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Vielfalt in der Musikbranche

Andrea Rothaug, CEO von RockCity Hamburg e.V., setzt sich für mehr Diversität in der Musikbranche ein. Wie gelingt ihr das und was können andere von ihr lernen?

Andrea am Mikrofon, umgeben von vielen jubelnden Menschen

“Das Lineup wird länger: Mehr Platz für noch mehr Männer”, singen BLOND. Ob deutsche Festivalbühnen oder Top Charts: Laut der Studie “Gender in Music” sind mehr als 70 % männlich besetzt. Mehr Platz für Frauen: Das will Andrea Rothaug. Dafür setzt sie auf politische Lobbyarbeit und initiiert Projekte wie Music Women Germany. Warum ist Vielfalt elementar für die gesamte Branche? Mit welchen Impulsen lässt sich der Wandel anstoßen? Hier kommt geballte Inspiration!

Lexware: Andrea, es scheint, Frauen seien noch nie so präsent und erfolgreich wie heute. Warum zieht diese Entwicklung an der deutschen Musikbranche vorbei?

Die deutsche Musikbranche hat viele männliche Gatekeeper. Ob Pop, Jazz oder Klassik: Es fehlt an Zugangsgleichheit. Überall, wo Geld verdient wird, ist die Luft für Frauen dünner. Ihre Karrierewege sind länger. So kommen sie nur schwer an Positionen heran, in die Männer direkt einsteigen.

Lexware: Was braucht die Branche?

Parität. Mehr musikschaffende Frauen, mehr Frauen in der Musikwirtschaft, in Tech- und Security, in Schlüsselpositionen, auf Tour, als Stagehands. Dafür braucht es flexible Arbeitsmodelle und sichere Arbeitsbedingungen. Parität würde der Branche mehr Vielfalt und Wirkungsfelder bescheren.

Lexware: Welche genau?

Nur um zwei zu nennen: Diverse Teams arbeiten ertragreicher als sogenannte “Monokulturen“. Vielfalt, Equality, Vereinbarkeit sind außerdem Must-haves in der Nachwuchsförderung – und damit ausschlaggebend im Job. Auch für männlich gelesene Menschen.

Setzt auf Empowerment. Seid unermüdlich, seid beharrlich. Und immer solidarisch.

Lexware: Eines deiner zahlreichen Projekte aus über 20 Jahren Lobbyarbeit ist musikschaffenden Frauen gewidmet. Wie kam es zu Music Women* Germany?

Ich legte vor Jahren, an einem großen runden Tisch – vorrangig mit männlichen Musikschaffenden – Veto ein, als sie über den Gender Gap der Branche sprachen. So wurde ich gebeten, ein Konzept vorzulegen, das diese Lücke schließen sollte. 2019 gründeten wir Music Women* Germany als ein Projekt von RockCity Hamburg e.V.. Heute hat der Bundesverband bereits neun von 16 Ländervertretungen. Unsere Datenbank macht Hunderte musikschaffender Frauen* sichtbar. Hinzu kommen Formate wie Jobbörse, Events und Auszeichnungen. Die Behauptung “Ich habe keine Keyboarderin gefunden" ist leer.

Lexware: Du bist CEO, präsent in Gremien, Vorständen und Aufsichtsräten. Was hat dazu beigetragen?

Ich vermute meine Sozialisation. Meine Eltern trainierten uns drei Schwestern zur politischen Teilnahme. Und ich studierte feministische Linguistik. Das wirkt als weibliche Führungsperson bis heute nach.

Lexware: Was sagt deine Erfahrung: Mit welchen Impulsen können Frauen ihre Branche feministischer gestalten?

Haltung macht das Profil. Sie ist elementar für sinnvolles Wirken – privat und beruflich. Fragt euch, wofür ihr steht. Vernetzt euch, bildet Banden! Tut euch für euer Thema mit Kolleg:innen zusammen. Bezieht männliche Allies ein: Männer sind unerlässlich für Equality. Teilhabe bedeutet, teilzunehmen: Also, seid dabei. Seid präsent! Nutzt Zahlen, um auf euer Thema aufmerksam zu machen. Übt politischen Diskurs, um für eure Sache einzustehen. Setzt auf Empowerment. Seid unermüdlich, seid beharrlich. Und immer solidarisch.

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