Begrüßung und Einordnung
Felix: Ton läuft auch. Wir können.
Christian: Super. Ich freue mich heute sehr, dich, lieber Felix, Felix von der Laden, zum Tell Your Story Podcast begrüßen zu dürfen. Wunderbar, dass du heute hier bist.
Felix: Vielen Dank für die Einladung. Freue mich sehr.
Christian: Die meisten kennen dich schon, vielleicht ein bisschen altersbedingt unterschiedlich, aber du hast eine ganze Generation geprägt, das muss man sagen. Was ich so spannend finde: Du bist ein Selfmade-Unternehmer, groß geworden mit YouTube, gerade aus der Minecraft-Gang, aber bist zum Unternehmer geworden. Du hast aus diesen Videos angefangen, Business zu machen. Da stand dann ein ganzes Team dahinter, eine Verantwortung, bis wieder zurück zum Solo-Selbstständigen. Und es ist ja noch ein sehr junges Business, die Creator Economy, die da skaliert. Ganz herzlich willkommen, lieber Felix.
Christian: Wir starten immer mit einem Wortpaar, damit die Zuhörerinnen und Zuhörer ein Bild von dir bekommen. Da kann man nicht richtig falsch liegen, sowas wie Tee oder Kaffee, Marmelade oder Nutella, und du sagst einfach, was es eher ist.
Wortpaare zum Aufwärmen
Christian: Die erste ist wahrscheinlich sehr einfach. YouTube oder TikTok?
Felix: YouTube, 100 Prozent.
Christian: Spaß oder Strategie?
Felix: Spaß. Aber wenn eine gute Strategie funktioniert, habe ich auch Spaß.
Christian: Kinderzimmer oder YouTube-Haus?
Felix: YouTube-Haus. Ich habe im Kinderzimmer angefangen, aber das YouTube-Haus war eine sehr prägende Zeit und ein Traum, den man sich aus dem Kinderzimmer erträumt hat.
Christian: Longboard oder Motorsport?
Felix: Oh, das ist schwer. Ich sage Motorsport.
Christian: Köln oder Mallorca?
Felix: Mallorca.
Christian: Große Bühne oder viele Likes?
Felix: Dann lieber von zu Hause aus auf die Likes gucken.
Christian: Großes Team oder Solo-Unternehmer?
Felix: Solo-Unternehmer.
Christian: Das dachte ich. Super, vielen Dank.
Das Why: Spaß als Antrieb
Christian: Wir gehen ein bisschen nach Simon Sinek und seinem TED-Talk über den Golden Circle: Why, How, What. Was ist dein Why? Ich mache gern ein Beispiel: Unser Why bei Lexware ist, Unternehmertum zu erleichtern. Im How machen wir das über unsere Haltung mit Tell Your Story, also Bühne und Sichtbarkeit geben, und über den Anspruch auf eine gute Lösung. Und dann kommt erst das Was, wofür man uns kennt: Buchhaltung, Rechnung und so weiter. Wenn du über dich nachdenkst, was ist dein Why?
Felix: Das ist eine gute Frage. Bei euch ist das Why ja eigentlich nicht etwas, warum ihr es für euch macht, sondern für andere. Bei mir wäre „Ich möchte, dass die Leute gute YouTube-Videos gucken können“ nicht ganz richtig. Das ist schön und will ich auch, aber das Why ist hauptsächlich: Das ist der beste Job, den ich mir vorstellen kann. Ich bin da reingeschlittert und möchte nie wieder weg, weil mir das richtig viel Spaß macht.
Christian: Also Spaß ist immer dein Begleiter?
Felix: Spaß ist ganz weit oben. Beim Why würde ich direkt mit Spaß antworten.
Christian: Weil man, wenn man etwas mit Freude macht, wahrscheinlich auch gut darin wird.
Felix: Richtig, das hat einen positiven Einfluss. Ich glaube allgemein, das ganze Leben sollte daraus bestehen, möglichst oft glücklich und zufrieden zu sein. Wenn man das mit dem Job maximieren kann, mit dem man viel Zeit verbringt, ist das schon sehr gut.
Vom Kinderzimmer zu den ersten 100.000 Abonnenten
Christian: Du bist vom Kinderzimmer gestartet und hast bei der Abizeugnis-Verleihung an dem Abend die 100.000 geknackt. Heute bist du bei 3,2 Millionen. Wie ging das los, was ging in dir vor?
