
Unterwäschekalender, Laberpodcast, Sport-Content: Patrick Schnitzler lebt Klimaschutz auf Social Media vor - subtil, organisch und einer fetten Portion Humor.

Patrick Schnitzler spielt das Content-Game gleich auf mehreren Leveln: Creator, Gründer, Podcaster. Doch während andere Reichweite optimieren, stellt er eine unbequeme Frage: Was kostet Social Media eigentlich fürs Klima?
Reality Check: Klimakrise
Klimaschutz war lange nicht seine Passion. „Genau wie vermutlich eine Mehrheit unserer Gesellschaft habe ich gehofft, dass sich schon irgendein Experten-Gremium darum kümmern wird.“ Bis zum 12. Juli 2021. Ein verpasster Facetime-Anruf seines Vaters verändert alles. Schnitzler sitzt in einem Meeting in Berlin, sein Vater steht am Ortseingang von Erftstadt. Der Fluss wird zur reißenden Masse, Menschen werden evakuiert. „Das war dieser eine Moment, in dem man checkt: Was die Klimakrise mit unseren Leben anrichten kann, ist nicht vorstellbar, bis man es sieht und erlebt.“ Was zuvor abstrakt war, ist plötzlich real. „Das, was ich nur aus dem Fernsehen kannte, war auf einmal meine Heimat.“
Zwischen Zerstörung und Ohnmacht beginnt Schnitzler umzudenken. „Dieses Erlebnis hat mich verändert.“ Er zieht Konsequenzen. „Ich kann nicht acht Stunden am Tag arbeiten, nicht Teil der Lösung sein und dann andere dafür kritisieren.“ Die Frage „Wer will ich gewesen sein?“ wird zum Wendepunkt. Gemeinsam mit seinem Freund Jean-Paul Laue gründet er klima&so. Die Vision: Emissionen von Social-Media-Aktivitäten berechnen, reduzieren, kompensieren und sichtbar machen. Etwa, dass ein virales 20-Sekunden-Videos so viel CO₂ verursacht, wie 45 Flüge zwischen Frankfurt und New York.


Keine Moralkeule, bitte
Doch Zahlen allein reichen nicht. „Niemand hat Bock, ständig belehrt zu werden“, sagt Schnitzler. Dafür braucht es ein Gesicht, das Menschen überzeugt und den Zugang zu neuen, auch komplexeren Themen ermöglicht.“ Also geht Schnitzler selbst vor die Kamera. Dabei setzt er auf Humor und clevere Frames: OnlyPants, der absurde Unterwäschekalender, oder der Podcast Beate Grüße funktionieren, weil sie unterhalten - nicht moralisieren. Auf Social Media spricht er primär über Sport, Psychologie und Entscheidungsfindung.
„Wer mir wegen der Mentalitäts-Hacks von Max Verstappen oder Insights aus der Elite-Performance folgt, erfährt nebenbei von meinem ClimateTech-Startup.“ Der Ansatz ist subtil, aber wirksam: Klimaschutz wird nicht erklärt, sondern vorgelebt, eingebettet in Themen, die die Community ohnehin interessieren. „Wir müssen weg von reiner Faktenkommunikation - hin zu Geschichten.“ So entsteht Aufmerksamkeit, und Wirkung - ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
Teil des Problems. Teil der Lösung.
Dennoch kennt Schnitzler den Widerspruch: Als jemand, der Emissionen von Content berechnet, ist er selbst Creator. „Wer etwas verändern will, muss Widersprüchlichkeit aushalten.“ Verantwortung sieht er bei Plattformen, Marken und Agenturen - nicht bei einzelnen Creator:innen. Sein Ansatz bleibt pragmatisch: Teil des Systems sein, um es zu verändern. Oder, wie er es selbst sagt: „Ich erkläre dir Klimaschutz nicht - ich lebe ihn, und du siehst dabei zu.“
Mehr zu Patrick Schnitzler findest du auf seinem Instagram-Kanal: Instagram - Patrick Schnitzler
Fotocredits: Lina Retzlaff, Luise Blumstengel, Fabian Möckl
Text: Hanna Zäh