Die Idee zu Studki hatte Sky Böhme als Schüler in Halle. Heute bietet sein KI-Unternehmen aus Wiesbaden Schulen eine Lernplattform an und hat nach eigenen Angaben mehr als 18.000 Lernende erreicht. Wie ist das so schnell gegangen?
Eine Idee aus der Oberstufe
Sky, die Idee zu Studki ist entstanden, als du selbst noch zur Schule gegangen bist. Wie fing das an?
Die Idee ist während meiner Schulzeit in Halle (Saale) entstanden. Ich habe im Sommer 2025 mein Abitur gemacht, aber schon in der Oberstufe, ungefähr seit 2023, darüber nachgedacht, wie man Lernen mit neuer Technologie wirklich verändern könnte. Damals wurde generative KI für Schülerinnen und Schüler immer selbstverständlicher. Für mich war die entscheidende Frage: Hilft uns diese Technologie tatsächlich dabei, Inhalte zu verstehen, oder erleichtert sie vor allem den Weg zur fertigen Antwort?
Mir war früh klar, dass es nicht reicht, einfach einen weiteren KI-Chat für Hausaufgaben zu bauen. Lernen ist mehr als ein Hin und Her aus Fragen und Antworten. Man braucht passende Erklärungen, unterschiedliche Zugänge zu einem Thema, Übungen und eine Begleitung, die auf den jeweiligen Lernstand eingeht. Aus dieser Überlegung entstand Schritt für Schritt unser Ansatz einer eigenen Lernplattform.
Wann wurde aus der Schüleridee ein Unternehmen?
Irgendwann musste ich entscheiden, ob das eine interessante Schüleridee bleibt oder ob ich tatsächlich ein Unternehmen daraus aufbaue. Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden, 2026 haben wir Studki gegründet. Der Schritt war groß, aber genau darum ging es mir: nicht nur darüber reden, wie Bildung in Zukunft aussehen könnte, sondern selbst etwas dafür entwickeln.
Pädagogik trifft Software
Stell dir vor, du sitzt auf einem Elternabend. Wie erklärst du einer Mutter, was Studki macht?
Ich würde ihr sagen: Studki ist eine digitale Lernbegleitung, die Ihrem Kind nicht einfach eine fertige Lösung vorsetzt, sondern ihm hilft, den Stoff selbst zu verstehen. Wenn ein Kind bei einer Matheaufgabe nicht weiterkommt, hilft Studki mit einem passenden Hinweis, einer Rückfrage, einer anschaulichen Erklärung oder einer ähnlichen Übungsaufgabe. Ziel ist, dass das Kind am Ende selbst sagen kann: Jetzt habe ich es verstanden.
Dafür verbinden wir KI mit didaktisch gestalteten Inhalten, Übungen, Lesetexten und Lernspielen. Kinder sollen Fragen stellen und Neues ausprobieren können, ohne Angst davor, dass sie etwas noch nicht können. Datenschutz und ein verantwortungsvoller Umgang mit Schülerdaten gehören für uns selbstverständlich zur Produktentwicklung.
Gegründet hast du zusammen mit deiner Frau Wilhelmine. Wie teilt ihr euch die Arbeit?
Wir ergänzen uns vor allem durch unsere unterschiedlichen Perspektiven. Wilhelmine bringt als Pädagogin sehr viel Verständnis dafür mit, was Kinder und Jugendliche beim Lernen wirklich brauchen. Ich kümmere mich stärker um die operative Unternehmensführung, die Produkt- und Softwareentwicklung, die Strategie und die Zusammenarbeit mit unserem Team und externen Entwicklerinnen und Entwicklern. Als junges Unternehmen kann man nicht jede Kompetenz allein abdecken, deshalb haben wir vieles mit spezialisierten Freelancern und weiteren Mitarbeitenden aufgebaut.
Natürlich haben wir nicht bei jeder Entscheidung dieselbe Sichtweise. Gerade bei neuen Produktideen müssen wir immer wieder abwägen, was technologisch möglich und was für Lernende pädagogisch wirklich hilfreich ist.
Zweifel, Bürokratie und Rückhalt
Gab es einen Moment, in dem du alles hinschmeißen wolltest?
Es gab nicht den einen dramatischen Augenblick, an dem ich den Stecker ziehen wollte. Es gab eher mehrere Phasen, in denen ich mich gefragt habe, ob sich der enorme Aufwand am Ende auszahlt. Besonders frustrierend war die Bürokratie rund um die Gründung. Obwohl wir professionelle Unterstützung hatten, zog sich der Prozess mit Handelsregister und Steuernummer über mehr als 20 Wochen. In einer jungen Firma fühlt sich so eine Wartezeit nicht nach einer Formalität an, sondern nach verlorener Handlungsfähigkeit.
Gleichzeitig muss man Geld, Zeit und Energie investieren, während der Aufbau noch unsicher ist. Gerade als junger Mensch ist das eine enorme Belastung. Ich habe dabei gelernt, dass Durchhaltevermögen nicht bedeutet, nie zu zweifeln. Es bedeutet, trotz der Zweifel weiter nach Lösungen zu suchen.
Was bringt dich an solchen Tagen dazu, weiterzumachen?
Wenn man mit Anfang 20 in einer umkämpften Technologiebranche unterwegs ist, gehört es zur Lernkurve, dass vieles nicht so funktioniert wie geplant. Wer etwas Neues schaffen will, kann nicht erwarten, dass von Anfang an jede Entscheidung richtig ist. Für mich ist entscheidend, an die eigene Idee zu glauben, aus Fehlern zu lernen und sich von Rückschlägen nicht dauerhaft ausbremsen zu lassen.
