja neue Fragen, oder? Ich meine, hattest du diese Business-Fragen in deinen Rollen davor schon, also zu gucken …
Robin: Kaum, kaum, ein bisschen mit in Kontakt gekommen, aber ich war natürlich nicht dafür verantwortlich oder so. Aber es ist auch super spannend dann, super spannend, das dann auch selber zu versuchen. Man hat da irgendwie auch eine frische Perspektive. Genau, aber so diese Balance zu finden zwischen technologischer Innovation und ein Business aufzubauen, das ist, glaube ich, so die Kernspannung, in der wir uns auch immer noch bewegen. Und das muss man dann auch als Team natürlich irgendwie lösen. Und dann verändern sich Verantwortungsbereiche über die Zeit, in der die Firma wächst.
Christian: Sind alle zehn, die mitgegründet haben, noch am Start, operativ?
Robin: Alle zehn sind noch am Start, genau. Die Rollen haben sich teilweise ein bisschen verändert. Zum Beispiel der Andi, der hat mal, nachdem wir dann gestartet sind mit Flux 1 und das released hatten und überflutet wurden mit Anfragen, dann Go-to-Market gemacht bei uns, und seit diesem Jahr macht er jetzt wieder Research oder Development von dem Hauptmodell, was wir entwickeln. Genau, also da verändern sich die Rollen dann auch.
Christian: Und bei dir persönlich ist das …
Robin: Ich glaube, der Hauptunterschied für mich ist, also vor allem, wenn ich an diese PhD-Zeit zurückdenke, da war es ein Thema und nur dieses eine Thema. Jetzt ist das eine Thema BFL, aber da sind so viele verschiedene Sachen mit dabei. Die Art zu arbeiten hat sich massiv verändert.
Christian: Hast du so Beispiele? Gab es so einzelne Wendepunkte? Oder wo du auch selber gesagt hast, keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll, und wie hast du es dann gelöst? Also ich meine, ihr seid jetzt 100 Menschen hier, die zusammenarbeiten, und man sagt immer so, bis 30 kennt doch jeder jeden und so, dann ist es auch sehr einfach, so die Messages rüberzubringen, weil da trifft man sich morgens und so weiter. Jetzt seid ihr noch lokal zeitversetzt, im Silicon Valley ein Teil, hier ein Teil. Das sind ja schon auch kommunikativ völlig andere Herausforderungen. Versteht jeder, wo er hinwill? Sind alle sozusagen on track, ziehen alle am selben Strang und so weiter? Das sind ja Themen, die dann ganz anders kommen. Wie machst du das?
Robin: Ich glaube, das ist auch so ein Learning-by-Doing-Prozess, und ich würde auch nicht sagen, dass ich das irgendwie voll rausgefunden habe, wie das funktioniert. Und ja, ich glaube, das ist eine der Sachen, wo du auf einmal merkst, oh ja, es ist nicht mehr hundertprozentig allen intuitiv klar, was jetzt ein Satz, den ich sage oder den jemand anders sagt, was der bedeutet. Leute können das unterschiedlich auffassen. Und da wirklich so klar wie möglich zu sein und auch Sachen zu wiederholen. Irgendjemand hat mal gesagt, als CEO bist du eigentlich Chief Repetition Officer oder irgendwie so was. Und so Sachen, die muss ich erst mal lernen. Das habe ich natürlich auch nicht gewusst so bisher und bestimmt auch nicht alle Sachen richtig gemacht. Aber ja, ist auch eine gute Erfahrung natürlich. Also ich glaube, das ist so der Hauptunterschied: dieses, wenn man wächst, wie man kommuniziert, auf welchem Level man kommuniziert.
Christian: Da musst du ja wahnsinnig schnell lernen. Als ihr gegründet habt, da wart ihr dann zehn.
Robin: Da waren wir zehn, genau. Dann haben wir noch mal vier Leute auch von dieser früheren Zeit recht schnell mit reinbekommen. Die sind jetzt auch Teil dieses erweiterten Gründungsteams. Und dann haben wir das erste Modell gelauncht, Flux 1. Und dann wurde es crazy, weil dann …
Fokus, Fahrrad und Optimismus
Christian: Kam der kommerzielle Druck drauf. Wahrscheinlich auch unglaublich erfolgreich. Unglaublich, ich stelle mir wahnsinnig viele Anfragen bei dir vor, oder bei euch als Company. Heute natürlich noch mal mehr, jetzt mit Flux 3, gerade erst quasi initialisiert oder gelauncht, mit den ganzen Videothemen und so weiter. Wie gehst du damit um, vielleicht noch so … Es ist zum Heulen, ich könnte mit dir sehr lang sprechen, merke ich gerade, ich finde es super spannend. Mensch, was du da geleistet hast. Aber wie geht ihr vielleicht damit um, dass es jetzt so krass ist, eigentlich international, du warst beim G7-Treffen, also Formate, wo man ja gar nicht drüber nachdenkt, dass man dahin kommt. Wie geht man damit um, wie schaffst du es dann auch, irgendwie geerdet zu sein? Und du bist ja auch hier gerne in Freiburg, ich kann das total nachvollziehen. Und man nimmt dich als jemanden wahr, der jetzt nicht eben, du hast ja vorher gesagt, bei der Frage, ich muss jetzt berühmt sein und freue mich, sondern ich will Anerkennung zu dem, was ihr wirklich leistet und macht. Aber es kommt ja jetzt von allen Seiten, wirst du ja angefragt, nehme ich mal an, oder ihr als Firma oder deine Mitbegründer ja genauso. Wie geht ihr damit um? Habt ihr da so ein bisschen ein Rezept?