Felix: Meine Eltern wussten erst frisch zum Abi, dass ich überhaupt das YouTube-Ding mache. Davor hatte ich das schon knapp zwei Jahre gemacht, aber nichts groß erzählt. Für meine Mutter und meine Geschwister sah es nur so aus, als ob ich zocke, was ich vorher auch schon getan habe. So hat es sich auch für mich angefühlt, ich habe gezockt, aber noch etwas mehr daraus gemacht, indem ich es aufgenommen und hochgeladen habe. Auf das Abi habe ich schon viele Jahre hingefiebert, ich hatte früh keine Lust mehr auf die Schule, wollte sie aber fertig machen, um zu studieren. Ich habe dann Medienwirtschaft studiert. Die 100.000 Abonnenten sind über die Zeit gewachsen, das war ein interessanter Meilenstein, genau an dem Abend. Die große Hoffnung war, dass ich mit YouTube mein Studium finanzieren kann, Miete und Essen, statt kellnern zu müssen.
Christian: Also das, was man als Student so macht, nur eben mit YouTube. Früher hat man Zeitungen ausgetragen.
Felix: Genau, das habe ich in Vertretung auch gemacht, wenn mein Kumpel keinen Bock hatte.
Christian: Du musstest also auch etwas dazu beitragen?
Felix: Ja, ich habe fünf Geschwister und bin der zweitälteste. Es war klar, dass ich im Studium nicht durchgefüttert werde. Ich war privilegiert und wusste, ich lande nicht auf der Straße, meine Eltern würden helfen. Aber wenn du studieren gehst, musst du dein Leben finanzieren und irgendeinen Job haben. Meine Geschwister hatten teilweise Stipendien, die waren in der Schule besser als ich. Mir war das alles nichts, ich dachte, ich suche mir einen normalen Studenten-Nebenjob. Und dann kam YouTube von der Seite reingeschlittert, weil es sehr exponentiell war. Das erste Mal Geld verdient habe ich erst nach anderthalb Jahren, das waren 80 Euro. Dann ging es Schlag auf Schlag auf 200 Euro.
Christian: Das war kurz vor dem Abitur?
Felix: Das war ungefähr, als wir auf Abifahrt waren, mit der halben Stufe nach Mallorca, eine Woche. Ganz klassisch Ballermann, All-Inclusive-Ein-Stern-Hotel. Am Ende dachte ich, das war lustig, aber das muss ich nie wieder machen, was sich mittlerweile anders entwickelt hat. Und auf dieser Reise kam zu Hause ein Brief an, meine Mutter hat ihn geöffnet und gesehen, dass ich 80 Euro im Internet verdient habe.
Christian: War das eine Werbegeschichte?
Felix: Das war tatsächlich von YouTube, von AdSense. Das ist eine der wenigen Möglichkeiten, Geld zu verdienen, ohne gleich eine Werbepartnerschaft zu haben, und das war damals ganz neu. YouTube-Partner zu sein, war etwas Besonderes. So habe ich erst 80 Euro, dann ein paar hundert, im selben Jahr über 1.000 Euro verdient, genau als ich anfing zu studieren. So war YouTube mein Studiums-Nebenjob.
Unternehmerisches Denken seit der Kindheit
Christian: Aber es war noch nicht dein Unternehmertum, oder?
Felix: Ich würde sagen, da hat es irgendwann angefangen. Ich glaube, das steckt tief in mir drin. Schon als kleines Kind, ich hatte viele Geschwister, hat der Geschäftssinn innerhalb der Familie angefangen, bis meine Mutter es verboten hat.
Christian: Hast du mit den Geschwistern gedealt?
Felix: Ich habe einen großen Eisbottich vom Supermarkt geholt für ein, zwei Euro, dazu Waffeln, und habe dann zu Hause aus der Tiefkühltruhe Kugeleis an meine Geschwister verkauft, für 20 Cent die Kugel. Viel günstiger als im Eisladen. Ich bin in Vorleistung gegangen und habe alles mit dem Fahrrad nach Hause transportiert. Bis es meine Mutter entdeckt und verboten hat, weil man keine Geschäfte mit seinen Geschwistern macht. Daran halte ich mich bis heute. Ich habe auch ein Mickey-Maus-Magazin gekauft und es nach dem Lesen mit dem Spielzeug an meinen Bruder weiterverkauft, günstiger. Ich hatte also das Erstleserecht und die Servicedienstleistung des Kaufens übernommen.
Christian: Und nachhaltig war es auch.
