saint sass Verpackungen

Bein-Bekenntnisse: Strumpfhosen, die Statements setzen

Vom Paketstapeln im Berliner Büro zum globalen Fashion-Statement: Mit Kartons bis unter die Decke starteten Vivien Wysocki und Larissa Schmid ihr Strumpfhosen-Label saint sass - heute tragen Stars wie Madonna ihre Designs. Aus kleinen Anfängen wird eine internationale Love Brand.

Porträtfoto von Vivien Wysocki und Larissa Schmid

Vivien, du hast in der Pandemie gegründet. War diese Zeit der Auslöser, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen?

Vivien: Der Lockdown hat mir ehrlich gesagt den Boden unter den Füßen weggezogen. Mein bisheriges Leben brach von heute auf morgen zusammen und das meiner Familie auch. Uns traf es hart: Meine Mutter musste ihr lokales Geschäft schließen, mein Stiefvater konnte als Berufsmusiker nicht mehr auftreten, mein Verlobter konnte keine Vorträge mehr halten und ich konnte keine Werbe-Aufträge wahrnehmen, für die ich vorher durch ganz Europa reiste. Ich hatte plötzlich keinen klaren Plan mehr und die Lockdown-Maßnahmen fühlten sich für uns alle existenzbedrohend an.
In dieser Leere kam dieser Gedanke: Wenn ich jetzt nichts anfange, wird auch nichts passieren. Dann werde ich zu denen gehören, die ihr Leben lang “ach hätte ich mal…” sagen werden. Und so wollte ich nicht leben. Denn ich wollte schon gründen, seit ich 15 Jahre alt bin. Ich hatte also zehn Jahre Zeit, darüber nachzudenken und ich wollte keine 20 Jahre daraus machen.
Ich habe dann meinen Job bei Bitkom gekündigt. Und ich weiß noch genau, wie mich jemand aus HR gefragt hat: „Und was machen Sie jetzt? Und ich habe gesagt: „Ich habe mehrere Ideen. Ich werde ein Unternehmen gründen.” Und sie war sichtbar irritiert, weil ich nichts „Sicheres“ hatte. Aber in mir drin war ich mir so sicher wie selten zuvor. Der Schritt in die Selbstständigkeit war dann weniger Mut als ein Gefühl von: Ich will zumindest ausprobieren, was möglich ist, bevor ich mir später vorwerfe, es nicht getan zu haben.

saint sass entstand aus der Beobachtung, dass es kaum Strumpfhosenmarken gibt, die Ästhetik und Funktion vereinen. Wie wurde daraus eine Marke?

Vivien: Ich glaube, gute Ideen entstehen selten aus Inspiration, sondern eher aus Irritation. Mich hat gestört, dass Strumpfhosen entweder hohe Qualität hatten oder “cool” waren - aber selten beides. Und es gab tatsächlich diesen einen Moment, den ich bis heute sehr präsent habe:
Ich habe ein Interview aus 1996 mit US Sängerin Cher gesehen, in dem sie sagt: “My mom said to me, 'You know, sweetheart, one day you should settle down and marry a rich man.' And I said, 'Mom, I am a rich man.'”
Ich dachte einfach nur: Das ist es. Diese Mischung aus Selbstbestimmung, Sexyness und mühelosen Humor ist genau die Vision, die ich von der Marke hatte.
Ab da haben sich die Punkte verbunden: Was wäre, wenn ein Produkt nicht nur gut aussieht oder funktioniert, sondern auch etwas sagt? Wenn es nicht nur getragen wird, sondern kommuniziert? Unsere Statements sind genau daraus entstanden.
Von Anfang an ging es mir dabei nicht nur um ein einzelnes Produkt, sondern um etwas Größeres: Eine Marke, die junge Frauen auf eine unkonventionelle Art anspricht, sie ermutigt, sie selbst zu sein und Spaß macht. Die spielerische Haltung zeigt, aber trotzdem tragbar bleibt. Und die gleichzeitig einen hohen Qualitätsanspruch hat. Genau diese Kombination fehlt oft. Heute bauen wir deshalb nicht einfach Produkte, sondern eine internationale Modemarke, die für Selbstbestimmung steht, aber mit Humor und Ästhetik.

Welche Rolle hat diese frühe Sichtbarkeit für euren späteren Erfolg gespielt?

