
Angela Harde verbindet Menschen – zwischen Generationen und Kulturen. Mit Senior Aupair eröffnet sie Menschen mit Lebenserfahrung neue Wege und zeigt, dass große Träume keinen Zeitpunkt kennen.

„Ich wollte mehr sein als nur ein Gast“
Es sind Erinnerungen an ferne Orte, die den Anfang markieren. Ecuador, Indien, Guatemala – Reisen, die Angela nicht nur geprägt, sondern verändert haben. Schon früh taucht sie tief in andere Kulturen ein, lebt in Familien, erlebt ihren Alltag hautnah. „Ich habe tiefe Einblicke in Familien, ihre Strukturen, Rituale und Feste bekommen“, erzählt sie. Sie ist gleichzeitig Gesprächspartnerin, Vertraute, Babysitterin – und stellt dabei fest: Wirkliche Nähe entsteht erst, wenn man nicht mehr nur Gast ist.
Besonders in Guatemala wird ihr das bewusst. „Das Bedürfnis, nicht nur Gast zu sein, sondern ein echter Teil der Gemeinschaft zu werden, war geweckt.“ Gleichzeitig erlebt sie, wie stark Verbindung und Zugehörigkeit auch außerhalb der Familie entstehen kann – auf der Straße, in der Kneipe um die Ecke, auf dem Markt.
In dieser Zeit begegnet sie auch Ruth, die während ihres Aufenthalts ihren 70. Geburtstag feiert. „Eine Frau mit unendlicher Lust, die Welt zu entdecken, neue Erfahrungen zu machen, fremde Sprachen zu lernen“. Angela erinnert sich: „Damals wurde mir klar: Neugier auf die Welt ist nicht ans Alter gekoppelt, sondern an Mut und Abenteuerlust.“ Ein Moment, der nachwirkt.


Der Weg zur Gründung
Lange weiß Angela vor allem, was sie nicht will. Doch die Suche nach Sinn und Erfüllung führt sie zurück zu sich selbst: zu ihren Werten, ihren Erfahrungen, ihren Stärken. Verbunden mit dem starken Wunsch Menschen zusammenzubringen entsteht schließlich ein klares Bild. „Mit all meinen Zutaten hat sich die Idee zu Senior Aupair entwickelt, wie (m)ein perfektes Rezept.“ Ihre Vision: interkulturelle und generationenübergreifende Begegnungen ermöglichen. Menschen mit Lebenserfahrung können in einem familiären Umfeld neue Kulturen erleben – und gleichzeitig Familien Unterstützung durch eine erfahrene Person erhalten.
„Wenn durch mein Angebot Menschen den Mut finden, noch einmal Neues zu wagen, Familien Unterstützung im Alltag erfahren und gleichzeitig echte Verbindung zwischen Kulturen entsteht, dann habe ich mit meiner Arbeit genau das erreicht, was mir wichtig ist.“
Die größte Herausforderung dabei: Vertrauen. Denn es geht nicht um ein Produkt, sondern um echte Menschen, Beziehungen und mutige Entscheidungen. Deshalb setzt sie bewusst auf persönliche Gespräche, Empathie und echtes Interesse. Sie nimmt sich Zeit, hört zu, baut Verbindungen auf. Ein Weg, der zeitintensiv ist, aber entscheidend für gelingende Begegnungen. Schritt für Schritt wächst ihr Netzwerk – und mit ihm die Überzeugung, dass ihre Idee trägt.
„Es ist die Erfüllung eines Herzenswunsches“
Heute erlebt Angela, wie stark ihre Arbeit Menschen bewegt. Eine Frau Anfang 60 meldet sich bei ihr – zu Beginn zögerlich und unsicher, aber voller Sehnsucht. Zu groß scheint die Hürde, noch einmal aufzubrechen. Doch im Gespräch verändert sich etwas. Aus Zweifel wird Neugier, aus Unsicherheit Begeisterung. „Die Ideen, welche Länder sie entdecken und wo sie ihre Lebenserfahrung einbringen möchte, sprudelten nur so aus ihr heraus“, erinnert sich Angela. „Solche Erfahrungen geben mir viel und zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“
Für Angela ist Senior Aupair mehr als ein Konzept – es ist eine Möglichkeit, Zugehörigkeit zu schaffen: Räume, in denen Menschen Teil von etwas werden. Familien, die Unterstützung finden. Menschen, die sich noch einmal neu entdecken. Denn genau das ist ihr zentraler Wert. „Ich möchte, dass Menschen sich gesehen, geschätzt und gebraucht fühlen.“
Wenn sie heute zurückblickt, bleibt vor allem Dankbarkeit – auch für den eigenen Mut. „Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, meine Leidenschaft zu leben und Menschen zusammenzubringen.“ Für Angela ist klar: „Träume kennen keine Altersgrenze.“ Und manchmal beginnen sie genau dort, wo man sie längst aufgegeben glaubte.
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Fotocredits: Francesca Amann
Text: Lexware