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Bild von Sara Boukal und Jonas Al-Nemri

Gründen mit Impact

Sara Boukal ist bereits mehrfache Gründerin – mit dem KI Start-up PENEMUE schützt sie gemeinsam mit ihrem Co-Gründer Jonas Al-Nemri Menschen vor Hatespeech und digitaler Gewalt im Netz. Mit ihrem Verein Futur F berät sie Gründerinnen beim Schritt in die Selbstständigkeit, setzt sich für Gleichberechtigung ein und bringt Gründer:innen bei Netzwerkevents und Veranstaltungen zusammen.

Portrait von Sara Boukal

„Gründen bedeutet, ein hochinnovatives, schnell skalierendes Start-up ins Leben zu rufen.“ Warum kann Gründen mehr sein als das?

Gründung ist für mich vor allem eines: Leidenschaft! Das Brennen für die eigene Idee und für das Problem, das ich damit lösen will. Welcher Schwerpunkt beim Gründen gewählt wird, hängt natürlich immer mit der Gründerpersönlichkeit zusammen. Mich motiviert es zum Beispiel sehr, mit einer technischen Lösung ein gesellschaftliches Problem zu lösen – also Menschen wirklich weiterzuhelfen. Ich glaube es ist ein Mythos, dass ein Unternehmen entweder positiven Impact erzielen kann, oder aber innovativ ist und erfolgreich skalieren kann. Mit Penemue verfolge ich beides!

Wie finde ich als Gründungsneuling oder vor dem Schritt in die Selbstständigkeit heraus, ob meine Idee Potential hat?

Ich muss sichergehen, dass meine Idee ein echtes Problem löst, dass es einen Bedarf hierfür gibt. Das erfrage ich am besten direkt bei meiner Zielgruppe – und kann hierbei auch schon prüfen, ob ich überhaupt klar habe, wer denn meine Zielgruppe sein soll. Je früher ich meine Idee teste – und sei es nur in Gesprächen – desto eher bekomme ich wertvolles Feedback und kann Fehler lieber früher als später beheben. Fail early, fail often ist ein vielleicht anfänglich hartes Motto, aber es stimmt tatsächlich! Wenn ich Fehler als Lernchancen verstehe, muss ich nicht mehr so viel Angst vor ihnen haben und kann schneller erkennen, welcher Weg erfolgsversprechend ist.

Fail early, fail often ist ein vielleicht anfänglich hartes Motto, aber es stimmt tatsächlich!

Wie war das bei Penemue, wie habt ihr den Marcht-Check gemacht?

Dass Hatespeech ein Problem ist, war mir ja bewusst. Herausfinden musste ich jedoch, wie unsere Zielgruppen dem Problem aktuell begegnen und wieso sie mit bestehenden Lösungen unzufrieden sind. Hier gab es doch die eine oder andere Überraschung! Indem man früh mit der Zielgruppe spricht, kann man die Lösung an den echten Bedürfnissen der Nutzer:innen ausrichten.

Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen bei Gründung und Selbstständigkeit?

Aus eigener Erfahrung und aus den vielen Beratungen sind es auf jeden Fall Finanzierungsmöglichkeiten, insbesondere Investments und Förderungen. Gerade Frauen sind noch deutlich seltener in entsprechenden Netzwerken vertreten, darum fehlen oftmals Zugänge zu Investor:innen.

Sara lehnt sich an eine weiße Wand und hat ihre Arme verschränkt

Und was sind die guten Seiten des Gründens?

Für die Vereinbarkeit von Gründung und Familie kann ich als Mutter sagen – es gibt ganz klare Vorteile, selbständig zu sein oder sein eigenes Unternehmen zu haben. Ich kann maximal flexibel arbeiten. Trotzdem haben viele noch ein veraltetes Gründer-Bild im Kopf, wo Familie keinen Platz hat. Ich hoffe, dass es durch die Sichtbarkeit von Vorbildern immer normaler werden wird, dass sich auch Menschen mit Familienwunsch an eine Gründung herantrauen!

Was glaubst du, warum gehen in Deutschland seit Jahren die Gründungszahlen zurück?

Den Weg in die Selbstständigkeit oder der Aufbau des eigenen Unternehmens ist immer mit Unsicherheiten verbunden und oft ziehen Menschen einen sicheren Job vor. Sicherlich kann auch von staatlicher Seite noch vieles gründungsfreundlicher gestaltet und z.B. der Weg zu Fremdkapital erleichtert werden. Ich erlebe es ja selbst – es ist langwierig und man braucht Ausdauer (und ausreichend Mut) um in der ersten risikoreichsten Phase Geld zu bekommen. Wir entwickeln künstliche Intelligenz, das ist erst einmal sehr teuer und dauert außerdem, bis man etwas vorweisen kann – außerdem wagen wir Dinge, die es so noch nicht gab. Es gilt hier also Menschen zu finden, die auf die Idee vertrauen, die an die Vision glauben und die bereit sind, dieses Potential zu heben.

Ich wünsche mir mehr Vertrauen in Frauen und ihre Ideen – und das muss sich auch finanziell zeigen: also mehr Fundingmöglichkeiten für Gründerinnen und gemischte Teams.

Was müssen wir tun, damit insbesondre auch mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen?

Ich wünsche mir mehr Vertrauen in Frauen und ihre Ideen – und das muss sich auch finanziell zeigen: also mehr Fundingmöglichkeiten für Gründerinnen und gemischte Teams. Seit Jahren gehen nicht mehr als 2% des Wagniskapitals, das in der EU investiert wird, an Frauen – das muss sich wirklich ändern!

Und zum Schluss: Was sind deine drei Geheimzutaten, die dir deine Arbeit als Gründerin erleichtern?

Erfolge feiern (auch die Kleinen!), ein gutes Netzwerk und Kaffee.

Wie Sara mit Penemue gegen Hate Speech im Netz vorgeht, lest ihr hier: www.penemue.ai

© Foto Credits: Silvia Wolf

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