Felix: Genau, doppelte Verwendung. Meine Mutter hat sich gewundert, wie ich mir jede Woche das Magazin leisten kann, und es dann herausgefunden. Wurde auch verboten. Später habe ich Minecraft gespielt, auf einem City-Build-Real-Life-Server, wo Hunderte Spieler eine Stadt aufbauten. Die schönsten Grundstücke kosteten Diamanten, es gab reiche und arme Spieler. Als ich kam, war ich ein ganz armer Spieler, und da war der Ehrgeiz geweckt. Nach einem Server-Reset war die Chance, von Anfang an einer der Ersten zu sein. Ich habe sehr viel gespielt und mich zu einem der reichsten Spieler hochgespielt, nicht nur durch Diamantensammeln, sondern indem ich einen Shop gemietet und Diamanten an frische Spieler weiterverkauft habe.
Felix: Dann habe ich ein großes Grundstück gekauft, ein eigenes Kaufhaus gemacht und die Shops darin an andere Spieler vermietet, die wiederum weiterverkauft haben. Provision, Provision, Provision, ging an mich. So wurde ich zum reichsten Spieler auf dem Server. Und irgendwann habe ich eine Charity-Aktion gemacht und einen Shop verlost, damit auch ärmere Spieler einen im teuren Dner-Kaufhaus bekommen. Für die nachvollziehbare Verlosung habe ich ein Video auf ungelistet hochgeladen, dafür brauchte ich einen YouTube-Kanal. So ist der Dner-Kanal entstanden, das war das erste inoffizielle Video.
Christian: Aus einer Marketing-Idee heraus. Und da kamst du immer allein auf die Ideen?
Felix: Ja, das war Werbung für meinen Shop, nicht für den Kanal. Der Serverbetreiber war dann sogar so, der ist zu erfolgreich, und hat ein offizielles Server-Kaufhaus gemacht, das besser am Spawn lag. Dagegen musste ich mich mit interessanten Aktionen wehren, so kam die Verlosung. Ich glaube, ich war der einzige, der einen Shop verlost hat. Dieses Unternehmerische hat mir einfach Spaß gemacht, und es war nicht mal für echtes Geld, nur für ingame.
Christian: Du hast unternehmerisch gedacht, sogar für null Cent.
Felix: Wie andere vielleicht in der Schule Planspiele machen oder Computerspiele spielen. Das Besondere war, dass ich es mit echten Menschen gemacht habe, mit echten menschlichen Reaktionen, und das ist ja das, womit man auch in der echten Welt als Unternehmer zu tun hat.
Christian: Da kannte dich auf dem Server wahrscheinlich jeder.
Felix: Die meisten kannten mich. Aber das waren getrennte Welten, über den Server kamen vielleicht die ersten 20, 30 Abonnenten, mehr nicht. Ich habe dann angefangen, Minecraft-Videos zu machen. Es kamen immer neue Versionen mit neuen Blöcken und Funktionen, meist nachts. Ich habe sie runtergeladen, geschaut, was es Neues gibt, und ein kurzes Update-Video gemacht, vom Titel her optimiert, damit die Leute es direkt finden.
Christian: Du hast dir das alles selbst angeeignet, vom Bauen über das Geschäftsmodell bis zur Vermarktung und dazu noch die Experten-Rolle.
Felix: Genau, das Video-Erstellen war Teil des Unternehmerischen. Ich musste praktisch journalistisch recherchieren, was die Neuerungen sind, es gut zusammenfassen, es gab ja noch kein ChatGPT. Texte und Skripte schreiben, aufnehmen, und das alles während der Schulzeit nachts hochladen. Sehr viel Dedication, weil ich Bock darauf hatte. Am nächsten Tag hatte ich vielleicht 50 neue Abonnenten, und das waren 50 Leute, die das angeguckt und abonniert haben.
Christian: Die sind ja super sticky, da ist schon eine Beziehung da, weil es eine nischige Sache ist.
Felix: Richtig, das ist ein sehr bewusstes Abonnieren, dass man mehr sehen möchte.
Mediakraft, das YouTube-Haus und der erste Kameramann
Christian: Wann kam das Unternehmerische so weit, dass du dachtest, ich brauche Unterstützung, und wann kam das YouTube-Haus?