Robin: Ja, ich glaube, das ist auch ein Riesending, was man irgendwie lernen musste oder was ich lernen musste, was wir lernen mussten: dieses hart zu filtern auch und nicht zu allem Ja zu sagen, und wirklich nicht nur beim Produkt ganz viel Nein sagen. Also es ist, ja, war nicht so einfach. Wenn eine Einladung zum G7-Gipfel kommt, dann sage ich schon Ja.
Christian: Das will man machen, ja. Aber das ist schwer, oder? Einerseits immer wiederholen, was ja für jemanden, der in der Forschung immer weiter was Neues erforscht, stelle ich mir auch schwer vor, also einfach fürs mentale Modell, und dann auch mit diesem Ruhm, Bekanntheit, und auch zu sagen, als sehr freundlicher Mensch ist es meistens sehr schwer, dieses Nein-Sagen. In der Produktentwicklung ist es immer „hard to say no“, sage ich immer. Das stelle ich mir nicht einfach vor.
Robin: Ja, genau, auch die Fokussierung. Total, genau. Also es ist nicht einfach. Es ist, glaube ich, die Kernfrage, den Fokus zu behalten auf die wichtigen Sachen, sich nicht ablenken zu lassen. Und dann gibt es auf einmal noch mal viel mehr Möglichkeiten und viel mehr Ablenkungsmöglichkeiten. Also ja, würde ich sagen, das ist die Kern-Challenge auch, das hinzubekommen.
Christian: Dann habe ich noch zwei Fragen. Eine: Was machst du an einem Sonntag? Wie stelle ich mir einen Sonntag beim Robin vor, wo er mal nicht an KI denkt, wenn es das gibt? Was passiert da an so einem ganz normalen Alltagstag? Ich nehme jetzt mal den Sonntag.
Robin: Am entspanntesten für mich ist es, wenn ich hier bin und ich kann eine Runde Fahrrad fahren. Auch mit meiner Tochter nach Kirchzarten Spaghetti-Eis essen, oder ich selber fahre mit dem Rennrad so eine Runde. Das finde ich gut.
Christian: Das macht den Kopf frei, und da denkst du auch tatsächlich nicht an die Firma?
Robin: Ja, beim Fahrradfahren wahrscheinlich schon, aber ich weiß nicht, ich habe immer das Gefühl, dass ich da viel besser nachdenken kann.
Christian: Meine Frau hat mir mal, weil ich Star-Wars-Fan bin, den Millennium Falken geschenkt, und dann habe ich verstanden, warum Leute das machen, auch puzzeln. Weil ich habe dann gemerkt, während man das aufbaut, ist es dieser totale Fokus, man ist so in the zone und kann an gar nichts anderes denken. Ist das beim Fahrradfahren zum Teil auch so? Beim Rennrad weiß ich es nicht, Mountainbike glaube ich schon. Da sollte man aufpassen, wo man entlangfährt.
Robin: Genau, beim Mountainbiken ist es so. Wenn du runterfährst, dann kannst du nicht die ganze Zeit über irgendwelche Company-Fragen oder so nachdenken. Also ja, auf jeden Fall.
Christian: Und mit deiner Tochter natürlich, das denke ich mir, das ist ja immer die Zeit.
Robin: Genau, und die hat auch ganz andere Prioritäten.
Christian: Ja, die interessiert nicht, ob ein Flux 3 kommt oder was das gerade macht. Die will mit Papa Spaghetti-Eis essen, kann ich gut verstehen. Wir haben eine einzige Signaturfrage, sonst wäre es ja keine Signaturfrage im Podcast, und die ist so, und ich glaube, bei dir wird das ganz sicher passieren, oder bei euch: Wenn über dich ein Film gedreht werden würde, was wäre denn der passende Titel? Jetzt außer, dass der natürlich mit der Flux-8-Engine dann gemacht wird. Gäbe es das, dass du sagst, also vor allem, was wäre der Titel, wo du sagst, da wärst du total happy mit, weil du sagst, da sehe ich mich als Robin, als Mensch, das wäre der perfekte Titel? Hast du so was? Hast du schon mal drüber nachgedacht?
