Bunte Blumenwiese

„Frau, Ü 50, erfolgreiche Gründerin!“

Gründen können nur junge Leute? Von wegen! Sylvia Knittel, Andrea Bierbaum und Christine Bahlo starteten mit ihrem eigenen Unternehmen durch – in einem Alter, in dem viele andere nur noch an den Ruhestand denken. Ihre Botschaft: Natürlich können Frauen über 50 gründen – und zwar innovativ und erfolgreich. Es wird Zeit, dass das sichtbarer wird!

 Drei Frauen sitzen im Freien auf einer Bank

Sylvia Knittel ist hoch zufrieden. Zahlen können glücklich machen: „Wir hatten bis jetzt 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an unseren Onlinekursen und -vorträgen“, rechnet die 58-jährige Unternehmerin vor. Innerhalb von zwei Jahren. Was bei ein bis zwei Vorträgen pro Woche eine stolze Zahl ergibt, die vor allem eines unterstreicht: „Unsere Geschäftsidee funktioniert.“
Die Gründungsidee ist schnell beschrieben: „Wir sind drei Frauen über 50 und haben eine Wissensplattform entwickelt, die virtuelle Fortbildungen im Gartenbereich anbietet“, erklärt Sylvia. campus botanicus heißt das Portal: Gartenwissen für alle.

Ich wurde Gründerin im Alter von 58 Jahren und habe meinen sicheren Führungsjob hinter mir gelassen. Ich fragte mich: Will ich meinen Job bis zur Rente machen? Ich hatte einfach das Gefühl, ich brauche noch etwas anderes in meinem Leben – und bereue den Schritt keine Sekunde!

Im Frühsommer 2020 ging das Portal online. Schnell wurde klar: Das Geschäftsmodell trägt. „Mit unserem Angebot haben wir einen Nerv getroffen.“ 14 Euro kostet die Teilnahme an einer Onlineveranstaltung. Die meisten Kurse haben zwischen 100 und 200 Teilnehmer:innen. Das Angebot richtet sich sowohl an leidenschaftliche Hobbygärtner:innen als auch an Profis aus den grünen Berufen.

Von der Idee zur Umsetzung dauerte es weniger als 30 Tage, erzählt Sylvia: „Sobald wir die Idee hatten, starteten wir.“ Kein Zögern. Website gebaut. Namen gefunden. Losgelegt. Anfang Mai hatten die drei die Idee, Ende Mai den ersten Vortrag. Die erste Veranstaltung, die Geld kostete, fand fünf Monate später statt.

Wir haben halt einfach angefangen. Ich habe in zwei Stunden die erste Website programmiert und dann haben wir Freunde aus unserer Facebook-Gartengruppe gefragt, ob sie Lust haben, bei uns Vorträge zu halten. Und andere, ob sie Interesse daran haben, da zuzuhören.

Am Anfang waren alle Vorträge umsonst. Aber die Idee war in der Welt und konnte sich entfalten. Den drei Gründerinnen war sofort klar: „Da haben wir eine Marktlücke gefunden.“ Fundiertes Gartenwissen online zu vermitteln, das gab es in der Form noch nicht. „Wir wussten, dass wir da auf einem Schatz sitzen. Aber ohne Netzwerke und Kontakte wäre das nie im Leben so angelaufen.“

In der Anfangsphase arbeitete Sylvia parallel weiter in ihrem bisherigen Beruf, seit Anfang 2022 führt sie das Unternehmen Vollzeit: „Es ist etwas ganz anderes als das, was ich in den 30 Jahren zuvor gemacht habe – aber: Na und?“  

Das Alter, sagt Sylvia, sei dabei gar nicht der entscheidende Punkt: „Ein Mensch ist entweder fähig, etwas zu tun oder nicht. Wenn du so ein Typ bist, wirst du dein Bestes geben, auch wenn du 60 bist. Und wenn nicht, hilft es auch nichts, 25 Jahre alt zu sein.“

„Insbesondere Frauen über 50 können eine wichtige Rolle im Bereich der Gründungen spielen. Sie verfügen oft über langjährige Berufserfahrung, haben oftmals Familie und Beruf erfolgreich vereinbart. Das gibt die Sicherheit und das Selbstvertrauen fürs Gründen und um als Unternehmerinnen erfolgreich zu sein. Dennoch wird ihre Kompetenz und ihr Potenzial oft unterschätzt und nicht ausreichend gewürdigt.“