Felix: Dass jemand anderes dazukam und mir geholfen hat, hat eigentlich sechs Jahre gedauert. Ich habe echt lange alles allein gemacht. Für ein Spezialvideo namens DnerStyle, einen Best-of-Zusammenschnitt meiner Gaming-Szenen, kam ganz viel Text eingeflogen, jede Schrift musste einzeln animiert werden, ein Riesenaufwand. Das habe ich zum ersten Mal mit einem anderen YouTuber gemacht, Tomatolix, den man heute sehr gut kennt. Damals war er noch nicht bekannt. An einem Wochenende saßen wir Computer an Computer und haben die Schrift animiert. Das war vielleicht 2014, drei, vier Jahre nachdem ich angefangen habe.
Christian: Was du mit Netzwerken beschrieben hast, da hatten andere die Idee, dass man mehr machen könnte?
Felix: Genau, das waren eher Geschäftsleute von außen, viel älter als wir, wir waren ja Schüler. Sie haben mit Mediakraft eines der ersten und größten Netzwerke gegründet, wie eine Art Musiklabel für YouTuber, Krachten, Spartacus Olsen und ein Dritter. Sie dachten, sie machen das Fernsehen der Zukunft und stellen Unterstützung wie ein Studio. Aber sie waren zu früh und teilweise mit den falschen monären Motiven dabei, zu weit weg vom Authentischen, das die Szene gut gemacht hat. Bei manchen Kanälen hat es funktioniert, mit größeren Produktionen. Aber ich habe aus dem Kinderzimmer und später aus der Studentenbude gemacht und brauchte keine Unterstützung. Ich wollte keinen Kameramann, und meine Zuschauer wollten auch nicht, dass das professionalisiert wird. Nur weil man mehr Arbeit oder mehr Geld in ein Video steckt, heißt das nicht, dass es besser wird. Mit denen war ich in Kontakt, aber für meine Karriere geholfen hat das nichts.
Christian: Die waren alle in Köln. Wann kam dann das YouTube-Haus?
Felix: Das YouTube-Haus hatte null mit Mediakraft zu tun. Das war Simon Unge, ein anderer YouTuber, mit dem ich viele Minecraft-Videos gemacht habe. Er wollte nach Köln ziehen, ich war schon da und wollte eine neue Wohnung. Wir wurden überall abgelehnt, weil wir selbstständige 19-, 20-jährige YouTuber waren, und YouTuber kannte man damals nicht. Dann gab es einen Vermieter, der ein frisch saniertes Mehrfamilienhaus mit 15 Parteien komplett leer hatte und es schnell füllen wollte. Er sagte, wenn ihr einziehen wollt, macht das, und wenn ihr Freunde habt, können die auch eine Wohnung haben. Das war einfach ein netter Vermieter, den wir gar nicht kannten. So entstand das YouTube-Haus durch einen Zufall.
Christian: Ihr wart erst zu zweit, weniger aus dem Netzwerk-Gedanken.
Felix: Genau, lass uns zusammen. Dann kamen ein paar Monate später zwei Freunde in die dritte und vierte Wohnung. Wir haben es einfach YouTube-Haus genannt, obwohl der Großteil der Bewohner nichts mit YouTube zu tun hatte.
Christian: Das ist Storytelling at its best.
Felix: Auch Simon Unge hatte viele Ideen dafür. Für die Zuschauer war das einfach ein Begriff, den man im Kopf behält. Für viele war es ein Kindheitstraum, weil unsere Zuschauer über zehn Jahre größtenteils Schüler waren, die aus ihrem Kinderzimmer heraus geträumt haben, wie das Erwachsenenleben wird. Zwei Freunde in Köln, die zusammen leben, zocken und mit dem Longboard durch die Stadt fahren. Wir haben da viel Traumleben vorgelebt.
Christian: Du wurdest so ein Vorbild. Das suchen wir auch mit Tell Your Story: zeigen, dass es geht.
Vom Solo-YouTuber zum Team
Christian: War im YouTube-Haus das Unternehmerische schon stark?
Felix: Es war schon dadurch da, dass ich ein paar tausend Euro im Monat durch YouTube verdient habe und aus der kleinen Studentenbude in eine 100-Quadratmeter-Wohnung in der Kölner Innenstadt ziehen konnte, für damals 1.400 Euro Miete, 2014. Das Unternehmerische wurde nicht durch das Haus mehr, sondern war die ganze Zeit da. Seitdem ich erwachsen bin, habe ich alle Entscheidungen unternehmerisch gedacht, neben dem künstlerischen Aspekt der Videoerstellung. Mein Hauptding war, Videos zu machen, weil ich gesehen habe, wenn ich coole Videos mache, wächst der Kanal. Die Kurven gingen nur nach oben, bei niemandem ging es runter. In so einer Zeit muss man sich nicht so viele unternehmerische Gedanken um den Break-Even machen, wir waren von Anfang an profitabel, weil wir fast null Kosten hatten.