Ein ganz wesentlicher Rückhalt ist Wilhelmine. Sie kennt nicht nur die schönen Momente, wenn etwas gelingt, sondern auch die Phasen, in denen es anstrengend und unübersichtlich wird. Jemanden an meiner Seite zu haben, der mich privat und unternehmerisch unterstützt und eine eigene fachliche Perspektive mitbringt, ist für mich unglaublich wertvoll.
Aus den Pilotschulen in den Schulalltag
Vor dem bundesweiten Start haben mehrere Hundert Schülerinnen und Schüler die Plattform in Pilotschulen getestet. Was hat dich dabei überrascht?
Vor allem, wie sehr ein einziges Fach dominiert. Nach unseren internen Auswertungen entfallen rund 70 Prozent der Schüleranfragen auf Mathematik. In Mathe kann schon ein kleiner Verständnisfehler dazu führen, dass man beim nächsten Schritt nicht weiterkommt. Genau dort hilft eine Lernbegleitung, die geduldig nachfragt und mehrere Erklärungswege anbietet.
Die Testphase hat uns noch etwas gezeigt: Nicht alle nutzen die Plattform gleich. Manche möchten eine kurze Hilfestellung, andere brauchen einen längeren Erklärungsweg oder eine neue Übung. Für uns war das die Bestätigung, dass eine gute Lern-KI nicht alle Anfragen identisch beantworten darf.
Aus der Schulidee ist innerhalb eines Jahres ein Unternehmen geworden. Woran merkst du, dass es funktioniert?
Der erste wichtige Meilenstein war die Pilotphase Anfang 2026, in der wir unser Konzept unter echten Bedingungen ausprobieren konnten. Aus einer Idee wurde dadurch etwas, das tatsächlich im Lernalltag genutzt wird. Der zweite war der bundesweite Start unserer Lernplattform für Schulen am 1. September 2026. Spätestens damit musste das Angebot über einzelne Pilotschulen hinaus funktionieren.
Der dritte Punkt ist das Wachstum. Nach unseren eigenen Zahlen haben wir inzwischen mehr als 18.000 Lernende erreicht. Mindestens genauso wichtig ist mir, dass die Plattform intensiv genutzt wird: Die Schülerinnen und Schüler stellen Fragen, arbeiten an Aufgaben und kommen mit neuen Themen wieder. Reichweite ist für mich aber noch kein Beweis für Lernerfolg. Daran müssen wir weiter arbeiten und uns messen lassen.
Ihr denkt Studki inzwischen auch über die Schule hinaus. Welche weiteren Einsatzmöglichkeiten seht ihr?
Die Grundidee endet nicht mit dem Schulabschluss. Menschen müssen ihr ganzes Leben lang Neues lernen, in der Ausbildung, bei einem Berufswechsel oder wenn sie in einem Unternehmen neue Aufgaben übernehmen. Deshalb denken wir die KI-Lernumgebung bewusst weiter, in Richtung betriebliche Bildung, Einarbeitung und perspektivisch auch Hochschulen. Daneben haben wir einen Beratungsbereich aufgebaut, in dem wir Einrichtungen bei Konzeption, Entwicklung und Einführung digitaler Lösungen begleiten.
Ernst genommen werden mit Anfang 20
Was sagst du jemandem aus der zwölften Klasse, der eine eigene Idee hat, sich aber nicht traut?
Trau dich, deine Idee ernst zu nehmen. Junge Menschen unterschätzen oft, wie viel sie schon beitragen können, weil ihnen gesagt wird, dass ihnen Erfahrung fehlt. Fehlende Berufsjahre bedeuten nicht, dass man keine gute Idee haben oder keine Verantwortung übernehmen kann.
Man muss lernen, mit Selbstbewusstsein in Gespräche zu gehen, auch wenn am Tisch deutlich ältere Menschen sitzen und es um Förderprogramme oder Entscheidungen in Millionenhöhe geht. Es geht nicht darum, mehr zu wissen, als man weiß, sondern die eigene Vision erklären zu können und sich nicht wegen des Alters kleinzumachen. Aber wer wartet, bis er sich hundertprozentig bereit fühlt, fängt womöglich nie an.
Gute Ideen sollten nicht daran scheitern, dass jemand zu jung ist, um sie ernst zu nehmen.
Wenn du heute zurückblickst: Worauf bist du stolz?
Wilhelmine und ich haben das Unternehmen in sehr jungen Jahren gemeinsam aufgebaut. Wir haben viel gelernt, mussten uns vieles selbst erarbeiten und sind stolz darauf, dass aus einer Idee aus der Schulzeit heute ein Unternehmen mit einem Team und einer wachsenden Plattform geworden ist. Gleichzeitig möchte ich Studki nicht als abgeschlossene Erfolgsgeschichte erzählen. Wir sind mitten in einer Entwicklung und haben viel vor uns. Wir arbeiten gern kooperativ und freuen uns über den Austausch mit Schulen, sozialen Einrichtungen, Unternehmen und Menschen, die ähnliche Herausforderungen lösen möchten. Gute Ideen sollten nicht daran scheitern, dass jemand zu jung ist, um sie ernst zu nehmen. Entscheidend ist, ob man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und aus der Idee etwas zu machen.
Welcher Satz soll von deiner Geschichte hängen bleiben?
Junge Menschen können vielleicht noch nicht auf jahrzehntelange Erfahrung zurückblicken, aber sie bringen die Visionen mit, aus denen unsere Zukunft entsteht.






.png)