Sylvia und ihre Mitstreiterinnen haben es geschafft. Sie sind damit auch Vorbilder: „Mir ist wichtig, dass das Thema ‚Gründen im Alter‘ stärker in den Fokus rückt und die Erfolge älterer Gründerinnen und Gründer sichtbarer werden.“ Als junge Frau Mitte 20, sagt Sylvia, hätte ich mich das nicht getraut. „Unsere Stärke war es ganz eindeutig, dass wir einfach sagen konnten: Wir machen das jetzt mal, das kriegen wir schon hin!“

8 Tipps von Sylvia

Das sind Sylvias Tipps für Gründer:innen über 50

  • Vertraue auf deine Erfahrung Das Alter ist ein Vorteil: Die Berufs- und Lebenserfahrung hilft, viele Fehler zu vermeiden. Man betrachtet die Dinge nüchterner und hat einfach viele erprobte Strategien, wie man bestimmte Dinge erledigt. Kurzum: Weniger Risiko, mehr Erfahrung. Deshalb sind Gründungen im Alter oft erfolgreicher.
  • Deine Idee sollte vor allem dich selbst begeistern Wichtig ist, eine Geschäftsidee zu haben, die dich selbst begeistert. Wir sind alle total gartenbegeistert. Eine Idee muss zünden. Sie muss inspirieren und zu einem passen. Wenn es kein Thema ist, an dem dein Herz hängt, hältst du das auf Dauer nicht durch.
  • Nicht verunsichern lassen und die Chancen sehen Es gibt so viele Denkverbote – auferlegt von anderen, aber auch von sich selbst. Was ist mit der Rente? Willst du deine Sicherheit wirklich aufgeben? Du bist zu alt? Ja, es ist sinnvoll, nicht blauäugig loszulegen. Aber für mich ist der Schritt in die Selbstständigkeit eine absolute Befreiung gewesen aus allen alten Denkmustern und Sicherheitsdenken. Irgendwie wird es immer gehen. Dieser positive Gedanke hat mir so viel Freiheit und Motivation gegeben!
  • Sieh dein Alter nicht als prinzipielle Hürde Das Alter ist nicht der entscheidende Faktor. Es gibt noch viel mehr, was die Gründung eines Unternehmens erleichtern oder aber auch behindern kann. Viele Ältere sind in einer besseren finanziellen Lage als jüngere Gründer:innen. Durch unsere Berufstätigkeit haben wir uns die Absicherung fürs Alter erarbeitet. Das nimmt großen Druck. Hast Du ein finanzielles Polster oder ist die Rente jetzt schon sicher, kannst Du eigentlich nichts verlieren, sondern nur gewinnen.
  • Nutze deine Kontakte, es sind oft mehr, als du denkst Hast du Verwandte, die Dir den Rücken stärken oder bist du selbst in der Pflicht, Menschen zu unterstützen? Das macht einen riesigen Unterschied! Kennst Du schon Leute, die du als Expert:innen hinzuziehen kannst? Wir hatten ein riesiges Netzwerk, auf das wir aufbauen konnten. Und ganz wichtig: Eine gute Steuerberater:in!
  • Vernetze Dich! Es gibt relativ viele Frauennetzwerke, die ganz vielfältige Schwerpunkte haben. Ich war und bin Mitglied in verschiedenen Frauennetzwerken. Der Austausch ist sehr befruchtend und du bekommst neue, wichtige Impulse. Auch Mentoring-Programme geben Unterstützung und Inspiration bei der Gründung deines eigenen Unternehmens.
  • Die richtigen Partner haben Mein Glück ist, zwei Mitgründerinnen zu haben, auf die ich mich verlassen kann. Schaue Dir ganz genau an, mit wem du Geschäfte machen willst – und höre auf Dein Bauchgefühl. Kläre früh die Bedingungen der Zusammenarbeit.
  • Wandle dich – mit Hilfe anderer! Plötzlich Unternehmerin? Nach 30 Jahren als Angestellte fiel es mir schwer, mich umzustellen – zumal ich keinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund habe. Nur meine Erfahrung als Führungskraft. Geförderte Beratungsangebote etwa der IHK sind eine gute und erschwingliche Möglichkeit, um sich schlau zu machen. Zum Beispiel über Themen wie soziale Absicherung, dein Gehalt oder den Businessplan.
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© Foto Credits:
Sylvia Knittel

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