Wiebke, wie hast du die Liebe fürs Fahrradfahren für dich entdeckt?
Angefangen hat es mit meinem Opa und unseren Radtouren zur Eisdiele in unserem Dorf. Er konnte sich, meine Zwillingsschwester und mich auf nur einem Fahrrad transportieren. Das hat mir gezeigt, was auf zwei Rädern möglich ist. So richtig gepackt hat es mich, als ich zum ersten Mal als Zuschauerin am Straßenrand ein Frauen-Radrennen gesehen habe. Die sahen so dynamisch aus, ich war richtig inspiriert. Ich habe auf ein gebrauchtes Rennrad gespart und die Freiheit auf zwei Rädern lieben gelernt.
Welches Ziel hattest du bei deiner ersten großen Radreise?
In mein erstes großes Bikepacking-Abenteuer bin ich zwischen Bachelor und Master gestartet, eine Radreise von Bogotá nach Buenos Aires. Damals habe ich für meine Oma mit Social Media angefangen, um sie auf dem Laufenden zu halten, und bin dann dabei geblieben.
Was hat dich dazu bewegt, alles auf eine Karte zu setzen und dich als Content Creatorin selbstständig zu machen?
Dass ich mich mit Fahrrad-Content selbstständig mache, kam ohne Businessplan oder große Vision. Für mich passen Bikepacking und Selbstständigkeit ideal zusammen, denn in beiden Fällen bist du unabhängig. In meinem Leben ist Unabhängigkeit der wichtigste Wert. Ich mache nichts, was Andere von mir erwarten, sondern das, was ich für richtig halte.
Mit deinem Bikepacking-Trip von Freiburg nach Südafrika kam für dich der Durchbruch auf Instagram. Nimm uns mit auf dieses Abenteuer: Wie verlief deine Route?
Auf meiner Reise ans Kap der guten Hoffnung war ich 14 Monate unterwegs und saß etwa 20.000 Kilometer im Sattel. Ich bin zuhause in Freiburg gestartet, fuhr durch Südwesteuropa und bin über Gibraltar nach Marokko. Von dort aus fuhr ich die gesamte Atlantikküste entlang – durch Senegal, Nigeria, Kamerun, Angola und Namibia –, bis ich in Südafrika ankam. Einen richtigen Plan hatte ich nie, dafür aber viel Neugier, Mut und die Lust auf Selbstbestimmung.
Was war für dich die wichtigste persönliche Erkenntnis auf deiner Reise durch Afrika?
Die Reise hat mir gezeigt, dass Mut vom Machen kommt. Mutig wird man nicht, wenn man zuhause sitzt und Pläne schmiedet. Mut und Selbstvertrauen wachsen dann, wenn man rausgeht, loslegt und während der Reise Probleme löst.


Im Dezember 2024 hattest du das Kap der guten Hoffnung erreicht. Du hast dein Abenteuer beendet und bist wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Vermisst du die Zeit im Sattel?
Es ist wie mit Ying und Yang: Die Sehnsucht nach dem Fremden und die Sehnsucht nach Zuhause müssen in Balance sein. Ich liebe die Freiheit des Bikepackings, treibe aber auch gerne neue Projekte an meinem Schreibtisch voran. Ich schreibe gerade ein Buch und es entsteht ein Film über meine Afrika-Tour. Beides Großprojekte, die mir mega Spaß machen und neue Routinen erfordern.