Vivien: Für mich hat sich „früh sichtbar werden“ nie wie ein bewusster Mutakt angefühlt, sondern eher etwas, das sich ganz natürlich entwickelt hat. Ich hatte schon mit 14 einen Blog, mit 15 Instagram, als alle noch dachten, dass das eine Bildbearbeitungsapp war und mit 18 habe ich angefangen, über Politik zu schreiben - später auch Kolumnen für dutzende Tageszeitungen für das RND. Damals gab es auf Instagram noch kaum politische Inhalte. Weder Tagesschau noch andere große Medienhäuser - das kam alles erst Jahre später. Ich war eine der Ersten in Deutschland, die versucht haben, politische Themen dort verständlich aufzubereiten. Vielleicht sogar die Erste.
Für mich war das Internet damals vor allem eine Chance: Die Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen, zu denen ich sonst keinen Zugang gehabt hätte. Ich hatte einfach Freude daran, mir Dinge selbst zu erklären - und sie so aufzubereiten, dass andere sie auch verstehen. Und ziemlich schnell habe ich gemerkt, welche Wirkung das haben kann. Ich hatte früh Projekte mit politischen Institutionen, zum Beispiel ein Projekt, das vom Auswärtigen Amt gefördert wurde, gemeinsam mit dem Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Berlin. Ich habe sehr konkret gemerkt: Es lohnt sich, sichtbar zu sein. Nicht nur im Sinne von Reichweite, sondern im Sinne von Möglichkeiten zum Gestalten und einen hoffentlich positiven Einfluss auf die Welt haben können.
Parallel dazu war ich als Model tätig. Und auch da habe ich Instagram immer anders verstanden: es war meine Website. Das, was Kunden sich oft neben der Sedcard für die finale Entscheidung auch anschauten. Das hat ehrlicherweise auch zu Konflikten geführt, weil meine politischen Inhalte nicht unbedingt zu dem klassischen Modelbild gepasst haben. Aber ich habe das nie getrennt. Weil ich immer intrinsisch motiviert war. Ich habe Dinge nicht gemacht, weil sie „gut funktionieren“, sondern weil ich dahinterstehe. Ich wollte auch nie Influencerin werden oder das Ganze bewusst kommerzialisieren. Rückblickend würde ich sagen:
Ich hätte das strategischer aufziehen und eine “Social Media Karriere” aufbauen können, aber irgendwas in mir wollte das nicht. Gleichzeitig ist genau das wahrscheinlich der Grund, warum sich alles so gefügt hat. Menschen haben nicht nur das Ergebnis gesehen, sondern über Jahre hinweg den Prozess. Und daraus entsteht etwas, das man nicht kaufen kann: Vertrauen. Strategisch betrachtet ist das heute natürlich ein enormer Vorteil. Aber entstanden ist es nicht aus einem “Plan”, sondern aus kleinen verschiedenen Entscheidungen der letzten 15 Jahre.

Nach dem Launch habt ihr als Geschäftspartnerinnen zueinander gefunden. Wann wusstet ihr: Das passt wirklich?

Vivien: Ich hatte am Anfang einen Mitgründer, der aber nach kurzer Zeit ausgestiegen ist. Man merkt, wie abhängig so eine Vision von der richtigen Konstellation ist. Deshalb war mir beim nächsten Schritt wichtig, dass es sich nicht nur rational richtig anfühlt, sondern auch menschlich. Als ich Larissa kennengelernt habe, hat es sofort geklickt. Wir bringen unterschiedliche Stärken mit, aber haben eine sehr ähnliche Vorstellung davon, wie wir arbeiten wollen und wo wir hinmöchten.
Larissa: Es war direkt ein Match! Wir haben uns am Anfang tatsächlich ein bisschen „gedatet“ - allerdings als potenzielle Gründerinnen und ohne Romantik. (lacht)
Über drei Monate hinweg haben wir uns bewusst Zeit genommen, uns kennenzulernen. Ich habe damals noch in München gelebt, Vivien in Berlin, und wir sind ständig hin und her gependelt, haben viel Zeit miteinander verbracht, auch möglichst oft beieinander übernachtet, um uns in sehr kurzer Zeit möglichst gut kennenzulernen. Weil uns beiden klar war: Zusammen zu gründen ist eine der engsten Formen von Partnerschaft. Man trifft gemeinsam Entscheidungen, trägt Verantwortung und geht auch durch die schwierigen Momente zusammen. Es hat sich von Anfang an sehr vertraut angefühlt. Wir konnten offen sprechen, ehrlich sein, viel lachen, aber auch direkt werden, wenn es nötig war. Und gleichzeitig hatten wir beide das gleiche Gefühl dafür, wo es hingehen soll.

