Mit Wave In Motion produziert Theodora Shandé in Köln Filme, Fotos und 3D-Visualisierungen für das Bau- und Ingenieurwesen. Gelernt hat sie Bankkauffrau, um auf Nummer sicher zu gehen. Was bedeutet Sicherheit für sie heute?
Bauwerke sichtbar machen
Theodora, was bucht jemand, der heute bei Wave In Motion anruft?
Vor allem Sichtbarkeit. Wir sind das mediale Komplettpaket für Unternehmen aus dem Bau- und Ingenieurwesen. Wir verstehen den Bereich und können komplexe Inhalte so aufbereiten, dass sie nicht nur Ingenieure verstehen, sondern auch Laien, und dass sie vor allem toll aussehen. Von 3D-Visualisierungen über Videografie und Fotografie bis hin zu Marketingmanagement und Öffentlichkeitsarbeit setzen wir die mediale Kommunikation für unsere Kunden ganzheitlich um. Und hier und da, wenn uns die Muse trifft und wir die Kapazitäten haben, widmen wir uns Themen, die unserer Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. So ist mein Dokumentarfilm über den Genozid im heutigen Namibia entstanden.
Wem machst du mit deinen Filmen über Brücken und Bauwerke den Tag besser?
Was hinter so einem Bauwerk steckt, wissen die wenigsten. Am Ende steht dort eine Brücke, die uns die nächsten 100 Jahre tragen wird.
Ich möchte den Unternehmen, aber insbesondere den Menschen hinter diesen riesigen Bauwerken Sichtbarkeit geben für das, was sie jeden Tag tun: ein Stück Deutschland bauen.
Wenn man jemanden für einen Beruf begeistern möchte, reichen trockene Zahlen und Fakten nicht aus. Am Ende sind es Emotionen, die uns einfangen. Und wenn es dann auch noch fachlich korrekt ist, haben wir den klassischen Ingenieur auf unserer Seite. (lacht)
Bankausbildung, WG-Büro, erstes Team
Angefangen hast du ganz woanders, mit einer Ausbildung zur Bankkauffrau. Wie kam es dazu?
Die Ausbildung habe ich gemacht, um auf Nummer sicher zu gehen. Nach sechs Monaten war ich mir bei zwei Dingen ziemlich sicher: Ich will auf keinen Fall Bankkauffrau werden. Und ich werde diese Ausbildung auf jeden Fall erfolgreich beenden. Denn etwas abbrechen, was ich einmal begonnen habe, kam für mich gar nicht in die Tüte. Medien haben mich schon immer fasziniert, aber sie schienen mir eine unerreichbare Welt. So wurde es ein Studium in Medien- und Kommunikationsmanagement. Das konnte man damals nur privat studieren, also habe ich einen Studienkredit aufgenommen und drei Jobs gleichzeitig gemacht, um mich in Köln über Wasser zu halten. Gerade der Praxisanteil im Studium hat mich am Ende zu Wave In Motion gebracht. Die beste Investition, die ich übrigens bis heute abbezahle (lacht).
Gegründet hast du 2021, mitten in der Pandemie. Wie sah der Alltag damals aus?
Der erste Firmensitz war meine WG in Köln-Zollstock. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit Corona in meiner Wohnung lag, die gleichzeitig mein Büro war, während mein Kommilitone mit meinem damaligen Dozenten nach Berlin gefahren ist, um für unseren Kunden den Einhub der Behelfsbrücke an der Elsenbrücke aufzunehmen. Dann bekam ich einen Anruf: Die Drohne war in die Spree gestürzt und auf Nimmerwiedersehen darin versunken. Ich habe daraufhin, meiner Meinung nach halb tot, einen Drohnenverleiher nach dem anderen kontaktiert, um kurzfristig in Berlin eine neue Drohne aufzutreiben. Ich war erfolgreich. Sobald ich wieder negativ getestet war, ging es im Schnittraum der Hochschule weiter. Oft bin ich so lange geblieben, dass die Hochschule schon geschlossen hatte und ich das Gebäude über den Notausgang verlassen musste.


Irgendwann ging es um Arbeitsverträge und Gehälter, die jeden Monat pünktlich da sein müssen. Wie hast du diesen Wechsel erlebt?
Ich weiß gar nicht, wie oft ich Sachen trotzdem selbst gemacht habe, weil ich dachte: Bevor ich das erklärt habe, habe ich es schneller selbst erledigt. Doch ziemlich schnell habe ich gemerkt, dass Mitarbeitende auch mehr Know-how und mehr Kompetenz bedeuten. Auf einmal musste ich mich aber auch mit Stundensätzen, Urlaubstagen und Anfahrtskosten beschäftigen. Und damit, dass Mitarbeiter nicht wie ich einfach mal 14 Stunden am Tag arbeiten dürfen. So habe ich mich immer mehr aus der Produktion zurückgezogen und bin immer tiefer in die Geschäftsführung eingetaucht. Das war kein bewusster Schnitt, sondern ein schleichender Prozess.
Kurz vor dem Aufgeben
Gab es einen Moment, an dem du ernsthaft überlegt hast, alles hinzuschmeißen?
