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Lexware
Eine Abbildung von drei zusammengelegten Strickpullover

Von Maschinenhand gestrickt

Larisa Pitkevich hatte irgendwann genug von den unethischen Praktiken der Fast-Fashion-Industrie. Nach vielen Jahren in der Branche stieg sie aus und startete ihr eigenes Business. Mit t7berlin bietet sie fair produzierte Zero-Waste-Strickmode. Und zeigt damit, wie viel Nachhaltigkeit in der Modeproduktion möglich ist. Dafür setzt sie auf das innovative 3D-Strickverfahren.

Porträt von Larisa Pitkevich.
zur Person

Larisa Pitkevich

Larisa Pitkevich ist Gründerin und Geschäftsführerin des Berliner Mode-Startups t7berlin, das sie Ende 2019 startete.

  • Nach vielen Jahren in der Fast-Fashion-Branche stieg die gebürtige Russin aus und entwickelte mit t7berlin eine Marke für fair produzierte Zero-Waste-Strickmode auf Basis des 3D-Strickverfahrens.
  • Die Produktion läuft über einen Partner in Italien, das Unternehmen wurde ohne Fremdkapital aufgebaut und ist mehrfach ausgezeichnet.
Kurz gefasst
Larisa Pitkevich
Im Überblick
  • t7berlin setzt auf 3D-Strick: Maschinen stricken Teile nahtlos und ohne Abfall am Stück
  • Ein Strickteil ist in rund 30 Minuten fertig; Materialien sind kompostierbar und zertifiziert
  • Produktion in der EU über einen Partner in Italien, ohne Fremdkapital aufgebaut
  • Rund 90 Prozent der Käufe stammen von Stammkundschaft; mehrfach ausgezeichnet und für Awards nominiert

Strickteile, die in 30 Minuten fertig sind. Produziert, ohne dass auch nur das kleinste Fitzelchen Abfall entsteht – keine Stoffabschnitte oder Garnreste. Materialien, die durch die Bank kompostierbar und zertifiziert sind. Und alles made in EU und somit CO2-sparend. Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein, aber so kann tatsächlich Mode gemacht werden. Das zeigt Larisa Pitkevich mit ihrem innovativen Startup t7berlin. Ganz nach dem Motto: Große Modekonzerne, nehmt euch ein Beispiel!

Das Verfahren, auf das Larisa setzt, nennt sich 3D-Strick. Für die gebürtige Russin ist klar: Dieses Verfahren könnte die Zukunft der Mode sein, zumindest der Strickmode. Gestrickt wird dabei nicht von Menschen-, sondern Maschinenhand. Das Strickmuster wird in eine Software eingegeben, die Maschine legt los und strickt das Teil am Stück. Nach etwa 30 Minuten ist es fertig. Es ist völlig nahtfrei und schmiegt sich dadurch dem Körper an. Dann fehlt nur noch der Feinschliff: ein Waschgang, Bügeln, Logo dran und schon kann das Strickstück an die Stange.

Wenn dieses Verfahren einen Haufen Müll spart und Strickmode schneller  produzieren kann, als Näher:innen es von Hand je könnten, warum wird es dann nicht überall eingesetzt? „Die Maschinen sind sehr teuer in der Anschaffung. Dann braucht es das Know-How, also Personal, das sich mit dem Verfahren auskennt. Die meisten Modefirmen wollen bei der Produktion sparen, deshalb kommt das für sie nicht in Frage. Die traurige Wahrheit: Eine Näherin in Bangladesch ist immer noch die günstigste Option“, erklärt Larisa.