Larissa, was hat dich überzeugt, Teil von saint sass zu werden? Und wie hast du deine Handschrift eingebracht?

Larissa: Da war von Anfang an dieses Bauchgefühl, dass das genau mein Weg ist. Klingt rückblickend ein bisschen kitschig, aber ich hab’s wirklich sofort gespürt. Ich war einerseits direkt Fan vom Produkt. Andererseits haben Vivien und ich sofort extrem gut gematched. Ab Tag 1 hat es sich wie mein eigenes Baby angefühlt. Wir hatten ganz natürlich eine klare Aufteilung, ich habe Growth und Finance übernommen, Vivien Brand und Produkt. In meinen Bereichen war damals wenig definiert. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, meine eigene Handschrift von Anfang an reinzubringen. Was es zusätzlich besonders gemacht hat: dieses extreme Vertrauen zwischen uns. Jeder hatte seinen Bereich, und wir haben uns da komplett den Rücken freigehalten.

Wie habt ihr früh erkannt, welche Stärken ihr jeweils mitbringt?

Vivien: Wir haben das tatsächlich ziemlich bewusst und strategisch aufgesetzt - auch wenn wir dabei wahrscheinlich noch ein bisschen blau hinter den Ohren waren. (lacht)
Larissa: Ja, wir dachten schon, wir hätten das System verstanden… hatten aber beide auch schon unsere kleinen „Lessons learned“ aus vorherigen Mitgründer-Erfahrungen. Von unseren Persönlichkeiten und Interessen her haben wir fast schon eine natürliche Aufteilung mitgebracht. Es gibt erstaunlich wenig Bereiche, in denen wir beide sagen würden: Das will ich unbedingt machen. (lacht)
Und das ist tatsächlich ein riesiger Vorteil. Weil wir dadurch nie gezwungen waren, künstlich Grenzen zu ziehen oder Dinge „aufteilen zu müssen“. Es war von vornherein klar, was für ein Profil sie sucht, aber es hat sich auch sehr natürlich angefühlt, dass wir das so aufteilen. Wenn sich das so klar fügt, wird vieles leichter.
Vivien: Bei Larissa habe ich ziemlich schnell gesehen, dass sie stark in Growth und Performance denkt - also nicht nur: „Funktioniert das?“, sondern: „Wie bauen wir daraus etwas Großes, das wachsen kann?“
Larissa: Und bei Vivien war sofort spürbar, wie stark ihr Gespür für Brand & Product Strategy ist - also dieses Verständnis dafür, was Menschen wirklich anspricht und was im Kopf hängen bleibt.

Vivien Wysocki und Larissa Schmid, Gründerinnen von saint sass
Vivien und Larissas Vision: Mit ihren Statement Strumpfhosen, Frauen zu empowern und Haltung zu zeigen.

Wie sah eure Anfangsphase konkret aus?

Vivien: Der Anfang war ziemlich chaotisch, und gleichzeitig auch sehr lustig. Wir haben alles selbst gemacht. Ich hatte eigentlich eine Werkstudentin für Social Media, am Ende haben wir fast nur gepackt. Wirklich jedes einzelne Paket. Der Tag sah nur so aus: Zur Post laufen, zurückkommen, weiterpacken. Vor Weihnachten war unser ganzes Büro einfach voll. Bis oben hin mit Paketen. Der Boden voller Versandetiketten, weil auf den Tischen kein Platz mehr war. Larissa kam extra aus München, um mit anzupacken. Es war komplett unordentlich, aber auch der Moment, in dem man gemerkt hat: Okay, das funktioniert gerade wirklich und gleichzeitig auch die Erkenntnis: wir werden in diesem Leben auch ganz sicher keine Logistiker mehr. (lacht)
Larissa: Ich bin für die Gründung nach Berlin gezogen und diese Zeit war schon sehr iconic. Unser Büro war in der Nähe der Auguststraße, mitten am Gipsdreieck. Ab 16 Uhr bei Sonnenschein standen Leute mit Aperol, innen saßen wir zu viert oder fünft in einem viel zu kleinen Raum. Es wurde jeden Tag ein bisschen chaotischer, weil es einfach keinen Stauraum gab. (lacht)
Wir hatten super fancy Fashion-Nachbarn, die nie Hallo gesagt haben und direkt neben uns eine Bundestagsabgeordnete, die irgendwann neugierig wurde, was wir da eigentlich machen.
Vivien: Unser Büro hatte auch ein Schaufenster. Dort stand eine weiße Kleiderpuppe mit unseren Strumpfhosen, die wir zuvor auf dem Gehweg gefunden haben und zum Sperrmüll sollte, weil der Lack abgeplatzt war - aber ich fand, dass sie Stil hatte. Und diese Puppe steht bis heute in unserem Büro und war schon Teil verschiedener Shootings und Kampagnen. Das Schaufenster lud schon verschiedenste Menschen ein, einfach so ins Büro zu spazieren und unsere verdutzten Gesicher zu sehen. Sie dachten, wie wären ein Shop. Und ab dann waren wir dann einfach immer: „die mit den Strumpfhosen“. Viel improvisiert, aber genau dadurch auch eine ziemlich besondere Zeit.