Christian: Da hattest du noch kein Team. Das ist untypisch, meistens holt man sich jemanden, der besser schneiden oder vermarkten kann.
Felix: Das kam später, als ich mir ein Team aufgebaut habe. Ich wollte von Gaming mehr in Richtung Vlogs gehen, mein Leben, Reisen und Events filmen. Der Anspruch war, die besten Vlogs auf YouTube zu machen. Irgendwann konnte ich allein nicht mehr machen, wollte aber mehr. Also habe ich mir einen Kameramann geholt, dann muss ich nicht nur mich selbst filmen, habe mehr Perspektiven, und er kann auch schneiden. Das war ein großes Novum, weil bis auf große Kanäle wie Y-Titty die meisten Solo-YouTuber waren, die alles selbst gemacht haben. Es war fast so, okay, der macht das nicht selbst.
Christian: Da kam so ein Seelenstolz mit rein, auch von den Zuschauern.
Felix: Genau. Ich wusste aber, für noch bessere Videos geht es nur so, und ich hatte Bock darauf. Also musste ich überlegen, wie ich das kommuniziere, das ist auch wieder Unternehmerisches, PR. Es kommt nicht irgendeine fremde Person dazu, sondern ein neues Teammitglied. Ab jetzt sind wir Team Spielkind, den Begriff habe ich schon als Merch verkauft, weil ich das innere Kind immer hochgehalten habe. Philipp Dorsett, Grüße gehen raus, war mein erster Kameramann und Mitglied von Team Spielkind. Zusammen haben wir die Vlogs auf ein neues Level gehoben. Auch der Motorsport hat da angefangen, das war einer der Gründe, warum ich wirklich jemanden brauchte, denn selbst fahren und filmen geht schwer.
Christian: Wie viele wart ihr zum Peak?
Felix: Zum Peak waren wir zehn Mitarbeiter, wirklich Fulltime-Angestellte, keine Praktikanten. Das ist ein richtiges Unternehmen.
Das Geschäft hinter den Videos
Felix: Wir haben Management gemacht, für meinen Kanal und für andere Kanäle, also Werbekooperationen mit Firmen und Events. Das ist normales Agenturgeschäft. Zusätzlich haben wir den Merch selbst produzieren lassen, den Mittelsmann rausgenommen, ein eigenes Lager gehabt, Kundensupport, Marketing und Fotoshootings selbst gemacht, alles in-house. Dazu mein direktes Kameramann- und Cutter-Team. So saßen wir alle zusammen im Büro.
Christian: Du hattest also mehrere Geschäfte parallel. Produktion nur für dich oder auch für andere?
Felix: Für mich, bei wenigen Werbekooperationen auch für andere Creator, die solo gearbeitet haben. Das Agenturgeschäft kam daher, dass wir mit Unternehmen wie Mediakraft schlechte Erfahrungen gemacht haben. Die gibt es aus gutem Grund nicht mehr in der Form, sie haben gemerkt, dass sie wenig Mehrwert bringen. Es gab Skandale, wo Creatorn Geld weggenommen wurde, das ihnen zugestanden hätte. Da gab es die große Bewegung: Die Werbekunden wollen ja zu uns, wozu brauchen wir die Mittelsmänner? Also habe ich selbst eine Agentur gegründet. Die anderen YouTuber kennen und vertrauen mir, sie wissen, dass sie bei mir nicht verarscht werden und ordentliche Deals mit transparenten Verträgen bekommen.
Christian: Bei der Musik lief das mit Labels schon so, und so dachten auch die Unternehmen, sie werden die Gatekeeper.
Felix: Aber Gott sei Dank hat sich das anders entwickelt. Die Reichweite habe ich, und ich brauche keine Plattenfirma, die mich verkauft oder in eine Radioshow bringt.
Christian: Welches war der spannendste Revenue-Stream?
Felix: Vom Umsatz war es die Werbekooperation, dazu das Agenturgeschäft und Merch. Aber den größten Gewinn definitiv immer die YouTube-Videos, weil die Kosten viel geringer sind. Ein T-Shirt musst du designen, produzieren, transportieren, es gibt Fehler und Retouren. Riesige Kosten, es war ein gutes Geschäft, aber vom Gewinn her war das Einfachste immer noch das YouTube-Video. Das hat es mir leicht gemacht zu sagen: Das, was mir am meisten Spaß macht, ist gleichzeitig das Effektivste. Warum konzentriere ich mich nicht einfach darauf?