Robin: Habe ich noch nicht drüber nachgedacht, ist eine gute Frage. Ein Wort?
Christian: Nein, kann ein ganzer Titel sein, es gibt keine Begrenzung, darüber haben wir noch nie nachgedacht. Ein Titel kann ja auch sehr lang sein, aber …
Robin: Boah, da muss ich ein bisschen drüber nachdenken. Das ist ganz schön viel Druck.
Christian: Wir drehen auch nicht gleich. Aber wenn es um das geht, was dich antreibt, dann könnte irgendwas mit Grundlagen jetzt kommen, da könnte was mit der Gegensätzlichkeit von Grundlagen, Wiederholungen kommen, was du gerade beschrieben hast.
Robin: Am ehesten so mit Optimismus vielleicht.
Christian: Ach, das ist auch schön, ja. Bist du jemand, der sagt, wir müssen hier wieder nach vorne gehen, Dinge verändern?
Robin: Genau, ich finde es mega wichtig, dass man, ich meine, das ist ein bisschen ein größeres Thema, aber dass man nach vorne guckt und dass man optimistisch ist und dass man nicht die Vergangenheit als Zielbild für seine Zukunftsvision nimmt. Ja, also es ist gar nicht so einfach, neu zu denken. Das fällt mir auch jetzt immer wieder auf, wie schwer das eigentlich ist. Das bringt so ein Startup mit sich und bringt es einem tatsächlich auch bei. Und ja, für mich ist das eine der … Wenn wir irgendwie auch dazu beitragen können, dass man optimistisch über die Zukunft nachdenkt, ich glaube, das fände ich super cool.
Christian: Finde ich mega. Also Optimismus als Filmtitel, und vor allen Dingen, ihr zeigt es ja auch. Ihr könnt es auch sagen, im ganzen Rahmen Deutschland, geht nur in den USA – nein, ihr macht es hier, ihr baut hier was auf, schafft damit auch wieder für das Land was Tolles sozusagen, aber auch, dass ihr es wirklich tut und das auch sichtbar habt. Also ich glaube, das finde ich mega. Und ich glaube, das kann man auch nur weitergeben an die vielen, die vielleicht überlegen, soll ich mich mal selbstständig machen. Man kann immer motzen über Rahmen oder sagen, was kann ich denn innerhalb dieser Rahmen tun, was kann ich denn da rausholen. Ich glaube, ihr zeigt es ja auch in Exzellenz. Man erwartet eigentlich so eine Firma, wie ihr sie gegründet habt, mit so einem internationalen Rahmen nicht unbedingt in Freiburg. Ihr habt das hier gemacht, und da ziehe ich auch einen Hut vor und finde ich auch wunderbar als Vorbild für ganz, ganz viele da draußen, mit Sicherheit.
Robin: Ja, danke, genau. Und da möchte ich auch noch mal dazu sagen, weil ich glaube, gerade vor ein oder zwei Wochen gab es irgendein Zitat von mir, was mal ein bisschen im Internet diskutiert wurde, dass ich mich kritisch ausgedrückt habe, wie lange es dauert, eine GmbH zu gründen. Ich finde das, was du gesagt hast, mega wichtig, dass man nicht nur rummotzt, sondern macht. Und genau, was ich da damit sagen wollte, ist einfach: Das Mindset muss sich ändern, bestimmte Prozesse müssen schneller laufen, aber es ist grundsätzlich möglich, das zu tun. Und genau, ich glaube, das finde ich total gut, sozusagen nicht zu motzen, sondern zu machen.
Christian: Ja, wir sagen bei Lexware immer: einfach machen. Wir wissen, es ist nicht einfach zu machen, aber wenn man es nicht macht, dann wird man nichts bewegen. Und Unternehmertum hast du damit beschrieben, in meinen Augen, in Reinform: Das heißt gestalten, Zukunft gestalten, nicht zurückschauen, nicht auf Constraints gucken, sondern was kann ich damit machen.
Robin: Ja, genau.
Christian: Lieber Robin, ganz herzlichen Dank für deine Zeit. Ich weiß, dass du gerade extrem gefragt bist. Mich freut es total, dass du im Tell Your Story Podcast erzählt hast über dich, deine Reise, was dich so antreibt, und ich hoffe, dass der eine oder andere jetzt vielleicht auch da ein bisschen ein Vorbild sieht und Lust hat, sich auch selbstständig zu machen. Und natürlich noch mal der Aufruf: Ich freue mich, wenn ihr den Podcast abonniert. Lasst auch gerne Fragen da, wir machen in den Shownotes auch noch mal Links rein und so weiter. Ganz, ganz herzlichen Dank, lieber Robin, vielen, vielen Dank.
Robin: Danke, dass ihr vorbeigekommen seid.
Christian: Dass wir bei dir im Office sein dürfen, freut mich total. Danke, lieber Robin.
Robin: Danke auch.