Gab es einen Moment, in dem ihr bewusst ein großes Risiko eingegangen seid, ohne zu wissen, ob es sich auszahlt?

Larissa: Ja, total. Für mich war der größte Risikomoment tatsächlich ganz am Anfang. Ich hatte nach meinem Master ein sicheres Jobangebot in der Beratung, gutes Gehalt, klarer Weg. Und gleichzeitig diesen starken Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen. Die Entscheidung, das alles aufzugeben für etwas, bei dem ich erstmal nichts verdiene und nicht weiß, ob es funktioniert, war ehrlich gesagt ziemlich scary.
Was mir in dem Moment extrem geholfen hat, war mein Umfeld. Meine Eltern und mein Freund haben mich sofort bestärkt und gesagt: Mach das. Dieses Gefühl, dass da Leute sind, die komplett hinter dir stehen, gibt dir eine ganz andere Sicherheit. Und dann habe ich mir eine ganz einfache Frage gestellt: Was ist eigentlich das Worst Case? Wenn es nicht klappt, kann ich jederzeit wieder in die Beratung zurück.
Dieser Gedanke hat mir geholfen, die Angst zu relativieren und den Schritt trotzdem zu gehen. Am Ende war es genau dieses Zusammenspiel aus Support System und Perspektivwechsel, das mir den Mut gegeben hat.
Vivien: Ein sehr bewusster Schritt war für mich, wirklich all-in zu gehen und zu sagen: Ich mache das jetzt. Ohne zu wissen, ob es funktioniert. Oder vielleicht eher: mit der realistischen Wahrscheinlichkeit, dass es auch schiefgehen könnte. Was mir dabei geholfen hat, war ein ziemlich nüchterner Gedanke: Selbst wenn das hier nicht aufgeht - ich werde daran wachsen. Ich habe das relativ früh als Investment gesehen. Nicht nur in eine Idee, sondern vor allem in meine eigenen Fähigkeiten.
Und gerade in jungen Jahren ist das eigentlich ein sehr guter Deal: Das Risiko ist überschaubar, aber der Lerneffekt ist riesig. Ich dachte mir: Wenn ich das jetzt durchziehe, mir Dinge selbst beibringe, Entscheidungen treffe, Fehler mache und wieder korrigiere, dann wird mir das mein ganzes Leben helfen. Im besten Fall wird es ein erfolgreiches Unternehmen. Im schlechtesten Fall werde ich sehr viel besser in allem, was ich danach mache. Und das hat mir ehrlich gesagt eine ziemlich entspannte Form von Mut gegeben. Also nicht dieses „Ich habe keine Angst“, sondern eher: Egal wie es ausgeht - es lohnt sich.

Der Moment, in dem Madonna euer Produkt getragen hat, hat saint sass schlagartig sichtbar gemacht. Wie war dieser Moment für euch?