Creator Economy und die fehlenden Vorbilder
Christian: Die Entscheidung zurück zum Solo-Unternehmer war also aus Leidenschaft, aber auch ein Stück Unternehmertum, statt nur noch People-Manager zu sein.
Felix: Ich kam aus der Welt, in der man bei YouTube keinen Cent verdient hat, es war nur ein Hobby. Dann wurde es ein Business, ich wollte es als Studiennebenjob machen, dann wurde es so groß, dass ich mein Studium pausiert und bis heute nicht fertig gemacht habe. Es war sehr erfolgreich, aber es war immer so, es ist ja nur YouTube, kein ernstzunehmendes Business. Bei Stefan Raab und Stern TV wurde ich von den Moderatoren gefragt, ob man damit Geld verdienen kann.
Christian: Das finde ich traurig, denn die Creator Economy ist gar nicht so jung, das läuft schon 15 Jahre. Ihr seid die Vorbilder der Generation.
Felix: Wir waren ja die erste Generation, die damit Geld verdient hat, man hatte keine Vorbilder und konnte nicht sehen, dass es jemand 10 oder 20 Jahre macht. Deswegen dachte ich, ich muss noch etwas anderes machen. Also: Ich gründe eine Firma, eine GmbH mit Startkapital, Arbeitsverträge, mit Anwälten zusammensetzen, all diese erwachsenen Sachen, erst aus dem Wohnzimmer, bevor man ein Büro hatte. Das hat mir auch richtig Spaß gemacht, okay, ich baue jetzt ein echtes Geschäft auf. Es hat funktioniert, weil über meine Reichweite und mein Standing andere Creator dazukamen, das war fast ein No-Brainer.
Zurück zum Solo-Unternehmer
Felix: Aber dadurch ging ich weg von „Ich mache einfach meine YouTube-Videos und habe Spaß“ hin zu „Ich bin Geschäftsführer, ich muss mich um Mitarbeiter kümmern“. Ich hatte Verantwortung, und gerade bei meinen Videoleuten ging es nur, wenn ich dabei war. Da steckte ich einen großen Teil meiner Zeit und vor allem meiner Sorgen rein. Man denkt nachts beim Einschlafen und morgens beim Aufwachen zuerst an Probleme der Firma, die null mit meinem eigenen Video und meiner eigentlichen Leidenschaft zu tun haben. Das habe ich einige Jahre gemacht und dachte, das gehört dazu. Dann kam Corona, wo ich wieder gezwungenermaßen allein gedreht habe, weil wir mit den Kameraleuten nicht zusammenkommen konnten. Da habe ich gemerkt, das ist richtig geil, wieder allein Videos zu machen.
Felix: So kam der Anreiz, dass ich das alles mit der Firma gar nicht machen muss, sondern viel simpler und allein. Unter Betrachtung der Zahlen ist es gar nicht schlimm aufzuhören, weil ich allein null Kosten habe und das Profitabelste die YouTube-Videos sind. Und wenn ich glücklicher und gut drauf bin, funktioniert mein Business besser und ich verdiene mehr Geld. Das ist eine sehr vorteilhafte Position. Ich kann mich die ganze Zeit mit coolen Sachen beschenken. Wenn eine neue Kamera rauskommt, könnte man betriebswirtschaftlich sagen, brauche ich nicht, aber ich habe Bock darauf, habe dadurch vielleicht eine Kooperation mehr und Spaß daran. Alles, was für mich schön ist, hilft mir wirtschaftlich. Das ist ein absoluter Traumjob, also warum soll ich mir das Drumherum anhängen? Ich habe es ausprobiert, es war cool, aber noch cooler ist YouTube, und darauf konzentriere ich mich.
Abschluss: Spielkind
Christian: Eine wunderschöne Reise, die du erzählt hast, und du stehst ja noch am Anfang. Eine letzte Frage, die bei dir besonders passend ist: Wenn man einen Film über Felix von der Laden drehen würde, was wäre der Titel?
Felix: Spielkind. Weil ich so durchs Leben gehe.
Christian: Super. Felix, ganz lieben Dank, dass du heute hier warst und diese Geschichte Revue passieren lassen hast. Man hat das Gefühl, man kennt dich jetzt ein bisschen besser. Ganz vielen Dank dafür.
Felix: Gerne. Danke für die Einladung.