Sebastian Heid führt in Breisach am Rhein eine Meisterwerkstatt für Harley-Davidson-Motorräder: Service, Reparaturen, Custombikes und eigene Teile. Vorher arbeitete er mehr als zwanzig Jahre bei Händlern. Was hat ihn zurück an die Werkbank geholt?
Eine Fatboy im ersten Lehrjahr
Sebastian, wenn du dich in einem einzigen Satz vorstellen müsstest: Wer bist du, was machst du, und wo findet man dich?
Sebastian Heid, Inhaber des La Chopperia Customshop, Meisterwerkstatt für Harley-Davidson-Motorräder in Breisach am Rhein. Komm am besten vorbei und mach dir selbst ein Bild.
Seit Januar 2026 gibt es die Werkstatt an der Leopoldschanze, den Onlineshop schon seit 2017. Wann hat dich das Thema eigentlich gepackt?
Der Harley-Virus hatte mich schon mit zwölf Jahren gepackt. Da war dann irgendwann klar, dass sich das auch beruflich auswirken wird.
Weißt du noch, wann du zum ersten Mal selbst auf einer Harley-Davidson gesessen hast?
Klar! Das war 2001 in meinem ersten Lehrjahr, und zwar auf einer Fatboy, Baujahr 2001. Ein Vorführfahrzeug, bei dem ich damals einen Service gemacht hatte. Und da hat eine Probefahrt natürlich dazugehört.
2006 hast du den Meisterbrief als Jahrgangsbester bekommen. Wie bist du dahin gekommen, und wie ging es danach weiter?
Nach Abi und Zivildienst in Freiburg habe ich 2001 in München meine Ausbildung begonnen und direkt anschließend die Meisterschule besucht. Das war eine richtig gute Zeit, in der ich viel lernen konnte und tollen Menschen begegnet bin. Insgesamt war ich elf Jahre in München und danach weitere elf Jahre bei einem Vertragshändler in der Schweiz. Dann habe ich einen dreijährigen Ausflug ins Kfz-Sachverständigenwesen gemacht.
Zurück an die Werkbank
Viele Meister landen irgendwann als Sachverständige im Büro. Warum bist du zurück in die Werkstatt?
Für viele Mechanikermeister ist das eigentlich die logische Konsequenz. Mir hat aber das Handwerkliche total gefehlt. Und als sich die Gelegenheit in Breisach ergeben hat, gab es nur noch eins: loslegen!
Wer war dein erster Kunde in der eigenen Werkstatt?
Mein erster Kunde war ein alter Bekannter, der mir sein Getriebe zur Prüfung und Überholung geschickt hat. Aus der Nähe von Ulm! Der erste Auftrag war also direkt überregional. (lacht)
Gab es seitdem einen Moment, in dem du alles hinschmeißen wolltest?
Hinschmeißen wollte ich bis jetzt zum Glück noch nicht, und ich hoffe, das bleibt auch so. Aber tatsächlich sind es eher bürokratische Themen, die mir als Handwerker den Arbeitsalltag erschweren.
Artikelstamm, Lager und Werkzeugschrank
Wie bist du mit Rechnungen, Belegen und Buchhaltung gestartet?
Ich hatte großen Respekt vor dem Thema Buchhaltung und wenig Berührungspunkte damit. Anfangs ging viel Zeit in das Anlegen der Artikel. Mit dem Artikelstamm, der jetzt steht, und einer guten Routine ist das aber sehr viel besser geworden.


Wie gehst du heute mit Aufgaben um, die dir weniger liegen?
Augen zu und durch. Themen, die wenig Spaß machen, arbeite ich als Erstes ab. Das wird vom Aussitzen ja nicht schöner. Und dann ist es erledigt, und der Kopf ist frei fürs Wesentliche.
Was machst du heute anders als in den ersten Monaten?
Viele Abläufe haben sich in den letzten Monaten deutlich verbessert. Das betrifft grundlegende Bereiche wie das stetig wachsende Lager, aber auch die Arbeitsabläufe selbst. Ich lege großen Wert auf ordentliche Arbeitsplätze und gut sortierte Werkzeugschränke.
Service, Reparatur und Umbauten
Auf deiner Website stehen vier Bereiche: Umbauten, Parts, Service und Reparatur. Wie würdest du jemandem erklären, was er bei dir bekommt, der noch nie ein Motorrad von innen gesehen hat?
Ganz einfach: Bei mir bekommst du für deine Harley das volle Programm! Ersatzteile, Zubehör, Service, Reparatur, Umbauten. Wenn es ein Teil nicht gibt, dann fertige ich es individuell für dich an. Und wenn du nicht weißt, was du eigentlich willst oder was zu dir passt: Ich berate dich gerne!
Auf deiner Website steht, ein Motorrad sei bei dir „in den besten Händen“. Wer bringt dir seine Maschine, und was ist anders, wenn er sie wieder abholt?
Meine Kunden kommen aus allen möglichen Bereichen und Berufen, wobei das für mich gar keine große Rolle spielt. Mir ist wichtig, jeden gleich gut zu bedienen und jedes Bike so zu bearbeiten, als wäre es mein eigenes und stünde unmittelbar vor einer großen Tour. Alles muss passen. Und glänzen, denn eine Fahrzeugwäsche gehört bei mir zum Service einfach dazu.
Und was ist bei einem Umbau anders?