Mein damaliger Dozent und ich hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Wave In Motion sich entwickeln sollte. Ich möchte gar nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es kam zu einem Vertrauensbruch, der mich ziemlich aus der Bahn geworfen hat. Ich war kurz davor, aufzugeben und genau das zu tun, was mir immer Sicherheit gegeben hat: mich anstellen zu lassen. Mein Geschäftspartner und meine damalige beste Freundin haben mich sehr unterstützt. Gleichzeitig habe ich mir therapeutische Hilfe geholt. Irgendwann wurde mir klar: So möchte ich das nicht beenden. Also habe ich weitergemacht. Nicht, weil plötzlich alles wieder gut oder einfach war, sondern einen Tag nach dem anderen.
Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?
Dass gerade im Business nicht jede Person unbedingt dein Bestes möchte und Vorsicht manchmal eben doch eine Tugend ist. Ich habe aber auch etwas wieder gelernt, das ich als Jugendliche erstaunlich gut konnte: mehr auf mich selbst zu hören. Die Meinungen anderer Menschen als genau das zu betrachten, was sie sind. Meinungen. Keine Tatsachen. Keine Anweisungen. Und ich habe gelernt, dass es vollkommen in Ordnung ist, sich Hilfe zu holen, wenn man allein nicht mehr weiterkommt. Vielleicht sogar, bevor man gar nicht mehr kann.
Lange warst du morgens die Erste im Büro und abends die Letzte, obwohl du gar kein Morgenmensch bist. Was hast du umgestellt?
Ich bin mittlerweile nicht mehr die Erste im Büro, und es kommt sogar vor, dass ich nicht die Letzte bin. Manchmal ertappe ich mich noch dabei, wie ich mich rechtfertige, wenn ich „schon“ um 17 Uhr Feierabend mache. Aber immer öfter tue ich es einfach. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht mal sicher, ob überhaupt jemand im Team registriert hat, dass ich nicht mehr immer die Erste und die Letzte bin. Ich glaube, ganz viel davon ist einfach nur in meinem Kopf.
Ein Dokumentarfilm neben dem Tagesgeschäft
Für deinen Dokumentarfilm „Sorry For The Genocide“ haben mehrere Geldgeber abgesagt. Entstanden ist er trotzdem, neben dem Tagesgeschäft. Wie habt ihr das gestemmt?
Wir hatten noch nie einen Dokumentarfilm produziert und ehrlich gesagt keine Ahnung, was auf uns zukommen würde, nachdem wir einmal Ja gesagt hatten. Heute kann ich sagen: So würde ich es nicht noch einmal machen. Unsere Cutterin ist zum Beispiel sehr froh darüber, am Wochenende oder spät abends keine Nachrichten mehr von mir zu bekommen, ob sie doch bitte noch schnell ins Büro kommen kann. Vor allem würde ich die Finanzierung viel früher sicherstellen und realistisch planen, welche Kapazitäten wir neben dem Tagesgeschäft überhaupt haben. Denn so stolz wir auf das Ergebnis sind: Finanziell haben wir noch immer an den Kosten zu knabbern. Begeisterung allein reicht manchmal nicht. Auch wenn sie bei uns allen da war. Danach braucht es Strukturen, Ressourcen und einen Plan, damit nicht das ganze Team die Konsequenzen tragen muss.
Im Juni hatte der Film Weltpremiere auf der doxumentale in Berlin, danach gab es Vorführungen in Namibia für die Menschen aus dem Film. Was war dein schönster Moment?
Es ist beeindruckend zu sehen, welche Wirkung etwas haben kann, das wir erstellt haben. Das fängt damit an, dass bei einer Bürgerversammlung eine unserer 3D-Visualisierungen genutzt wird, um den Bürgern zu erklären, was in den nächsten fünf Jahren vor ihrer Haustür gebaut wird. Und es geht so weit, dass sich der deutsche Botschafter in Namibia zu einem Screening unseres Dokumentarfilms anmeldet, tatsächlich kommt und mit den Protagonisten über die Themen des Films diskutiert. Unsere Hauptprotagonistin Sima hat mir gesagt, sie habe sich selbst noch nie so verletzlich und gleichzeitig so echt dargestellt gesehen, sowas bleibt hängen.
Mit Plan B den Plan A wagen
Was würdest du jemandem sagen, der heute überlegt, sich selbstständig zu machen?
Früher war Scheitern für mich das Schlimmste überhaupt. Denn was würden dann nur die anderen von mir denken? Heute weiß ich: Du fällst. Und zumindest in Deutschland fällst du nicht tief. Du klopfst dir den Dreck von den Knien, stehst wieder auf und schaust dich nach dem nächsten Potenzial zum Scheitern um. Für mich geht es mittlerweile darum, mir zu überlegen: Was ist mein Plan B? Meiner war immer klar: zurück zur Bank oder ins Marketing eines großen Konzerns. Und wenn es einen Plan B gibt und Plan A eine echte Chance verdient hat, dann möchte ich lieber ausprobieren, wohin er mich führt. Mit zwölf dachte ich noch, ich müsste vor allem einen möglichst sicheren Weg finden. Heute weiß ich: Sicherheit bedeutet zu wissen, dass ich auch nach dem Scheitern weitermachen kann.
Und was gibst du allen mit, deren Weg nicht so geradlinig aussieht?
Wenn jemand das Gefühl hat, der eigene Weg würde zu nichts führen, nur weil ein anderer erfolgreicher oder geradliniger aussieht, dann lasst euch gesagt sein: Das ist Quatsch. Je ungewöhnlicher der Weg, desto besser die Geschichten, die du darüber erzählen kannst. Und desto eher können sich andere Menschen mit dir identifizieren.






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