Die Gründerin war selbst lange in der klassischen Modebranche unterwegs, hat Textil-Wirtschaftsingenieurwesen studiert und für Fast-Fashion-Unternehmen gearbeitet. Doch von Jahr zu Jahr wurde sie nachdenklicher. Larisa hat tiefe Einblicke in die Branche bekommen, von manchen wurde ihr übel. „Ich kenne die Preiskalkulationen, weiß, welche Produktionsschritte nötig sind. Ein T-Shirt für drei Euro anzubieten, das geht einfach nicht. Jedenfalls nicht, ohne dass irgendwo jemand ausgebeutet wird“, sagt Larisa. Nachrichten wie der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch, bei dem mehr als tausend Menschen starben, waren dann der Tropfen auf den heißen Stein. Larisa zog die Reißleine und beschloss, etwas Eigenes aufzubauen. Ein Unternehmen, das nicht auf der Ausbeutung anderer ansetzt, sondern wirklich nachhaltige und faire Mode anbietet.

„Ich dachte mir: Die gesamte Branche kann ich nicht ändern. Aber ich fange mal damit an“, erzählt Larisa. Also gründete sie Ende 2019 t7berlin. Von dem 3D-Strickverfahren wusste sie bereits, aber es lag mehr oder weniger brach, weil sich kaum ein Unternehmen die deutlich teurere Produktion leisten will. In Italien fand sie schließlich einen Partner, der mit dem Verfahren arbeitet und die Teile für sie produzieren wollte. Dann suchte sie Garne aus, entwickelte Strickmuster und legte los. Ganz ohne Fremdkapital und in schwierigen Zeiten, aber mit einer Vision, die alles andere in den Schatten stellte.

2019, kurz vor Corona, gründete Larisa t7berlin. Die Krise traf die noch unbekannte Marke hart. Im Dezember 2020 eröffnete die Gründerin ihren ersten Laden. Zwei Wochen später musste sie wieder schließen – Lockdown Nummer zwei. Seitdem hangelt sie sich von Krise zu Krise. Dass sie es trotz aller Widrigkeiten und ohne Unterstützung eines Investors geschafft hat, sich einen treuen Kundenstamm aufzubauen, macht die Unternehmerin stolz: „Knapp 90 Prozent der Einkäufe werden von Stammkunden und -kundinnen getätigt.”

t7berlin wurde bereits für mehrere Awards nominiert. Das Startup hat den wachstumsstark Award 2023 gewonnen. Außerdem wurde es im letzten Jahr von der UN zu einem der Top 100 Meaningful Businesses (MB100) gewählt.

Welche Ziele Larisa mit t7berlin noch hat? Die Antwort kommt sofort: „Wir können eines der größten Unternehmen für Strickmode werden, warum auch nicht?“. Die Gründerin träumt groß, darunter fängt sie erst gar nicht an. Wenn das mal keine guten Voraussetzungen sind, um etwas zu bewegen!

Der nächste Schritt sollen 3D-Bodyscanner sein, die im Store in Berlin platziert werden. Damit können Strickwaren hergestellt werden, die zu 100 Prozent individuell an den Körper angepasst sind. Das wäre auch ganz einfach machbar – mit ein paar Klicks wären die Änderungen in die Software eingegeben und das gute Stück könnte sich auf den Weg machen.

Hier kommt ihr zu t7berlin: WWW.T7BERLIN.COM

© Foto Credits:
unsplash | t7berlin
Auf einen Blick
Häufige Fragen zu
Larisa Pitkevich
Was macht t7berlin?

Das Mode-Startup produziert nachhaltige Strickmode im 3D-Strickverfahren, nahtlos, abfallfrei und mit kompostierbaren, zertifizierten Materialien.

Wie funktioniert 3D-Strick?

Das Strickmuster wird in eine Software eingegeben, die Maschine strickt das Teil in rund 30 Minuten am Stück; danach folgen Waschen, Bügeln und Logo.

Warum nutzen nicht mehr Firmen das Verfahren?

Die Maschinen sind teuer in der Anschaffung, es braucht spezialisiertes Personal, und viele Modefirmen sparen lieber bei der Produktion.

Wie kam Larisa Pitkevich zur Gründung?

Nach Jahren in der klassischen Modebranche und Einblicken in Ausbeutung und Fast-Fashion-Kalkulation beschloss sie, ein faires, nachhaltiges Unternehmen aufzubauen.

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