Custombikes sind natürlich meine Leidenschaft. Hier geht es darum, dem Kunden, dem Customer, ein Motorrad anzufertigen, das perfekt auf seine Bedürfnisse und Ansprüche angepasst ist. Also ein Custombike im wörtlichen Sinne, quasi der Maßanzug unter den Motorrädern. Das setzt eine individuelle Beratung voraus, in der Fahrprofil, Fahrleistung und auch Ergonomie und Fahrkomfort besprochen werden.
Eigentlich ist man nie wirklich fertig. Nach dem Umbau ist vor dem Umbau.
Bei einem Umbau hat der Kunde ein Bild im Kopf und du eins in den Händen. Wer setzt sich durch, wenn die beiden nicht zusammenpassen?
„Wer zahlt, schafft an!“ Früher habe ich eher versucht, die Kunden beim Design zu beeinflussen. Das ist aber nicht richtig. Mittlerweile verstehe ich mich eher als Berater in Sachen Funktion, Ergonomie und Performance.
Deine Umbauten waren in Fachmagazinen wie Custombike, Easyriders und Dream Machines zu sehen. Welches Bike bedeutet dir bis heute am meisten?
Das ist natürlich mein erstes eigenes Custombike, bei dem ich sogar als Hersteller in den Fahrzeugpapieren stehe. Das habe ich noch während meiner Lehrzeit begonnen und während der Meisterausbildung beendet. Seitdem hat das Bike schon einige vollständige Wiedergeburten erlebt. Das ist auch etwas, das mich an Custombikes so fasziniert: Eigentlich ist man nie wirklich fertig. Nach dem Umbau ist vor dem Umbau.
Im Shop verkaufst du auch eigene Teile, vom Kettenspanner bis zum Tank-Kit, gefertigt in Süddeutschland. Was reizt dich daran, in einem Markt, in dem es scheinbar schon alles gibt?
Der Zubehörmarkt ist wahnsinnig umkämpft, und eigentlich gibt es jedes Teil schon in x-fachen Varianten. Mich reizt dann entweder, die Qualität zu verbessern oder das Design zu optimieren. Oder im besten Fall ein Teil zur Serienreife zu bringen, das es bis dato vielleicht nur als Einzelanfertigung gab.
Alltag in einer One-Man-Show
Wie sieht bei dir eine ganz normale Woche aus?
Arbeitsbeginn ist lange, bevor ich das Tor aufschließe: Werkstatt „hochfahren“, E-Mails bearbeiten, Waren einlagern und die Terminplanung durchgehen. Da ich eine One-Man-Show bin, plane ich die Aufträge so ein, dass ich mir auch Zeit für Kunden nehmen kann, die ohne Termin oder mit einem akuten Problem vorbeikommen. Das funktioniert und wird auch gut angenommen.
Mittwochs ist die Werkstatt geschlossen. Was passiert an dem Tag?
Der Mittwoch ist natürlich nur teilweise mein freier Tag. Da kümmere ich mich um Arbeiten, die etwas mehr Ruhe erfordern und die ich nicht unterbrechen möchte. Der Nachmittag gehört dann aber ganz meinen Kindern.
Was treibt dich an, auch an Tagen, an denen ein Motor einfach nicht will?
Ich habe das große Glück, täglich tun zu dürfen, was ich am liebsten mache, und bekomme dafür auch noch positives Feedback von meinen Kunden. Das ist wirklich Motivation genug. Und wenn eine Arbeit mal nicht so einfach von der Hand geht, wird es ja erst richtig interessant.
Woran merkst du, dass die Werkstatt läuft?
Ein klares Zeichen ist natürlich, wenn die freien Termine weniger werden. Wobei ich darauf achte, die Wartezeiten gerade in der Hauptsaison so kurz wie möglich zu halten. Zeitintensive Arbeiten an fahrbereiten Bikes müssen dann zum Beispiel in die Wintersaison verlegt werden. Durch mein gutes Netzwerk aus Lieferanten und zuarbeitenden Gewerken weiß ich, wo ich am schnellsten auch an schwer erhältliche Ersatzteile komme. Dadurch stehen die Kundenfahrzeuge nur kurz bei mir, und das wirkt sich natürlich auch auf die Zufriedenheit aus.
Gibt es etwas, das dich dabei besonders freut?
Wenn ein Umbau aus meiner Werkstatt wirklich für große Touren verwendet wird und nicht nur für die Fahrt zur Eisdiele. Dann zeigt sich, dass in den vielen Arbeitsstunden nicht nur ein schönes, sondern ein solides und tourentaugliches Motorrad entstanden ist.
Was war der schönste Moment, seit du dich selbstständig gemacht hast?
Nach einigen Monaten Selbstständigkeit hat meine Frau zu mir gesagt: „Du bist viel entspannter.“ Und genau das war vorher meine größte Sorge, dass ich mir permanent Gedanken über ausreichend Arbeit, genügend Umsatz und genug von allem Möglichen mache. Stattdessen darf ich machen, was mir wahnsinnig viel Spaß macht. Und der Rest ergibt sich.
Ein junger Mechaniker kommt in deine Werkstatt und überlegt, sich selbstständig zu machen. Was gibst du ihm mit?
Steck dir ein festes Ziel. Fang klein an. Investiere nur in Dinge, die du wirklich brauchst. Und wenn die schlimmste Konsequenz aus einem möglichen Misserfolg die wäre, dass du wieder in ein Angestelltenverhältnis wechseln müsstest: Probier es einfach aus!
Und wenn von deiner Geschichte nur ein Satz hängen bleiben soll?
Einfach mal machen, könnte gut werden!






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