Vivien: Ich wollte eigentlich ins Bett und habe das dann gesehen - und war erstmal kurz komplett raus. So ein Moment von: Okay… das passiert gerade wirklich? Und dann kommt schnell etwas Emotionales dazu, was schwer zu greifen ist: Weil man plötzlich merkt, dass all diese kleinen Entscheidungen, die sich oft unsicher angefühlt haben, irgendwohin geführt haben. Aber man schaltet schnell in den Unternehmerinnen-Modus und fragt sich: Was bedeutet das für uns? Was müssen wir jetzt sofort tun?
Larissa: Ich hatte einen richtigen Wow-Moment. Man sitzt da und realisiert langsam, was das eigentlich bedeutet. Mich hat das ehrlich gesagt total berührt. Weil man an alles denkt, was davor war: die vielen kleinen Schritte, Zweifel, dieses ständige „wir machen einfach weiter". Gleichzeitig war da der Gedanke: Wir wollen, dass das richtig groß wird.

saint sass steht nicht nur für Fashion, sondern auch für klare Botschaften. Wie bleibt ihr glaubwürdig?

Vivien: Für uns ist sain sass nicht „nur“ ein Produkt, sondern etwas, das etwas in Menschen auslöst. Wir sehen unsere Produkte bei saint sass nicht als reine Mode, sondern immer auch als ein Kommunikationsmedium.
Larissa: Die Herausforderung ist, die Marke nicht zu verlieren, wenn man wächst. Also nicht opportunistisch zu werden, sondern konsistent zu bleiben. Ich glaube, Haltung wirkt genau dann glaubwürdig, wenn sie auch bleibt, wenn sie nicht der einfachste Weg ist.

Welche scheinbar kleinen Entscheidungen oder Momente haben rückblickend den größten Unterschied gemacht? Und welche großen Träume treiben euch heute noch an?

Larissa: Ich glaube, es war gar nicht der eine große Moment, sondern etwas viel Unsichtbareres: der Glaube an mich selbst. Der Glaube daran, dass ich das schaffen kann, auch wenn es sich zwischendurch komplett unrealistisch anfühlt. Gerade weil ich vor saint sass zwei Startups hatte, die nicht funktioniert haben, gab es viele Momente, in denen Aufgeben der einfachere Weg gewesen wäre. Aber genau dieser innere Glaube macht am Ende den Unterschied, weil er dich durch die Phasen trägt, in denen von außen noch nichts sichtbar ist.
Heute treibt mich genau das immer noch an: etwas aufzubauen, das wirklich Bedeutung hat. Nicht nur eine Marke, sondern etwas mit Substanz. Etwas, das Frauen das Gefühl gibt, selbstbestimmt und selbstbewusst zu sein. Und gleichzeitig ist da dieser zweite Teil: das eigene Wachstum. Dieses permanente Lernen, sich weiterentwickeln, besser werden. Für mich ist genau dieser Mix das Schönste am Gründen, Impact nach außen und Wachstum nach innen.
Vivien: Rückblickend waren es gar nicht die „großen“ Entscheidungen, sondern die, die sich am Anfang fast zu klein angefühlt haben, um wichtig zu sein. Also früh sichtbar sein. Früh international denken. Früh Feedback zulassen. Und Dinge nicht zu lange theoretisch durchdenken, sondern praktisch testen. Das sind keine spektakulären Moves, aber sie bauen über Zeit einen massiven Vorteil auf. Ich glaube, viele unterschätzen, wie sehr sich kleine, konsistente Entscheidungen akkumulieren.
Und mein großer Traum heute geht darüber hinaus: etwas zu schaffen, das Frauen weltweit feiern. Eine Marke, die nicht nur getragen wird, sondern für etwas steht - und mit der Historie gleichzeitig zeigt: Wir können Unternehmen aufbauen, groß denken und hoffentlich Vorbilder sein.

Wenn ihr auf eure eigenen Anfänge zurückblickt: Welchen Rat würdet ihr Menschen geben, die gerade mit einer Idee spielen, aber noch zögern, wirklich loszugehen?

Vivien: Die meisten warten auf Klarheit, Sicherheit oder den richtigen Moment. Aber man muss sich klarmachen, dass das nachgelagerte Effekte sind. Denn Klarheit entsteht erst durch’s Machen. Und nicht durch 7 Jahre Nachdenken.
Mein wichtigster Rat ist deshalb: Behandle deine Idee nicht wie etwas, das schon perfekt sein muss, sondern wie etwas, das du testen und mit der Zeit optimieren kannst. Und akzeptiere, dass Unsicherheit kein Fehler ist, sondern ein Signal, dass du dich in einem Wachstumsfeld bewegst.
Larissa: EINFACH MACHEN!

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Fotocredits: Jeremy Möller, saint sass

Text: Lexware

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